1. Startseite
  2. Politik
  3. Europa
  4. Ursula von der Leyen: Beim Bürokratieabbau versagt die EU-Kommissionspräsidentin

Ursula von der LeyenBeim Bürokratieabbau hat die EU-Kommissionspräsidentin versagt

Ursula von der Leyen kann eine durchaus beachtliche Bilanz ihrer bisherigen Amtszeit vorlegen. Aber die Wirtschaft hat sie nicht entlastet – weil es ihr am Verständnis für den Markt fehlt. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Silke Wettach 12.09.2023 - 12:04 Uhr

Ursula von der Leyen hat viel erreicht und dennoch viel verschlafen – zum Beispiel den Bürokratieabbau

Foto: imago images

Wenn EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) zum letzten Mal in ihrer Amtszeit am Mittwoch ihre Ansprache zur Lage der Union halten wird, dann kann sie eine lange Liste von Erfolgen vorlegen. Auf einiges ist die erste Frau an der Spitze der EU-Kommission zu Recht stolz: Sie hat den Green Deal vorangetrieben, sie hat die EU relativ geeint durch die Pandemie und Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine geführt, sie hat die Geopolitik nach Brüssel gebracht.

Kritisch wird es allerdings, wenn von der Leyen behauptet, 92 Prozent ihrer Versprechen erfüllt zu haben. Diese Zahl kursiert im Vorfeld der Rede. Dieser Wert suggeriert ein extrem hohes Maß an Zielerfüllung, der in die Irre führt. Denn von der Leyen hat ein zentrales Versprechen gebrochen: Beim Bürokratieabbau hat sie versagt. Daran können auch die Initiativen nichts ändern, die sie am Dienstag aus den Schubladen holt. Ihre Ankündigung, für jedes neue Gesetz ein altes zu streichen, hat sie während ihrer gesamten Amtszeit ignoriert.

Nun sind andere schon lange vor von der Leyen am Bürokratieabbau in der EU gescheitert, nicht zuletzt der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Bürokratien beweisen einen großen Selbsterhaltungstrieb, sie schaffen ungern Regelungen ab, die sie selbst erschaffen haben. Gleichzeitig sorgen Heere von Lobbyisten dafür, dass Vorschriften erhalten bleiben, weil sie Partikularinteressen bedienen.

Von der Leyen hat auch nicht im Ansatz versucht, diese Tendenzen zu bekämpfen. Ihr Problem sitzt freilich tief: Es fehlt ihr als Medizinerin schlicht am Verständnis für den Markt. Sie löst Herausforderungen am liebsten mit öffentlichem Geld. So sorgte sie dafür, dass die EU-Kommission in der Corona-Pandemie zum ersten Mal Schulden aufgenommen hat. Gesetzesvorlagen zur Rohstoffversorgung und auch der Chips Act setzen auf Dirigismus wie nie zuvor. Welche Kraft die Wirtschaft entfalten könnte, wenn sie von Fesseln befreit würde – darüber hat von der Leyen nie ernsthaft nachgedacht.

Dieser Beitrag entstammt dem WiWo-Newsletter Daily Punch. Der Newsletter liefert Ihnen den täglichen Kommentar aus der WiWo-Redaktion ins Postfach. Immer auf den Punkt, immer mit Punch. Außerdem im Punch: der Überblick über die fünf wichtigsten Themen des Tages. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick