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Commerzbank Die drei Fragezeichen des Hans-Jörg Vetter

Bei der Commerzbank stehen grundlegende Entscheidungen an. Quelle: ddp images

Der neue Aufsichtsratschef der Commerzbank soll deren Sanierung vorantreiben – und hat am Donnerstagmorgen bereits die erste wichtige Entscheidung getroffen: Privatkundenvorstand Michael Mandel muss gehen.

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Mit seinen stets perfekt platzierten Einstecktüchern und der dauerglimmenden Pfeife wirkte Hans-Jörg Vetter schon als Chef der Landesbank Baden-Württemberg wie ein etwas aus der Zeit gefallener Banker alter Schule. 2009 war er dort als Sanierer des von der Finanzkrise schwer gebeutelten Instituts angetreten. Seine Dienste waren den Eigentümern sogar eine Ausnahme von der damals über staatlich gestützte Banken verhängten Gehaltsgrenze von 500.000 Euro wert.

Als sich Vetter 2016 nach halbwegs geglückter Mission verabschiedete, schien seine Berufslaufbahn im Wesentlichen beendet zu sein. Nun aber soll der 68-Jährige als Aufsichtsratschef der Commerzbank abermals die Sanierung eines angeschlagenen Finanzkonzerns begleiten – und dafür Antworten auf dringende Fragen finden.

Wer wird der neue Chef?

Über viele Jahre hat die Bank an der Spitze auf personelle Kontinuität gesetzt. Seit einer sommerlichen Attacke des Großaktionärs Cerberus ist alles anders. Nach heftigen Vorwürfen des Investors ergriff neben Vetters Vorgänger Stefan Schmittmann auch Vorstandschef Martin Zielke die Flucht. Er wird nur noch maximal bis zum Jahresende im Amt bleiben – wenn nicht schon vorher ein Nachfolger gefunden ist.

Das ist so gut wie sicher. Denn ohne einen Mann oder eine Frau auf dem Chefposten stockt der Umbau des Instituts. Dass eine Personalberaterin eingeschaltet ist, spricht dafür, dass neben den von Anfang an genannten internen Lösungen Roland Boekhout und Bettina Orlopp externe Kandidaten realistische Chancen auf den Job hätten. Das bietet Raum auch für wenig fundierte Spekulationen. So werden mit Rainer Neske, Frank Strauss und Manfred Knof zwei frühere sowie der aktuelle Privatkundenchef der Deutschen Bank als Kandidaten genannt. Sonderlich wahrscheinlich sind diese Namen nicht. Zwar läuft Neskes Vertrag als Chef der LBBW im kommenden Jahr aus. Beobachtern fallen jedoch kaum Gründe für einen Wechsel von Stuttgart nach Frankfurt ein – abgesehen von der Tatsache, dass Neske privat am Main wohnt.

Für viele Kandidaten dürfte der Job nur bedingt attraktiv sein. Wenn ein ebenfalls als möglicher Zielke-Nachfolger gehandelter Kandidat prophylaktisch mit dem Hinweis ablehnt, dass bei der Commerzbank in den vergangenen 20 Jahren nichts passiert sei, ist das zwar reichlich unfair. Es ändert aber nichts daran, dass die neue Spitzenkraft eine harte Restrukturierung mit ungewissem Ausgang erwartet. Der Abbau mindestens einer hohen vierstelligen Zahl von Jobs etwa gilt als unvermeidbar.

Und dann funkt neben Cerberus vermutlich auch noch der in der Not zu neuem Selbstbewusstsein erwachte Großaktionär Bund hinein. In welche Richtung Berlin die Geschehnisse vor der Bundestagswahl lenken will, ist ebenso unklar wie deren mittelfristige Perspektiven. Viele Beobachter meinen, dass es ohnehin nur darum gehen kann, das Institut zu einem einigermaßen lohnenden Übernahmeziel zu machen. Da die Commerzbank in jeder möglichen Fusion wohl nur Juniorpartner wäre, ginge spätestens damit dann auch die Amtszeit ihres Chefs zu Ende.

Was passiert im Privatkundengeschäft?

Im Privatkundengeschäft ist die Unruhe groß. Das jüngste Indiz dafür: Just am Donnerstagmorgen verkündete die Bank, dass der zuständige Vorstand Michael Mandel gehen muss. Mandels Abschied hatte sich abgezeichnet: So hatte die Gewerkschaft Verdi bereits im Juli in der WirtschaftsWoche gefordert, Mandels Vorstandskollege Roland Boekhout solle auch noch das Privatkundengeschäft übernehmen – womit Verdi klargemacht hatte, dass Mandel nicht mehr der richtige Manager ist. Ein wichtiger Commerzbank-Investor hatte damals gar den Aufsichtsrat aufgefordert, über Mandels Kündigung nachzudenken.

Mandels Abgang ist nicht der einzige, der im Privatkundengeschäft für Aufregung sorgt. Erst in dieser Woche hatte auch Frauke Hegemann ihren Abschied verkündet, die Noch-Chefin der Direktbank Comdirect. Die Commerzbank hatte viele Jahre die Aktienmehrheit der Comdirect besessen und sich vor wenigen Monaten entschlossen, das Digitalinstitut komplett aufzukaufen und in die Commerzbank zu integrieren.

Hegemann sollte eine wichtige Rolle bei der Verschmelzung spielen, wird sie doch von vielen geschätzt. Stattdessen muss die Commerzbank jetzt die Frage beantworten, warum sie ein Talent nicht halten konnte.

Beide Personalien führen noch zu einem weiteren, viel entscheidenderen Problem: Es geht darum, welche Strategie das Institut im Privatkundengeschäft verfolgen möchte. Das war lange Zeit klar: Die Commerzbank setzte unter Privatkundenvorstand Mandel (Spitzname „Magic Mandel“) auf massives Kundenwachstum in der Hoffnung, dass sich das eines Tages auszahlen würde – allerspätestens mit dem Ende der Niedrigzinsphase, auf die die Frankfurter lange gehofft hatten. Zudem hielten Mandel und Co. an ihren 1000 Filialen fest. Allein: Die Strategie hat nicht verfangen.

Das operative Ergebnis etwa betrug 2016 noch fast 1,1 Milliarden Euro, während es 2019 nur noch 850 Millionen wären – obwohl die Erträge im selben Zeitraum sogar stiegen.

Mit Mandels Abgang sind jetzt längst nicht alle Probleme gelöst. Der MDax-Konzern muss überlegen, wie viele Filialen er künftig noch behalten will, um die Kosten zu senken. So war erst die Rede davon, dass 500 bis 600 Zweigstellen schließen soll, mittlerweile sind gar 800 Filialen im Gespräch. Zusätzlich muss die Commerzbank überlegen, ob und welche Rolle die Comdirect spielen soll – und wie sie die Digitalbank oder deren Überbleibsel mit ihren klassischen Angeboten verzahnt. Bislang ist das noch nicht so richtig klar.

Wie riskant ist das Firmenkundengeschäft?

In der Vor-Zielke-Zeit bildete der deutsche Mittelstand nicht nur das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sondern auch des Geschäftsmodells der Commerzbank. Unter dem früheren Privatkundenchef war das anders. Zielke schaffte das Vorstandsressort ab und gliederte die Mittelstandsbank ins Firmenkundengeschäft ein. Davon erhoffte er sich eine bessere Betreuung – wirklich messbare Effekte blieben jedoch aus. In der Außenwahrnehmung ging für manche Kunden damit auch ein Bedeutungsverlust einher: Während sich die Deutsche Bank seit einiger Zeit mit ihrer Unternehmerbank mit Verve an die heimische Klientel heranschmeißt, ist diese bei der Commerzbank ein wenig in den Hintergrund getreten.


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Möglicherweise wird diese Kehrtwende in absehbarer Zeit rückgängig gemacht. Denn das Geschäft mit Firmenkunden bildet weiterhin das Herzstück des Konzerns. Bei einer coronabedingten Pleitewelle könnte das zum Problem werden. Nach jüngsten Angaben hat die Bank Unternehmen aus besonders betroffenen Branchen wie Luftfahrt und Hotelgewerbe zwar nur mit gut vier Milliarden Euro finanziert. Schon in den vergangenen zwei Quartalen drückten mögliche Kreditausfälle das Ergebnis in dem Segment. Besonders schwer wog dabei ein Großkredit an den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard.

Das mag ein bedauerlicher Einzelfall sein – oder ein Indiz dafür, dass die Bank bei der Kreditvergabe nicht ganz so genau hingeschaut hat. Konkurrenten behaupten das seit Jahren, die Bank selbst hat das stets vehement bestritten.

Mehr zum Thema: Was deutsche Geldhäuser von Spaniens Banken lernen können.

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