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Subventionen nutzlosSorry, Hubert Aiwanger – aber das Wasserstoffauto ist tot

Der Bund der Steuerzahler hält die Förderung von Wasserstoffautos für „Sinnlos-Subventionen“, die beendet werden müssen. Stimmt: Eine tote Technik wird auch durch Multimillionen-Spritzen nicht lebendig. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Martin Seiwert 27.09.2023 - 13:26 Uhr

Wasserstoffautos benötigen deutlich mehr Energie als andere Antriebsarten

Foto: imago images

Der Bund der Steuerzahler hat die Förderung von Wasserstoffautos untersuchen lassen und kommt zu dem Schluss: Die Förderungen von Wasserstoffautos sind „Sinnlos-Subventionen“, die „sofort beendet“ werden sollten. Es dürften auf keinen Fall weitere hunderte Millionen Euro Steuergeld in die Technik gesteckt werden.

Schön, dass es noch mal jemand sagt – über sechs Jahre, nachdem die WirtschaftsWoche einen Nachruf auf das Wasserstoffauto veröffentlichte, weil sich schon damals abzeichnete, dass die Antriebstechnik von der Autoindustrie zu Grabe getragen wird. Und vier Jahre, nachdem die WirtschaftsWoche unter der Überschrift „Millionen-Subventionen für fragwürdige Wasserstoffprojekte der Autobauer“ die Sinnlos-Subventionen fein säuberlich auflistete – und zerlegte. 

Der Wasserstoff hat das Rennen gegen das Elektroauto schon vor Jahren faktisch verloren. Das allerdings wollten – und wollen noch immer – viele Menschen in Deutschland nicht wahrhaben. Das liegt an der schön klingenden Idee (Wasserstoff in den Tank – und aus dem Auspuff kommt nur ein bisschen Wasserdampf), das liegt an der grundlegenden Skepsis gegen E-Autos (obwohl das Wasserstoffauto ein hundertprozentiges E-Auto ist, nur dass es für die Stromerzeugung einen Wasserstofftank braucht) und daran, dass sich in unserem Autoland viele Menschen nicht von asiatischen Herstellern, die Batterie und Elektronik tendenziell besser können, überholen lassen wollen. 

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Dieses industriepolitische Argument wäre eigentlich gut, bloß spielt die Naturwissenschaft nicht mit: Für ein Wasserstoffauto muss man erst mal aus erneuerbaren Energien Wasserstoff machen, ihn umständlich und teuer transportieren und ihn im Auto wieder in Strom umwandeln. Dieses ständige Transformieren von Strom in Wasserstoff und zurück in Strom kostet so viel Energie, dass das Wasserstoffautofahren zwangsläufig drei Mal so viel Energie verbraucht wie das Fahren mit Batterie – und ein Mehrfaches kostet. 

Noch schlimmer: Die Frage des Wasserstoffautos stellt sich eigentlich gar nicht, weil eine flächendeckende Versorgung mit Wasserstoff aus erneuerbaren Energien oder einer anderen klimaschonenden Erzeugung noch überhaupt nicht absehbar ist. Optimisten rechnen damit in zehn, Realisten in 20 und mehr Jahren. 

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Laden ist besser als Tanken 

Schnell tanken und weit fahren – das war das eigentlich Reizvolle am Wasserstoffauto. Als E-Autos noch fünf oder zehn Stunden an der Ladesäule hingen und nur 150 Kilometer weit kamen, waren das starke Argumente. Das aber sind sie längst nicht mehr.

Da will ich gern persönlich werden: Mein Elektroauto ist am Schnelllader in weniger als 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen und kommt mit einer Batterieladung 400 Kilometer (im Winter) bis 600 Kilometer (im Sommer) weit. Wem das zu wenig ist: Der weltgrößte Batteriehersteller CATL hat einen Akku entwickelt, der in zehn Minuten 400 Kilometer „tankt“. Die Serienproduktion dürfte schon in diesem Jahr starten. Andere neue CATL-Zellen, die schon auf dem Markt sind, sind nicht so schnellladend, kosten dafür aber auch nur ein Drittel. Batterieautos werden noch besser. Oder günstiger. Wahrscheinlich beides.

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Ich kann mit meinem E-Auto an über 17.000 Ladesäulen in Deutschland in einer Viertelstunde laden, und es gibt weitere 70.000 normale Ladesäulen. Und den Strom meiner Solaranlage gibt es zum Spottpreis. So ist das Laden besser als Tanken: In Deutschland gibt es nur noch rund 14.000 Tankstellen. Und es gibt natürlich auch noch  Wasserstofftankstellen: 105 Stück, aufgrund üppigster Subventionierung. Das ist Europarekord und eine sehr luxuriöse Versorgung der rund 2000 deutschen Wasserstoffautos. Trotzdem müssen Wasserstoffauto-Besitzer oft mal 50 Kilometer Umweg fahren, um zu tanken. 

Also ja, Schluss mit den irren Wasserstoffauto-Subventionen! Allein der Bund subventionierte zwischen 2007 und 2022 Wasserstoffautos mit mindestens 450 Millionen Euro, weitere EU-Mittel kamen noch hinzu. „Es ist unstrittig, dass Wasserstoffautos einen viel schlechteren Wirkungsgrad als batteriebetriebene Elektroautos haben“, sagte der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, der „Welt“. „Dennoch pumpt die Politik schon seit Jahren hunderte Millionen Euro in die Wasserstoffsubvention für Pkw.“ Forderungen der bundeseigenen Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) „nach zusätzlichen Subventionen für den Pkw-Sektor in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro bis 2026 sollte auf keinen Fall entsprochen werden“.

Wasserstoffauto-Fans wie Hubert Aiwanger von den Freien Wählern in Bayern hören sowas nicht gern. BMW hat ihn mit einem Wasserstoff-Dienstwagen ausgestattet. Aiwanger fordert nicht weniger, sondern sogar mehr staatliche Wasserstoffauto-Förderung. 

Schneller schlau: Wasserstoff
Das chemische Element Wasserstoff (H) gehört zu den ältesten Elementen in unserem Universum. Es ist einer der Grundbausteine von Sternen, die Sonne zum Beispiel besteht zu knapp drei Vierteln aus Wasserstoff und zu knapp einem Viertel aus Helium. Wasserstoff ist in gebundener Form in allen lebenden Organismen zu finden. Auf der Erde ist die molekulare Form des Wasserstoffs (H2) ein geruchsloses, brennbares Gas.
Weil bei der Verbrennung von Wasserstoff (H) mit Sauerstoff (O) schlicht Wasser, also H2O, entsteht und eben kein klimaschädliches Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), wie bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe.Wird Wasserstoff klimafreundlich hergestellt, soll er dabei helfen, den Ausstoß von CO2 deutlich zu verringern und laut Bundesregierung sogar „bis auf null zu führen“.Stand: 26. Juli 2023
Der Wasserstoff soll vorzugsweise mit Hilfe von erneuerbarem Strom in sogenannten Elektrolyseverfahren hergestellt werden. Dabei zerlegt Strom Wassermoleküle in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff. Wird dabei Strom aus regenerativen Energiequellen verwendet, wird der Wasserstoff „grün“ genannt. Je nach Art der Herstellung werden auch andere Farben zur Bezeichnung verwendet. So spricht man etwa von „grauem“ Wasserstoff, wenn bei der Herstellung aus Erdgas das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) entweicht. Wird dabei das freiwerdende Kohlendioxid gespeichert, bezeichnet man ihn als „blau“. Wird dabei fester Kohlenstoff gewonnen, wird der Wasserstoff „türkis“ genannt.
Mit Ökostrom hergestellter Wasserstoff soll zum einen als chemischer Rohstoff eingesetzt werden. Als Grundstoff für die chemische Industrie wird Wasserstoff schon lange verwendet, etwa zur Herstellung von Ammoniak, einer Ausgangsbasis für Düngemittel. In der Stahlindustrie etwa soll Öko-Wasserstoff künftig eine zentrale Funktion übernehmen: Wo bei der Herstellung von Roheisen bislang Kohle dem Eisenerz den Sauerstoff entzieht, soll künftig Wasserstoff ran.Zum anderen soll er als Energieträger und damit auch als Energiespeicher dienen. In einigen Jahren soll er etwa als Brennstoff in modernen Gaskraftwerken zur Stromerzeugung verwendet werden. Sie sollen zum Einsatz kommen, wenn nicht genügend erneuerbarer Strom etwa aus Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung steht. In Brennstoffzellen wird Wasserstoff schon länger zur Stromerzeugung eingesetzt. Gelagert werden soll Wasserstoff etwa in früheren Erdgasspeichern.

Aber auch für die Aiwangers dieser Welt gilt: Am Ende stechen die naturwissenschaftlichen und ökonomischen Argumente die politischen. Was faktisch tot ist, kann auch der missionarischste Politiker nicht mehr zum Leben erwecken. Lassen wir es in Frieden ruhen, das Wasserstoffauto. Es hat viel hinter sich.

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