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Negatives WachstumWie deutsche Unternehmen unter der Konjunktur leiden

Deutschland schrumpft als einziges Land in der Untersuchung des IWF – baldige Besserung ist nicht in Sicht. Doch wie zeigt sich die Lage bei den Unternehmen? Drei Beispiele. 18.08.2023 - 07:44 Uhr Quelle: dpa

Überall im Land bekommen Unternehmen die schwache Konjunktur zu spüren.

Foto: imago images

Es ist mehr als nur eine kleine negative Zahl, die der Internationale Währungsfonds (IWF) errechnet hat. Denn hinter den 0,3 Prozent, um die die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr schrumpfen soll, stehen große und kleine Unternehmen, die überall im Land mit der Flaute zu kämpfen haben.

Die Inflation schwächte sich im Juli zwar ab, bleibt aber auf vergleichsweise hohem Niveau. Steigende Zinsen verteuern derweil Kredite. Die Zahl der Firmeninsolvenzen stieg zuletzt. Zugleich sank die Industrieproduktion im Juni überraschend stark. Das gebe einen Vorgeschmack auf schlechte Produktionszahlen in den kommenden Monaten, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte im Juli zum Geschäftsklimaindex seines Institutes: „Die Lage der deutschen Wirtschaft verdüstert sich.“ Und das Bundeswirtschaftsministerium machte Anfang der Woche wenig Hoffnung: „Aktuelle Frühindikatoren deuten noch nicht auf eine nachhaltige konjunkturelle Belebung in den kommenden Monaten hin.“

Wie sich die trübe Konjunktur konkret auswirkt, zeigen Schlaglichter auf drei Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen.

Brücklmaier – der Bäcker

Sebastian Brücklmaier kennt das Geschäft mit Backwaren seit Kindestagen. Der 31-Jährige wuchs in der Backstube auf und führt die Bäckerei Brücklmaier in sechster Generation. In fünf Filialen in München und drei im Umland beschäftigt er rund 70 Menschen. Seine Umsätze seien inflationsbedingt gestiegen, aber der Absatz sei leicht zurückgegangen. Generell sei das Bäckerhandwerk nur moderat von konjunkturellen Phasen betroffen. Es gebe weniger absolute Tiefs und Hochs, „vielleicht weil wir Grundversorger sind“.

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„Früher hatte ich beileibe nicht so hohe Raumkosten wie heute. Gerade in München ist es brutal“, sagt Brücklmaier. Auch die Materialkosten seien seit Russlands Angriff auf die Ukraine stetig gestiegen. Preiserhöhungen hätten die hohen Kosten nur zum Teil ausgleichen können. Für manche Kunden seien die Preise nun zu hoch. Um zu sparen, griffen diese auf Produkte vom Discounter zurück. In anderen Ländern seien Menschen dazu bereit, mehr von ihrem Einkommen für Lebensmittel aufzuwenden. „Wir haben die Geiz-ist-geil-Mentalität“, sagt Brücklmaier über die Deutschen.

Sein akutestes Problem ist die Personallage. „Früher konnten sich die Arbeitgeber die Arbeitnehmer aussuchen.“ Heute habe sich das Blatt komplett gewendet. Eine Alternative zum Standort Deutschland gebe es nicht. Als Bäckerei habe er nicht die Möglichkeit, ins Ausland abzuwandern. Schließlich sei er regionaler Versorger.

BASF – der Chemieriese

Auch der Chemiekonzern BASF leidet unter der Konjunkturschwäche und vergleichsweise hohen Energiepreisen in Deutschland. Das Dax-Unternehmen kündigte im Februar Einschnitte an, die auch vor dem Stammwerk in Ludwigshafen nicht haltmachen. So baut BASF unterm Strich 2600 Stellen weltweit ab, fast zwei Drittel davon in Deutschland.

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Am Hauptsitz legt der Konzern wegen gestiegener Gaspreise mehrere energieintensive Chemieanlagen still – etwa für Ammoniak. Davon sind weitere 700 Stellen in der Produktion betroffen. Mit den Sparprogrammen sollen die Fixkosten ab Ende 2026 jährlich rund eine Milliarde Euro niedriger liegen. Die Prognose für den Umsatz und bereinigten Betriebsgewinn für dieses Jahr senkte der Konzern bereits.

Vorstandschef Martin Brudermüller hat wiederholt teure Energie und zu viel Regulierung in Europa beklagt. BASF investiert nun verstärkt in den wichtigen Markt China: Bis zu zehn Milliarden Euro sollen in den neuen Standort Zhanjiang in der Provinz Guangdong fließen. Er soll die weltweit drittgrößte Produktionsstätte von BASF nach Ludwigshafen und Antwerpen werden. Kritiker monieren, dass sich der Konzern zu abhängig von Fernost macht und fürchten angesichts geopolitischer Spannungen einen Angriff Chinas auf Taiwan.

Würth – der Handelskonzern

Beim Handelskonzern Würth aus Baden-Württemberg ging es in den vergangenen Jahren steil nach oben. 2022 stieg der Umsatz um rund 17 Prozent – das Unternehmen kratzte an der 20-Milliarden-Euro-Marke. Auch das Betriebsergebnis legte kräftig zu. Das Unternehmen ist für sein Montage- und Befestigungsmaterial bekannt, zum Beispiel Schrauben.

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Doch nach den ersten sechs Monaten des Jahres ist dem rasanten Wachstum die Puste etwas ausgegangen. „Nach zwei Jahren mit Rekordmarken in Umsatz und Betriebsergebnis zeigt sich jetzt die konjunkturelle Abkühlung“, sagte Würth-Chef Robert Friedmann Mitte Juli.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz nur noch um 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Betriebsergebnis ging von 720 Millionen auf 680 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen nennt als Gründe unter anderem die gestiegenen Kreditzinsen, welche die Nachfrage in der für Würth wichtigen Bauwirtschaft hemmen. Aber auch höhere Kosten und ein nicht nachlassender Preisdruck sind Faktoren.

„Vor diesem Hintergrund sind wir mit der Entwicklung im ersten Halbjahr 2023 sehr zufrieden“, sagte Friedmann im Juli. Er hoffe auf sinkende Zinsen, die der wichtigste Impuls für Investitionen seien. Würth selbst wolle weiter investieren, auch wenn das Wachstum etwas schwächer sei und die Maßnahmen das Ergebnis etwas belasteten, sagte Finanzchef Ralf Schaich.

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dpa
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