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Parkplatz-AppsDer Kampf um die einfachste Parkplatz-Suche

Die Suche nach einem Parkplatz - in Großstädten nervtötend und alltäglich. Deutschlands Wirtschaft sucht schon länger nach der besten Parkplatz-App. Die Konkurrenz ist groß. Welches System sich durchsetzt, völlig offen. 01.05.2017 - 08:25 Uhr

Auf dem Gehweg zu parken gehört nicht nur in Innenstädten zum gewöhnten Anblick. Das ist – mit der entsprechenden Beschilderung – grundsätzlich erlaubt, gilt aber nur für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gewicht bis 2,8 Tonnen. Moderne Luxus-SUV liegen aber zum Teil deutlich darüber – die vom Auto Club Europa (ACE) aufgestellte Übersicht zeigt, welche Modelle betroffen sind.

Foto: dpa

Audi Q7

Der Q7 ist mit über fünf Metern Länge und einer Breite von 1,97 Metern wahrlich kein kleines Auto. Damit ist es nicht immer einfach, in der Großstadt einen Parkplatz zu finden – auf den Gehweg darf das größte Audi-SUV aber nur bedingt: Selbst mit dem 2,0-Liter-Benziner kommt der Q7 auf ein zulässiges Gesamtgewicht von über 2800 Kilogramm. Mit dem Diesel-Hybrid-Antrieb kommt der Q7 e-tron quattro alleine auf 2520 Kilo Leergewicht – da sind dann theoretisch nur noch 280 Kilo Zuladung drin. Doch in der Praxis ist das schwer zu kontrollieren.

Foto: Audi

BMW X6

Etwas anders ist die Lage beim BMW X6: Mit einem Leergewicht von mindestens 2,1 Tonnen ist das SUV-Coupé zwar kein Leichtgewicht, mangels dritter Sitzreihe und großem Kofferraum ist die erlaubte Zuladung jedoch geringer. Deshalb kommt nicht jede Variante des X6 über die 2800 Kilo – aber einige eben schon. Wer sein schweres SUV trotz allgemeiner Erlaubnis auf dem Gehweg abstellt, muss mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von mindestens zehn Euro rechnen. Mindestens 15 Euro werden fällig, wenn der Parkplatz auch über Parkflächenmarkierung verfügt. Was für schwere Pkw gilt, gilt natürlich auch für Transporter, Kleinbusse und Wohnmobile.

Foto: BMW

Jeep Grand Cherokee

Die Marke Jeep profitiert extrem von dem SUV-Boom der vergangenen Jahre. Nach unten hat sich die Marke mit immer neuen Modellen erweitert. Oben ist der Abschluss aber seit Jahren gleich: Der Grand Cherokee ist das Top-Modell der Marke. Er bringt es aber auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 2949 Kilo. Damit ist auf den Gehwegen das Parken nicht mehr möglich. Das wird übrigens durch das "Zeichen 315" erlaubt – das Schild gibt auch an, ob die Autos mit zwei oder vier Rädern auf dem Gehweg parken sollen. Die Grenze von 2,8 Tonnen bleibt davon aber unberührt.

Foto: Fiat

Land Rover Discovery

Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3240 Kilo bringt es der Land Rover Discovery auf den höchsten Wert in dieser Auflistung. Das Leergewicht liegt bei rund 2,5 Tonnen, dazu kommt die relativ hohe Zuladung des Nutzlast-SUV. Aber im kommenden Jahr wird der Discovery durch ein neues Modell ersetzt, das dank Leichtbau-Technologie bis zu 400 Kilo abspecken soll. Damit wäre er der 2,8-Tonnen-Grenze deutlich näher als jetzt.

Foto: WirtschaftsWoche

Range Rover

Beim neuen Discovery sortiert Land Rover den schweren Leiterrahmen aus und ersetzt ihn durch eine selbsttragende Alu-Karosse, die eng mit der des Range Rovers verwandt ist. Doch Aluminium alleine heißt noch lange nicht, dass ein Auto auch leicht wird: Mit zu viel Ausstattung und großen Motoren kommt der Range Rover auf ein zulässiges Gesamtgewicht von über drei Tonnen – das Gehweg-Parken wäre damit tabu.

Foto: WirtschaftsWoche

Mercedes-Benz G-Klasse

Der SUV-Oldie von Mercedes setzt noch auf den klassischen Leiterrahmen – alle noch erhältlichen Versionen kommen in der Summe von Leergewicht und Zuladung auf mehr als 2800 Kilo.

Foto: Daimler

Mercedes-Benz GLS

Der GLS ist die S-Klasse unter den Mercedes-SUV – und sogar noch etwas wuchtiger als ein Audi Q7. Und auch schwerer: Je nach Motor liegt bereits das Leergewicht zwischen 2455 und 2580 Kilo. Rechnet man die Zuladung dazu, liegt das Gesamtgewicht bei mindestens 3150 Kilo.

Foto: Daimler

Mercedes-Benz GLE

Eine Nummer kleiner als der GLS ist der GLE – wie am "E" in der Modellbezeichnung erkennbar gehört er der E-Klasse-Familie an. Er ist auch etwas leichter als der GLS, aber nicht leicht genug für den Gehweg: Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei mindestens 2900 Kilo.

Foto: Daimler

Nissan Navara

Der Nissan Navara ist eher ein seltener Anblick in Deutschland. Dennoch ist das Nissan-Pick-up in dieser Liste nicht ganz uninteressant: Der Navara liefert die technische Basis für die Mercedes X-Klasse, die bis Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen soll. Wenn die Daimler-Ingenieure dem Nissan nicht eine ordentliche Gewichtskur verpassen, wird das Gesamtgewicht aber über den 2,8 Tonnen liegen. Beim Navara sind es 3110 Kilo.

Foto: Nissan

Mitsubishi Pajero

Während die meisten Modelle dieser Liste besser als SUV bezeichnet werden, ist der Pajero noch ein Geländewagen. Doch nur weil der Mitsubishi auch für Fahrten abseits befestigter Wege bestens gerüstet ist, gilt für ihn dennoch die 2,8-Tonnen-Regelung. Und das schafft die fünftürige Variante des Pajero mit mehr als 3000 Kilo zulässigem Gesamtgewicht nicht – der kleinere Dreitürer schon.

Foto: Mitsubishi

Porsche Cayenne

Auch mit der Leichtbau-Technologie eines Sportwagenbauers schafft es der Porsche Cayenne nicht unter die 2,8 Tonnen beim Gesamtgewicht. Unter 2860 Kilo geht es aber auch bei dem großen Porsche-SUV nicht.

Foto: Porsche

Toyota Land Cruiser

Beim Land Cruiser verhält es sich wie beim Mitsubishi Pajero: Der Dreitürer bleibt mit 2,6 Tonnen unter der Grenze. Wenn überhaupt, wird das große Toyota-SUV aber als Fünftürer verkauft. Und dann liegt das zulässige Gesamtgewicht bei 2990 Kilo.

Foto: Toyota

VW Touareg

Beim Touareg ist die Rechnung wie bei dem Technik-Bruder Cayenne einfach: Mindestens 2880 Kilo beim zulässigen Gesamtgewicht bedeuten, dass das große VW-SUV im Zweifel zu schwer für den Gehweg sein kann.

Foto: Volkswagen

Die deutsche Wirtschaft liefert sich einen heißen Kampf um die Parkplatzsuche. Eine ganze Reihe von Start-ups, großen Industrieunternehmen, Autoherstellern und Kfz-Versicherern müht sich um die beste Lösung, die zeitraubende Suche nach einer Abstellgelegenheit für das Auto in Zukunft überflüssig zu machen.

„Das ist ein Riesenmarkt“, sagt Felix Harteneck, Geschäftsführer und Mitgründer des Münchner Start-ups Park Here, das Parkplatzsensoren produziert und in mehreren europäischen Städten Aufträge an Land gezogen hat. BMW und die Axa-Versicherung sind seit Herbst mit Park-Apps auf dem Markt. Audi hat ein Modellprojekt für pilotierte Parkplatzsuche in den USA gestartet. Bosch arbeitet nach Unternehmensangaben an zwei Vorhaben, auch Siemens forscht.

Der Grund: Allein in Deutschland wächst die Zahl der Fahrzeuge alljährlich um etwa eine Million - und in den Städten steigen sowohl die Einwohner- als auch die Pendlerzahlen. Das Ergebnis: Mehr Verkehr, die Parkplatzsuche wird immer nerviger. Park-Apps von Start-ups sind bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. Durchgesetzt hat sich bisher keine Lösung.

Mobilität

Autos sollen selbst auf Parkplatzsuche gehen

von Jürgen Rees

Inzwischen sind etablierte Unternehmen mit großen Etats eingestiegen. BMW bietet seit vergangenen Herbst eine App in der Fünfer-Baureihe an. „Park Now“ meldet freie Plätze und kann diese auch automatisch bezahlen. Das solle künftig auf weitere Modellreihen ausgeweitet werden, sagt eine BMW-Sprecherin in München.

Konkurrent Daimler kooperiert mit Bosch, um ein ähnliches System zu entwickeln. „Wir gehen davon aus, dass das neue System 2018 serienreif ist“, sagt ein Bosch-Sprecher in Stuttgart. Daneben entwickelt der Stuttgarter Zulieferer eine „off street“ Lösung, die von einem Autohersteller unabhängig wäre: Parkplätze werden mit Bodensensoren ausgerüstet. Ein Pilotprojekt im Raum Stuttgart ist in Vorbereitung.

Wo Bosch hin will, ist das Münchner Start-up Park Here bereits angekommen. Das Unternehmen mit bislang 25 Mitarbeitern ist eine Ausgründung aus der TU München und hat Piezo-Parkplatzsensoren entwickelt, die keine externe Stromversorgung benötigen und 25 Jahre halten sollen. Von der Konkurrenz durch die Großindustrie will sich das kleine Unternehmen nicht schrecken lassen: „Ich bin zu hundert Prozent zuversichtlich, dass wir eine Chance haben“, sagt Geschäftsführer Harteneck.

Siemens arbeitet an einem anderen System: Radarsensoren, die an Laternenmasten und ähnlichen erhöhten Punkten montiert werden, können freie Parkplätze sichten und diese an die Autofahrer melden. Ein Pilotprojekt in Berlin ist inzwischen beendet, weitere sind in Planung. „Wir entwickeln das weiter“, sagt ein Sprecher.

Die Cebit in Hannover hat begonnen. Bei der Digitalisierung vorne weg ist die Automobilbranche. Zum Beispiel wird ein Parkservice vorgestellt, welches öffentliche Parkplätze mir einer App vernetzt.

Die Übersicht ist unvollständig - es gibt derzeit so viele Initiativen, dass die Lage schwer überschaubar ist. Seit vergangenem Herbst bietet auch die Axa-Versicherung die in Zusammenarbeit mit dem Kölner Start-up Evopark entwickelte App „Clever Parken“ an, die freie Plätze in Parkhäusern sucht, wie eine Sprecherin sagt.

Auch andere Kfz-Versicher wie HUK Coburg wollen zusätzlichen Service rund ums Auto bieten. „Die HUK-Coburg beschäftigt sich intensiv mit der Digitalisierung rund um die Mobilität“, sagt ein Sprecher. „Zum jetzigen Zeitpunkt wollen wir aber noch nicht über die Details reden.“

Ob und wann es eine Standard-Parklösung geben wird, ist angesichts der Fülle der konkurrierenden Lösungsversuche nicht absehbar. Für die Autofahrer bedeutet das zunächst: Zur Parkplatzsuche kommt die Suche nach der besten App hinzu.

dpa
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