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VerbraucherpreiseInflation in Deutschland springt auf 10 Prozent

Zweistellige Inflationsraten belasten die Verbraucher. Die deutsche Wirtschaft steuert in eine Rezession. Führende Wirtschaftsforscher sehen erst 2024 Licht am Ende des Tunnels. 29.09.2022 - 21:57 Uhr aktualisiert

Die Inflationsrate in Deutschland ist weiter gestiegen.

Foto: imago images

Rekordinflation und Konjunktureinbruch: Die Energiekrise trifft Deutschland hart. Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes sprang die jährliche Teuerungsrate im September auf 10,0 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit rund 70 Jahren. Die Folge: Verbraucher können sich für ihr Geld immer weniger leisten. Das bremst den Konsum als wichtige Konjunkturstütze. Nach Einschätzung führender Wirtschaftsforschungsinstitute steuert Europas größte Volkswirtschaft in eine Rezession - mit herben Wohlstandsverlusten über längere Zeit. Die Bundesregierung will Verbraucher und Unternehmen mit einem neuen Hilfspaket entlasten.

„Die Hauptbelastung findet derzeit bei den privaten Haushalten statt, die einen massiven Kaufkraftverlust hinnehmen müssen. Und der wird sich im Laufe des nächsten Jahres noch verstärken“, sagte Torsten Schmidt vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag in Berlin bei der Vorlage des Herbstgutachtens führender Wirtschaftsforscher. Die meisten Unternehmen dagegen könnten die Energiepreisschocks noch recht gut verkraften.

Inflationsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern wurden Raten von 10 Prozent und mehr Anfang der 1950er Jahre gemessen, allerdings hat sich die Berechnungsmethode im Laufe der Zeit geändert. Mit 10 Prozent sei die Rate zum ersten Mal seit dem Korea-Krieg Anfang der 1950er Jahre wieder zweistellig, erläuterte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Ökonomen rechnen in den kommenden Monaten weiter steigenden Teuerungsraten.

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Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft, Verbraucherinnen und Verbraucher können sich also für einen Euro weniger leisten. Nach einer Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) schränken sich bereits 60 Prozent der Verbraucher beim Einkaufen ein. Für die kommenden Monate richten sich demnach sogar 76 Prozent der Befragten darauf ein, sparsamer einzukaufen.

Seit Monaten sind Energie und Lebensmittel die größten Preistreiber. Der russische Angriff auf die Ukraine sowie Lieferengpässe haben die bereits angespannte Lage verschärft. Im September verteuerte sich Energie den vorläufigen Daten zufolge innerhalb eines Jahres um 43,9 Prozent und Nahrungsmittel um 18,7 Prozent.

Nach Einschätzung der Wirtschaftsforschungsinstitute wird der Wohlstandsverlust der Bürger durch die höheren Energiepreise auch längerfristig Bestand haben. „Das ist kein vorübergehendes Phänomen, das wird uns länger beschäftigen“, sagte Ökonom Schmidt. Die Industrie dagegen zeige sich noch relativ robust, weil Auftragsbücher gut gefüllt seien. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) beklagte allerdings, hohe und schwankende Energiepreise machten die Industrieproduktion immer unkalkulierbarer.

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Die Wirtschaftsforscher sagen in ihrem Herbstgutachten eine Rezession für Deutschland voraus. Für das Gesamtjahr 2022 rechnen die Experten wegen des besseren ersten Halbjahrs noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent, im kommenden Jahr erwarten sie dann einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent. Erst für 2024 gehen sie von einer Entspannung auf den Energiemärkten und damit auch von einer wirtschaftliche Erholung aus.

Die Gaspreise seien der entscheidende Faktor, der die deutsche Wirtschaft in die Rezession treiben werde. Und die Spitze sei hier noch nicht erreicht, hieß es. Die höchsten Energiepreise für Verbraucher würden Mitte des kommenden Jahres erwartet. Mit einem Gasmangel rechnen die Institute derzeit nicht. Die Versorgungslage bleibe aber äußerst angespannt, was die Preise in die Höhe treibe.

Damit wird sich auch die Inflation der Prognose zufolge weiter verstärken. Für das laufende Jahr rechnen die Institute mit einer Teuerungsrate von durchschnittlich 8,4 Prozent, für 2023 mit 8,8 Prozent. Für 2024 gehen sie von sinkenden Energie- und Rohstoffpreisen und damit einer Inflation von 2,2 Prozent aus.

Die Bundesregierung will Verbraucher und Unternehmen mit einem neuen bis zu 200 Milliarden Euro schweren Hilfspaket stützen. Die bis zuletzt umstrittene Gasumlage ist vom Tisch - dafür soll es eine Gaspreisbremse geben. „Die Preise müssen runter“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Donnerstag. Dafür werde die Bundesregierung alles tun. Scholz bezeichnete die geplante staatliche Stützung der Energieversorgung und die vorgesehenen Preisbremsen für Strom und Gas als „Doppelwumms“.

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rtr
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