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  4. Kompromiss beim CDU-CSU-Streit: Merkel und Seehofer haben sich geeinigt, Seehofer bleibt

Horst Seehofer bleibt„Habemus Einigung“

In der Nacht war es nun so weit. Staatsministerin Dorothee Bär twitterte „Habemus Einigung“. Horst Seehofer bleibt im Amt. Aber der Kompromiss im Asylstreit hat Tücken – und die Frage ist: Geht die SPD mit? 03.07.2018 - 09:35 Uhr aktualisiert

Horst Seehofer bleibt CSU-Vorsitzender und Bundesinnenminister.

Foto: dpa

Für die CSU ist es der bisher noch fehlende Baustein hin zu einer „Asylwende“. Von einem wichtigen Tag für Deutschland, aber auch für die Union, spricht Generalsekretär Markus Blume. Für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist quasi die Quadratur des Kreises gelungen: eine Einigung im „Geist der Partnerschaft in der Europäischen Union“ und ein entscheidender Schritt, „um Sekundärmigration zu ordnen und zu steuern“. Doch der Unions-Kompromiss über den Umgang mit bestimmten Asylbewerbern steht bisher noch auf tönernen Füßen.

Was besagt der Kompromiss?
An der deutsch-österreichischen Grenze sollen Asylbewerber, für deren Asylverfahren andere EU-Länder zuständig sind, an der Einreise gehindert werden. Sie sollen in Transitzentren kommen, aus denen die Asylbewerber direkt in die zuständigen Länder zurückgewiesen werden. „Dafür wollen wir nicht unabgestimmt handeln, sondern mit den betroffenen Ländern Verwaltungsabkommen abschließen oder das Benehmen herstellen.“ Wenn Länder sich einer Rücknahme verweigern, soll „die Zurückweisung an der deutsch-österreichischen Grenze auf Grundlage einer Vereinbarung mit der Republik Österreich“ stattfinden.

Um wie viele Fälle geht es überhaupt?
Im laufenden Jahr wurden laut Medienberichten bis Mitte Juni 18.349 Asylsuchende in Deutschland aufgenommen, die bereits in der europäischen Fingerabdruckdatei Eurodac erfasst waren - also woanders schon registriert wurden. Es geht also gar nicht um besonders viele Fälle, aber der CSU ging es auch um ein Zeichen, dass der Staat nach den Turbulenzen 2015, der Merkel zur „Flüchtlingskanzlerin“ machte, zeigt, dass er an den Grenzen stärker durchgreift. „Die Sicherheit unseres Landes beginnt an der Grenze“, betont CSU-General Blume.

Die Reaktionen auf die Unions-Einigung im Asylstreit
„Ein Auseinanderbrechen der deutschen Regierung, knapp 100 Tage nach ihrem Amtsantritt, wurde zwar fürs Erste verhindert, aber die Spannungen innerhalb des Regierungslagers sind damit keineswegs aus dem Weg. Dies schadet Deutschland nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. Diese Spannungen schädigen die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung - und dies gerade in Zeiten, in denen diese viele wichtige Entscheidungen treffen muss. Die Krise schafft eine enorme Unsicherheit für die Wirtschaft, was bereits jetzt zu einem Rückgang der Investitionen und des Wirtschaftswachstums beiträgt. Die Spannungen zwischen den Regierungsparteien schaden nicht nur Deutschland, sondern auch Europa, da die Glaubwürdigkeit der deutschen Regierung und der Bundeskanzlerin dadurch beschädigt wird“, so Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).
„Die große Koalition muss endlich aus dem Krisenmodus der vergangenen Wochen herausfinden und ihrer Verantwortung für das Land gerecht werden. Die Flüchtlingsfrage ist bei weitem nicht das einzige Problem“, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands Mittelständischer Wirtschaft (BVMW). „Denn: Die Konjunktur trübt sich bedenklich ein, bei der Digitalisierung liegen wir deutlich zurück, der Fachkräftemangel kostet Wachstum und die aufkommenden Handelskonflikte bedrohen unsere Exporte. Auch auf europäischer Ebene stehen große Aufgaben an, wie der Brexit. Angesichts dieser Herausforderungen braucht Deutschland dringend eine handlungsfähige, stabile Regierung.“
„Aus wirtschaftlicher Sicht ist es zunächst erfreulich, dass die Regierungskrise überwunden scheint. Doch es bleibt erschreckend, wie wenig an inhaltlicher Substanz dazu gehört, eine derartige Krise auszulösen. All dies sind Menetekel eines Verfalls des politischen Systems, wie wir es kennen. Insofern bleibt die Unsicherheit trotz lautstarker Kompromissverkündung letztlich bestehen. Deutschland und Europa gehen ungewissen Zeiten entgegen“, sagte Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung.
„Eine europäisch koordinierte Asylpolitik hat ökonomische Vorteile. Im Konflikt um die deutsche Asylpolitik stand die Frage im Mittelpunkt der politischen Debatte, ob das Land die Ziele seiner Asylpolitik auch im nationalen Alleingang erreichen könnte. Abgesehen von den Kosten von Grenzkontrollen im Binnenmarkt, trägt eine funktionierende europäische Flüchtlingsaufnahme zur Stabilisierung überlasteter Staaten wie Libanon und Jordanien bei. Diese Stabilisierung ist auch von erheblichem ökonomischen Nutzen für Europa. Hinzu kommt, dass ein europäischer Ansatz den EU-Mitgliedstaaten eine Versicherung gegen hohe Kosten zukünftiger neuer Flüchtlingskrisen bieten kann“, meint Friedrich Heinemann, Ökonom am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann, kritisiert die von der Union angestrebten Transitzentren. Diese würden „kaum die Lösung sein“, sagt er dem Wirtschaftsnachrichtenportal Business Insider. „Es ist dringend notwendig, dass die Fluchtursachen endlich wirksam bekämpft werden.“
„Ich begrüße die Einigung von CDU und CSU ausdrücklich und hoffe, dass die Koalition dies jetzt aber auch sehr zügig mit der erforderlichen Rechtssicherheit umsetzt“, sagte Gewerkschaftschef Ernst Walter dem „Handelsblatt“. Er sei außerdem „sehr froh“ darüber, dass CSU-Chef Horst Seehofer „Haltung gezeigt hat, nicht zurückgetreten ist und weiter unser Innenminister bleibt“.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bewertete die geplante Einrichtung von Transitzentren für Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze skeptisch. „Das ist ein alter Hut“, sagte der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Jörg Radek der „Mitteldeutschen Zeitung“. Auch beschränke sich das Vorhaben nur auf die deutsch-österreichische Grenze. Radek fügte hinzu: „Meine Befürchtung ist, dass der Grenzschutz zur Symbolpolitik missbraucht wird. Das gilt auch für Transitzentren.“
Die SPD zeigt sich offen für den Einigungsvorschlag der Union, sieht laut Fraktionschefin Andrea Nahles aber noch „erheblichen Beratungsbedarf“. Die von der Union geforderten Transitzentren für Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze seien „nicht derselbe Sachverhalt, nicht dieselbe Gruppe“ wie auf der Höhe des Flüchtlingszuzugs 2015/2016, sagt Nahles nach einer Fraktionssitzung in Berlin. „Deshalb lehnen wir den Begriff auch ab.“
Die von CDU und CSU vereinbarten Regeln läuten aus Sicht der AfD keine Trendwende in der Asylpolitik ein. Parteichef Jörg Meuthen sagte der Deutschen Presse-Agentur, Seehofer habe von der CDU „nur ungedeckte Schecks erhalten“. Deutschland werde sich auch in Zukunft schwer damit tun, Asylbewerber, die einmal die Grenze passiert haben, wieder außer Landes zu bringen. Auch durch die Unterbringung in grenznahen Transitzentren von Menschen, die eigentlich in einem anderen EU-Land ihr Asylverfahren durchlaufen müssten, werde dieses grundlegende Problem nicht gelöst. Er könne sich zudem nicht vorstellen, dass die österreichische Regierung eine Zurückweisung von Ausländern an der Grenze akzeptieren werde, sagte Meuthen.
Die Grünen haben den Kompromiss massiv kritisiert. Der Vorsitzende Robert Habeck sieht darin einen Aufguss alter Ideen: „CDU und CSU haben einen Vorschlag von 2015 rausgekramt und verkaufen das als Einigung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Diesen alten Kram kippen sie nun der SPD vor die Füße und sagen: Super, das ist es jetzt. Dabei hat die SPD Transitzonen explizit als Massenlager abgelehnt. Arme SPD.“ Nach dem „Theater“ der vergangenen Wochen, mit dem Deutschland und Europa destabilisiert worden seien, „ist das einfach hanebüchen.“ Habecks Amtskollegin auf dem Parteivorsitz, Annalena Baerbock, nannte in der Nacht zu Dienstag die geplanten Transitzentren „Internierungslager“. Die Union „verabschiedet sich vom Wertekompass unseres Landes“, schrieb sie im Internetdienst Twitter. „Einen Innenminister zu halten, der sein Amt für CSU-Rechtsruck missbraucht, ist kaum zu ertragen.“
Von der Linkspartei kommt Kritik: „Der Machtkampf in der Union ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten“, erklären die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger. „Nach dem Rücktritt vom Rücktritt belohnt Bundeskanzlerin Merkel das Schmierentheater der CSU mit weiteren Zugeständnissen und rückt damit die Politik weiter nach rechts.“

Warum haben sowohl Seehofer als auch Merkel etwas „gewonnen“?
Seehofer wollte eine Zurückweisung direkt an der Grenze, auch wenn die Länder, wo der Asylbewerber bereits mit Fingerabdrücken registriert ist, diesen nicht zurücknehmen. Merkel wollte keinen nationalen Alleingang und Lösungen mit den europäischen Partnern. Die Sorge ist, dass sonst alle nach und nach die Grenzen dicht machen - das Prinzip der EU-Freizügigkeit wäre ausgehebelt. Nun wird das juristische Konstrukt der „Fiktion einer Nichteinreise“ betont.

Was hat es damit auf sich?
In der entsprechenden Verwaltungsvorschrift zum Aufenthaltsgesetz heißt es: „Der Ausländer hat eine Grenzübergangsstelle erst dann passiert, wenn er die Kontrollstationen der Grenzpolizei und des Zolls, soweit an den EU-Außengrenzen vorhanden, hinter sich gelassen hat und sich frei in Richtung Inland bewegen kann.“ Kommt er in ein Transitzentrum, ist die Person im juristischen Sinne nicht eingereist, auch wenn sie körperlich die Kontrollstationen passiert hat.

Verhandlungsexperte zur Koalitionskrise

„Kein Gewinner, nur Überlebende“

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Warum ist hier auch vom Flughafenverfahren die Rede?
Die Formulierung erinnert an das Prozedere an Flughäfen. Es greift für Asylbewerber, die aus einem als sicher eingestuften Land mit dem Flugzeug nach Deutschland kommen. Im Flughafenverfahren ist „das Asylverfahren vor der Entscheidung über die Einreise durchzuführen“, wie es im Asylgesetz heißt. Der Anspruch auf ein reguläres Asylverfahren entsteht erst mit dem Aufenthalt in einem Land. Auf diese Weise ermöglicht das Flughafenverfahren beschleunigte Entscheidungen und Rückweisungen. So ähnlich soll es wohl in den Transitzentren laufen. Das legt allerdings nahe, dass Migranten diese auch nicht verlassen können, sondern dort interniert werden sollen.

Kommen damit keine unberechtigten Asylbewerber mehr nach Deutschland?
Nein. Erstens geht es nur um die deutsch-österreichische Grenze und dort wird aktuell nur an drei Stellen kontrolliert sowie bei der Schleierfahndung im Hinterland. Es ist schwer vorstellbar, dass Menschen, die schon Kilometer von der Grenze entfernt auf deutscher Seite aufgegriffen werden, in Transitzentren kommen können - sie haben ja längst deutschen Boden betreten. Viele Migranten, die nach Deutschland kommen, sind zudem zuvor gar nicht in anderen EU-Ländern registriert worden. Zudem ist laut dem CDU-Vizevorsitzenden Armin Laschet keine Ausweitung der Kontrollen geplant. Auch an Grenzen Deutschlands zu anderen Nachbarländern solle sich nichts ändern.

Welche Rolle spielt Österreich?
Es geht nur um Migranten, die an der bayerisch-österreichischen Grenze aufgegriffen werden. Österreich soll all jene Migranten aufnehmen, die keine Verwaltungsabkommen über die direkte Zurückweisung aus Deutschland abschließen wollen. Ein Abkommen mit Wien soll noch ausgehandelt werden.

Die österreichische Regierung forderte am Dienstag eine rasche Klärung der deutschen Position. „Die Einigung von CDU und CSU deutet darauf hin, dass Deutschland nationale Maßnahmen zur Bekämpfung der Migrationsströme setzen will“, hieß es in einer Erklärung. Sollte diese Einigung zur deutschen Regierungsposition werden, sehe sich die Regierung Österreichs dazu veranlasst, entsprechend zu handeln, um Nachteile für Österreich und seine Bevölkerung abzuwenden. „Die Bundesregierung (in Wien) ist daher darauf vorbereitet, insbesondere Maßnahmen zum Schutz unserer Südgrenzen zu ergreifen.“ Die deutschen Überlegungen bewiesen einmal mehr, wie wichtig ein gemeinsamer europäischer Außengrenzschutz sei.

Nach einem Gespräch mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz am Dienstagmorgen sagte Seehofer über Kurz: „Ich habe den Eindruck, dass er an vernünftigen Lösungen interessiert ist.“ Möglicherweise werde Seehofer kurzfristig nach Wien fliegen, kündigte der Innenminister an.

Wo steckt noch Zündstoff drin?
Die Formulierungen sind interessant. „Asylbewerber, für deren Asylverfahren andere EU-Länder zuständig sind“, sollen an der Einreise gehindert werden, heißt es in dem Unionspapier. Das scheint aber weniger weitreichend als Seehofer es stets gefordert hatte: Der CSU-Innenminister wollte all jene zurückschicken, die in anderen EU-Staaten schon mit Fingerabdrücken registriert sind. Eine reine Registrierung bedeutet aber nicht automatisch, dass dieses Land für das Asylverfahren auch zuständig ist. Die Dublin-Verordnung sieht eine Zuständigkeitsprüfung vor, dabei spielen auch andere Kriterien wie der Aufenthaltsort von Familienangehörigen eine große Rolle.

Konrad Adenauer

Am 8. April 1959 verkündet der erste Bundeskanzler, sein Amt aufzugeben und Nachfolger von Bundespräsident Theodor Heuss zu werden. Der CDU-Politiker will als Staatsoberhaupt weiter Einfluss auf die Tagespolitik haben. Doch das ist laut Grundgesetz unmöglich. Am 5. Juni zieht der 83-Jährige seine Kandidatur zurück.

Foto: dpa

Dieter Althaus

Nach dem Fiasko seiner CDU bei der Landtagswahl gibt der thüringische Ministerpräsident im September 2009 fluchtartig seinen Rücktritt bekannt - nur um wenige Tage später doch wieder die Amtsgeschäfte zu übernehmen. Er führt sie dann bis zur Berufung einer neuen Regierung - und begründet das mit der Landesverfassung.

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Oskar Lafontaine

Nur wenige Wochen nach dem Triumph der Linken bei der Bundestagswahl 2009 erklärt er seinen Rückzug vom Fraktions-, dann auch vom Parteivorsitz. Grund ist eine Krebsoperation. Nach dem NRW-Wahldesaster im folgenden Mai will er an die Spitze der Partei zurückkehren – unterliegt aber im internen Machtkampf.

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Horst Seehofer

Der bayerische Ministerpräsident kündigt im Oktober 2012 an, sich 2018 aus der Spitzenpolitik zu verabschieden. Sein Nachfolger als Regierungschef und CSU-Vorsitzender solle dann als Spitzenkandidat in die Landtagswahl ziehen. Zwei Jahre später schließt Seehofer wiederum nicht aus, 2018 erneut als CSU-Kandidat anzutreten. Nach dem CSU-Debakel bei der Bundestagswahl 2017 muss er aber die Regierungsgeschäfte in München an Markus Söder abgeben.

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Bohuslav Sobotka

Der tschechische Ministerpräsident verkündet Anfang Mai 2017 den Rückzug seiner Regierung. Hintergrund sind Vorwürfe des Steuerbetrugs gegen Finanzminister Andrej Babis, den Vorsitzenden des Koalitionspartners ANO. Präsident Milos Zeman, ein Babis-Verbündeter, deutet aber an, nur den Regierungschef austauschen zu wollen. Daher zieht Sobotka seine Entscheidung nach nur drei Tagen zurück.

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Nun ist die SPD am Zuge, wird sie zustimmen?
Das ist die große Frage. 2015 lehnte die Partei in der damaligen großen Koalition Transitzentren eindeutig ab, der SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel sprach von „Haftzonen“, das sei weder organisatorisch durchführbar noch rechtlich darstellbar. Nun geht es aber nicht pauschal um die meisten ankommenden Flüchtlinge, sondern um relativ wenige Fälle ohne Bleibeperspektive. Vor einer Sondersitzung der SPD-Fraktion am Dienstagvormittag wies auch Gabriel darauf hin, dass die von der Union nun vorgeschlagenen Transitzentren für Flüchtlinge anders zu bewerten seien als noch vor zweieinhalb Jahren: „Die Transitzonen 2015, da ging es pro Tag um 3000, 4000, 5000 Flüchtlinge“, so Gabriel. „Wir haben damals gesagt, wir wollen hier keine Stadien füllen und Leute festhalten. Wir reden heute über völlig andere Größenordnungen.“ Trotzdem gelte es nun zu prüfen, wie die konkreten Vorschläge der Union aussähen.

Die SPD will eine Beschleunigung dieser Verfahren, von etwa einer Woche Aufenthalt ist die Rede. Die Parteilinke dürfte den Vorschlag als inhuman ablehnen. Geschlossene Lager sind für viele Genossen ein Tabu. Aber die Alternative könnte ein Koalitionsbruch und eine Neuwahl sein - das könnte disziplinierend wirken. Es könnte der alte Willy-Brandt-Spruch bei der SPD zum Tragen kommen: „Erst das Land, dann die Partei.“ In der SPD-Fraktionssitzung kommentierte SPD-Chefin Andrea Nahles den Unionsvorschlag durchaus kritisch: „Wir haben eine ganze Reihe von ungeklärten Fragen.“ Um den Vorschlag umzusetzen, bedürfe es eines Einvernehmens mit Österreich oder Italien. „Beides ist im Moment nicht hergestellt“, sagte Nahles. „Insoweit bezeichne ich das erst mal als ungedeckten Scheck.“

Hat sich der ganze Ärger für die CSU gelohnt?
Das wird wohl erst die bayerische Landtagswahl am 14. Oktober zeigen. Seehofer hat wohl weniger herausgeholt, als er ursprünglich plante. Andererseits wäre es ohne den Druck aus Bayern wohl kaum zu der beim EU-Gipfel vereinbarten weiteren Verschärfung der europäischen Asylpolitik mit einem Maßnahmenpaket gegen die hohe Zahl an Mittelmeerflüchtlingen gekommen. Das Gleiche gilt für die von Kanzlerin Merkel geplanten bilateralen Abkommen mit anderen europäischen Staaten zur Rücknahme von Migranten.

Sixt ist bekannt für seine Werbemotive. Doch nicht aus jeder frechen Idee wird eine Anzeigenkampagne. Dieses Motiv zum Beispiel wurde verworfen. Der Entwurf thematisiert den Rücktritt von Reinhard Grindel als DFB-Präsident. Grindel war Anfang April wegen der Annahme einer Luxus-Uhr von einem ukrainischen Oligarchen als Präsident des Deutschen Fußballbunds zurückgetreten, am 10. April gab er auch seine Ämter bei der Fifa und der Uefa ab. Eine hohe Schadenersatzzahlung wollte Sixt nicht riskieren – denn Grindel wehrt sich gegen die Korruptionsvorwürfe.

Foto: WirtschaftsWoche

Wegen des Motiv einer von einer Cabriofahrt zerzausten Angela Merkel gab es schon einmal Ärger für die Familie Sixt. Erich Sixt präsentierte sich im Februar 2019 vor dem Bild. Das Unternehmen testet seit längerem die Anmietung und Abholung von Mietautos per App.

Foto: dpa

Rücktritt? Oder nicht Rücktritt? Das Hin und Her um einen Rückzug Horst Seehofers als Bundesinnenminister im vergangenen Sommer war dem Autovermieter Sixt einen ironischen, aber schon fast zahmen Seitenhieb wert.

Foto: Screenshot

Nach dem Wirbel um die Äußerungen des AfD-Vizes Alexander Gauland über den deutschen Fußballnationalspieler Jérôme Boateng ("Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.") im Sommer 2016 kommt Autovermieter Sixt gut eine Woche später mit einer humorvollen und passenden Werbung daher - für Umzugswagen.

Foto: Screenshot

Der Autovermieter nutzt das #Merkelmeme, dass nach dem G7-Gipfel durch die sozialen Netzwerke geisterte, für sich: Anlässlich der Hauptversammlung verspricht Sixt eine dicke Dividende. An der Behauptung entzündet sich Kritik: Im Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs am 10. Juni 2015 zahlt Sixt eine Dividendenrendite von etwas über drei Prozent. Das ist ordentlich, aber im SDAX – dem Vergleichsindex, in dem der Wert notiert ist – gibt es andere Werte, die glänzen.

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Auch, als im April 2015 zum siebten Mal der Bahnstreik die Republik lahm legte, war das Grund genug für Sixt, Claus Weselsky erneut zum Mitarbeiter des Monats zu ernennen.

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Zum neunten Mal kommt es im Mai 2015 im Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL zum Arbeitskampf. Auf Twitter kursiert ein Bild, das eine witzige Reaktion des Autovermieters Sixt darauf zeigt: Ein Miet-Lkw der aussieht, als ob er einen Bahn-Waggon an Bord hätte, zusammen mit dem Spruch: "Die Bahn kommt".

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Nachdem der EZB-Präsident Mario Draghi Anfang 2015 die Geldschleusen geöffnet hat und damit die Kritik vieler deutscher Ökonomen auf sich zog, zeigt auch Sixt sich einfallslos. „Lieber Herr Draghi, bei diesen Summen fällt selbst uns nix mehr ein!“ –allerdings stapelt der Autovermieter tief. Denn eingefallen ist ihm doch noch etwas...

Foto: Screenshot

„Zwei Italiener, die schlaflose Nächte verursachen. (Einen davon gibt's günstig bei Sixt)“ – geschickt spielt Sixt mit der Angst der Deutschen um ihre Ersparnisse nach der EZB-Geldschwemme und der Vorliebe des ein oder anderen für schnelle Autos, in diesem Fall ein Maserati GranCabrio in sportlichem Rot. Der kostet neu immerhin rund 130.000 Euro, was gegen die Billionen, die die EZB in die Märkte spült, wie Kinkerlitzchen anmutet. Mieten kann man ihn sogar noch günstiger.

Foto: WirtschaftsWoche

Im Zuge der GDL-Verhandlungen mit der Deutschen Bahn hat sich Sixt einen Slogan einfallen lassen, der aufhorchen lässt. Der Spruch "HDGDL" steht vermutlich nicht dafür, dass das Unternehmen den Streik der Lokführer unterstützt. Vielmehr scheint sich Sixt bei der GDL bedanken zu wollen. Statt sich auf die Deutsche Bahn zu verlassen, möchten viele Kunden nicht das Risiko von Verspätungen in Kauf nehmen und mieten stattdessen auch mal ein Auto.

Foto: WirtschaftsWoche

Auf diesem Motiv aus dem Jahre 2009 ist die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zu sehen. Der Werbespruch "Versprochen: Nächstes miete ich bei Sixt" bezog sich auf die Kritik, ihren Dienstwagen in den Jahren 2004 bis 2008 im Urlaub genutzt zu haben.

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Pleite ist er, der Roberto Blanco. Das stand schon im Juni groß in den Boulevard-Zeitungen. Im neuen Werbe-Film von Sixt macht der 77-Jährige aus seiner Not eine Tugend und schlägt gleich noch ein bisschen Geld raus. Im Video rappt er Zeilen wie “Roberto ist blanco, nix mehr auf der Banko” und macht Werbung für die Cabrio-Angebote des bekannten Autovermieters. Denn: "Ein bisschen spar'n muss sein" - zumindest wenn die Ex-Frau angeblich das ganze Geld hat.

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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen. So findet sich denn auch auf der Facebook-Seite des Autovermieters dieser Tage eine Anspielung auf das Ende der ZDF-Unterhaltungsshow "Wetten, dass..?" mit den Worten: "Unsere Außenwette". Der Show-Klassiker soll im Dezember nach fast 34 Jahren Laufzeit eingestellt werden. Zuletzt wollten immer weniger Zuschauer die Sendung mit Moderator Markus Lanz sehen, der in die Fußstapfen des Entertainers Thomas Gottschalk getreten war.

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"Wir finden: Auch ohne macht er eine gute Figur" schreibt der Autovermieter auf Sixt und spielt darauf an, dass der US-Schauspieler Leonardo Di Capri bei der Oscar-Verleihung wieder leer ausgegangen ist. Er war schon mehrfach nominiert - das erste Mal 1994 als bester Nebendarsteller in "Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa". Nun für seine Rolle in „Wolf of Wall Street“.

Foto: Sixt

Mit seiner Kampagne im September 2013 veräppelte Sixt die FDP, die bei der Bundestagswahl ein Fiasko erlebte. Die Liberalen flogen aus dem Bundestag - und damit hat der Mercedes nun in der Tat mehr Sitze als die FDP. Dieses Motiv veröffentlichte der Autovermieter auf seiner Facebook-Seite mit den Worten: "Bei uns kann man Sitze anmieten. Wir sind da ganz liberal."

Foto: Screenshot

Der nach sieben Jahren aus der Psychiatrie entlassene Gustl Mollath macht unfreiwillig Werbung. Eine Anzeige des Autovermieters Sixt in der „Süddeutschen Zeitung“ zeigt ein Porträt des 56-Jährigen mit dem Text „Wenn hier jemand verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen“. Das Zitat sei frei erfunden und die Werbeaktion nicht abgesprochen, sagte Mollaths Anwalt Gerhard Strate der dpa und kündigte presserechtliche Schritte an. Vor allem die Verwendung des Begriffs „verrückt“ halte er im Zusammenhang mit seinem Mandanten für höchst problematisch. Es ist nicht das erste Mal, dass Sixt Menschen ohne deren Wissen vor seinen Werbekarren spannt.

Foto: WirtschaftsWoche

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit einer Bemerkung über das Internet für heitere und spöttische Reaktionen im Netz gesorgt. „Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Merkel am Mittwoch auf eine Frage zum Internet-Spähprogramm „Prism“ bei einer Pressekonferenz mit US-Präsident Barack Obama im Kanzleramt. Nutzer des Online-Netzwerkes Twitter griffen die Bemerkung hundertfach auf. Das Schlagwort „#Neuland“ wurde zum meistdiskutierten Begriff auf Twitter in Deutschland. Auch der Autovermieter Sixt zieht mit und nutzt den Hype kurzerhand für eine Werbung für einen Miet-SUV: "Für alle, die #Neuland entdecken wollen."

Foto: Screenshot

"Habemus Sixt. Reservieren Sie Ihr Papamobil zu Ostern.“ Kaum hat sich die Konklave auf Papst Franziskus geeinigt, reagiert der Münchner Autovermieter auf seiner Website auf die Wahl des neuen katholischen Kirchenoberhauptes. Dazu ein Bild einer schwarzen Limousine, aus deren Auspuff weißer Rauch aufsteigt - eine Anspielung auf das Ritual zur Papstwahl, bei der weißer Rauch anzeigt, dass der neue Papst feststeht.

Foto: Presse

Mit dieser Werbekampagne aus dem Jahr 2007 bedankt sich bei der Lokführer-Gewerkschaft GDL für die Kunden, die nun statt mit der Bahn, mit einem Leihwagen von SIXT fahren.

Foto: dpa

"Liebe Griechen, Sixt akzeptiert wieder Drachmen!" - mit diesem Slogan warben die Münchner für die Ausleihe eines BMW-Cabrios. Längst nicht alle Griechen konnten darüber lachen.
Doch der Autovermieter hat Erfahrung mit provokanten Kampagnen. Es ist nicht die erste umstrittene Werbe-Aktion des Autovermieters.

Foto: Sixt

Immer wieder eines der prominentesten Opfer: Die damalige CDU-Bundesvorsitzende und heutige Kanzlerin Angela Merkel.

Foto: Sixt

... Sixt verpasst ihr im Jahre 2001 eine neue Frisur.

Foto: Sixt

Der Sänger Matthias Reim musste im Jahre 2007 Privatinsolvenz anmelden. Sixt nahm den Sänger mit ins Boot und bewarb in einer Werbeanzeige eine leicht abgewandelte Version des Reim-Hits "Verdammt, ich lieb Dich".

Foto: Sixt

Mit einem Tritt mitten in die Männlichkeit warb Sixt für schnelle Cabrios.

Foto: Sixt

Sixt will Politikern helfen und deren Fuhrparkkosten senken.

Foto: Sixt

Auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde "Opfer" einer Sixt-Werbeanzeige.

Foto: Sixt

Klare Sache: Sixt hat Autos für Ärzte. Und zwar auch noch ... nach der Gesundheitsreform!

Foto: Sixt

Was Sixt mit der Vorher/Nachher-Aktion um Heino und Roberto Blanco sagen wollte, ist stark interpretationsfähig.

Foto: Sixt

Nur auf den ersten Blick eine Shampoo-Werbung: Mit viel Frau und viel Haar warb Sixt für seine zu mietenden BMW Cabrios.

Foto: Sixt

Sixt bleibt stets aktuell, so auch als der Vulkanausbruch des isländischen Eyjafjallajökull so manchem Urlauber die Ferien zu verderben drohte.

Foto: Sixt

Der Autovermieter und Leasingsanbieter Sixt wurde bereits im Jahre 1912 als "Sixt Autofahrten und Selbstfahrer" gegründet. Heute erinnern Anzeigen des Unternehmens an den Geist der vergangenen Zeit.

Foto: Sixt

Einen Mercedes-Benz gab es anno 1940 für 49 Reichsmark zur Miete. Im Hintergrund besang Zarah Leander das Wunder.

Foto: Sixt

Im Jahre 1954 ist das deutsche Wirtschaftswunder im vollen Gange. Den passenden Mietwagen gibt es von Sixt, zum Beispiel einen Mercedes SL, da staunen sogar die Schäfchen im Hintergrund.

Foto: Sixt

Piloten sind als Werbeträger bei Sixt schon immer gern gesehen. Schon 1959 steigt der Pilot aus der Lufthansa-Maschine und in den Mercedes SL - natürlich von Sixt - rein.

Foto: Sixt

Knappe Kleider, knappe Preise: Schon in den 1960er Jahren setzt Sixt auf sexy Werbung.

Foto: Sixt

Dieses Zitat hätte Karl Marx den Werbern von Sixt nicht abgenommen.

Foto: Sixt

Diese Werbung wird dem einen oder anderen Herren gefallen haben.

Foto: Sixt

Nicht nur die Werbeanzeigen von Sixt strotzen von Humor, auch dem Internetauftritt des Unternehmens lässt sich der eine oder andere Spaß entlocken.

Foto: Sixt

Sixts Antwort auf den Pilotenstreik: "Unterbezahlt? Werden Sie Chauffeur bei Sixt!"

Foto: Sixt

Holger Jung und Jean-Remy von Matt von der Werbeagentur Jung von Matt sind für die Werbekampagnen von Sixt verantwortlich. Hier nehmen sie sich selbst aus Korn.

Foto: Sixt

dpa, rtr, kjo
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