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Donald TrumpMit Populismus pur auf dem Weg ins Weiße Haus

Der streitbare Milliardär Donald Trump gewinnt eine Vorwahl nach der nächsten. Sein Erfolgsgeheimnis: plätten, pöbeln, prahlen. Eine exklusive Sprachanalyse zeigt die Masche hinter Trumps erfolgreichen Auftritten.Tim Rahmann, Andreas Menn 16.03.2016 - 06:35 Uhr

Der Milliardär und Republikaner Donald Trump will Präsident werden – und dafür ist ihm fast jedes rhetorische Mittel recht. Das zeigt er bei jedem Auftritt und bei jedem TV-Duell. Seine Behauptungen polarisieren und sind oft mehr als zugespitzt. Auch seine republikanischen Kontrahenten stellen Behauptungen auf. Doch was daran ist eigentlich wahr? Wir dokumentieren sechs Aussagen aus dem vergangenen TV-Duell und checken sie auf ihren Wahrheitsgehalt.

Foto: dpa

Trump und Putin

Mitbewerber Marco Rubio: „Und Wladimir Putin, für den Sie, Donald, Bewunderung ausgedrückt haben...“
Trump: „Falsch. Falsch.“
Rubio: „Donald, Sie haben gesagt, er sei ein starker Führer.“
Trump: „Falsch.“


Die Fakten: Tatsächlich bewertete Trump Putin im Vergleich mit US-Präsident Barack Obama positiv. In einem Interview des Fernsehsenders MSNBC vom 18. Dezember freute sich Trump über ein Lob des russischen Präsidenten: „Wenn dich jemand als brillant bezeichnet, ist das immer gut, besonders dann, wenn derjenige Russland lenkt.“ Als der Interviewer darauf verweist, dass Kritiker Putin vorwerfen, Gegner umzubringen zu lassen und in die Ukraine einmarschiert zu sein, erwidert Trump, dass Putin „sein Land führt, und zumindest ist er ein Führer, anders als das, was wir in diesem Land haben“.

Foto: dpa

Trump und Terror

Trump: Angehörige der Attentäter des 11. Septembers 2001 durften um die Zeit der Anschläge herum die USA verlassen, obwohl „sie wussten, was passierte. Die Ehefrau wusste ganz genau, was passierte. Sie reisten zwei Tage vorher ab und sie sahen im Fernsehen zu, wie ihre Ehemänner ins World Trade Center, ins Pentagon flogen.“


Die Fakten: Es ist nicht bekannt, dass Verwandte der Flugzeugentführer vor oder nach den Anschlägen in den USA waren. Trump scheint Angehörige der Entführer mit Angehörigen von Osama bin Laden zu verwechseln, die sich damals in den USA aufhielten. Sie verließen das Land neun Tage nach den Anschlägen, nicht zwei Tage davor. Nachdem Bin Laden zum Hauptverdächtigen geworden war, organisierte Saudi-Arabien die Ausreise von mehr als 20 Mitgliedern von dessen Familie, zumeist Nichten und Neffen, da Racheakte seitens US-Bürgern befürchtet wurden. Die Regierung des damaligen US-Präsidenten George W. Bush wurde wegen der Ausreiseaktion scharf kritisiert.

Foto: dpa

Trump und Geld

Marco Rubio, einer von Trumps republikanischen Kontrahenten, äußerte sich abwertend über den Geschäftserfolg des Unternehmers Trump, schließlich habe dieser „mehr als 200 Millionen Dollar geerbt“.

Die Fakten: Das ist schwer zu sagen. Trumps Vater, Fred Trump, starb 1999 und hinterließ ein Vermögen, das öffentlich auf 200 Millionen bis 250 Millionen Dollar (nach heutigem Wert 182 Millionen bis 227 Millionen Euro) geschätzt wurde. Genaue Angaben gibt es nicht, und das Vermögen sollte zwischen Trump und zweien seiner Geschwister aufgeteilt werden.

Foto: REUTERS

Trump und Handel

Trump: „Beim Handel gehen wir völlig unter. . Mit China werden wir handelsmäßig 505 Milliarden Dollar verlieren. . . Mexiko, (sind es) 58 Milliarden Dollar. Japan, wahrscheinlich etwa, sie wissen es noch nicht genau, aber (da sind es) etwa 109 Milliarden Dollar.“

Die Fakten: Trump liegt beim US-Handelsdefizit mit China völlig daneben. Es betrug 2015 insgesamt 365,7 Milliarden Dollar – ein Rekord und das größte Defizit der USA mit einem anderen Land. Doch das US-Defizit mit allen Ländern zusammen lag vergangenes Jahr bei 531,5 Milliarden nach 508,3 Milliarden im Jahr 2014 – also etwa so viel wie Trump nur dem Handel mit China zuschrieb. Bei den Zahlen für Mexiko lag Trump richtig, nicht aber bei jenen für Japan. Es betrug im vergangenen Jahr nicht 109 Milliarden, sondern 68,6 Milliarden.

Foto: dpa

Trump und Folter

Trump: Er wiederholte seine Forderung nach harten Verhörmethoden für Terrorverdächtige. „Wir sollten Waterboarding einsetzen, und wir sollten noch schärfere Mittel als Waterboarding einsetzen.“ Auf die Frage, was er tun würde, wenn sich die Streitkräfte einem solchen Befehl widersetzten, weil er gegen US-Recht verstieße, sagt er: „Sie weigern sich nicht. Sie werden sich mir nicht verweigern. Glauben Sie mir.“

Die Fakten: Angehörige der Streitkräfte sind verpflichtet, einen Befehl zu verweigern, der nach Militärrecht illegal ist. Führen sie einen gesetzeswidrigen Befehl aus, riskieren sie eine Bestrafung.

Foto: AP

Trump und Clinton

Trump: „Ich habe (die demokratische Präsidentschaftsbewerberin) Hillary Clinton in vielen Umfragen geschlagen. Die Pew-Umfrage kam gerade heraus. Ich habe Hillary Clinton vor kurzem in einer Fox-Umfrage geschlagen, ich habe Hillary Clinton in 'USA Today' geschlagen, ich habe sie heute in einer Umfrage in Ohio geschlagen. Ich bin der einzige, der Hillary Clinton schlägt.“

Die Fakten: Tatsächlich wird Trump in der jüngsten Fox-Umfrage von Clinton geschlagen, während eine 'USA Today'-Umfrage ihn in Führung sieht. In zahlreichen Umfragen seit Mai ist Clinton im direkten Vergleich weit häufiger die Gewinnerin als Trump. Dies sagt allerdings noch nichts darüber aus, wer bei der Wahl im Herbst letztlich die Nase vorn hat, wenn beide Parteien über ihren jeweiligen Präsidentschaftsbewerber entschieden haben.

Foto: dpa

Spannend wäre es auf jeden Fall, ein Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Frau gegen Mann, Politikerin gegen Unternehmer, Diplomatin gegen Provokateur.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Clinton für die Demokraten und Trump für die Republikaner im November um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen werden, ist vergangene Nacht weiter gestiegen. Beide Präsidentschaftskandidaten haben mindestens vier Staaten für sich entschieden, Hillary Clinton wahrscheinlich sogar alle fünf.

Clinton fuhr wichtige Siege sicher in Florida, North Carolina, Illinois und Ohio ein. Das sichert ihr eine große Zahl weiterer Delegierter auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur. Trump siegte für die Republikaner in Florida, Illinois und North Carolina. Missouri steht noch auf der Kippe: Sowohl bei den Demokraten wie bei den Republikanern kürte dort nur der Sender NBC Hillary Clinton und Donald Trump zum Sieger, alle anderen US-Medien sagten in der Nacht zum Mittwoch „too close to call“, es reicht noch nicht für ein Ergebnis.

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Jeb Bush, Chris Christie und Martin O'Malley: Prominente Namen sind bereits raus aus dem Rennen um die US-Präsidentschaft. Wer noch dabei ist - und was Sie über die Bewerber wissen müssen.

Wie gelingt ihm Wahlsieg über Wahlsieg? Welche Rhetorik macht Trump zum Liebling der Massen? Und wie schneidet dagegen Hillary Clinton ab, Trumps gefährlichste Kontrahentin aus dem Lager der Demokraten?

Die WirtschaftsWoche geht dem Phänomen Trump auf die Spur - mit modernster Datenanalyse: Eine Software des US-Unternehmens Quantified Communications zerlegt gesprochene und geschriebene Sprache in ihre Einzelteile, stellt mittels künstlicher Intelligenz Zusammenhänge her und misst etwa, wie glaubwürdig und authentisch, wie klar und überzeugend sie ist.

Grafik

Worte mit Wirkung

Wie die Wahlkampfreden von Trump und Clinton in der Sprachanalyse abschneiden.

Dazu haben die Texaner tausende Texte in ihr System geladen, Testpersonen zur Wirkung von politischen Reden befragt und neueste Erkenntnisse der Psycholinguistik integriert.

Für den Vergleich Trump gegen Clinton speisten die Sprachsezierer je fünf Texte der beiden Spitzenpolitiker in ihre Software, von den Antrittsreden vergangenen Sommer bis zu den Sieges-Ansprachen nach den Vorwahlen am vergangenen Dienstag. Die Software spürte Schlüsselwörter auf, maß die Länge der Sätze, identifizierte Sprechmuster. Am Ende spuckte sie Werte für acht Redeeigenschaften aus. 50 Punkte sind Durchschnitt, 100 sind Top.

Donald Trump, so das Ergebnis, war schon bei seiner Antrittsrede in vielen Kategorien spitze - etwa in puncto mitreißender, emotionaler Sprache. In anderen steigerte er sich: So nahm der Anteil der überzeugenden Phrasen in seinen Reden während der Kampagne um 68 Prozent zu. In der Summe redet Trump verständlicher und optimistischer als Clinton - und er wirkt dabei authentischer und überzeugender. Die Erfolgsformel Trump im Detail:

Verständlich

Donald Trump macht es seinen Zuhörern leicht. Kurze Sätze, einfache Worte. Und: Die wichtigen Botschaften wiederholt der Republikaner gerne auch einmal.

Ein Beispiel vom “Super Tuesday”: “We’re going to make America great again, folks. We’re going to make it great again.”

Trumps Botschaft, die Vereinigten Staaten wieder zu alter Stärke zurückzuführen, wird gleich zwei Mal betont. Nach der Aussage macht Trump eine Pause – damit der Zuhörer die Botschaft verarbeiten und beklatschen kann.

Trumps Reden sind so einfach gestrickt, dass sie im Schnitt von guten Sechstklässlern verstanden werden können. Das zeigt die Analyse der Trump’schen Siegesrede von Florida, die wir mithilfe des Flesch–Kincaid-Verständlichkeitstests untersucht haben.

Bei dem Test, der einst für die US-Marine ausgearbeitet wurde, werden etwa die Satzstruktur und die Anzahl der Silben der verwendeten Wörter bewertet. Heraus kommt eine Punktzahl. Je höher die Zahl ist, desto einfacher ist der Text zu verstehen. Bei Trumps-Rede lautet der Wert: 76,5.

Zum Vergleich: Das US-Politmagazin „Time“ erreicht nur 52 Punkte, Hillary Clinton mit ihrer Rede vom „Super Tuesday“ 69,7 Punkte.

Während Schüler schon mehr als acht Jahre die Schulbank gedrückt haben müssen, um der Demokratin problemlos zu folgen, sind Trumps Botschaften bereits mit etwas mehr als sechs Jahren Schulbildung zu verstehen.

Die einfache Sprache macht Sinn: Schließlich ist Trump besonders beliebt bei Wählern ohne Hochschulabschluss. Er gibt sich als Kämpfer deren Interessen aus. Eine akademische Rede würde diesem Eindruck widersprechen.

Das Ergebnis des Flesch–Kincaid-Verständlichkeitstests bestätigen auch die Datenanalysten von Quantified Communications. Trump kommt hier auf sensationelle 99 von 100 Punkten, Clinton auf 84.

Optimistisch

Die USA sind in einem erbärmlichen Zustand, glaubt man Trump. Die Infrastruktur „vor dem Kollaps“, die Außenpolitik ein „Desaster“; Mexiko würde die USA an der Grenze mit seiner illegalen Einwanderung „killen“, behauptet der Milliardär. Trumps Rede vom “Super Tuesday” war so aggressiv wie nie, zeigt die Auswertung von Quantified Communications - und deutlich konfrontativer als die Ansprache Clintons. Trumps Vortrag enthielt im Vergleich zur Clinton-Rede 23,6 Prozent mehr negative Kampfbegriffe.

Aber: Bei all den schlechten Nachrichten hat Trump auch eine hoffnungsfrohe Botschaft an seine Wähler: Mit ihm als Präsident werde sich das Blatt wenden. Das Handelsdefizit werde verringert und die US-Armee “größer und stärker denn je”. Niemand werde sich mit den USA anlegen, Trump werde sein Land wieder “großartig” machen.

Hillary Clinton hingegen versprüht kaum Optimismus. Zwar betont sie patriotisch, dass Amerika nicht zu alter Stärke zurückgeführt werden müsse. “Das Land hat nie aufgehört, großartig zu sein“, so Clinton. Aber statt an dem Punkt weiterzumachen und einen Wahlkampf der Hoffnung zu führen, der Barack Obama 2008 ins Weiße Haus geführt hat, spricht sie fortan lieber über die Probleme. Dass die Löhne stagnieren, dass die Mittelschicht schrumpft. Und dass Skandale wie in Flint, Michigan, wo die Bürger zwei Jahre mit verseuchtem Wasser versorgt wurden, das Vertrauen in die Politik natürlich untergraben hätten.

Ergebnis laut Quantified Communications: 82 Punkte für Trump, 70 für Clinton.

Authentisch

Es ist eines der größten Pluspunkte von Donald Trump: seine Authentizität. Die Wähler halten Trump zugute, dass er „sagt, was er denkt“. Dieses Klischee bedient der Milliardär auch in seinen Reden. Er spricht frei, liest nicht von einem Manuskript ab – und hat die vergangenen Siegesreden – so auch am „Super Tuesday“ – am Ende zu einer Pressekonferenz umgestaltet, indem er Fragen von Journalisten beantwortete. Nicht ohne bitterböse Verweise, wie sehr er die Medien doch verachte.

Hillary Clinton wirkt hingegen alles andere als authentisch. Die Wähler, so zeigen es Umfragen, misstrauen ihr. Glauben, sie tue alles, nur um zu gewinnen. Ihre Positionen seien flexibel – je nachdem, wie die öffentliche Stimmung ist. Das spiegelt sich auch in ihren Reden wider. Clinton flüchtet sich in komplizierte Sätze und Vergleiche. Während Trump die USA „großartig machen will“, verspricht Clinton, Amerika „whole again“ (auf Deutsch: zu einer Einheit) zu machen. Ein Slogan, der kompliziert ist und mehr Fragen als Antworten aufwirft.

Übertrieben

Vor Übertreibungen und Superlativen scheut Trump nicht zurück. 1,7 Prozent seiner Rede am Super Tuesday bestanden aus Wörtern wie “amazing” und “spectacular”, “best” und “greatest”. Clinton nutzte diese Prahlwörter nur zu 0,16 Prozent.

In der Summe ist Trump, so irritierend es selbst Parteigenossen finden, ein extrem wirkungsvoller Redner - messbar. Clinton holt auf, sie redet im Verlauf ihrer Kampagne verständlicher (plus 19 Punkte) spricht weniger negativ (minus 15 Punkte).

Aber Trump führt im Rhetorik-Ranking, zumindest nach Ansicht des Computers. Wird ihm das sogar zum Präsidentenamt helfen? Dazu müssen selbst die Computerlinguisten: Schweigen.

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