Bundestagswahl 2025: Hier wird die AfD die stärkste Kraft
AfD gewinnt alle ostdeutschen Flächenländer.
Foto: dpaDie AfD ist bei der Bundestagswahl in allen fünf ostdeutschen Flächenländern stärkste Kraft geworden. Das geht nach Auszählung aller Wahlbezirke aus Daten der Landeswahlleiter in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen hervor. Bundesweite Hochrechnungen am späten Abend und frühen Morgen sahen die AfD hinter der Union klar auf Platz 2.
Bei den drei Landtagswahlen im Osten im vergangenen Jahr hatte die AfD zwar stark zugelegt, war aber nur in Thüringen stärkste Kraft geworden. In Brandenburg hatte die SPD gewonnen, in Sachsen die CDU. Die Landesämter für Verfassungsschutz in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt stufen die jeweiligen AfD-Landesverbände als gesichert rechtsextremistisch ein und beobachten sie.
AfD mit deutlich mehr als 30 Prozent
In Brandenburg erhielt die AfD nach Auszählung aller Wahllokale 32,5 Prozent der Zweitstimmen, wie der Landeswahlleiter mitteilte. Der Verfassungsschutz Brandenburg stuft die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. Die zweitplatzierte CDU kommt auf 18,1 Prozent, die SPD nur noch auf 14,8 Prozent. Bei der Landtagswahl im September 2024 hatten die Sozialdemokraten noch knapp vor der AfD gelegen.
In Thüringen kam die AfD nach Auszählung aller Wahlbezirke auf 38,6 Prozent. Die CDU landete mit 18,6 Prozent weit dahinter vor der Linken mit 15,2 Prozent. Aus der Bundestagswahl 2021 und der Landtagswahl 2024 war die AfD im Freistaat ebenfalls als stärkste Kraft hervorgegangen.
Auch in Sachsen wurde die AfD mit großem Abstand stärkste Partei. Sie kam nach Auszählung aller Wahlbezirke auf 37,3 Prozent. Die zweitplatzierte CDU erreichte 19,7 Prozent. Bei der Landtagswahl im September hatte die CDU die AfD noch knapp in die Schranken weisen können.
In Mecklenburg-Vorpommern erreichte die AfD nach dem vorläufigen Ergebnis 35 Prozent der Stimmen und verdrängte die SPD vom Spitzenplatz.
CDU-Landeschef: AfD-Erfolg ein Schock
Sachsen-Anhalts CDU-Chef Sven Schulze fordert Konsequenzen aus dem deutlichen Erfolg der AfD in Ostdeutschland. „Wir freuen uns, dass wir die Bundestagswahl gewonnen haben. Friedrich Merz wird Kanzler. Aber im Osten haben wir ein Problem, ein großes“, sagte Schulze vor Sitzungen der CDU-Spitzengremien in Berlin. Darüber müsse man reden, weil es sich nicht nur um kleine Abstände handele. „Das müssen wir jetzt aufarbeiten.“ Nötig sei aus Berlin ein stärkerer Fokus auf Ostdeutschland, inhaltlich und personell. Die AfD war in allen fünf ostdeutschen Flächenländern stärkste Kraft geworden.
Der CDU-Landeschef sagte, das AfD-Ergebnis sei „ein großer Schock“ gewesen. Dass es so stark ausgefallen sei, habe viele Gründe. Es sollte aber zu denken geben, dass Menschen bei großer Wahlbeteiligung ganz bewusst die AfD gewählt hätten. Ziel müsse es sein, den Menschen in Ostdeutschland das Gefühl zu geben, dass außerhalb der AfD Parteien in der Lage seien, sie richtig zu vertreten. Das könne nur die CDU sein.
Schulze zeigte sich erleichtert, dass im Bund eine Zweierkoalition mit der SPD möglich ist. „Wenn es die Grünen auch noch gebraucht hätte, wäre das für Ostdeutschland ein sehr großes Problem gewesen.“
Hier finden Sie den Koalitionsrechner: Diese Koalitionen sind möglich
AfD holt erstmals auch im Westen Zweitstimmen-Mehrheiten
Die AfD hat sich zum ersten Mal in ihrer Geschichte auch im Westen Zweitstimmen-Mehrheiten in zwei Wahlkreisen geholt. In Gelsenkirchen (24,7 Prozent) liegt sie vor der SPD, in Kaiserslautern (25,9 Prozent) vor der CDU. In beiden Wahlkreisen gewinnt aber der SPD-Kandidat die Mehrheit der Erststimmen.
Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel spricht von einem historischen Erfolg ihrer Partei. Sie verweist auf das starke Abschneiden unter den Jungwählern und erklärt: „Das ist ein starker Indikator, dass wir die Partei der Zukunft sind.“ Die AfD habe beste Chancen in den nächsten Jahren die Union zu überholen.
Weidel hat nach eigener Aussage einen Glückwunsch-Anruf von Milliardär Elon Musk verpasst. „Ich hab heute morgen, als ich mein Telefon anmachte beziehungsweise draufgeschaut habe, entgangene Anrufe in der Nacht aus den USA erhalten, unter anderem auch von Elon Musk, der persönlich gratuliert hat“, sagte Weidel bei einer Pressekonferenz in Berlin. Sie kündigte an, sie werde heute telefonieren, „mit wem, das werde ich Ihnen jetzt hier nicht sagen, weil das gewissen Vertraulichkeitsstufen unterliegt“. Man sei im Austausch und im Gespräch mit allen Seiten „und dazu gehört auch die Trump-Administration in Washington“. Musk, der US-Präsident Donald Trump berät, hatte sich im Wahlkampf für die AfD eingesetzt.
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