Subventionen nutzlos: Sorry, Hubert Aiwanger – aber das Wasserstoffauto ist tot

Wasserstoffautos benötigen deutlich mehr Energie als andere Antriebsarten
Foto: imago imagesDer Bund der Steuerzahler hat die Förderung von Wasserstoffautos untersuchen lassen und kommt zu dem Schluss: Die Förderungen von Wasserstoffautos sind „Sinnlos-Subventionen“, die „sofort beendet“ werden sollten. Es dürften auf keinen Fall weitere hunderte Millionen Euro Steuergeld in die Technik gesteckt werden.
Schön, dass es noch mal jemand sagt – über sechs Jahre, nachdem die WirtschaftsWoche einen Nachruf auf das Wasserstoffauto veröffentlichte, weil sich schon damals abzeichnete, dass die Antriebstechnik von der Autoindustrie zu Grabe getragen wird. Und vier Jahre, nachdem die WirtschaftsWoche unter der Überschrift „Millionen-Subventionen für fragwürdige Wasserstoffprojekte der Autobauer“ die Sinnlos-Subventionen fein säuberlich auflistete – und zerlegte.
Der Wasserstoff hat das Rennen gegen das Elektroauto schon vor Jahren faktisch verloren. Das allerdings wollten – und wollen noch immer – viele Menschen in Deutschland nicht wahrhaben. Das liegt an der schön klingenden Idee (Wasserstoff in den Tank – und aus dem Auspuff kommt nur ein bisschen Wasserdampf), das liegt an der grundlegenden Skepsis gegen E-Autos (obwohl das Wasserstoffauto ein hundertprozentiges E-Auto ist, nur dass es für die Stromerzeugung einen Wasserstofftank braucht) und daran, dass sich in unserem Autoland viele Menschen nicht von asiatischen Herstellern, die Batterie und Elektronik tendenziell besser können, überholen lassen wollen.
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Dieses industriepolitische Argument wäre eigentlich gut, bloß spielt die Naturwissenschaft nicht mit: Für ein Wasserstoffauto muss man erst mal aus erneuerbaren Energien Wasserstoff machen, ihn umständlich und teuer transportieren und ihn im Auto wieder in Strom umwandeln. Dieses ständige Transformieren von Strom in Wasserstoff und zurück in Strom kostet so viel Energie, dass das Wasserstoffautofahren zwangsläufig drei Mal so viel Energie verbraucht wie das Fahren mit Batterie – und ein Mehrfaches kostet.
Noch schlimmer: Die Frage des Wasserstoffautos stellt sich eigentlich gar nicht, weil eine flächendeckende Versorgung mit Wasserstoff aus erneuerbaren Energien oder einer anderen klimaschonenden Erzeugung noch überhaupt nicht absehbar ist. Optimisten rechnen damit in zehn, Realisten in 20 und mehr Jahren.
Laden ist besser als Tanken
Schnell tanken und weit fahren – das war das eigentlich Reizvolle am Wasserstoffauto. Als E-Autos noch fünf oder zehn Stunden an der Ladesäule hingen und nur 150 Kilometer weit kamen, waren das starke Argumente. Das aber sind sie längst nicht mehr.
Da will ich gern persönlich werden: Mein Elektroauto ist am Schnelllader in weniger als 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen und kommt mit einer Batterieladung 400 Kilometer (im Winter) bis 600 Kilometer (im Sommer) weit. Wem das zu wenig ist: Der weltgrößte Batteriehersteller CATL hat einen Akku entwickelt, der in zehn Minuten 400 Kilometer „tankt“. Die Serienproduktion dürfte schon in diesem Jahr starten. Andere neue CATL-Zellen, die schon auf dem Markt sind, sind nicht so schnellladend, kosten dafür aber auch nur ein Drittel. Batterieautos werden noch besser. Oder günstiger. Wahrscheinlich beides.
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Ich kann mit meinem E-Auto an über 17.000 Ladesäulen in Deutschland in einer Viertelstunde laden, und es gibt weitere 70.000 normale Ladesäulen. Und den Strom meiner Solaranlage gibt es zum Spottpreis. So ist das Laden besser als Tanken: In Deutschland gibt es nur noch rund 14.000 Tankstellen. Und es gibt natürlich auch noch Wasserstofftankstellen: 105 Stück, aufgrund üppigster Subventionierung. Das ist Europarekord und eine sehr luxuriöse Versorgung der rund 2000 deutschen Wasserstoffautos. Trotzdem müssen Wasserstoffauto-Besitzer oft mal 50 Kilometer Umweg fahren, um zu tanken.
Also ja, Schluss mit den irren Wasserstoffauto-Subventionen! Allein der Bund subventionierte zwischen 2007 und 2022 Wasserstoffautos mit mindestens 450 Millionen Euro, weitere EU-Mittel kamen noch hinzu. „Es ist unstrittig, dass Wasserstoffautos einen viel schlechteren Wirkungsgrad als batteriebetriebene Elektroautos haben“, sagte der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, der „Welt“. „Dennoch pumpt die Politik schon seit Jahren hunderte Millionen Euro in die Wasserstoffsubvention für Pkw.“ Forderungen der bundeseigenen Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) „nach zusätzlichen Subventionen für den Pkw-Sektor in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro bis 2026 sollte auf keinen Fall entsprochen werden“.
Wasserstoffauto-Fans wie Hubert Aiwanger von den Freien Wählern in Bayern hören sowas nicht gern. BMW hat ihn mit einem Wasserstoff-Dienstwagen ausgestattet. Aiwanger fordert nicht weniger, sondern sogar mehr staatliche Wasserstoffauto-Förderung.
Aber auch für die Aiwangers dieser Welt gilt: Am Ende stechen die naturwissenschaftlichen und ökonomischen Argumente die politischen. Was faktisch tot ist, kann auch der missionarischste Politiker nicht mehr zum Leben erwecken. Lassen wir es in Frieden ruhen, das Wasserstoffauto. Es hat viel hinter sich.
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