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Oracle setzt sich durchMicrosoft geht bei TikTok leer aus

Im Rennen um das US-Geschäft des sozialen Netzwerks TikTok hat sich der Unternehmenssoftwareanbieter Oracle durchgesetzt – wenn China zustimmt. Der Deal ist hoch politisch.Matthias Hohensee 14.09.2020 - 06:54 Uhr

Microsoft ist mit dem Versuch gescheitert, das US-Geschäft der populären Video-App Tiktok zu übernehmen.

Foto: dpa

Sieben Wochen lang hatte sich Microsoft-Chef Satya Nadella heftig bemüht, TikToks Geschäft in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland zu übernehmen. Dafür nahm er sogar Ärger mit der chinesischen Regierung in Kauf. Vergebens. Am Sonntag teilte Microsoft in ein paar dürren Zeilen mit, dass ByteDance, der chinesische Eigner hinter dem sozialen Netzwerk, sich entschlossen habe, das US-Geschäft von TikTok nicht an Microsoft zu veräußern.

Stattdessen hat sich mit Oracle ein Konzern aus dem Silicon Valley durchgesetzt, der nun „US-Technologiepartner“ von TikTok werden soll. Mit dessen Wahl hatten nur wenige gerechnet, da Oracle eigentlich als Unternehmenssoftwareanbieter bekannt und im Mediengeschäft nicht aktiv ist. In Deutschland kennt man Oracle als SAP-Konkurrenten und durch die Dauerfehde seines Gründers und Verwaltungsratschef Larry Ellison mit SAP-Übervater Hasso Plattner.

Für Oracle ist TikTok ein Paradekunde, um seine Versäumnisse im Cloud-Geschäft wieder gutzumachen. Dort konnte Oracle zwar jüngst zulegen, auch wegen der erhöhten Nachfrage nach Internet-Diensten während der Coronapandemie. Am vergangenen Freitag konnte Oracle bei der Präsentation der Quartalszahlen so ein leichtes Plus von 1,6 Prozent beim Wachstum vermelden.

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Doch in seinem derzeit wichtigsten Wachstumsgeschäft spielt Oracle trotz vieler Bemühungen die vierte oder gar fünfte Geige, abgeschlagen hinter Amazon, Microsoft, Google und IBM. Ein Paradekunde wie TikTok gibt nun die Chance, zu beweisen, dass Oracles Datenzentren ein rasch wachsendes soziales Netzwerk unterstützen können. Daran müsste Oracle noch nicht einmal verdienen.

Es wäre wie im Supermarkt ein sogenannter Loss Leader, also ein Produkt, was ohne Profit verkauft wird, um Kunden in die Geschäfte zu locken. Bei Oracle ist es das Kalkül, so seine Expertise im Internet-Geschäft stärker zu bewerben.

Der eigentliche Pokal neben dem Werbeeffekt sind jedoch die Daten der TikTok-Nutzer, ihre Interessen und ihre Vorlieben. Seit Jahren aggregiert Oracle in seiner DataCloud Informationen, um so Unternehmen nicht nur beim Platzieren von Anzeigen zu helfen, sondern auch Einblicke in die Wünsche ihrer Kunden zu erlangen. Je größer die Datensätze dahinter und je aktueller, umso präziser sind diese Voraussagen, hofft man zumindest.

Deshalb hatte sich auch der US-Handelsgigant Wal-Mart um TikTok bemüht, der dort einen möglichen Absatzkanal wie Facebooks Instagram sah.

Der Deal ist hoch politisch. Nicht nur wegen der Vorwürfe gegen China, mit der App angeblich Daten über US-Bürger zu sammeln. Sondern auch dem US-Wahlkampf. Larry Ellison ist einer der wenigen prominenten Hightech-Unternehmer, die sich öffentlich zu US-Präsident Donald Trump bekennen und seine Wiederwahl unterstützen. Oracle-Chefin Safra Catz wurde mehrfach für eine Rolle in der Trump-Administration gehandelt. Trump hatte den Verkauf von TikTok aus Gründen der nationalen Sicherheit verlangt und ein Ultimatum bis zum 20. September gesetzt. Dann hätte TikTok seinen Betrieb in den USA einstellen müssen, was wegen dessen Beliebtheit bei jungen Leuten unvorteilhaft mitten in Trumps Wahlkampf-Endspurt gewesen wäre.

Noch ist unklar, ob Oracle das US-Geschäft von TikTok übernimmt oder sich nur dort einkauft und sich auf seine Rolle als Dienstleister und Datenwächter beschränkt. Und auch ob die chinesische Regierung damit einverstanden ist, die sich beim Technologietransfer ein Veto-Recht ausbedungen hat.


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Ellison hat zumindest eine gute Nase, was erfolgversprechende Investitionen angeht. Vor zwei Jahren war er nicht nur groß privat bei Tesla eingestiegen, sondern war auch in den Aufsichtsrat des Elektroautoherstellers eingezogen. Seine Anteile sind nun mehrere Milliarden Dollar wert. In der Milliardärsliste von Bloomberg, wo er lange Jahre als reichster Mann des Silicon Valley rangierte, ist er nun wieder auf Platz 11 vorgerückt, mit einem geschätzten Vermögen von 67 Milliarden Dollar. Reicher sind im Hightech-Tal nur Mark Zuckerberg, Elon Musk und die Google-Gründer. Bei TikTok kann sich Ellison, der bei Oracle auch als Cheftechnologe fungiert, von seinen Kindern Megan und David beraten lassen. Beide kennen sich im Mediengeschäft aus. Die Geschwister sind Filmproduzenten in Hollywood.

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