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ElringKlinger-Chef Wolf „Bloß keine Verstaatlichung“

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„Viele in unserer Industrie werden ausscheiden“

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnt ja vor Zombie-Zombie-Unternehmen. Haben Sie davor auch Angst?
Er hat den Finger in die richtige Wunde gelegt. Man muss mit sehr viel Augenmaß herangehen. Wir müssen unsere Industrie wieder richtig aufstellen. Alle sprechen von Corona, aber wir haben einen Riesen-Transformationsprozess in der Industrie, der schon vorher begonnen hat.

Aber wie soll sich ein Unternehmen, das Motorblöcke gießt, verändern?
Keine Frage, dass das schwierig ist. Viele in unserer Industrie werden ausscheiden. Es wird eine Konsolidierung geben. Diejenigen, die sich vorbereitet haben, wie wir bei ElringKlinger vor 15, 20 Jahren, werden eine sehr gute Zukunft haben. Aber man muss sich klar sein: In unserer Industrie scheiden auch Spieler aus, die unvorbereitet sind.

Und da kann auch der Staat nichts machen?
Der Zug fährt schon relativ schnell, da ist es schwierig, noch aufzuspringen. Dennoch gibt es natürlich Dinge, die der Staat tun kann. So fordern wir beispielsweise schon seit längerem, dass die steuerliche Forschungsförderung nochmal aufgestockt wird. Auch eine verbesserte Zusammenarbeit der Hochschulen und staatlichen Forschungseinrichtungen mit kleineren und mittleren Unternehmen könnte helfen. Insgesamt brauchen wir wieder wachstumsfreundlichere Rahmenbedingungen in Deutschland.


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Aber es sind 50 Prozent der Autozulieferer, die so dastehen, dass sie sich nicht schnell transformieren können?
Wir reden hier von Worst-Case-Szenarien. Gesprächsrunden, wie die bei der Kanzlerin, sollen ja gerade Wege aufzeigen, um ein Eintreten dieses Szenarios zu verhindern.

Diese Arbeitsplätze wären dann für immer weg.
Sehr viele Arbeitsplätze in der Produktion werden betroffen sein. Die wird sich komplett verändern im Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb.

Die Forderung der IG-Metall, diese Arbeiter so auszubilden, dass sie in einem zukunftsträchtigen arbeiten können, ist also eigentlich richtig.
Das muss man differenziert sehen. In vielen anderen Industrien haben wir einen Mangel an Arbeitskräften. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass jemand, der heute in einer Fabrik arbeitet und Metallteile stanzt, noch eine Ausbildung macht zum Kranken- oder zum Altenpfleger, wo wir einen Mangel haben.

Beim Metallstanzen ist deutlich weniger Empathie gefordert als in Pflegeberufen. Wäre das ein guter Fit?
In meiner Produktion gibt es viele Menschen, die sehr gut in der Lage wären – das sind tolle Leute. Die Menschen müssen offen sein, langfristig denken und sich überlegen, wo sie eine Chance haben.

Das Thema Löhne ist bei so einer Entscheidung nicht unwichtig: Altenpfleger verdienen nur ein Drittel von Autoarbeitern.
Das zeigt, dass die IG Metall an die anstehenden Tarifverhandlungen im Dezember bitte sehr verhalten herangehen muss. Wir müssen eher darüber sprechen, wie wir Arbeitskosten pro Stunde reduzieren, und nicht darüber, wie wir sie weiter aufbauen. Das Lohnniveau ist extrem hoch und verglichen mit anderen wichtigen Berufsfeldern sehr unfair. Da müssen wir im Metall- und Elektrobereich mal auf die Bremse treten.



Die IG Bau ist forsch vorgeprescht und hat sich mit einer guten Lohnerhöhung durchgesetzt. Weckt das nicht Begehrlichkeiten?
Wir sprechen in der Metall- und der Elektroindustrie über völlig andere Zahlen als am Bau. Der Bau kann kein Vorbild sein. Die Unternehmer stellen sich die Frage, ob sie überhaupt noch wettbewerbsfähig sind bei den Löhnen in Deutschland. Das wird eine Zerreißprobe.

Sie fordern eine Negativ-Lohnrunde?
Die Lohn-Tabelle kann im nächsten Jahr nicht erhöht werden. Und man muss sich über Zusatzleistungen unterhalten, wie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld. Die müssen wir in Frage stellen und anpassen. Sonderzahlungen und sonstige Privilegien wie Pausenzeiten können wir zurückfahren.

Also ein Schluss mit Weihnachtsgeld ist besser als eine Verstaatlichung?
Das kann man so nicht vergleichen. Aber wir müssen darüber nachdenken, wie wir die Arbeitskosten reduzieren – und das geht über Sonderleistungen und andere nicht finanzielle Dinge.

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