Zschabers Börsenblick: Gärtnern, reparieren und renovieren – Baumarktaktien liegen im Trend
Eine Branche auf Rekordniveau. Wo gibt es denn sowas? Angesichts schwacher Konjunkturzahlen und mieser Stimmung unter den Konsumenten wohl eher eine Ausnahme in Deutschland, die es aber nichtsdestotrotz gibt: Im zurückliegenden Jahr haben die Bau- und Heimwerkermärkte hierzulande einen Umsatz von über 21 Milliarden Euro erzielt. Damit lagen sie nur knapp unter dem bisherigen Rekordumsatz von 22 Milliarden Euro im Jahr 2020.
Während die Konsumenten bei vielen anderen Produkten auf die Spartaste drücken – beim Bauen, Basteln, Renovieren und Sanieren scheint es in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Dass dabei ausgerechnet 2020 den bisherigen Höhepunkt markiert, lässt tief blicken. Denn 2020 war das Jahr, in dem das Coronavirus mit voller Härte zuschlug.
Die Menschen machten es sich daheim gemütlich, weil Ausgehen nicht mehr ging. Deswegen wurden die eigenen vier Wände einschließlich Balkon und Garten aufgehübscht. Ein Trend, der mit dem Auslaufen der Pandemiebeschränkungen aber nicht endete. Deutschland, traditionell ohnehin schon ein Hort der sprichwörtlichen heimischen Gemütlichkeit, macht es sich noch gemütlicher. Der Besuch beim Bau- und Heimwerkermarkt nebenan ist dabei unumgänglich.
Klimawandel beflügelt das Geschäft zusätzlich
Doch neben der Gemütlichkeit gibt es noch einen weiteren Faktor, der für Wachstum bei den Bau- und Heimwerkermärkten sorgt: der Klimawandel. Wenn Sturm und Regen stärker als je zuvor toben und Haus und Garten beschädigen, greifen die Deutschen auch gerne mal selbst zu Maurerkelle und Spaten. Es wird ausgebessert was das Zeug hält, und teils auch für die Zukunft katastrophensicher gemacht. Und weil der Gesetzgeber die Vorgaben anzieht, werden auch gleich Außenwände und Dachboden gedämmt und die Heizung modernisiert.
Dass Unwetterereignisse das Geschäft ankurbeln, sieht man auch daran, dass einige Baumärkte für Kunden, die von solchen Katastrophen heimgesucht wurden, spezielle Rabatte anbieten. Sonderkonditionen auf Baustoffe und deren Zustellung, dem Umsatz der Märkte hilft das auf jeden Fall.
Lesen Sie auch: Alles außer Tiernahrung? Wie Praktiker in die Pleite rutschte
Die größten Baumärkte gibt es in den USA
Auf die Einwohnerzahl umgerechnet gab im zurückliegenden Jahr jeder Bundesbürger im Schnitt etwas mehr als 260 Euro in den Bau- und Heimwerkermärkten hierzulande aus. Das ist viel, aber wenig im Vergleich zu den USA. Dort werden es im laufenden Jahr Schätzungen nach über 1800 Euro pro Kopf sein. Das entspricht einem Gesamtumsatz der Branche in den USA von über 610 Milliarden Euro. Bis 2028, so Prognosen, soll der Umsatz auf über 680 Milliarden Euro steigen. Allein diese wenigen Zahlen zeigen: Deutschland mag ein Land der Heimwerker sein, die USA sind es noch viel mehr. Darum wundert es auch nicht, dass die größten Bau- und Heimwerkermärkte aus den USA kommen. Auf Platz eins weltweit rangiert Home Depot mit einem Umsatz im zurückliegenden Jahr von über 150 Milliarden Dollar. Auf Platz zwei folgt Lowe's, ebenfalls ein US-Unternehmen, mit einem Umsatz von über 86 Milliarden Dollar.
In Europa führt die französische Groupe Adeo das Ranking der größten Baumärkte an, mit einem Umsatz von knapp 32 Milliarden Euro. Es folgt Kingfisher aus Großbritannien mit rund 15 Milliarden Euro. Größter Bau- und Heimwerkermarkt in Deutschland ist Bauhaus mit Firmensitz in Zug in der Schweiz. Mit einem europaweiten Umsatz von rund acht Milliarden Euro konnte Bauhaus jüngst auch am Rivalen Obi vorbeiziehen. Obi verzeichnete in Deutschland im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro, Bauhaus kommt auf 4,3 Milliarden Euro. Es folgen Hornbach mit knapp 3,4 Milliarden Euro, Rewe mit den Ketten Toom und B1 mit zusammen 3 Milliarden Euro und Hagebau mit 2,8 Milliarden Euro.
Lesen Sie auch: „Handwerker finden leichter einen neuen Job als Software-Entwickler“
Erfolg ist aber keine Selbstverständlichkeit
Dass aber auch Baumärkte nicht losgelöst vom üblichen Wirtschaftsgeschehen agieren, zeigen die Probleme bei BayWa. Auch wenn das Unternehmen nicht zu den klassischen Einzelhändlern gehört – BayWa ist vor allem im Großhandel für gewerbliche Baukunden tätig und vertreibt zudem landwirtschaftliche Güter und Dienstleistungen –, zeigt der bereits 1923 als Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften AG gegründete Konzern, was man besser nicht tun sollte – auch wenn das Geschäft prima läuft. BayWa hat in den zurückliegenden Jahren eine enorm starke Expansionspolitik betrieben und im In- und Ausland viele Übernahmen getätigt, dabei vieles auf Pump. Auf über fünf Milliarden Euro sollen sich die Schulden derzeit belaufen. In Zeiten niedriger Zinsen kein Problem, doch wenn diese steigen, wird es schwierig. Allein im Jahr 2023 sollen die Zinsforderungen 340 Millionen Euro bei Baywa erreicht haben. Ein umfangreiches Sanierungskonzept tut Not, Ende offen.
Doch BayWa scheint erst einmal eine Ausnahme zu sein. Der Branche der Bau- und Heimwerkermärkte geht es gut. Basteln, Renovieren und Sanieren ist ein Trend, der sich langfristig fortsetzen könnte. Bleibt die Frage, wie Anleger davon profitieren. Einen ETF auf Bau- und Heimwerkermärkte gibt es nicht. Sinnvoll ist daher ein Engagement in ausgesuchte Aktien. Und hier bieten sich fast nur ausländische Unternehmen an. Deutschlands Baummarktszene ist bis auf wenige Ausnahmen nicht börsennotiert. Schade, denn der Basteltrend käme bestimmt auch gut an der Börse an.
Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.
Lesen Sie auch: So will Obi den Baumarkt-Thron zurückerobern