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RhetorikWie hart darf die Sprache im Job sein?

Der Management-Moment der Woche: „Fritze Merz“ erzähle gerne „Tünkram“, schimpft Olaf Scholz. Wie Sie im Büro deutlich werden – und den Ton treffen.Dominik Reintjes 22.12.2024 - 09:08 Uhr

Das Tünkram-Drama: Bundeskanzler Olaf Scholz hat Friedrich Merz mit ungewöhnlicher Wortwahl vorgeworfen, Unwahrheiten zu verbreiten. (Archivbild 2023)

Foto: imago images

Das ist passiert

Kurz nachdem Olaf Scholz im Bundestag das Vertrauen verloren hatte, wurde er im ZDF-Interview deutlich. Sehr deutlich sogar. Angesprochen darauf, dass Oppositionsführer Friedrich Merz ihn dafür kritisiert hatte, als Bundeskanzler auf EU-Gipfeln eher zu schweigen als sich einzuschalten, sagte Scholz: „Fritze Merz erzählt gern Tünkram.“

Tünkram? Das steht im Plattdeutschen für „dummes Zeug“. Und Fritze statt Friedrich? Merz reagierte empört: „Ich verbitte mir, dass der Herr Bundeskanzler mich in dieser Art und Weise hier persönlich bezeichnet und angreift.“

Das können Sie daraus lernen

Offenbar war der Kanzler nach der Vertrauensfrage emotional geladen, wie so häufig in den Wochen seit dem Ampel-Aus. Souveräner wäre es gewesen, CDU-Chef Friedrich Merz nicht persönlich anzugreifen, betont Marie-Theres Braun, Trainerin für Rhetorik und Verhandlungsführung. Doch eben das fällt vielen Menschen schwer. Auf Kritik im Beruf reagieren sie angefressen, beleidigt, konfrontativ. Das geht besser: Wie halte ich meine Emotionen im Griff? Wie reagiere ich souverän auf Kritik und bleibe in der Sache doch deutlich?

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1. Kritik umdeuten

Marie-Theres Braun kennt viele Arten, wie der Bundeskanzler mit der vorausgegangenen Kritik von Merz besser hätte umgehen können. Und die lassen sich auch auf den Alltag vieler anderer Menschen im Job übertragen. Eine davon: das Reframing, die positive Umdeutung. „Ich nehme den Vorwurf gewissermaßen an, drehe ihn aber ins Positive“, erläutert Braun. Wenn jemand im Büro den Kollegen dafür kritisiert, heute im Meeting wieder so aufbrausend gewesen zu sein, würde die positive Umdeutung lauten: „Ja, richtig, ich bin leidenschaftlich – und das Thema ist mir wichtig.“ 

Eine andere Technik wäre die „Gerade-weil-Methode“: Wirft der Kollege einem vor, viel zu jung und unerfahren zu sein, könnte die Antwort lauten: „Gerade, weil ich so jung bin, sehe ich Dinge, die ihr vielleicht noch nicht betrachtet habt.“

Wie Sie als Chef auf Feedback reagieren sollten
Schaffen Sie eine Kultur, in der Ihre Mitarbeiter Ihnen auch Feedback geben dürfen. Machen Sie klar, dass Sie ein offenes Ohr für Kritik haben.
Wenn Mitarbeitende Sie kritisieren, fragen Sie nach, welche Situation konkret gemeint ist. So stellen Sie sicher, dass Sie die Kritik richtig interpretieren.
Wehren Sie sich nicht gegen Vorwürfe. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter ausreden, hören Sie sich die Kritik an und denken Sie darüber nach.
Sagen Sie am Ende des Gesprächs „danke“. Das gibt auch den Mitarbeitenden eine Wertschätzung dafür, dass sie den Mut hatten, Kritik zu äußern.
Geben Sie Ihren Kritikern Feedback. Sprechen Sie sie ein paar Tage später an und machen Sie klar, dass und wie Sie sich mit der Kritik auseinandergesetzt haben.
Falls die Kritik berechtigt war: Seien Sie sich nicht zu schade, einen Fehler zuzugeben.
Nicht alle Mitarbeitenden fühlen sich wohl damit, den Chef zu kritisieren. Wenn Sie die ehrliche Meinung interessiert, ergreifen Sie selbst die Initiative und fragen Sie nach, was andere denken.

Das Ziel solcher Taktiken sei stets, Diskussionen nicht unnötig emotional aufzuladen – schon gar nicht mit Beleidigungen, betont Braun. Wer die Gegenseite mit deren Verhalten konfrontiert, kann sachlich aufdecken, dass sie zu weit gegangen ist. Wichtig sei dabei, nicht in der Ich-Form zu sprechen. „So zeige ich meinem Gegenüber, dass ich mich nicht rechtfertige und mir den Angriff nicht zu Herzen nehme“, sagt Braun.

2. Emotionen kontrollieren

Es gelte, die Sache von dem Menschen zu trennen – und nicht mit Vorwürfen und direkter Ansprache zu arbeiten. Eher Sätze wie: „Diese Äußerung ist komplett falsch.“ Und eben nicht: „Du redest völligen Unsinn!“

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Um die eigenen Emotionen im Zaum zu halten, helfe es, sich nach einer Kritik oder einem persönlichen Angriff Zeit zu verschaffen, rät Braun. „Die Emotionen sind nach fünf Sekunden nicht mehr so drastisch wie nach einer. Bevor ich reagiere, sollte ich für eine Pause sorgen.“ Etwa mit einer konkretisierenden Nachfrage: Was genau stört dich an meiner Aussage? Worauf beziehst du dich? Oder indem man mit eigenen Worten und deutlich wohlwollender wiedergibt, was die oder der andere gerade gesagt hat. Braun erläutert: „So richte ich den Fokus auf die andere Person und nehme die Schärfe aus der Debatte.“

3. Bloß nicht zu authentisch

Manche politische Beobachter erkennen in Scholz' Ansage an Merz authentisch: So sei er eben, der Kanzler, hanseatisch überheblich. Braun hält das nicht unbedingt für falsch - aber für tückisch: Wer besonders authentisch ist, würde auf eine Kränkung womöglich mit einer Beleidigung reagieren, die  ihm gerade im Kopf herumschwirrt. „Impulsivität schadet der Beziehung und der Debatte“, sagt Braun. Die Rhetoriktrainerin zitiert die Psychoanalytikerin Ruth Cohn: „Alles, was gesagt wird, soll echt sein; nicht alles, was echt ist, soll gesagt werden.“ Authentizität sollte also mit Sensibilität und Wirkungsbewusstsein einhergehen.

4. Vorsicht mit Ironie!

Auch als Olaf Scholz auf die mit „Könnten Sie...“ eingeleitete Frage einer Journalistin mit „Nö“ antwortete, interpretierten das manche als trockenen Humor. Und andere als respektlos. Das zeigt: Mit Humor ist es so eine Sache. Marie-Theres Braun warnt: „Im Streit hat Ironie wenig zu suchen.“ Sie müsse eindeutig gekennzeichnet sein. Denn die Emotionen sind in einem Konflikt ohnehin meist feindselig. „Und diese Emotionen wollen wir bestätigen. Alles, was mein Gegenüber sagt, deute ich negativ.“

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