Auszeichnung Friedensnobelpreis geht an Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi

Der Friedensnobelpreis 2014 geht an zwei Preisträger: Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi teilen sich die Auszeichnung für ihr Engagement für die Rechte von Kindern.

Friedensnobelpreis für Malala Yousafzai Quelle: AP

Die Jury in Oslo hat das Geheimnis um den diesjährigen Friedensnobelpreisträger gelüftet: Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi erhalten die Auszeichnung für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und jungen Menschen sowie für das Recht auf Bildung für alle Kinder.

Die heute 17 Jahre alte Malala wurde 2012 weltbekannt, nachdem die Taliban sie wegen ihres Engagements für Schulbildung für Mädchen angeschossen und schwer verletzt hatten. Malala lebt seit dem Anschlag in Birmingham. Die pakistanischen Taliban drohen ihr für den Fall ihrer Rückkehr mit dem Tod. Das Mädchen wurde 2013 mit dem Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments, dem Sacharow-Preis, ausgezeichnet.

Friedensnobelpreis Kailash Satyarthi Quelle: dpa

Der 60-jährige Kailash Satyarthi ist ein indischer Kinderrechtsaktivist. Er wurde bereits in den Neunzigerjahren etwa mit dem Aachener Friedenspreis und dem Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet. Die Stiftung ehrte Satyarthi 1999 für "seinen unermüdlichen Einsatz gegen Kindersklaverei in Südasien". Er war zum Beispiel maßgeblich daran beteiligt, dass 1994 das "Rugmark"-Kontrollsiegel eingeführt wurde. Das Siegel wird für Produkte wie etwa Teppiche vergeben, bei denen nachweislich keine Kinderarbeit im Spiel war.

"In der Tradition von Mahatma Ghandi"

Derzeit gebe es etwa 168 Millionen Kinderarbeiter in der Welt, sagte der Chef des Nobel-Komitees, Thorbjoern Jagland. "Im Jahr 2000 war diese Zahl um 78 Millionen höher." Die Welt komme ihrem Ziel näher, Kinderarbeit zu beseitigen. Eine besondere Symbolkraft sieht das Nobel-Komitee darin, dass der Preis an einen Hindu aus Indien und eine Muslima aus Pakistan vergeben wird, die gemeinsam für Bildung und gegen Extremismus kämpfen. Beide Religionsgruppen und Staaten haben eine lange Geschichte gewaltsamer Auseinandersetzungen und Kriege.

Satyarthi habe großen persönlichen Mut bewiesen und in der Tradition von Mahatma Ghandi auf unterschiedliche Weise gegen die Ausbeutung von Kindern für wirtschaftliche Ziele protestiert - immer friedlich. Er habe auch zur Ausarbeitung internationaler Kinderrechte beigetragen. Satyarthi widmete den Preis in einer ersten Reaktion "all jenen Kindern, die unter Sklaverei, Zwangsarbeit und Kinderhandel leiden".

Malala habe trotz ihrer Jugend schon jahrelang für die Rechte von Mädchen in ihrer Heimat Pakistan gekämpft. Sie sei ein gutes Beispiel dafür, wie junge Menschen selbst zur Verbesserung ihrer Lage beitragen könnten. Dabei seien ihre persönlichen Lebensumstände sehr gefährlich. „Durch ihren heroischen Einsatz ist sie die führende Sprecherin für das Recht von Mädchen auf Bildung geworden“, erklärte das Komitee. Sie ist die jüngste Preisträgerin aller Zeiten.

Glückwünsche von Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der jungen Pakistanerin und Satyarthi zum Friedensnobelpreis gratuliert. Merkel begrüßte nach Angaben der Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz insbesondere, dass damit das Verdienst der beiden für Kinderrechte beachtet werde.

Bei der Rekordzahl von 278 vorgeschlagenen Kandidaten für 2014 dürfte dem Nobelkomitee die Wahl alles andere als leicht gefallen sein. Die bekannten Nominierungen reichten von Papst Franziskus über den US-Whistleblower Edward Snowden bis zu dem kongolesischen Arzt Denis Mukwege. Erst vor einer Woche soll sich das norwegische Komitee auf einen Preisträger geeinigt haben, berichtete der Fernsehsender "NRK".

Wer schon den Friedensnobelpreis bekam
2017Mit dem Friedensnobelpreis 2017 für die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) hat die Jury ein klares Signal für ein Verbot von Atomwaffen gesetzt. „Wir leben in einer Welt, in der das Risiko, dass Atomwaffen zum Einsatz kommen, größer ist als lange Zeit“, sagte die Chefin des norwegischen Nobel-Komitees Berit Reiss-Andersen am Freitag. „Wir senden Botschaften an alle Staaten, vor allem die mit Atomwaffen.“ Sie seien aufgefordert, ihre Verpflichtungen zum Verzicht auf Nuklearwaffen einzuhalten. Ican erhält die weltweit wichtigste politische Auszeichnung unter anderem für ihre „bahnbrechenden Bemühungen um ein vertragliches Verbot solcher Waffen“. Die Organisation hat maßgeblich am UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen mitgewirkt, der im Juli unterzeichnet wurde und von 122 Staaten unterstützt wird. Quelle: dpa
Nobelpreis 2015 Santos Quelle: AP
2015Den Friedensnobelpreis 2015 erhielt das tunesische Quartett für den nationalen Dialog - für die Bemühungen, eine pluralistische Demokratie in Tunesien im Zuge des Arabischen Frühlings aufzubauen. Es stieß einen friedlichen politischen Prozess an, als das Land kurz vor dem Ausbruch eines Bürgerkriegs stand. Das Quartett besteht aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband (UGTT), dem Arbeitgeberverband (UTICA), der Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer. Diese vier Mitglieder repräsentieren verschiedene Bereiche und Werte in der tunesischen Gesellschaft: das Arbeitsleben, die staatliche Fürsorge, Grundsätze des Rechtsstaates und die Menschenrechte. Quelle: BR Quelle: dpa
Friedensnobelpreis für Kailash Satyarthi und Malala Yousafzai Quelle: dpa
2013 Mit den Chemiewaffen-Vernichtern der OPCW wurde ebenfalls eine Organisation ausgezeichnet. Quelle: dpa
2012Der Friedensnobelpreis geht an die Europäische Union. Die EU erhalte die Auszeichnung, weil sie "mehr als sechs Jahrzehnte zur Verbreitung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa beigetragen hat", begründete der Vorsitzende des Norwegischen Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, in Oslo am Freitag die Entscheidung. Die EU war bereits mehrfach als möglicher Träger des Friedensnobelpreises gehandelt worden. Quelle: Handelsblatt Online
2010Sehr zum Ärger der chinesischen Machthaber zeichnet das Nobelkomitee den chinesischen Regimekritiker Liu Xiaobo (rechts) aus. Er unterstützte im Dezember 2008 mit 302 anderen chinesischen Intellektuellen das im Internet veröffentlichte Bürgerrechtsmanifest Charta 08. Quelle: REUTERS

Während Tipper im Internet auch auf einen Preis für UN-Chef Ban Ki Moon oder Altkanzler Helmut Kohl setzten, sahen manche Friedensforscher kurz vor der Verkündung das japanische Volk vorne, das sich für den Erhalt seiner pazifistischen Verfassung einsetzt.

Der Direktor des Osloer Friedensforschungsinstitutes Prio tippte auf die russische Zeitung „Nowaja Gaseta“. „Unabhängige Berichterstattung und freie Medien tragen zu Frieden bei, indem sie Regierungen (...) zur Verantwortung ziehen“, erklärte Kristian Berg Harpviken. „Trotzdem hat noch kein Medium den Friedenspreis bekommen.“

Zehn Mythen über den Nobelpreis

Mit der Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers geht die Woche der Nobelpreise zu Ende. Seit Montag hatten Jurys in Stockholm Preisträgern Auszeichnungen in Medizin, Physik, Chemie und Literatur zugesprochen.

Alle Preise sind mit jeweils acht Millionen schwedischen Kronen (rund 880.000 Euro) dotiert und werden an Alfred Nobels Todestag, dem 10. Dezember, verliehen. Anders als die anderen Auszeichnungen wird der Friedenspreis in Oslo übergeben. Im vergangenen Jahr war die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen mit dem Preis geehrt worden.

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