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Desaster am Nürburgring Der Nürburgring in lähmender Starre

Seit drei Jahren ist der Nürburgring pleite. Weil die Insolvenzverwalter den Verkauf verkorkst haben, klagen nun nicht bloß unterlegene Bieter, auch die Käufer zoffen sich untereinander. Ein Überblick, was seit der Pleite passierte, wie die aktuelle Lage ist und was das für die Zukunft bedeutet.

Der Nürburgring: Seit drei Jahren steckt das Unternehmen dahinter nun in der Insolvenz. Quelle: dpa

Es ist ein sonniger Mittwoch in Mainz, doch die finstere Miene von Kurt Beck teilt schon vor seinen ersten Worten mit, welch düstere Nachricht er an diesem Sommertag zu verkünden hat. Mit drei Ministern im Schlepptau erscheint der rheinland-pfälzische Ministerpräsident am 18. Juli 2012 zur Pressekonferenz in der Staatskanzlei und bekennt: Die weitgehend landeseigene Nürburgring GmbH ist pleite und meldet Insolvenz an.

Becks plumper Versuch, die Schuld für den eigenen politischen Bankrott der EU-Kommission in die Schuhe zu schieben – weil diese nicht schnell genug über die Genehmigung der vom Land geplanten Rettungsbeihilfen für den Ring entschieden habe – ist nur noch eine Anekdote, ein anderer Satz des damaligen Ministerpräsidenten aber hat bis heute Brisanz. „Alles, was normale Rechnungen sind, wird beglichen“, sagt der SPD-Mann, „es wird also kein Dritter einen Schaden haben.“ Eine Ansage an die vielen Handwerker, die am Nürburgring gearbeitet haben und zu diesem Zeitpunkt noch auf Geld warten.

Das Nürburgring-Desaster

Nun zittern die Handwerker, ob sie ihre offenen Rechnungen jemals annähernd beglichen bekommen. Denn die Landesregierung fordert vehement, dass ihre Forderungen im selben Rang wie die der anderen Gläubiger eingestuft werden. Da das Land mit großem Abstand der größte Gläubiger ist, würde für die kleineren Gläubiger somit kaum noch etwas übrig bleiben. Dann nämlich bekäme jeder Gläubiger einen Teil der Insolvenzmasse entsprechend der Quote seiner Forderungen zu den Gesamtforderungen – das Land mit den größten Forderungen also den Löwenanteil. Sollten die Forderungen des Landes dagegen nachrangig sein, würden die anderen Gläubiger zuerst bedient und das Land bekäme den Rest, der danach noch übrig bleibt.

Lange Liste von Brennpunkten

Insolvenz-Sachwalter Jens Lieser aus Koblenz, der 2012 gemeinsam mit Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt aus Trier die Verantwortung übernommen hat, weist das Ansinnen der Regierung zurück. Er hat die im höchstmöglichen Rang angemeldeten Forderungen des Landes von insgesamt 612,6 Millionen Euro größtenteils bestritten und weitgehend nur nachrangige Forderungen festgestellt.

Lediglich 22,5 Millionen Euro hat er im höheren Rang anerkannt. Es gebe noch keine „abschließende Entscheidung“ über den Rang der Landesforderungen, sagt ein Sprecher der Insolvenzverwalter auf Nachfrage, der Sachverhalt sei teilweise strittig, man befinde sich „in Gesprächen“.

Wie dieser Streit ausgeht, ist offen, Vertreter der Landesregierung haben schon eine Klage gegen die Verwalter ins Spiel gebracht. Die Regierung sieht sich aus beihilferechtlichen Gründen verpflichtet, die Forderungen im höchsten Rang durchzusetzen. Doch das ist längst nicht der einzige Brennpunkt am Nürburgring. Unterlegene Bieter klagen gegen die EU-Kommission, die den vemurksten Verkaufsprozess der Insolvenzverwalter als europarechtskonform abgesegnet hat. Die unterlegenen Bieter sehen dagegen gravierende Verstöße gegen Europarecht. Der Verkauf muss im Einklang mit dem Europarecht erfolgen, weil die Kommission rechtswidrige Beihilfen des Landes für den Nürburgring in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro festgestellt hat.

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