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Zschabers Börsenblick
Im ersten Halbjahr, das über weite Teile von Covid-19 geprägt war, ging es mit dem Nettoumsatz der Hornbach-Baumarkt AG um 20,6 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro nach oben Quelle: dpa

Für Heimwerker ist immer Krise

Corona hat vereinzelte Gewinnerbranchen hervorgebracht, aber nicht nur im Hightech-Bereich. Mancher Krisenprofiteur ist sogar Old Economy par excellence. Warum sich Anleger Baumarktaktien ansehen sollten.

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Es gibt nicht unzählige, aber doch einige Industriezweige, die sich während der Corona-Pandemie der vergangenen Monate als Krisengewinner herauskristallisiert haben. Definitiv eine davon ist die Branche der Baumärkte. Im Zuge von Lockdowns und anderen Beschränkungen des alltäglichen Lebens haben sich viele Deutsche vermehrt in und auch mit den eigenen vier Wänden beschäftigt oder sich zum ersten Mal seit langer Zeit um ihren Garten gekümmert. Und wer seine Wohnung streicht, den Balkon neu bepflanzt oder ein Gartenhäuschen baut, der hat als erste Anlaufstelle eben den Heimwerkermarkt oder das Gartencenter – vor allem wenn diese hierzulande trotz umfangreicher Restriktionen anders als der Rest des Einzelhandels von Beschränkungen ausgenommen sind.

Ein Unternehmen, bei dem man das zu spüren bekommt, ist die Kette Hornbach: Im ersten Halbjahr, das über weite Teile von Covid-19 geprägt war, ging es mit dem Nettoumsatz der Hornbach-Baumarkt AG um 20,6 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro nach oben (Vorjahr: 2,44 Milliarden Euro), das flächen- und währungskursbereinigte Umsatzwachstum der Bau- und Gartenmärkte des Bornheimer Unternehmens lag bei 19,4 Prozent.

Ansturm auf Märkte und Online-Shop

Doch nicht nur in den Filialen brummte das Geschäft. So legte das Onlinegeschäft in den ersten sechs Monaten des Jahres wegen der Pandemie konzernweit um zwei Drittel zu – wenn man so will, ist Hornbach also auch ein Gewinner der Corona-bedingten Digitalisierung. Am Aktienkurs der Hornbach-Baumarkt AG lässt sich der Boom besonders deutlich ablesen: Vom Tief Mitte März schoss die Notierung des in den späten 60er-Jahren gegründeten Unternehmens förmlich nach oben, um mehr als den Faktor drei legte das Papier seitdem zu. Im Zuge dieser Rally ist Hornbach mittlerweile mit rund anderthalb Milliarden Euro an der Börse bewertet.

Der Boom der Baumärkte ist aber keinesfalls nur auf Deutschland beschränkt. Auch jenseits des Atlantiks ist das Thema ein großes. Zwar konnte die Aktie der US-amerikanischen Baumarktkette Home Depot im Zeitraum der vergangenen sechs Monate „nur“ ein Plus von rund 70 Prozent vorweisen. Doch auch Home Depot ist alles andere als ein Krisenverlierer. Schon Mitte August gab der Konzern für das zweite Quartal Zahlen bekannt, die stärker als von der Wall Street erwartet ausfielen. So legte neben der Käuferzahl in den Märkten auch die durchschnittliche Kaufsumme pro Besucher zu. Insgesamt stieg der Umsatz um gut 23 Prozent auf 38,1 Milliarden US-Dollar. Gegen Hornbach ist Home Depot ein wahrer Gigant, der im altehrwürdigen Dow-Jones-Index gelistete Weltmarktführer aus Atlanta bringt in etwa das 150-Fache auf die Börsenwaage – auch wenn er erst zehn Jahre nach Hornbach gegründet wurde.

Steter Trend, stabile Dividende

Für Anleger sind beide Unternehmen auch unter langfristigen Aspekten interessant, denn der Trend des Heimwerkelns ist ein ungebrochener. Und beide Vertreter liefern in punkto Dividende ordentlich ab – jeder schüttet auf den aktuellen Kurs bezogen etwa 2,2 Prozent an Rendite aus. Gemäß des alten Börsianer-Sprichworts „The trend is your friend“ und bei einem flüchtigen Blick auf die Kursentwicklung des laufenden Jahres wäre Hornbach zwar die näherliegende Wahl. Doch wer den längerfristigen Chart bemüht, erkennt die beeindruckende Kontinuität der Performance der Home-Depot-Aktie: Im Laufe der vergangenen neun Jahre hat sich die Notierung im Wert nahezu verzehnfacht.


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Und es gibt noch etwas, das speziell für Home Depot spricht: So dramatisch es für die jeweils Betroffenen ist, aber die große Häufung von Naturkatastrophen in den USA, speziell die Schäden während der Hurrikan-Saison, sorgen – so zynisch das klingen mag – für eine Sonderkonjunktur und verleiht dem US-Markt ein riesiges Potenzial. Das gilt ganz unabhängig von Corona – gegen Wirbelstürme wird es keinen Impfstoff geben.

Es ist aber auch abseits von Überschwemmungen, Sturmschäden und Blitzeinschlägen so: In den eigenen vier Wänden ist immer etwas zu erledigen, irgendwas lässt sich immer optimieren. Mit anderen Worten: Gefühlt ist für Heimwerker immer Krise – Unternehmen wie Hornbach und Home Depot profitieren davon.
Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

Mehr zum Thema: Weitere Aktien, die auch in der Coronakrise profitieren, finden Sie jeden Freitag in den Anlagetipps der Woche.

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