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KarriereleiterTeuflische Rhetorik: Wiederholen, wiederholen und plötzlich wirkt es wahr

Illusory Truth Effect - die „Wahrheitsillusion“. Leute können selbst den größten Stuss behaupten – wenn sie es oft genug tun, entsteht der Anschein der Wahrhaftigkeit. Auch Sie können sich kaum dagegen wehren. Aber Sie können den Trick für sich nutzen. Eine Kolumne.Marcus Werner 15.05.2024 - 07:30 Uhr
Foto: AP

Es ist immer gut, rhetorische Tricks zu kennen. Um vor ihnen gefeit zu sein. Und sie bei Bedarf selber anwenden zu können. Wie die der Wahrheitsillusion durch Wiederholung.

Wir alle sind schon durch diese rhetorische Masche manipuliert worden. Meister dieses Tricks ist Donald Trump, dem es etwa gelungen ist, einem Teil der Medienwelt das Label „Fakenews“ aufzupfropfen. Mittlerweile scheint der Begriff der Fakenews so sehr in der amerikanischen Gesellschaft verfangen zu haben, dass es möglich erscheint, jedes gute Gegenargument als basierend auf Fakenews abzutun. Es gibt nun eben diese neue Kategorie. Und der Effekt ist der Eindruck: Es muss dann doch was dran sein.

Das deutsche Pendant ist die „Lügenpresse“. Oft genug erwähnt, scheint für einige heute kein Zweifel mehr daran zu bestehen: Viele Medien sagen systematisch bewusst die Unwahrheit. Sonst gäbe es ja nicht besagten stehenden Begriff, so der Eindruck.

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Auch der Begriff „Zwangsgebühr“ verfängt durch stetige Wiederholung. Weil er den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖR) vergleicht mit freiwilligen Abomodellen wie Netflix. Anstatt die Finanzierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio mit anderen öffentlichen, aber eben steuerfinanzierten Projekten zu vergleichen. Steuern zahlt man auch nicht freiwillig. Der Begriff des „Rundfunkbeitrags“ suggeriert hingegen, dass sich hier alle Haushalte an einem Gemeinschaftsprojekt beteiligen. Beide Seiten, Befürworter wie Kritiker des ÖR setzen darauf, dass sich die eigene Haltung durch die stetige Wiederholung der Schlagworte auf die Empfänger überträgt.

Auch das abfällig gemeinte Schlagwort der „alten weißen Männer“ fällt unter die Kategorie der Wahrheitsillusion. Wenn wir immer und immer wieder hören, dass diese je nach Zusammenhang vermeintlich selbstgefälligen, besserwisserischen, egoistischen, sexistischen, rassistischen, satten, hinterweltlerischen alten weißen Männer die Entwicklung hin zum Besseren mithilfe ihrer Seilschaften auszubremsen in der Lage sind, ja, dann nehmen wir das irgendwann einfach als gegeben hin. Ob das stimmt oder nicht, sei hier in einer Kommunikationskolumne dahingestellt. Aber das Schlagwort wirkt. Wie kommt das?

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Wie können wir nur so naiv sein?

Der Effekt ist Psychologinnen und Psychologen länger bekannt. Es ist offenbar so, dass wir uns mit dem, was wir immer und immer wieder zu hören bekommen, irgendwann anfreunden. Womöglich, um nicht ständig inneren Widerstand aufzubauen, was Mühe und Energie kostet, was wiederum nicht im Sinne unseres menschlichen Naturells ist. Wir wollen es praktisch und einfach. Und so entsteht bei uns aus Praktikabilitätsgründen ein „Dann ist es halt so“. Aus Ablehnung wird erst Neugier, dann Freundschaft.

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Und jetzt kommt der Knaller: Der Effekt befällt uns offenbar alle gleich. Egal wie clever und gebildet wir sind, wie wir gewöhnlich Probleme angehen und wie wir politisch ticken. Allein, dass uns eine Information erreicht, macht sie für uns erst einmal glaubwürdig. Weil es diese Information ja wahrhaftig gibt. Ob sie wahr ist, hinterfragen wir nur mit Aufwand.

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Forscher haben sogar nachgewiesen, dass das Phänomen der „Wahrheitsillusion“ selbst dann wirkt, wenn sogar klipp und klar ist, das eine Information Stuss ist. Solange zumindest ein Hauch von Nachvollziehbarkeit in der Behauptung enthalten ist.

Mir fällt dazu das folgende Beispiel ein: Menschen mit heller Haut sind vor Sonnenbrand besser geschützt als Menschen mit dunkler Haut, weil helle Oberflächen die Sonne besser reflektieren als dunkle, die sich viel stärker erhitzen. Das ist der „white skin sun shield effect“.
Wenn man Sie mit dieser These vom „white skin sun shield effect“ von Zeit zu Zeit belämern würde, würden Sie innerlich womöglich irgendwann mit den Achseln zucken: „Na, dann okay“. Über Stuss.

Wenn Sie sich über die Stigmatisierung der „alten weißen Männer“ ärgern, denken Sie zu Ihrer Beruhigung dran, es gibt Gegenentwürfe: die „Latte-Macchiato-Mütter“, die „Generation faul“, die „Quotenfrau“, die „Woke Bubble“.

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  1. Es ist gut zu wissen, dass wir dafür anfällig sind, uns mit der Unwahrheit zu arrangieren und am Ende sogar Unsinn zumindest für möglich zu halten, wenn wir ihn nur oft genug hören. Selbst, wenn wir eigentlich das Gegenteil für richtig halten. Bestes Beispiel dafür sind Werbeaussagen. Nehmen wir einmal den Schokoriegel Duplo von Ferrero. Theoretisch könnte die Firma uns jede Positionierung des Riegels in den Kopf pflanzen. Duplo, der Pausensnack (das war mal Raider, der heute Twix heißt).
    Duplo, das Frühstückchen (das ist Knoppers).Stattdessen wissen wir: Duplo ist die wahrscheinlich längste Praline der Welt. Ferrero wollte den Riegel also nicht als sättigenden Snack, sondern als süße Kleinigkeit zum Kaffee positionieren. Geben Sie es zu: Es hat verfangen. Über Monate und Jahre.
  2. Wir können selber überzeugender rüberkommen, wenn wir Behauptungen, Claims oder Schlagworte wiederholen. Und wenn Sie ein guter Mensch sein wollen, dann beschränken Sie sich auf Botschaften, von deren Wahrheit Sie selber überzeugt sind, und überzeugen Sie durch Wiederholung Ihrer Thesen die Skeptiker.
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Wiederholen Sie Ihre Thesen nicht immer nur in einem einzelnen Vortrag. Sondern von Gelegenheit zu Gelegenheit. In Team-Meetings, in E-Mails, auf Flyern, in Diskussionen. Knackig als Schlagwort oder als einprägsamer Satz funktioniert es natürlich am besten. Demnach erleben wir eine „Zeitenwende“ oder da wird eine „Wirtschaftswende“ gefordert. Und „in der Ukraine kämpfen die Menschen auch für unsere Freiheit“. „Die Zukunft fährt elektrisch“. Oder der Klassiker: „Die Rente ist sicher„.

Selbst, wenn Ihre Schlagworte von Menschen konsumiert werden, die die damit suggerierten Botschaften ablehnen, werden sie diese Thesen irgendwann wahrscheinlich zumindest für womöglich richtig angenommen werden.

Wenn Sie etwa in Ihren Unternehmen vor großen Umbrüchen stehen, die die Belegschaft fürchtet, weil sie am liebsten alles so beibehalten würde, wie es schon immer war, dann erläutern Sie die Umstände und bringen Sie es am Ende auf den Punkt:
„Wir wahren unsere Traditionen, indem wir uns wandeln.“
Und dann bringen Sie diese Ansicht immer mal wieder unter: Tradition dank Wandel. Irgendwann wird mit großer Wahrscheinlichkeit der Großteil der Belegschaft Ihre Überzeugung zumindest für eine akzeptable Position halten. Immerhin.

Überzeugen durch Wiederholung. Ein teuflisch-gutes rhetorisches Stilmittel. Viel Erfolg beim Ausprobieren. Und keine Angst, dass es irgendwann heißt: „Du wiederholst dich“. Das ist das Spiel.

Den Autor erreichen Sie über LinkedIn.

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