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CDU-Parteivorsitz Merz präsentiert neues Buch – und holt gegen Greta Thunberg aus

Die jungen Leute sollten auch mal zuhören, so Merz bei der Vorstellung seines Werkes durch FDP-Chef Lindner. Zusammen wagen sie schwarz-gelbe Gedankenspiele.

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Niemand Geringeres als der FDP-Chef stellte am Freitag das neue Buch von Friedrich Merz vor. Quelle: dpa

Der CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz hat junge Umweltschützer um die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg zum unvoreingenommenen Dialog aufgefordert. „Ihr müsst auch mal Widerspruch akzeptieren. Vor allen Dingen an der Stelle, wo es nun wirklich mit Euren steilen Thesen nicht stimmt“, sagte Merz bei der Vorstellung seines Buches „Neue Zeit. Neue Verantwortung“ durch FDP-Chef Christian Lindner am Freitag in Berlin.

Interessant an der Präsentation: Sitzen da künftige Koalitionspartner zusammen? Gleich zu Beginn tauschen Merz und Lindner Freundlichkeiten aus, aber auch kleine Spitzen, beide duzen sich. In vielen Fragen sei man einer Meinung – in vielen auch nicht, sagt der CDU-Mann.

Er finde, dass die FDP im deutschen Parteienspektrum einen Platz habe, meint Merz etwas gönnerhaft. Und dass er sich gewünscht hätte, dass die FDP schon in der aktuellen Regierung dabei gewesen wäre. „Dann wäre nicht die AfD, sondern die SPD die größte Oppositionsfraktion geworden.“

Eine Anspielung auf das Scheitern der Verhandlungen über eine schwarz-grün-gelbe Koalition nach der Bundestagswahl 2017 – die FDP war aus den Gesprächen ausgestiegen.

Lindner revanchiert sich mit einer etwas süffisanten Bemerkung. Es sei ja eine „besondere Geste“, dass Merz nicht im grünen Anzug mit grüner Krawatte gekommen sei.

Lindner: „Man hört den Sound“

Sie beide seien schließlich Schwarz-Gelbe. Zumindest, was den Fußball angehe – Merz war mal Mitglied im Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. „Wie sich das politisch entwickelt, wird sich ja noch zeigen“, meint Lindner trocken.

Es sei nicht das erste Buch, was er von Merz gelesen habe, berichtet der FDP-Chef, und noch dazu ein authentisches. „Man hört den Sound. Man kann also sich vorstellen, wie er im Sauerland am Schreibtisch gesessen hat und in die Tasten gehauen hat“, sagt Lindner – und Merz freut sich natürlich.

Rückendeckung gibt Lindner Merz gegen eine „mediale Zuschreibung“, nach der dieser einen Bruch mit der Ära von CDU-Kanzlerin Angela Merkel anstrebe. An keiner Stelle habe er einen solchen Bruch erkennen können, urteilt der FDP-Chef.

Zwar werde Merkel nicht so oft zitiert, sagt Lindner spitz - aber in der Substanz habe er doch „große Kontinuität“ bemerkt. Ob das Merz wirklich gefällt?

Merz schreibt in seinem Buch über die Konsequenzen aus der Corona-Pandemie („Es wird sich auch zeigen, dass sich unser Föderalismus in der Krise erneut bewährt hat“), der ökologischen Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft widmet der Wirtschaftsexperte einen eigenen Abschnitt, bevor er auf über 100 Seiten seine Vision für ein Deutschland im Jahr 2030 entwirft („Ein dynamisches und lebensfrohes Land“).

Einen neuen Generationenvertrag schlägt Merz unter anderem vor – es sollten keine Entscheidungen mehr getroffen werden, die einseitig die nächste Generation belasten.

In das Europa-Kapitel wirkt Merz die Weltpolitik ein, zum Schluss widmet er sich auf 17 Seiten seiner Partei, der CDU. Dort spart er nicht an Kritik, etwa als er schreibt: „Wenn führende Persönlichkeiten unserer Partei öffentlich sagen, das Konservative gehöre nicht (mehr) zu unserem „Markenkern“, dann offenbart dies einen Mangel an Mut zur klaren Standortbestimmung der Union.“

Für Gesprächsstoff dürften Thesen sorgen, die Merz auch bei der Vorstellung unterstreicht. So sei zwar unbenommen, dass die schwedische Klimaaktivistin Thunberg viel zur umweltpolitischen Debatte beigetragen habe.

„Aber diese Behauptung, wir hätten dieser Generation die Kindheit und die Jugend genommen, ist ein völlig abwegiger Vorwurf“, kritisiert Merz erneut. Noch keine Jugend sei in einer so friedlichen Zeit aufgewachsen wie die jetzige Generation.

Merz könnte FDP Wähler streitig machen

Er beschwere sich nicht darüber, dass sich junge Leute politisch engagierten, sagt Merz. „Ich habe nur eine Bitte: Hört auch mal zu zwischendurch. Und bitte akzeptiert auch mal, dass es andere Meinungen gibt. Und wenn wir uns auf der Grundlage einigen, ist das eine tolle Sache.“

Lindner gibt sich zurückhaltend auf die Frage, ob er der Kritik von Merz an den Thunberg-Aussagen zustimme. „In meinem Alter will man so aufgeregte gesellschaftspolitische Debatten nicht mehr führen“, sagt er ironisch.

Dass ausgerechnet Lindner das Merz-Buch präsentiert, ist ungewöhnlich. In der Union gibt es die These, dass eine Kandidatur von Merz wirtschaftsliberale Anhänger der FDP zur Union ziehen und den Liberalen so schaden könnte.

Doch der FDP-Chef gibt sich entspannt: „Ich bin immer offen für einen sportlichen Wettbewerb.“ Wenn über die für die FDP wichtigen Themen gesprochen werde, helfe das schließlich auch den Liberalen.

Ganz zum Schluss hört es sich zwischen Merz und Lindner dann beinahe so an, als ginge es schon um Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 2021. Ohne Grüne oder FDP beim Namen zu nennen, sinniert Merz: „Ich hätte nichts dagegen, wissend, dass es natürlich dann auch nicht unbedingt leichter wird, wenn es drei sind und nicht zwei.“

Natürlich wolle die FDP im kommenden Jahr gerne Verantwortung übernehmen, entgegnet Lindner. „Es ist immer die Frage: Gibt es die Bereitschaft zu fairem Miteinander? Und kann jeder der beteiligten Partner auch eigene inhaltliche Projekte umsetzen?“ Da war sie wieder, die alte Wunde aus den geplatzten Verhandlungen im Jahr 2017.

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