Börse zittert der US-Wahl entgegen: „Brexit-Geruch liegt über dieser US-Wahl“
Die Unsicherheit über den Ausgang der US-Wahl versetzt Investoren in Sorge.
Foto: dpaEs kann knapp werden, sehr knapp. Zumindest seit Bekanntwerden der neuerlichen Ermittlungen des FBI gegen Hillary Clinton in der sogenannten E-Mail-Affäre wachsen die Zweifel an der Zuversicht für ihre Mehrheit – auch bei Großinvestoren. Daher wappnen sie sich auch für kurzfristige Ausschläge an den Finanzmärkten nach den US-Wahlen am 8. November, auch wenn viele noch daran glauben, dass die nächste Präsidentin der USA Hillary Clinton heißt.
Die Unsicherheit lässt sich an den Börsenkursen ablesen. Der wichtige US-Index S&P 500 hat jetzt sieben Tage in Folge an Wert verloren, der Fluchtinstinkt ins Gold beginnt sich wieder zu zeigen. Die Marke von 1.300 Dollar pro Feinunze hat das Edelmetall am Mittwoch zumindest zeitweise zurückerobert. Der von Credit Suisse als „ultimativer Indikator“ für die Marktstimmung zur US-Wahl gekürte mexikanische Peso hat mehr als drei Prozent zum US-Dollar verloren, seit die E-Mail-Affäre von Hillary Clinton wieder hoch gekocht ist.
„Wir erwarten ein enges Rennen“, sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege Deutschland beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Auf einen bestimmten Ausgang der Wahl mag er sich aber nicht festlegen. Deutlicher beschreibt Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Sparkassenfondstochter Deka, die Stimmungslage unter Großinvestoren: „Es wird wieder knapper: Während es in den vergangenen Wochen so aussah, als gäbe es in der Deutlichkeit des Vorsprungs von Clinton einen wesentlichen Unterschied zum Referendum in Großbritannien, so hat sich dies in der letzten Woche der Wahlkampfs wieder gedreht. Brexit-Geruch liegt über dieser US-Wahl.“
Auch Stefan Kreuzkamp, Chef-Anlagestratege und Deutschland-Chef der Deutsche-Bank-Fondstochter Deutsche Asset Management, betont, die enorme Unsicherheit angesichts jüngster letzten Entwicklungen - inklusive der neuerlichen FBI Ermittlungen zu den Clinton-E-Mails: „Ein knappes Rennen mit offenem Ausgang ebenso wenig ausgeschlossen werden wie ein Erdrutschsieg Clintons“, meint er.
Hillary Clinton
Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten steht im Mittelpunkt der so genannten E-Mail-Affäre. Clinton hatte als Außenministerin Teile ihres dienstlichen Mail-Verkehrs über ihren privaten Account abgewickelt. Ihre Kritiker meinen: Damit sei sie ein Risiko für die Nationale Sicherheit eingegangen. Die Bundespolizei FBI untersuchte ein Jahr lang den Fall und beschloss im Juli, es gebe keinen Grund für eine Anklage.
Foto: dpaHillary Clinton
Das Thema hat Clinton durch den Wahlkampf hindurch verfolgt. Sie räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben, spielte ihr Verhalten ansonsten aber herunter. Rivale Donald Trump und die Republikaner dagegen zogen mit dem Schimpfnamen „Crooked Hillary“ („Betrügerische Hillary“) in die Schlacht. Trump drohte ihr im zweiten TV-Duell mit seinem Sonderermittler und mit Gefängnis, sollte er Präsident werden.
Eigentlich schien die E-Mail-Affäre im Schlussspurt des Wahlkampfes für Clinton fast ausgestanden zu sein – bis der FBI-Chef auf den Plan trat.
Foto: APJames Comey
Der FBI-Chef, ein Republikaner, sorgte wenige Tage vor der Wahl dafür, dass die Affäre wieder aufflammte: Comey schrieb an ranghohe Kongressmitglieder, es seien neue Mails aufgetaucht, die in einem Zusammenhang mit den früheren Ermittlungen stehen könnten. Sofort kannten die US-Medien kein anderes Thema mehr, Trump nahm die Nachrichten dankbar auf, Clinton büßte in Umfragen teils deutlich ein.
Die Demokraten werfen Comey nun vor, er habe aus politischem Kalkül so kurz vor dem Wahltermin in den Wahlkampf eingegriffen. Dabei sei es doch üblich, dass sich hohe Beamte in der kritischen Phase mit möglicherweise wahlentscheidenden Schritten zurückhalten sollen. Selbst mancher Republikaner wundert sich über Comeys Motive.
Der FBI-Chef selbst sagt, er habe sich – nach eingehenden Gesprächen mit seinen Beratern – in der Pflicht gefühlt, die Parlamentarier über die neu entdeckten E-Mails informieren zu müssen. Aufgetaucht waren die Mails…
Foto: APAnthony Weiner und Huma Abedin
… auf einem gemeinsam genutzten Computer von Huma Abedin und ihrem Noch-Ehemann Anthony Weiner. Abedin gehört zu den engsten Mitarbeiterinnen Clintons, der Ex-Kongressabgeordnete Weiner war einst die Nachwuchshoffnung der Demokraten. Mehrere Schmuddelaffären allerdings brachten Weiner zu Fall, das FBI ermittelt gegen ihn, Abedin will die Scheidung.
Bis jetzt ist noch völlig unklar, um wie viele neu entdeckte E-Mails es sich handelt und was drinsteht. Die Demokraten beeilen sich derweil, das Thema so kurz vor der Wahl wieder einzufangen, und versuchen aus der Clinton-Affäre eine Trump-Affäre zu machen.
Foto: APDonald Trump
Der Nutznießer des vermeintlichen Skandals konnte am Freitag sein Glück kaum fassen, dass FBI-Chef Comey die E-Mail-Affäre zum dominierenden Wahlkampfthema machte. Seitdem hat der zuvor zurückliegende Trump in den Umfragen aufgeholt – und bringt das Thema bei jedem Auftritt zur Sprache. „Der schlimmste Skandal seit Watergate“, tönte er.
Dem FBI-Chef werfen die Demokraten nun Parteilichkeit vor. Wenn er schon E-Mails öffentlich mache, solle er auch alles auf den Tisch legen, was das FBI über Trump wisse – nämlich Details über angebliche dubiose Verbindungen Trumps zur russischen Regierung. Comey besitze „explosive Informationen“ über eine Trump-Putin-Connection, behauptete der Top-Demokrat im Senat, Harry Reid.
Eine Rolle spielt dabei Trumps ehemaliger Berater…
Foto: APPaul Manafort
Für Schlagzeilen sorgte der Fall Paul Manafort . Im Sommer wurden Verbindungen von Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager zu russischen Oligarchen enthüllt, die teils dem Kreml nahestehen sollen. Im August, nachdem Trump im Zuge des Demokraten-Parteitags in Umfragen deutlich verloren hatte, trat Manafort zurück.
Nun berichtete der US-Sender NBC, dass Manafort ins Visier des FBI geraten sei und die Bundespolizei dessen ausländische Geschäftskontakte prüfe. Manafort wies den Bericht als „Propaganda der Demokraten“ zurück.
Foto: REUTERSWladimir Putin
Der russische Präsident hat Trump einmal gelobt, hält sich ansonsten mit öffentlichen Äußerungen über den US-Wahlkampf zurück. Umgekehrt vergeht kaum ein Auftritt, bei dem Trump nicht Putins Führungsqualitäten preist und für eine Annährung mit Russland wirbt. Für die Demokraten ist das ein Indiz dafür, dass Trump Unterstützung aus dem Kreml bekommt.
Laut „New York Times“ wurde bislang aber keine direkte „Putin-Trump-Connection“ nachgewiesen und der Republikaner bestreitet solche Anschuldigungen. Ebenso wenig habe er mit den mysteriösen Hackerangriffen auf Servern der Demokratischen Partei zu tun. Wiederholt wurden dort E-Mails abgefischt und über die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht. Deren Gründer…
Foto: REUTERSJulian Assange
… sitzt noch immer im Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Von dort hat er in den vergangenen Monaten immer wieder große Enthüllungen angekündigt. Woher Wikileaks die abgefangenen E-Maisl bekommen hat, ist unklar. Die US-Regierung beschuldigte offiziell Russland, Cyber-Angriffe auf die Demokratische Partei ausgeführt zu haben.
Einige der Wikileaks-Enthüllungen waren für Clinton und die Demokraten tatsächlich peinlich und folgenschwer, am Ende standen prominente Rücktritte.
Foto: APDonna Brazile
Die Interims-Chefin der Demokraten wurde vom Sender CNN als TV-Expertin entlassen – weil sie laut Wikileaks-Mails unerlaubte Wahlkampfhilfe gegeben haben soll. Brazil hatte demnach Clinton bei von CNN veranstalteten TV-Duellen gegen ihrem einstigen Partei-Rivalen Bernie Sanders vorab mit geplanten Publikumsfragen versorgt, damit sich die Kandidatin darauf vorbereiten konnte.
Auf das Konto von Wikileaks ging auch der Rücktritt von Braziles Vorgängerin…
Foto: APDebbie Wasserman Schultz
Sie musste als Parteichefin der Demokraten gehen, nachdem geleakte E-Mails enthüllt hatten, dass die Parteiführung Strategien entwickelt hatte, Sanders aus dem Rennen gegen Clinton zu werfen.
Foto: REUTERSEtwas anderes stimmt Großanleger noch misstrauisch: „Wir haben vom Brexit-Votum in Großbritannien gelernt, dass Wähler in Stimmungsumfragen oft nicht ehrlich sind, wenn sie vermuten, dass ihre Ansicht unpopulär ist“, erklärt Kristina Hooper, US-Kapitalmarktstrategin der Allianz-Fondstochter Allianz GI. Die meisten Investoren rechnen zwar nach wie vor mit einem Sieg Clintons, „aber das Überraschungspotenzial ist unzweifelhaft vorhanden“, betont Deka-Mann Kater.
Zudem dürfte nicht nur der neue Präsident der größten Volkswirtschaft der Welt die Börsen bewegen. Mindestens so entscheidend für das internationale Anlageklima werden die neuen Machtverhältnisse im Kongress, der Legislative der USA, sein: „Das Ergebnis der Kongresswahlen wird erhebliche Auswirkungen auf die kommende Legislaturperiode haben“, betont Lück vom Blackrock.
Bei einem Sieg Clintons mit einer weiter republikanische Mehrheit zumindest im Repräsentantenhaus wären die Anleger vermutlich erleichtert, meinen die Investoren. Und weil genau dieses Szenario allgemein erwartet wird, sollte sich dann die kurzfristige Marktreaktionen in Grenzen halten, wie Kreuzkamp von DAM meint. Währungen, wie der mexikanische Peso, für die ein Sieg Trumps besondere Risiken birgt, dürften sich dann etwa erholen. Einzelne Branchen wie etwa dem Gesundheitswesen, könnten aber durchaus einige turbulente Tage bevorstehen. Denn Clinton hat angekündigt, dort genauer hinzuschauen.
Trumps Lücken und Lügen
Belgien ist eine wunderschöne Stadt und ein herrlicher Ort - großartige Gebäude. Ich war mal dort, vor vielen, vielen Jahren.“ Trump fiel im Wahlkampf oft mit unfreiwilliger Komik auf. Einmal verwechselte er in einem Interview Kurden (Kurds) und Al-Kuds-Brigaden (Kuds). Die Grenze zwischen Wissenslücke, Ignoranz und Propaganda ist aber fließend. An mancher Stelle muss man wohl von gezielt gestreuten Lügen ausgehen. So behauptete Trump schon 2011, Präsident Barack Obama sei nicht in den USA geboren. Das Weiße Haus sah sich schließlich gezwungen, Obamas Geburtsurkunde zu veröffentlichen.
Foto: dpaClintons Gesundheitszustand
Wegen einer verschleppten Lungenentzündung erlitt Clinton bei einer Gedenkfeier für die Terroropfer vom 11. September 2001 in New York einen Schwächeanfall. Die Bilder, wie Bodyguards sie in einen Bus geleiteten, gingen um die Welt. Sie säten Zweifel, ob die 68-Jährige dem Amt körperlich gewachsen ist. Clinton musste daraufhin widerwillig Auskunft über ihre Gesundheit geben.
Foto: APTrumps bedenkliche Äußerungen
Trump versetzte die Welt immer wieder in Erstaunen, zu welch drastischen Äußerungen ein möglicher nächster US-Präsident fähig ist. Einmal sagte er, er würde Waterboarding - also Folter durch vorgetäuschtes Ertränken - wieder als Verhörmethode einführen. Nach einer Terrorattacke forderte er ein komplettes Einreiseverbot für Muslime. Mexikaner bezeichnete Trump als Vergewaltiger. Er will sein Land gegen die südlichen Nachbarn mit einer Mauer abschirmen. Dem Sender CNBC zufolge soll Trump im Gespräch mit einem außenpolitischen Berater drei Mal gefragt haben, warum die USA Atomwaffen nicht nutzten. Auch abfällige Äußerungen über den Kriegsveteranen John McCain und die muslimische Familie eines gestorbenen US-Soldaten stießen vielen negativ auf.
Foto: APClintons Stiftung im Zwielicht
Der Clinton Stiftung werden Interessenkonflikte, die Vermischung politischer und privater Interessen sowie fehlerhafte Steuererklärungen vorgeworfen. Auf der Spenderliste fallen autoritäre Golfstaaten auf. Saudi-Arabien hat, wie es auf der Webseite der Stiftung heißt, zwischen 10 und 25 Millionen Dollar überwiesen, Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate zwischen 1 und 5 Millionen. Viele Amerikaner finden das bedenklich.
Foto: APClintons Rolle in Libyen
Republikaner versuchen seit Jahren, die Demokratin persönlich für eine Terrorattacke im libyschen Bengasi im Jahr 2012 verantwortlich zu machen. Dabei waren vier Amerikaner gestorben, darunter der Botschafter Chris Stevens. Allerdings ergab keine der vielen Untersuchungen und Kongressanhörungen dafür einen Anhaltspunkt. Nach Medienberichten werfen Hinterbliebene Clinton vor, ihre Nutzung eines privaten Servers für teilweise vertrauliche Dienst-E-Mails habe die Terrorattacke von Bengasi direkt verursacht.
Foto: REUTERSClintons E-Mail-Affäre
Gegen den Vorschriften hatte Clinton als US-Außenministerin ihre Dienst-Korrespondenz über einen privaten Server abgewickelt. Ende 2014 übergab sie rund 30.000 E-Mails an das State Department und die Bundespolizei FBI. Diese wurden Stück für Stück komplett veröffentlicht. Allerdings entschied sich Clinton auch, 31.000 weitere E-Mails zu löschen - ihrer Ansicht nach waren sie privat. Bis heute gibt es Zweifel, ob Clinton Informationen verschwinden ließ, die ihre politische Kompetenz infrage stellen könnten. Kurz vor der Wahl kochte das Thema neu hoch.
Foto: REUTERSTrumps Versuche Steuern zu vermeiden
Bei der ersten TV-Debatte mit seiner Kontrahentin prahlte Trump noch damit, dass er keine Steuern zahle. Inzwischen formuliert Trump es so, dass er US-Steuergesetze „auf brillante Art“ ausgenutzt habe - „zu meinem eigenen Nutzen und zum Nutzen meiner Firma, meiner Investoren und meiner Angestellten“. Die Zeitung „New York Times“ veröffentlichte Anfang Oktober eine alte Steuererklärung Trumps. Demnach machte er im Jahr 1995 Verluste von knapp 916 Millionen US-Dollar (etwa 815 Millionen Euro) geltend. Das könnte es ihm, so schrieb die Zeitung, 18 Jahre lang erspart haben, Einkommensteuer an die Bundessteuerbehörde abzuführen.
Foto: dpaClintons sehr gut bezahlte Reden
Hillary Clinton und das große Geld - eine unendliche Geschichte. Sie und ihr Mann Bill, selbst Ex-Präsident, haben nach dem Jahr 2001 Millionen Dollar für Auftritte als Redner erhalten. Vor allem Hillary Clinton werden hoch dotierte Auftritte bei der Investmentbank Goldman Sachs vorgeworfen. Die Veröffentlichung der Redetexte verweigert sie strikt. Ist so jemand eine Präsidentin auch für die kleinen Leute? Clintons Nähe zum Establishment ist für viele eine ihrer größten Schwächen.
Foto: APTrumps Gesundheitszustand
Der 70-jährige Trump hatte um seine Gesundheit zunächst ein ähnliches Geheimnis gemacht wie Clinton. Schließlich geriet er unter Zugzwang. Wenig überraschend attestierte sein Leibarzt ihm in einem Brief eine „glänzende körperlicher Verfassung“. Trump rauche nicht und trinke keinen Alkohol, habe einen leicht erhöhten Blutfettwert und sei mit 107 Kilo bei 1,90 Meter Größe zwar ein bisschen dick. Insgesamt sei er aber völlig gesund. Er nehme ein paar Mittel gegen erhöhte Cholesterinwerte und vorsichtshalber eine niedrige Dosis Aspirin. Der Brief verschweigt mögliche Probleme in der Vergangenheit und ist nur ein Ausschnitt aus der Gesundheitsakte.
Foto: REUTERSTrumps Frauenfeindichkeit
Trumps Haltung zu Frauen gilt als befremdlich. Zahlreiche Affären werden ihm nachgesagt, einige soll er dazuerfunden haben. Der Immobilienmagnat, der zum dritten Mal verheiratet ist, sieht sich immer neuen Vorwürfen sexueller Belästigung ausgesetzt. In einem Fall soll er einer heute 74-Jährigen im Flugzeug an die Brust und unter den Rock gefasst haben. In einem kürzlich aufgetauchten Video aus dem Jahr 2005 erzählt Donald Trump (hier im Bild mit Ivanka und Melania Trump), dass er als Star jeder Frau in den Schritt fassen könne, ohne aufgehalten zu werden.
Foto: AP„Längerfristig wird viel davon abhängigen, ob Clinton mit den Republikanern im Kongress besser in der Gesetzgebung zusammenarbeitet als es Obama in den vergangenen sechs Jahren gelungen ist“, sagt Kreuzkamp. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Im schwierigen Bereich Gesundheitsdienste macht es nach Ansicht der Fondmanager des US-Fondsriesen Capital Group Sinn, auf Anbieter zu achten, die die Qualität verbessern oder die Kosten senken: Das gilt etwa für private Krankenversicherungen oder Liefernetzwerke. Und bei den ebenso streng von den Regulierern observierten US-Banken dürfte die Lage für kleinere und mittelgroße Häuser nicht schwieriger werden, meint Matt Wilson, Bankenanalyst bei Capital Group.
Hillary Clintons Doppelgängerin
Nach ihrem Schwächeanfall während einer Veranstaltung zum 11. September trat Clinton nur zwei Stunden später wieder in die Öffentlichkeit. Für Verschwörungstheoretiker war das ganz klar eine Doppelgängerin. Sogenannte Beweise wurden in sozialen Medien gesammelt. Ob Nase oder Finger – es seien klare Unterschiede zu sehen. Weitere Spekulationen: Die Doppelgängerin soll Schauspielerin Teresa Lilly Barnwell sein, eine Clinton-Imitatorin.
Foto: APVon Hirntumor bis Zungenkrebs – Clintons Krankheiten im Überblick
Epilepsie, Parkinson oder Hirntumor – um Clintons Gesundheit ranken sich die wildesten Spekulationen. Bereits 2015 verkündete die Zeitung „National Enquirer“ das baldige Ableben der Demokratin. In einem Video der Seite „Infowars“ analysieren Experten Clintons Lachen als eine Persönlichkeitsstörung. Der Blog „The Conservative Tree House“ stelle einen Fleck auf Clintons Zunge fest. Diagnose: Zungenkrebs.
Foto: dpaDer Knopf in Clintons Ohr
„Ein Knopf im Ohr?“, mit dieser Frage löste Schauspieler James Woods eine heftige Diskussion aus. Der Grund: ein Foto, das Clinton bei einem Auftritt im Sender NBC mit einem kleinen Gegenstand im Ohr zeigt. Woods postete auch eine Wikileaks-E-Mail von 2009, in der Clinton-Vertraute Huma Abedin fragt: „Hast du Deinen Knopf im Ohr mitgenommen, oder soll ich ihn holen?“. Die Seite „True Pundit“ mutmaßt, dass Clinton schon früher Ansagen über den Knopf bekam.
Foto: APMysteriöser Begleiter
Er weicht ihr nicht von der Seite: Clintons Begleiter. Einige sehen in ihm keinen Bodyguard, sondern eine Gefahr. Der Autor Mike Cernovich: „Jeder Sicherheitsagent trägt einen Anzug. Hillarys Begleiter ist leger angezogen. Etwas Großes bahnt sich da an.“ Auf einem Foto soll der Begleiter eine Diazepamspritze halten, einen Arzneistoff gegen Panikattacken. Es wurde geraunt, der Mann sei ein Psychiater, der Clinton auch hypnotisiere. Das beweise angeblich ein Video, in dem der Begleiter ihr etwas ins Ohr flüstert.
Donald Trump – der Antichrist
Der Antichrist – eine Figur aus der Bibel, die Gegenmacht zu Jesus Christus. Laut Bibel soll sich der Mond vor der Ankunft des Antichristen in Blut verwandeln. Die Verbindung zu Trump: An seinem Geburtstag, dem 14. Juni 1946, gab es eine totale Mondfinsternis, auch als „Blutmond“ bekannt. Auch die Zahl des Antichristen (666) tauche in Trumps Leben auf. Eines seiner Gebäude hat er in der 666 Fifth Avenue in New York gekauft. Selbst lebt er im 66. Stock des Trump Towers. Für viele ist das sehr mysteriös.
Foto: dpaHillary Rodham Clinton Jimmy
„Es ist alles nur gespielt!“, schreibt der US-amerikanische Journalist Justin Raimondo auf seinem Blog. Donald Trump schauspielere, um seiner Freundin Hillary Clinton zur Präsidentschaft zu verhelfen. Die Gründe: seine gute Beziehung zu den Clintons, seine Unterstützung vergangener demokratische Kampagnen und seine kontroversen Aussagen, mit denen er die Republikaner zu spalten versuche. Rassismus, Hetzparolen und Populismus – Trump könne nur eine Karikatur des Konservatismus sein – erfunden von den Demokraten. Im Bild spielt Jimmy Fallon Donald Trump.
Foto: APDie Illuminati und Trump
Die Illuminati, eine Geheimgesellschaft, die im Jahr 1785 verboten wurde, besteht nach Meinung einiger Verschwörer weiter fort. Trump soll nun angeblich gezielt von dem Orden eingesetzt worden sein, um als nächster Präsident ihren Befehlen zu gehorchen. Befolgt er sie nicht, könnte er von den Illuminati umgebracht werden. Dies sei ja schon bei Präsident John F. Kennedy der Fall gewesen. „Beweisvideos“ sollen zeigen, dass Trump zu den Illuminati gehöre. Zu erkennen sei dies etwa an seinen Händen, die er zu einer Pyramide formt – eines der wichtigsten Symbole des Ordens.
Foto: REUTERSClinton und Trump sind Reptiloide
So absurd sie klingt, hat die Theorie der Reptiloide doch viele Anhänger. Erfinder David Icke beschreibt Reptiloide als intelligente Wesen, die von reptilienartigen Außerirdischen abstammen. Ihr Ziel: Kontrolle der Weltpolitik. Trump und Clinton sind die neuesten Verdächtigen. Videos sollen beweisen, dass Trump eine Maske trage. Clinton habe indessen Schuppen auf der Stirn. Dass die Videos stark bearbeitet sind, scheint die Anhänger der Theorie nicht im Geringsten zu stören.
Foto: dpaGrundsätzlich dürften die Finanzmärkte umso heftiger reagieren, je überraschender ein Ergebnis, meinten die Investoren. „Schärfere Auswirkungen auf die Kapitalmärkte drohen nur dann, wenn Trump die Wahl gewinnt“, sagt Björn Jesch, Chef des Portfoliomanagements beim genossenschaftlichen Fondshaus Union Investment. Das könnte Aktien weltweit unter Druck bringen, meint auch DAM-Stratege Kreuzkamp. Etwa der breite US-Aktienindex S&P 500 könnte dann einige Prozentpunkte einbrechen. Kursverluste von bis zu fünf Prozent kann sich Kater von der Deka dann vorstellen. Kurzfristig könnten wir eine ähnliche Reaktion sehen wie nach dem Brexit-Votum der Briten Ende Juni, meint Hooper von Allianz GI sogar. Am Morgen nach dem Votum brach der deutsche Leitindex Dax rund zehn Prozent ein, der weltweite Aktienindex MSCI World gut sieben Prozent.
Die US-Staatsanleihen dürften dann zunächst als sicherer Hafen gefragt sein, deren Renditen sinken. Aus Sorge vor einer protektionistischen Handelspolitik Trumps dürfte der US-Dollar gegenüber anderen Industrieländer-Währungen schwächeln. Schwellenländer-Börsen würden ebenfalls leiden. Ebenfalls eine negative Überraschung aus Sicht der Märkte wäre ein Sieg Clintons und eine Mehrheit der Demokraten im Kongress, meint der Stratege. Dann dürften einzelne US-Branchen leiden, die Clinton ins Visier nehmen könnte: Gesundheit, Finanzen und Energie nennt Kreuzkamp.
Kurzfristig am heftigsten würden die Börsen reagieren, wenn weder Clinton noch Trump eine klare Mehrheit erreichte oder die Legitimität eines Wahlsiegers in Frage gestellt würde, meinen die Investoren. Dies etwa, wenn der unabhängige Kandidat Evan McMullin in Utah gewinnt und sich dort sechs Wahlmänner sichert, wie Kreuzkamp meint. Und Hooper von AllianzGI erinnert an die Präsidentenwahl im Jahr 2000, als hinsichtlich des Wahlergebnisses in Florida Fragen aufkamen.
Doch die Investoren rechnen eher mit einem kurzen Beben. Bereits nach dem Bexit-Votum seien große Verwerfungen ausgeblieben, sagt Lück. Auch nach der US-Wahl dürften sich die Märkte nach eventuellen kurzen Ausschlägen wieder beruhigen, meint er.
Mittelfristig sollte die Tendenz der USA zu höheren Staatsausgaben den Wettbewerb um Kapital intensivieren und den US-Dollar stärken, weil die USA dann mehr Kapital anlockt. Falls in den USA allerdings der Protektionismus gestärkt würde, könnte dies dem Wachstum und der Stärke der Wirtschaft schaden, mahnt Chris Molumphy, Anleihe-Chef-Stratege beim US-Fondshaus Franklin Templeton.
Zur Vorbereitung auf eventuelle Beben an den Börsen macht es nach Ansicht von AllianzGI-Frau Hooper Sinn, sich etwas vorsichtiger aufzustellen. Gold und andere alternative Anlagen könnten Anleger beimischen. Zu Gold und Strategien mit geringen Kursschwankungen rät auch Lück von Blackrock. Jesch von Union setzt dagegen weiter auf einen Sieg Clintons und bleibt gelassen: „Die Präsidentschaftswahl spielt für unsere Positionierung keine größere Rolle“, sagt er. Andere Großinvestoren wollen angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens noch abwarten und kurzfristig reagieren: „Es ist so eng, da ist es noch zu früh zu reagieren“, sagt ein Investor.