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Sabotage-Gefahr bei WechselrichternSollten China-Komponenten in Solaranlagen verboten werden?

US-Ermittler haben verdächtige China-Funkmodule in Solaranlagen gefunden. Hersteller und Politiker fordern jetzt einen Ausschluss chinesischer Hersteller.Nele Husmann 15.05.2025 - 12:54 Uhr
Ein Ingenieur, der die Arbeit eines Solarmodulsystems überprüft. Foto: Getty Images

Die Sorge vor einer möglichen Sabotage der Stromnetze durch chinesische Bauteile in Photovoltaik-Anlagen treibt deutsche Experten schon länger um. Dieser Argwohn erreicht nun ein neues Level: Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters fanden US-Ermittler in den Wechselrichtern amerikanischen Solaranlagen zusätzlich verbaute Mobilfunkmodule. Die Bauteile waren nicht ordnungsgemäß in den technischen Beschreibungen der Geräte aufgeführt. Mutmaßlich könnten damit von Solarparkbetreibern eingerichtete Firewalls unbemerkt umgangen werden.

Das könnte massive Folgen haben: Die mit chinesischen Komponenten betriebene Flotte an Solaranlagen ist inzwischen so groß, dass eine Manipulation in der Stromzufuhr ernsthaften Schaden im Energienetz anrichten könnte.

Wechselrichter stellen das Gehirn in einer Photovoltaik-Anlage dar. Sie wandeln den Strom aus Solaranlagen von Gleichstrom in Wechselstrom und steuern, ob der Strom ins Netz, in eine Batterie oder in Ladevorgänge gelenkt wird. Würde durch das konzertierte Abschalten einer Wechselrichterflotte sekundengenau ein bestimmter Spannungsabfall erzeugt, könnte es zu einem nationalen Blackout kommen. Wechselrichter werden zudem auch in Windparks, in Speicherbatterien und in Wärmepumpen verbaut, um die Zufuhr zum Stromnetz zu managen.

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Mithilfe einer aggressiven Preispolitik haben chinesische Anbieter ihre Marktanteile bei Wechselrichtern rasant ausgebaut. Branchenprimus Huawei hat allein mehr als 100 Gigawatt Kapazität in Europa installiert. Mit fünf weiteren chinesischen Anbietern zusammen kontrollierte er - Stand 2023 - bereits 219 Gigawatt. Inzwischen dürfte es eine noch viel größere Menge an Solaranlagen sein.

„Besorgniserregende Berichte über heimlich verbaute Kommunikationsmodule in chinesischen Invertern, die an Firewalls vorbei steuern können, unterstreichen unseren Handlungsbedarf“, warnt nun der niederländische EU-Abgeordnete Bart Groothuis. Aus Sicht einiger Experten ist es hingegen noch zu früh, um eindeutige Schlüsse zu ziehen: „Noch ist unklar, welche Hardware genau gefunden wurde“, sagt Marek Seeger, der Informationssicherheitsbeauftragte des deutschen Wechselrichter-Herstellers SMA, „wir können nur spekulieren, ob diese Vorrichtungen dem Datenklau oder der Manipulation der Geräte dienen sollten.“

Auch Leonhard Probst, Experte für Solarenergiesysteme vom Fraunhofer Institut ISE, betont, dass noch kein Untersuchungsbericht mit Belegen vorliege. Aus Deutschland seien ihm keine Fälle bekannt: „Außerdem muss technisch noch geklärt werden, ob diese Kommunikationskanäle in der Lage wären, eine Abschaltung vorzunehmen.“ Weil moderne Wechselrichter ohnehin schon mit dem Internet oder einem Server verbunden sind, ist für eine Manipulation seitens des Herstellers eigentlich nicht einmal eine zusätzliche Schnittstelle nötig: „Ich vermute, dass die unerwarteten Schnittstellen für Fernauslesen und zur Fernwartung dienen könnten – warum sie nicht dokumentiert sind, muss eine ausführliche Analyse zeigen.“

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Der österreichische Wechselrichter-Hersteller Fronius warnt schon seit Jahren vor dem Gefahrenpotential von Wechselrichtern: „Dem potenziellen Risiko, das von Komponenten nicht-vertrauenswürdiger Hersteller ausgeht, muss mehr Beachtung geschenkt werden“, sagt die Geschäftsführerin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauss. Ähnlich wie in der Telekommunikation bräuchte es auch im Energiebereich auf EU-Ebene eine „Inverter Security Tool Box“, um eine Liste von vertrauenswürdigen Herstellern zu definieren: „Nur die Komponenten von Unternehmen auf dieser White-List sollten an das europäische Stromnetz angeschlossen werden dürfen.“

Europa-Parlamentarier Groothuis hat bereits an die Kommission geschrieben, mit der Aufforderung, einen Maßnahmenkatalog analog zu der 5G-Toolbox zu entwickeln: „Riskanten Ausrüstern wie Huawei muss der Zugang zu unseren Stromnetzen verwehrt werden.“

„Wir sind de facto erpressbar“

Auch einige deutsche Politiker sind bereits sehr sensibilisiert: „China ist längst in unseren Netzen und hat de facto geopolitische Erpressbarkeiten ausgebaut“, sagt der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter. Es gehöre zum hybriden Vorgehen Chinas, an neuralgischen Punkten Möglichkeiten für Spionage und Sabotage einzurichten, so der Verteidigungsexperte der CDU: „Daher ist es so wichtig, chinesische Komponenten aus kritischer Infrastruktur wie dem Energienetz-, dem 5G-Netz und dem Logistik-Netz grundsätzlich auszuschließen.“ Er fordert eine klare Regelung in Deutschland, dass chinesische Komponenten in kritischer Infrastruktur „künftig nicht mehr verbaut und bestehende Teile zurückgebaut werden.“ Trotz der 5G-Toolbox hat Deutschland bislang den Ausschluss von Huawei aus dem Mobilfunknetz nicht umgesetzt.

Der massive Stromausfall in Spanien und Portugal Ende April befeuert diese Sorge. Spaniens Blackout entstand, weil 15 Gigawatt im Netz fehlten. „Wenn Huawei 100 Gigawatt in Deutschland vom Netz nimmt“, warnt Groothuis, „hätte wegen der zentralen Lage halb Europa keinen Strom mehr.“ In den vergangenen Jahren haben chinesische Hersteller eine immer größere Dominanz am europäischen Markt aufbauen können, weil ihre Preise um bis zu 20 Prozent günstiger sind als die europäischen Hersteller. Teils würde unter Herstellungskosten verkauft.

Österreich hat als erstes EU-Land jetzt immerhin im Rahmen eines Förderprogramms einen Europa-Bonus bei der Errichtung von Solaranlagen eingeführt. Wer einen in der EU hergestellten Wechselrichter kauft, erhält einen Zuschuss in Höhe von bis zu 20 Prozent. Das soll den Preisnachteil ausgleichen, der europäischen Herstellern entsteht, weil China unter Herstellungskosten verkauft. Kiesewetter begrüßt die Initiative: „Der österreichische Ansatz ist sinnvoll, weil es besser ist, dass wir in Europa entsprechende Komponenten selbst produzieren.“

Groothuis hält das nur für einen Tropfen auf den heißen Stein: „Fördermaßnahmen können helfen, aber 20 Prozent mögen nicht genug sein“, warnt er. Huawei verfolge einen Zehn-Jahres-Plan, den europäischen Strommarkt zu erobern, sodass keine westlichen Alternativen mehr übrig seien: „Um Gewinnmargen kümmern die sich nicht.“

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