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Fehlende FachkräfteStädteranking: Hier treffen Babyboomer auf besonders wenig Nachwuchs

Politik und Wirtschaft diskutieren seit Wochen über ein großes Problem: Fehlende Erwerbstätige, wenn die Babyboomer in Rente gehen. So unterschiedlich sind Deutschlands 15 größte Städte von der Lücke betroffen.Svenja Gelowicz 22.12.2022 - 19:28 Uhr

In Düsseldorf müssen sich Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber darauf einstellen, dass in zehn Jahren knapp 30 Prozent weniger potenzielle Arbeitskräfte im erwerbsfähigen Alter zur Verfügung stehen werden.

Foto: dpa

Eine reformierte Fachkräftezuwanderung, der spätere Renteneintritt: Ökonomen, Unternehmen und Politiker streiten über den richtigen Weg, um die entstehende Fachkräftelücke möglichst kleinzuhalten. Wenn die geburtenstarken Babyboomer allmählich in Rente gehen, fehlen dem deutschen Arbeitsmarkt bis 2035 sieben Millionen Fachkräfte, zeigen Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. 

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts lebten Ende 2021 in Deutschland rund 12,6 Millionen Menschen im Alter zwischen 55 und 65 Jahre. Sie erreichen in den nächsten zehn Jahren das Renteneintrittsalter und werden aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Ihnen gegenüber stehen lediglich 8,5 Millionen Junge im Alter zwischen 15 und 25 Jahren, die in der kommenden Dekade nach Schule und Ausbildung ins Erwerbsleben starten. Sie fehlen, um Wärmepumpen zu installieren, die Alten zu pflegen, Lkws zu fahren.

Die Jobplattform JobNinja hat die Daten des Statistischen Bundesamts regional aufgeschlüsselt. Das Unternehmen hat die 15 größten Städte Deutschlands mit Blick auf die Differenz der Unter-25-Jährigen und Über-55-Jährigen analysiert. Dabei kommen regionale Unterschiede deutlich zum Vorschein.

Düsseldorf und Essen auf den beiden letzten Plätzen

Denn rein statistisch könnte die Lücke in Dresden, München, Frankfurt, Köln und Hamburg verhältnismäßig glimpflich ausfallen. Am besten dürfte die boomende sächsische Landeshauptstadt mit dem Problem des fehlenden Nachwuchses zurechtkommen: Auf knapp 65.000 erwerbsfähige Dresdner im Alter zwischen 55 und 65 kommen rücken 60.400 Personen im Alter von 15 bis 25 Jahren nach. Im Vergleich zu den anderen Städten liegt die Lücke nur bei 12 Prozent. In München, Frankfurt, Köln und Hamburg beträgt die statistische Lücke zwischen 15 und 20 Prozent, in Stuttgart und Bremen liegt sie bei gut 21 Prozent.

Für Städte wie Dresden dürfte es dabei vor allem zur Herausforderung werden, junge Menschen zu halten. Denn was die Auswertung nicht zeigt, sind diejenigen, die beispielsweise für ihre Ausbildung oder nach ihrem Studium in eine andere Stadt ziehen.

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Deutlich größer ist die Differenz von Babyboomern und Unter-25-Jährigen in Dortmund, Leipzig, Duisburg, Berlin, Hannover und Nürnberg. Bis zu 28 Prozent weniger Erwerbstätige könnten dem Arbeitsmarkt dort zur Verfügung stehen. In Düsseldorf und Essen sind es um die 30 Prozent. Die beiden Städte in Nordrhein-Westfalen belegen damit die letzten Plätze im Ranking.

PwC-Studie: Vor allem Handel und Konsumgüterindustrie brauchen Fachkräfte

Laut einer aktuellen Studie der Beratung PwC Deutschland, die sich auf Daten des Wirtschaftsinstituts WifOR und der Bundesagentur für Arbeit stützt, müssen vor allem der Handel und die Konsumgüterindustrie sich auf einen extremen Mangel an ausgebildeten Fachkräften einstellen: Im Jahr 2035 könnte eine von drei Stellen in der Branche unbesetzt bleiben. Das entspricht 1,95 Millionen Arbeitsplätzen im Handel und 600.000 Stellen in der Konsumgüterindustrie. Der Fachkräftemangel schränke bereits jetzt das Einkaufserlebnis im Einzelhandel spürbar ein, heißt es in der Auswertung.

Zwei Stellschrauben, über die die Politik diskutiert, sind der spätere Renteneintritt und Fachkräfte aus dem Ausland. Am Sonntag kritisierte Arbeitsminister Hubertus Heil Unternehmen dafür, dass sie zu oft ältere Beschäftigte aufs Abstellgleis zu schieben. „Der Fachkräftemangel droht zur Wachstumsbremse zu werden. Dass viele Unternehmen Menschen über 60 nicht mehr einstellen, ist eine Haltung, die wir uns deshalb nicht mehr leisten können“, sagte der SPD-Politiker der „Bild am Sonntag“. Es gelte, in Firmen für altersgerechte Arbeitsplätze zu sorgen. „Nur so kann sichergestellt werden, dass die Arbeit wirklich bis zum Renteneintritt erledigt werden kann.“ Heil bekräftigte außerdem seine Haltung, dass das Renteneintrittsalter nicht weiter nach oben gesetzt werden dürfe.

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