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Stelter strategischMeine Prognosen für 2018

Vor einem Jahr habe ich mich zum ersten Mal mit zehn Thesen für das kommende Jahr aus dem Fenster gelehnt. Zeit für einen Rückblick. Und trotz durchwachsener Treffergenauigkeit hier zehn Prognosen für 2018.Daniel Stelter 11.01.2018 - 06:00 Uhr

Bitcoin, Börse, Gold: Das bringt die Märkte 2018 in Bewegung.

Foto: imago images, imago images, Getty Images

Niemand kann ernsthaft Vorhersagen für Dax, Zinsen und Euro für 2018 treffen. Alle, die es dennoch versuchen, ersetzen den Zufall durch den Irrtum.

Inspiriert von den Großen der Szene habe ich mich verleiten lassen, meine persönlichen Prognosen für Märkte und Politik abzugeben. Dies, obwohl ich weiß, dass es nur den Wenigsten gelingt, durch ständige Umschichtungen in ihrem Anlageportfolio den Markt  dauerhaft zu schlagen. Die in meinen Augen einzig erfolgversprechende Anlagestrategie besteht darin, kostengünstig an der strategischen Asset-Allokation wie sie hier und anderswo immer wieder gepredigt wird, festzuhalten: Aktien, Immobilien, Gold und Cash/Anleihen. Aus gutem Grunde heißt diese Kolumne „Stelter strategisch“, nicht „Stelter taktisch“. Kurzfristige Empfehlungen sind nicht mein Ding. 

Trefferquote von 55 Prozent

Als ich meine Top Ten Thesen für 2017 formulierte, habe ich mir eine Trefferquote von über 50 Prozent gewünscht und versprochen, nach einem Jahr zurückzuschauen. Ich muss gestehen, ich hätte mir ein besseres Ergebnis gewünscht, wobei ich bei dem finanziell wohl entscheidendsten Thema immerhin richtig gelegen habe.

Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin Helaba

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,4 Prozent
Deutsche Wirtschaft +2,0 Prozent
Dax 10.500 bis 13.500
Goldpreis 1.400 US-Dollar je Unze

Foto: dpa

Ulrich Stefan, Chef-Anlagestratege Deutsche Bank

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,8 Prozent
Deutsche Wirtschaft +1,8 Prozent
Dax 14.100

Foto: dpa

Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt DZ Bank

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,8 Prozent
Deutsche Wirtschaft +2,2 Prozent
Dax 14.000

Foto: Presse

Ulrich Kater, Chefvolkswirt Deka-Bank

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,7 Prozent
Deutsche Wirtschaft 2,2 Prozent

Foto: dpa

Uwe Burkert, Chefvolkswirt LBBW

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,6 Prozent
Deutschland +2,3 Prozent
Dax 13.700

Foto: dpa

Erik F. Nielsen, Chefökonom UniCredit

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,9 Prozent
Wirtschaft der Eurozone +2,3 Prozent

Foto: Presse

Stefan Krenzkamp, Chef-Anlagestratege Deutsche Asset Management

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,7 Prozent
Wirtschaft der Europäischen Union +2,0 Prozent
Dax 14.100

Foto: Presse

Hier der Rückblick auf meine Top Ten für 2017:

 

1.      Die Deflation kehrt zurück: Anfang 2017 sprach man überall von der Rückkehr der Inflation. Ich hielt mit Blick auf die hohe Verschuldung, die schwache Konjunktur in China, das strukturelle Überangebot an Rohstoffen (Öl) und Arbeitskräften entgegen und prognostizierte eher eine Rückkehr der Deflationsfurcht. Ganz so weit kam es nicht. Aber die Suche nach der Inflation dauert an, deshalb würde ich mir einen halben Punkt geben: 0,5.

2.      Die USA stürzen in die Rezession: Das war falsch. Wir erleben einen weltweiten, synchronen Aufschwung und die USA stehen gut da, wenngleich die breite Mittelschicht nichts davon hat. Die Steuerreform wird das weiter befeuern. Ganz klare Fehlprognose: 0 Punkte.

3.      Der US-Dollar verliert: Während alle Welt eine weitere Dollarstärke erwartete, habe ich auf eine Abschwächung des US-Dollars gesetzt. Zwar habe ich dann in der zweiten Jahreshälfte eine erneute Schwäche des Euro erwartet, wegen der weiterhin ungelösten Probleme der Eurozone. Da – wie erwartet – die Amerikaner doch am besten wissen, wie man die eigene Währung schwächt, ist das bisher noch nicht der Fall. Eine richtige Prognose allemal: 1 Punkt.

Riedls Dax-Radar

Was Anleger 2018 erwartet

von Anton Riedl

4.      Gespaltenes Jahr für Anleihen: Hier habe ich einen Anstieg der Zinsen für zehnjährige Treasuries auf über drei Prozent im ersten Halbjahr prognostiziert, gefolgt von einer Rallye in der zweiten Jahreshälfte. Für das Ende des Jahres hatte ich dann 1,5 Prozent geweissagt, in Erwartung einer neuen Rezession. Diese lässt bekanntlich noch auf sich warten. Die Zinsen entwickelten sich in der Tat in dieser Richtung, wenngleich nicht im genannten Ausmaß. Stiegen die Zinsen zunächst bis auf über 2,6 Prozent, sanken sie dann auf unter 2,1 Prozent, bevor sie ab September wieder zulegten. 0,5 Punkte.

5.      Verluste an den Börsen: so was von falsch. 0 Punkte.

6.      Einstiegschance bei Gold: Das stimmte, denn Gold war letztlich ein Gewinner des Jahres (in Dollar gerechnet) und legt auch in den ersten Tagen des Jahres 2018 weiter zu. Ohnehin gehört Gold in jedes Portfolio, egal ob der Preis steigt oder sinkt. Die Prognose war insofern richtig, wenngleich Gold natürlich verglichen mit den Aktienmärkten hinterherhinkt. 1,0 Punkte.

Marktausblick 2018

Die Dax-Werte mit den besten Perspektiven

7.      Der Verfall der Eurozone geht weiter: weder kam es zum Wahlsieg von Geert Wilders, noch zum Sieg von François Fillon. Richtig war es jedenfalls nicht auf einen Sieg von Marine Le Pen zu setzen. Der Verfall der Eurozone hat sich dennoch fortgesetzt, wenngleich er von der vordergründig guten Konjunktur und der Politik der EZB verdeckt wird. Es kam nicht so dramatisch wie erwartet, ist aber die Fortsetzung der chronischen Krise. 0,5 Punkte.

8.      Die EZB lässt letzte Hemmungen fallen: Die EZB ist nicht in die direkte Staatsfinanzierung eingestiegen und kauft auch (noch) keine Aktien auf. Sie hat auch nicht den Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm verschoben. Insofern kam es zu keiner Verschärfung der geldpolitischen Maßnahmen. Hier denke ich jedoch, dass es mit der (noch) nicht eingetretenen Rezession zu tun hat und würde mir deshalb einen halben Punkt zugestehen: 0,5 Punkte.

9.      Der Deal mit der Türkei platzt: Ich habe eine Verschlechterung des Verhältnisses der EU zur Türkei erwartet. Auch dass die türkische Strategie im Nahen Osten und die Bereitschaft, die türkischen Interessen notfalls auch militärisch durchzusetzen immer offensichtlicher wird. Dies ist zwar eigetreten, doch bisher hält das Abkommen mit der Türkei zur Begrenzung der Migrationsströme. Noch ist die Balkanroute nicht wieder zum bevorzugten Weg für die Einwanderer aus Afrika und dem Nahen Osten geworden. 0,5 Punkte.

These 1: Der Bitcoin bricht ein

Die digitale Währung erreicht, so Steen Jakobsens These, 2018 in der Spitze einen Kurs von 60.000 Dollar und einen Marktwert von mehr als einer Billion Dollar, da Derivate die Kryptowährung für Investoren attraktiver machten. Doch Russland und China würden nicht mitspielen und jede Form von Kryptowährungen in ihren Ländern verbieten. Es komme zum Crash, und 2019 notiere die Währung nahe den Produktionskosten von 1.000 Dollar.

Foto: dpa

These 2: Ostländer bestimmen EU-Politik

Haben Emanuel Macron und Angela Merkel bald weniger Grund zum Lachen? Jakobsen prophezeit, dass das Auseinanderdriften der EU-Kernländer und der skeptischeren neuen Mitglieder zu einer unüberbrückbaren Kluft führt. Das politische Zentrum bewege sich vom Duo Deutschland/Frankreich in Richtung Osteuropa. Die institutionelle Blockade führe zum Abstieg des Euro in Richtung Parität zum Dollar.

Foto: REUTERS

These 3: Fed verliert Eigenständigkeit

Für den künftigen Fed-Chef Jerome Powell könnte 2018 ein schwieriges Jahr werden. Laut dem Chefvolkswirt der Saxo Bank gewinne bei den Midterm-Wahlen zur Hälfte von Donald Trumps erster Präsidentschaft in den USA der Populismus an Gewicht. Es mangele an Haushaltsdisziplin, der Einnahmeausfall durch die Steuerkürzungen führe die USA in Richtung Rezession. Auf schwächere Wirtschaft, steigende Inflation und Zinsen wisse die Notenbank Fed keine Antwort. Die Märkte würden verrückt spielen und die Ungleichheit zwischen Arm und Reich wachse. Das Finanzministerium übernehme laut Jakobsen die Führung und erzwinge von der Fed einen maximalen Zins von 2,5 Prozent für langlaufende US-Staatsanleihen, um einen Bond-Crash zu verhindern.

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These 4: Japan startet Zinskontrolle

Die Bank of Japan sieht sich laut Steen Jakobsen höherer Inflation und steigenden Zinsen gegenüber. Der Yen stürze ab, die Notenbank lockere die Geldpolitik, und der Wechselkurs falle von aktuell 113 auf 100 Yen pro Dollar.

Foto: REUTERS

These 5: China führt Petro-Yuan ein

Vom größten Ölimporteur Chinas lassen sich viele Ölförderer in Yuan bezahlen. Angesichts des US-Machtverfalls und erfolgreicher Rohstoffderivate in Yuan werde die Entscheidung der Energiebörse Schanghai, einen Ölfuture in chinesischer Landeswährung einzuführen, ein Riesenerfolg, der sich im Devisenkurs niederschlage. Erstmals müssten je Dollar weniger als sechs Yuan bezahlt werden. Anfang Dezember 2017 sind es noch 6,60 Yuan.

Foto: REUTERS

These 6: Volatilität steigt

Historisch niedrige Aktienkursschwankungen überraschten 2017. Doch im kommenden Jahr breche der S&P-500-Aktienindex plötzlich um 25 Prozent ein. Fonds, die auf Volatilität in kurzer Zeit setzen, würden pleite gehen, wer an langlaufende Schwankungen glaubte, gewinne 1.000 Prozent und mehr, meint der Chefökonom der Saxo Bank.

Foto: dpa

These 7: USA rutschen nach links

Junge Menschen werden laut Steen Jakobsen einen enormen Einfluss auf die US-Midterm-Wahlen 2018 haben. Donald Trump lehnen sie ab, ebenso wie die Steuerreform. Eine neue Generation von Demokraten, die ihr Scheckbuch für die Massen öffnen will, steige auf. Das Defizit sei kein Problem mehr. Der Zins für 30-jährige Staatsbonds falle unter fünf Prozent.

Foto: dpa

These 8: Frühling in Afrika

Nach dem Abgang von Simbabwes Präsident Robert Mugabe erfolge der demokratische Umbau in Afrika mit Südafrika als Gewinner. Der Rand werde zum Liebling in den Schwellenländern.

Foto: dpa

These 9: Tencent verdrängt Apple

Die Wachstumsgeschichte Chinas spiegelt sich bei Technologieaktien in der Marktkapitalisierung wider. Tencent profitiere 2018 massiv davon, steige um 100 Prozent und verdränge mit einem Marktwert von mehr als einer Billion Dollar den Konkurrenten Apple vom ersten Platz in der Rangliste der international wertvollsten Konzerne.

Foto: REUTERS

These 10: Frauen top

Bereits heute schließen mehr Frauen ihr Studium mit einem Bachelor in den USA ab. Sie erschließen ihr Potenzial auch in Führungspositionen und schütteln die „old boys clubs“ kräftig durcheinander. Ende 2018 werden laut dem Chefvolkswirt der Saxo Bank, Steen Jacobsen, mehr als 60 der umsatzstärksten 500 Topkonzerne in der Welt von Frauen geführt. Längst an der Spitze eines Großkonzerns steht Sheryl Sandberg, Geschäftsführererin (COO) von Facebook.

Foto: AP

10.  In Deutschland regiert Schwarz-Rot-Grün: Richtig war meine Erwartung deutlicher Verluste für Union und SPD, einer stabilen Linken, und eines Einzuges von AfD und FDP in den Bundestag. Richtig war auch die Erwartung einer schwierigen Regierungsbildung. Falsch war die Erwartung, dass es für Union und SPD alleine nicht mehr reichen würde und deshalb eine Regierung von Schwarz-Rot-Grün gebildet wird. Verfolgt man allerding die aktuelle Diskussion, könnte man durchaus den Schluss ziehen, dass eine Regierung von CDU, SPD und Grünen mehr Gemeinsamkeiten hätte als eine Regierung von CDU, SPD und CSU – nicht, dass das mit Blick auf den Zustand des Landes eine erfreuliche Nachricht ist. Deshalb: 1,0 Punkte.

Womit wir beim Fazit wären: Wie vermutet ist es keine gute Idee, Prognosen abzugeben, vor allem mit dem kurzen Zeithorizont von nur einem Jahr. Meine Trefferquote von 5,5 aus zehn möglichen Punkten dürfte das unterstreichen. 

Hier die Prognosen für 2018

Trotz der gemischten Bilanz haben mich Leser um meine Prognosen für 2018 gebeten. Ich kann das nur darauf zurückführen, dass sie vergessen haben, wie schlecht meine Prognosequalität für das abgelaufene Jahr war. Andererseits ist es ein interessantes Gedankenexperiment. Hier also meine Top Ten für 2018 – in der Hoffnung, dieses Jahr etwas besser abzuschneiden:

Selbstfahrende Autos
Alle arbeiten an Roboterwagen - Autobauer, Branchenzulieferer, Technologiekonzerne wie Alphabet und Apple, Fahrdienst-Vermittler wie Uber und kaum bekannte Start-ups. Zwischen den vielen Playern ist ein Wettlauf um die Neugestaltung des riesigen Marktes entbrannt, bei der die Mobilität und die Städteplanung umgekrempelt werden. Bevor um das Jahr 2020 herum autonom fahrende Autos regulär auf die Straßen kommen, wird sich 2018 abzeichnen, wer von ihnen die Nase im Rennen um die Zukunft vorn hat.

Foto: dpa

Augmented Reality
Unter anderem Apple schwört auf die Technologie der sogenannten erweiterten Realität (Augmented Reality), bei der virtuelle Inhalte auf dem Display in reale Umgebungen integriert werden. Der iPhone-Konzern will mit der Plattform ARKit App-Entwicklern die Möglichkeit geben, die Technik ohne viel Aufwand in ihre Apps zu integrieren.
Zunächst geht es um Spiele sowie Anwendungen zum Lernen oder für den Beruf. Apple-Chef Tim Cook zeigt sich überzeugt, dass Augmented Reality genauso weltverändernd werden könnte wie das Smartphone. Auch Google will seine Android-Plattform für erweiterte Realität fit machen.

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Virtuelle Realität
Facebook mit seinem Zukauf Oculus und der Smartphone-Spezialist HTC haben groß auf die Technik gewettet, bei der Nutzer mit einer Spezialbrille auf dem Kopf komplett in virtuelle Welten eintauchen können. Der schnelle Boom blieb jedoch bisher aus: Der zunächst hohe Preis der Headsets, die hohen Anforderungen an dazugehörige Computer und das oft noch grobkörnige Bild schreckten Käufer ab. 2017 purzelten die Preise, Oculus und HTC planen zudem günstigere Brillen, die ohne eine Kabelverbindung zum PC auskommen sollen. 2018 wird sich zeigen, ob VR damit attraktiver für die Käufer wird.

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Elektrisches Fliegen
Strombetriebene Fluggeräte waren zunächst nur etwas für Start-ups, die so etwas wie Riesen-Drohnen für ein bis zwei Passagiere bauten. Doch inzwischen wirkt die Idee eines leisen Flugzeugs, das keine Tonnen an Kerosin verbrennt, nicht mehr wie Science Fiction. Das deutsche Start-up Lilium testete ein Kleinflugzeug, bei dem 36 Elektromotoren in den Tragflächen stecken und die Maschine mit einer Akku-Ladung in einer Stunde 300 Kilometer weit bringen sollen. Und Airbus entwickelt ein Flugzeug, bei dem aus Gas erzeugter Strom die Motoren antreiben soll.

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Digitale Assistenten
Apple spielt seit 2011 - wenn auch oft eher holprig - den Wegbereiter mit Siri. Amazon etablierte dann mit der Alexa-Software in seinen „Echo“-Geräten praktisch im Alleingang die Kategorie vernetzter Lautsprecher mit eingebauten digitalen Assistenten. Der Google Assistant setzt auf die Künstliche Intelligenz des Konzerns und das Wissen über die Nutzer. Inzwischen geht es darum, die Menschen permanent durch den Alltag zu begleiten. 2018 wird sich der Kampf der Anbieter um die Gunst der Nutzer weiter verschärfen.

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1.     Bitcoin-Blase platzt: Dass sich Kryptowährungen trotz der unzweifelhaften Attraktivität der Technologie in einer Blase befinden, erkennt man schon daran, dass Firmen, die ihren Namen ändern, wie zuletzt die "Long Island Iced Tea Corporation" – neu "Long Blockchain Group“ - Kurssteigerungen von mehreren hundert Prozent über Nacht erfahren. Die Getränkefirma sprach lediglich von "a new smart contract platform for building decentralised applications that provides scalability beyond currently available options" was die Financial Times zu einem direkten Vergleich mit einer früheren ähnlich gelagerten Unternehmung veranlasste, die ihren Geschäftszweck so umschrieb: "company for carrying on an undertaking of great advantage, but nobody to know what it is". Gemeint ist die South Sea Company, die zur berühmten Südseeblase geführt hat.

Schon jetzt ist die Bitcoin-Blase die wohl größte der Finanzgeschichte, weitaus ausgeprägter als die Südseeblase oder die Tulpenmanie. Meine Erwartung deshalb: zum Jahresende stehen Bitcoins nach zahlreichen Skandalen und staatlichen Eingriffen deutlich tiefer als heute. Können sie davor noch auf 100.000 US-Dollar steigen? Ja klar. Genauso gut aber auf 100 fallen.

Stelter strategisch

Die Sorglosigkeit der Anleger trügt - Cash ist King

von Daniel Stelter

2.     Börsenboom und Crash: 2017 hat es nicht gecrasht, im Gegenteil sind die Märkte weltweit gestiegen. Getrieben von billigem Geld und Konjunkturaufschwung legten die Märkte zu. Dabei gibt es trotz der vordergründig fehlenden Euphorie vielfältige Zeichen der Sorglosigkeit, wie ich schon vor einigen Wochen an dieser Stelle zusammengefasst habe. Diese Zeichen haben sich weiter verstärkt. Immer mehr Bären finden sich damit ab, dass der Boom wie auch schon 1998 trotz offensichtlicher Überbewertung (namentlich in den USA) noch weiter gehen kann.

Jeremy Grantham vom angesehen Vermögensmanager GMO erwartet gar einen finalen Boom mit Preissteigerungen von bis zu 60 Prozent, bevor es dann umso dramatischer bergab geht. Deshalb meine These für 2018: es geht noch ein paar Monate bergan, bevor es zu einer deutlichen Korrektur kommt. Die Märkte schließen unter dem Stand von heute.

3.     Schwellenländer, Russland, Japan und Europa relativ besser: Dabei gehe ich davon aus, dass sich die fundamental bessere Bewertung von Japan, Europa, Russland und den Emerging Markets in einem relativ besseren Abschneiden dieser Märkte niederschlagen wird. Sie dürften von einem Crash an der Wall Street natürlich sehr betroffen sein, dennoch am Ende des Jahres im Vergleich besser abschneiden.

Diesel-Debatte
Mit gefälschten Stickoxid-Werten bei Millionen Autos des VW-Konzerns fing es an. Kann der Diesel angesichts der Glaubwürdigkeitskrise und schrumpfenden Neuzulassungen noch mal die Kurve kriegen? Volkswagen ist bei der Aufarbeitung ein Stück vorangekommen - jedenfalls was Milliardenentschädigungen für Verbraucher in den USA, einen Vergleich im US-Strafrecht und den Rückruf betroffener Modelle angeht. Klagen von Aktionären und Betrugsermittlungen sind aber nicht ausgestanden. Hinweise auf Software, die die Abgasreinigung auf der Straße senkt oder abschaltet, brachten auch andere Hersteller in den Verdacht der Manipulation. Tests des Kraftfahrt-Bundesamts und der Deutschen Umwelthilfe erschütterten das Vertrauen in den Diesel. Doch der Selbstzünder bleibt wohl noch einige Zeit unerlässlich: als relativ CO2-effiziente Übergangstechnologie in die Ära alternativer Antriebe. Wäre da nicht der vergleichsweise hohe Ausstoß an Stickoxiden (NOx).

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Fahrverbote
Weil die Konzentration des Atemgifts NOx vielerorts erlaubte Niveaus übersteigt, haben Besitzer älterer Diesel Angst vor Fahrverboten. Vor allem Stuttgart, München oder Kiel hatten bereits 2016 hohe Werte. NRW und Baden-Württemberg gehen gegen Urteile vor, die Dieselautos aussperren könnten. Bald entscheidet das Bundesverwaltungsgericht. Eigentlich waren zum Januar 2018 Fahrverbote in Stuttgart geplant - zehn Jahre nach der Einführung erster Umweltzonen in Deutschland. Die Bundesregierung will neben einem Milliarden-Fonds für sauberere Luft in den Städten weitere Hilfen bereitstellen. „Lotsen“ sollen die Kommunen bei Förderanträgen für Verkehrsprojekte beraten. Einige Bürgermeister fordern, dass sich die Autobauer stärker beteiligen.

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Abgastests
Die Grauzone zwischen dem Ausnutzen von Regellücken und gezielter Täuschung ist groß - bei der Schadstoffmessung wie bei den Angaben zu CO2 und Verbrauch. Die Industrie kontert das gern mit dem Verweis auf moderne Tests. Seit dem Herbst durchlaufen neue Autotypen den Zyklus WLTP, der im September 2018 für sämtliche Neu-Pkw bindend wird. Er ist gründlicher als das alte Verfahren NEFZ - es seien jedoch auch hier Schlupflöcher möglich, so Kritiker. Daher seien Straßentests (RDE) nötig. Ab September 2019 sind diese für EU-Neuwagen Pflicht.

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Motortechnik
Einige Experten betonen, dass das NOx-Problem mit neuen Motoren keine große Rolle mehr spiele. „Wir reden ausschließlich über Altlasten“, sagt Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie. Die Branche finanziert Abwrackprämien für betagte Autos und Software-Updates für jüngere. Aber ohne langfristigen Wechsel zu E-Antrieben werde es eng, mahnt die Commerzbank: „Damit sind Autohersteller gefordert, ihren Strategiewandel in Richtung E-Mobilität erheblich zu beschleunigen.“

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Elektrisches Fahren
Der Mitte 2016 eingeführte „Umweltbonus“ nimmt nur langsam Fahrt auf. Bis Ende Oktober gab es 37.700 Förderanträge für E- oder Hybridautos - verglichen mit fast 273.000 Pkw-Neuzulassungen allein in diesem einen Monat. Viele Stromer sind recht teuer, haben geringe Reichweiten. Die Konzerne investieren nun Milliarden in neue Modelle. Bei der dünnen Ladeinfrastruktur tut sich etwas: Projekte wie Ionity (BMW, Daimler, VW, Ford, Shell) und von Energieversorgern sollen das Netz ausbauen.

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Jobabbau
Den Auto-Belegschaften stehen stürmische Zeiten bevor. E-Antriebe benötigen weniger und andere Teile als Verbrenner, ein Teil der alten Jobs wird verloren gehen. Der IG Metall zufolge hängen über 200.000 der 880.000 Beschäftigten in der deutschen Branche am Diesel. Und US-Rivale Tesla will sich mit günstigeren Exemplaren breitmachen.

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Konkurrenz aus China
China reguliert derweil den Anteil seiner wachsenden Elektro- und Hybridflotte per Quote, was Importeure im wichtigsten Automarkt der Welt unter Druck setzt. Experte Stefan Bratzel betont: „Die globale E-Mobilität wird durch China bestimmt.“ Ein Mix verschiedener Antriebe - fossil, hybrid, elektrisch, Brennstoffzelle - gilt als bestimmendes Szenario. „Wenn wir zukunftsfähig bleiben wollen“, so BMW-Chef Harald Krüger kürzlich, „müssen wir hier und jetzt handeln.“

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Autonomes Fahren und Vernetzung
Autobauer, Zulieferer und Wissenschaftler feilen an der Kommunikation von Fahrzeugen untereinander („car-to-car“) und mit der Umgebung wie Fußgängern, intelligenten Schildern oder Ampeln. Das ist einerseits Voraussetzung für sicheres autonomes Fahren. Zum anderen birgt es Herausforderungen wie die Zurechnung von Verantwortung und Haftung, die Versicherung bei Unfällen - und ruft Datenschutz-Bedenken hervor.

Foto: dpa

Neue Geschäftsmodelle
Geschäftsmodelle müssen her, um in der Mobilität von morgen mit Robo-Taxis, Auto-Abos und neuen Carsharing-Konzepten mithalten zu können. BMW, Fiat Chrysler und der Chipkonzern Intel tun sich beim autonomen Fahren zusammen. Volvo liefert dem Fahrvermittler Uber neue Modelle, die Google-Schwester Waymo will Roboterwagen auf die Straße bringen. VW rüstet sich mit tausenden Software-Experten. Seit 2010 steckte die Branche laut McKinsey 111 Milliarden Dollar in Firmen aus der Automatisierung, Vernetzung und Elektrifizierung.

Foto: obs

Kartellverdacht
Als gäbe es nicht genug Baustellen, kam im Sommer eine zusätzliche hinzu. Die EU-Kommission prüft nach einem „Spiegel“-Bericht über jahrelange Geheimabsprachen in der Autoindustrie den Verdacht der Kartellbildung. BMW, Daimler und VW samt den Töchtern Audi und Porsche sollen Informationen über Modelle, Kosten und Zulieferer ausgetauscht haben - möglicherweise zulasten des Wettbewerbs und der Verbraucher. Noch laufen die Ermittlungen, auch die Abgrenzung von zulässigen Absprachen ist nicht ganz klar. Die Unternehmen sehen kein Fehlverhalten. Zulieferer hätten keine Behördenanfragen erhalten.

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Protektionismus
Die deutsche Autobranche hängt zu großen Teilen am freien Welthandel, 2016 gingen 4,4 Millionen Pkw in den Export. Da sorgten die Pläne von US-Präsident Donald Trump, Importzölle einzuführen oder anzuheben, für Verunsicherung. Bisher hat Trump seinen Worten keine Taten folgen lassen. Doch auch der Brexit und die Elektro-Quoten Chinas könnten die internationalen Verkäufe von Autos „Made in Germany“ hemmen.

Foto: dpa

Übernahmen
Im März einigte sich PSA (Peugeot/Citroën/DS) mit dem bisherigen Eigentümer General Motors auf die Übernahme von Opel. In Europa entsteht nun der nach Absatz zweitgrößte Anbieter nach der VW-Gruppe. Bis Ende 2018 sind die rund 19 000 deutschen Opelaner zwar vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Die PSA-Spitze hat aber schon klargemacht, dass sie die Firma auf Effizienz trimmen will. Auch zu einem möglichen Liebäugeln von VW mit Fiat Chrysler gibt es immer wieder Gerüchte, die die Wolfsburger hartnäckig dementieren. In der Zulieferbranche bleibt der Konkurrenzkampf ebenfalls hoch - wobei laut Ratingagentur Moody's ausgerechnet die Abgaskrise durch den Bedarf an neuer Reinigungstechnik für neue Umsätze sorgen könnte.

Foto: dpa

4.     Blutbad bei Unternehmensanleihen: Die Zinsen dürften zunächst weiter steigen. Zum einen, weil die Notenbanken sich – wenngleich langsam – von der Politik des billigen Geldes verabschieden. Zum anderen, weil die Märkte weiter auf Aufschwung und damit perspektivisch höhere Inflationsraten setzen (wenngleich diese auch 2018 nicht in bedeutendem Umfang zunehmen dürfte). Dies wird sich an der Rendite von Staatsanleihen zeigen, jedoch überproportional im allgemeinen Zinsniveau. Dies liegt daran, dass die Fähigkeit der Schuldner, ihren Verpflichtungen nachzukommen, abnimmt, sobald die Zinsen steigen. Da die Qualität der Schuldner in den letzten Jahren dramatisch gesunken ist, wäre eine Flucht der Investoren aus den dann wieder als hoch-riskant angesehenen Papieren die Folge.

Der Markt für Unternehmensanleihen sieht hierbei am gefährdetsten aus. Und zwar global. In Europa hat die EZB den Markt so weit verzerrt, dass der Bank of America European High Yield Index (enthält BB-Papiere) weniger als der korrespondierende US-Staatsanleihen Index erbringt. Kreditschwache europäische Unternehmen zahlen also weniger als die größte Militärmacht der Welt. Das dürfte sich im Laufe des Jahres ändern und die Kurse von Unternehmensanleihen deutlich fallen, vor allem von Unternehmen schwacher Bonität.

Branche im Wandel

"Banken müssen unglaublich Gas geben"

von Martin Pirkl

5.     Der US-Dollar erholt sich: Vor einem Jahr war breiter Konsens, dass der US-Dollar weiter steigen würde und die Parität zum Euro bald erreicht wäre. Heute ist es umgekehrt. Der Euro wird als die kommende starke Währung gesehen, dem Dollar mit Blick auf die Politik von Donald Trump weitere Schwäche prophezeit. Meine Sicht auf beide ist klar: es ist keine Frage von „gut“ und „schlecht“, sondern von weniger schlecht. Im Zuge der von mir erwarteten Turbulenzen an den Märkten und im Euroraum dürfte der Dollar wieder aufholen. Kann aber sein, dass erst im zweiten Halbjahr.

6.     Öl wird wieder billiger: Der Preis von Öl hat in den letzten Monaten deutlich zugelegt, von unter 45 auf über 60 US-Dollar für das Barrel. Allgemein wird ein weiterer Anstieg erwartet, getrieben vom Konjunkturaufschwung und Angebotsverknappung. Da ich skeptisch auf die Konjunkturentwicklung blicke und die Öl exportierenden Länder dringend auf Einnahmen angewiesen sind, um ihre laufenden Ausgaben zu bewältigen, dürfte das Angebot stärker als die Nachfrage wachsen und Öl wieder unter Druck setzen. Am Jahresende 2018 definitiv tiefer.

7.     Gold enttäuscht: Bekanntlich bin ich ein Fan von Gold und rate jedem einen gewissen Anteil physischen Goldes im Portfolio zu halten, egal wie sich der Preis entwickelt. Letztes Jahr hat Gold zugelegt, blieb aber weit hinter den Börsen zurück. In diesem Jahr dürfte es zwar besser abschneiden als die Aktienmärkte, absolut gesehen aber enttäuschen. Die derzeitige Rallye mag sich noch ein paar Wochen fortsetzen, dann aber wird der Preis des Metalls wieder unter die Räder kommen.

8.     Italien erpresst erfolgreich: Eurokritische Parteien – allen voran die Cinque Stelle Bewegung – gewinnen die Wahlen im März. Nicht verwunderlich nach jahrzehntelanger Stagnation und trotz massiver Hilfe der EZB, die im Vorfeld der Wahlen überproportional Anleihen des Landes aufkauft, um das den Risikoaufschlag gegenüber deutschen Staatsanleihen zu drücken. Die neue italienische Regierung wird mit Referendum zu Euromitgliedschaft und Schuldenschnitten zulasten ausländischer Gläubiger drohen, um weitgehende Zugeständnisse im Rahmen der Verhandlungen zur Neuordnung der Eurozone zu erzielen. Dies spielt vor allem dem französischen Präsidenten Macron in die Hände, dessen erklärtes Ziel eine Sozialisierung bestehender und künftiger Schulden zulasten Deutschlands damit realisiert wird.

9.     Kraftlose Regierung: Das hat auch damit zu tun, dass in Deutschland eine kraftlose Regierung agiert, die weiterhin statt das Wohl des Landes im Blick zu haben, Energie und Fokus auf Nebenkriegsschauplätzen verschwendet (mehr Umverteilung, Einheitsversicherung auf englischem Niveau, etc.) und im Irrglauben, wir seien ein „reiches Land“ den Wohlstand verschleudert. Die Liste der Versäumnisse ist schon lang und würd noch länger werden.

10. Migrationskrise weiter ungelöst: Was die größte Herausforderung für Deutschland und Europa angeht, sehe ich schwarz. Obwohl immer deutlicher wird, dass wir es mit eine Migrations- und keiner Flüchtlingskrise zu tun haben, obwohl immer klarer wird, dass die langfristigen Kosten der Zuwanderung überwiegend unqualifizierter Menschen die finanzielle Leistungsfähigkeit bei weitem übersteigt und den sozialen Frieden gefährdet, werden wir weder in Deutschland noch in Europa eine Begrenzung erreichen. Weder werden Menschen ohne Bleiberecht abgeschoben noch wird die Zuwanderung insgesamt gesteuert. Die Antwort der Regierungen bleibt vor allem eine Verharmlosung und Leugnung der Probleme, was die radikalen Kräfte in ganz Europa weiter stärkt.

Soweit meine Top 10 für 2018. Die EU wird das Jahr noch überleben, wie auch der Euro. Allerdings wird sich der Prozess der schleichenden Zersetzung weiter fortsetzen. Dennoch kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Viele spannende Ereignisse erwarten uns in diesem Jahr und viele Gelegenheiten durch die richtigen Entscheidungen Vermögen zu erhalten und zu mehren.

In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern alles Gute für 2018!

 

 

 

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