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Lime-Chef Wayne Ting„Ich werde häufig auf Fotos verlinkt, wenn jemand wütend ist“

Zerstören E-Scooter das Stadtbild oder sind sie praktische Fortbewegungsmittel? Warum der Chef des Sharing-Anbieters Lime auf Bildern von wütenden Menschen verlinkt wird und wieso er eine stärkere Regulierung fordert. 29.07.2023 - 11:10 Uhr aktualisiert Quelle: dpa

Kein seltenes Bild in deutschen Großstädten: Fahrzeuge von Sharing-Anbietern sind wie hier in Düsseldorf nicht ordnungsgemäß abgestellt.

Foto: imago images

In der Diskussion um achtlos abgestellte E-Scooter sieht der Chef des Sharing-Anbieters Lime, Wayne Ting, auch die Städte und Kommunen in der Pflicht. „Wir unternehmen eine Menge, dass unsere Plattform an dieser Stelle besser wird und es gibt immer noch viel zu tun“, sagte Ting der Deutschen Presse-Agentur.

„Aber der zweite Aspekt sind auch immer Infrastruktur und Regulierung.“ Lime habe sich immer für eine stärkere Regulierung durch die Städte ausgesprochen, betonte er. Die Regulierung in Deutschland müsse jedoch zielgerichtet und diskriminierungsfrei gegenüber anderen gemeinsam genutzten Verkehrsträgern, insbesondere aber auch gegenüber dem privaten Pkw sein.

Platzproblem in den Städten

Es brauche zudem mehr Abstellplätze und auch mehr Radspuren, auf denen Leihfahrräder und E-Scooter neben Fahrradfahrern genug Platz hätten. „Ich werde häufig verlinkt auf Fotos auf den sozialen Plattformen, wenn jemand wütend ist über ein falsch abgestelltes Elektrorad“, sagte Ting.

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„Aber egal, wie das Foto aufgenommen wurde: Hinter dem E-Bike sieht man immer ein parkendes Auto hinter dem nächsten.“ Das Platzproblem in den Städten liege nicht an zu vielen E-Scootern oder zu vielen Elektrorädern, sondern an zu vielen Autos. Eine Stadt wie Berlin etwa habe rund 1,2 Millionen Fahrzeuge und für diese noch einmal deutlich mehr Parkplätze.

Lime selbst versuche über mehrere Maßnahmen die Nutzerinnen und Nutzer zu einem richtigen Umgang mit den Fahrzeugen anzuhalten und notfalls auch zu sanktionieren. Die Fahrerinnen und Fahrer müssten Fotos von den abgestellten Scootern machen, es gebe Strafzahlungen im Falle des nicht ordnungsgemäßen Abstellens. Pilotweise probiere Lime derzeit Sensoren aus, die ermitteln, ob jemand auf dem Gehweg fährt. Dann könne es ein Warnsignal geben oder der Roller abbremsen. Hier sei man aber noch in der Testphase, betonte Ting.

Bedarf nach Sharing-Fahrzeugen nicht gedeckt

Das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen San Mateo bietet auf seiner Plattform sowohl Elektroräder als auch E-Scooter zum Verleih an. Nach den USA sei Deutschland der zweitgrößte Markt des Konzerns, sagte Ting. Gemessen am Umsatz seien die E-Scooter das wichtigere Geschäft. Der Lime-Chef sieht den Bedarf nach den Sharing-Fahrzeugen bei weitem noch nicht gedeckt. „Die Nachfrage ist heute höher als jemals zuvor, auch mit Blick auf die Jahre vor der Pandemie“, sagte er.

Fünf Ideen für die Mobilitätswende
Das Aufreger-Thema „Tempolimit“ wird öffentlich fast ausschließlich mit Bezug auf Autobahnen diskutiert. Geschwindigkeitsbegrenzungen innerorts hingegen bleiben unter dem Radar, obwohl sie starke Fürsprecher haben, vor allem unter den Kommunen. Die im Juli 2021 von den sieben Städten Aachen, Augsburg, Freiburg, Hannover, Leipzig, Münster und Ulm gegründete Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ ist inzwischen auf über 850 Mitglieder angewachsen. Neben kleineren und mittelgroßen Kommunen haben sich seit Gründung auch mehrere Großstädte wie Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Saarbrücken oder Freiburg der Initiative angeschlossen. Die Bürgermeister fordern den Bund auf, rechtliche Rahmenbedingungen für den großflächigen Einsatz von Tempo-30-Zonen zu schaffen. Nach Ansicht der Initiative würde die Leistungsfähigkeit des Verkehrs durch eine großflächige Einführung nicht eingeschränkt, die Aufenthaltsqualität der Bewohner hingegen spürbar gesteigert. Auf einigen Hauptverkehrsstraßen soll den Plänen zufolge weiterhin Tempo 50 möglich bleiben.(Stand: Juli 2023)
In Städten könnten Fahrräder eine taugliche Alternative zu Auto und ÖPNV sein. Spaß macht das Radeln aber in den wenigsten Citys, allein schon wegen Ängsten um die eigene Sicherheit. Die Unfallforscher der Versicherung (UDV) haben vor diesem Hintergrund mehrere Vorschläge entwickelt, den Radverkehr weniger gefährlich zu machen. Darunter findet sich auch die Idee zur besseren Sicherung von Grundstückseinfahrten. Fast jeder fünfte Unfall zwischen einem Radler und einem Pkw spielt sich an den Zufahrten zu Firmengeländen, Tankstellen, Supermarkt-Parkplätzen und Parkhäusern ab. Fast jeder siebte Unfall mit schwerverletzten oder getöteten Radfahrern passiert an einer solchen Grundstückszufahrt. Je nach Frequenz und Lage könnten die Kommunen für die Zufahrten freie Sichtachsen, das Anbringen von Spiegeln oder sogar die Installation einer Ampel vorschreiben.(Stand: August 2022)
E-Autoprämie und Dienstwagensteuer fördern vor allem elektrische SUV und Premiumlimousinen mit zwei und mehr Tonnen Gesamtgewicht. Kein Geld hingegen gibt es zumindest aus diesen Töpfen für elektrische Leichtfahrzeuge. Die großen Autohersteller ignorieren die Zulassungsklassen L1e bis L7e mit ihren leichten und langsamen, aber effizienten und ressourcensparenden Stromern fast komplett – mit wenigen Ausnahmen wie dem Opel e-Rocks und dem Renault Twizy. Stattdessen tummelt sich dort eine unüberschaubare Vielzahl kleiner Anbieter mit teils exotisch anmutenden Zwei-, Drei- und Vierrädern. Die Micromobile taugen zum Pendeln, zum Einkaufen, zum Sightseeing oder auch zum Warentransport. Der Bundesverband E-Mobilität (BEM) fordert schon seit langem von den unterschiedlichen Bundesregierungen eine finanzielle Förderung sowie die Erhöhung der meist auf 45 km/h begrenzten Geschwindigkeit auf innenstadttauglichere Werte. Bislang allerdings erfolglos.(Stand: August 2022)
„Der Verkehr leidet in der Hauptsache daran, dass die Berufspendler zwei Mal am Tag alles verstopfen“, sagt Günter Schuh. Der E-Mobilitätspionier und Hochschul-Professor will das Problem mit seinem frisch gegründeten Shuttle-Dienst e.Volution lösen. Der Dienstleister stellt Unternehmen elektrische Mini-Vans mit sieben Sitzen zur Verfügung, die morgens die Belegschaft einsammeln und ihnen während der Fahrt ins Büro mobile Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. Deswegen zahlt der Weg bereits aufs Zeitkonto ein, was die Akzeptanz des gemeinschaftlichen Transports erhöhen soll. Verhandlungen mit Großunternehmen laufen bereits, 2024 sollen die ersten Meta-Mobile auf der Straße sein.(Stand: August 2022)
Neue U- und Straßenbahnen sind teuer und langwierig im Bau. In manchen Anwendungsfällen könnte die Seilbahn eine Alternative sein. Einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC zufolge schneiden sie bei Bau und Betrieb besser ab als die schienengebundenen ÖPNV-Lösungen. Die Kosten für Seilbahnsysteme pro Kilometer betragen den Experten zufolge etwa 10 bis 20 Millionen Euro – und liegen damit auf dem Niveau einer Straßenbahnstrecke. Da kein Betriebshof und keine Signal- und Verkehrsleittechnik erforderlich sind, sind die gesamten Investitionskosten im Verkehrsmittelvergleich gering. Zudem ist die Bauzeit von Seilbahnen mit 12 bis 18 Monaten relativ kurz. Dazu kommen der Studie zufolge wirtschaftliche Vorteile im Unterhalt, unter anderem ist der Energieverbrauch nur halb so hoch wie bei schienengebundenen Verkehrsmitteln. Ob Seilbahnen für eine konkrete Anwendung in einer Stadt geeignet sind, lässt sich laut PwC aber nur für den Einzelfall beantworten. Bei der Planung sei unter anderem mit Widerstand in der Bevölkerung zu rechnen, die eine Beeinträchtigung des Stadtbildes befürchten.(Stand: August 2022)

Insbesondere in Deutschland spürten gleich mehrere Anbieter zuletzt aber die verschärften Wettbewerbsbedingungen für den Sharing- und Start-up-Markt: Das Unternehmen Voi hat seine E-Scooter inzwischen aus Deutschland abgezogen. Der Berliner Konkurrent Tier entließ vergangenes Jahr Hunderte Mitarbeiter und stellte die Geschäftsstrategie von Wachstum auf Profitabilität um. Lime-Chef Ting geht davon aus, dass sich der Markt weiter konsolidieren wird. „Es gibt noch immer jede Menge Anbieter da draußen, die Probleme haben“, sagte er.

Lesen Sie auch: Das sind die E-Scooter-Pläne der deutschen Städte

Lime selbst habe bereits im vergangenen Jahr erstmals profitabel gewirtschaftet und zumindest vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte schwarze Zahlen geschrieben.

Italien will Vorschriften verschärfen – Paris verbietet E-Roller

Auch in anderen Ländern gibt es teils hitzige Diskussionen um Sharing-Fahrzeuge. Nach mehreren Unfällen will Italien die Regeln für E-Scooter verschärfen – etwa mit einer Helmpflicht. Das Kabinett von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat Ende Juni Änderungen in der Straßenverkehrsordnung verabschiedet. Diese sehen eine härtere Gangart für die Leih-Elektroroller vor. Den neuen Vorschriften zufolge müssen Fahrer von E-Scootern künftig einen Helm tragen sowie eine Versicherung abschließen. Es wird zudem ein Nummernschild vorgeschrieben. Die neuen Vorschriften müssen noch vom Parlament abgesegnet werden.

Paris reagiert: Ab September verbietet Frankreichs Hauptstadt den Verleih von E-Rollern.

Foto: imago images

Es soll außerdem künftig verboten sein, die E-Scooter auf Gehwegen abzustellen, um „ein bisschen Ordnung zu schaffen“, wie Italiens Infrastruktur- und Transportminister Matteo Salvini nach der Vorstellung der Vorschriften sagte. Das „Wildparken“ soll demnach unter Androhung hoher Strafen verboten werden.

In Italien kam es immer wieder zu teils tödlichen Unfällen. Außerdem stören sich Einheimische an Touristen, die mit den Rollern zu schnell auf Gehwegen fahren oder diese einfach mitten auf dem Bürgersteig abstellen.

Lesen Sie auch: Wer E-Roller hasst, ist gegen den Fortschritt

Salvini wehrte sich gegen Vorwürfe, Italien würde „übermäßig restriktiv“ gegen die E-Roller vorgehen. Er erinnerte an das Referendum in Paris, bei dem die Bewohner mit großer Mehrheit für ein Verbot des E-Scooter-Verleihs in der Stadt gestimmt hatten. Ab dem 1. September wird das Verbot der Roller dort greifen. „Hier kann sie jeder nach eigenem Ermessen nutzen“, sagte Salvini.

In Paris hatten sich bei einer Bürgerbefragung 89 Prozent der Befragten für ein Verbot von E-Scootern ausgesprochen. Die Stadt hat reagiert und verbietet ab September den Verleih der E-Roller. Dass sich an dem Votum nur 7,46 Prozent der 1,3 Millionen Wahlberechtigten beteiligten, ist für die Stadt indes kein Hindernis.

Deutschland, Italien und Frankreich sind nicht alleine mit der Diskussion um Sharing-Fahrzeuge: Zahlreiche Großstädte rund um die Welt haben die Benutzung von E-Rollern mittlerweile reguliert und eingeschränkt.

Lesen Sie auch: E-Scooter sieht man in Paris nicht gern. Aber die Seine-Metropole gilt als fahrradfreundlich – ein Selbstversuch.

dpa
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