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Coronavirus in China Adidas verliert bis zu einer Milliarde Euro Umsatz

Adidas bekommt die Auswirkungen des Coronavirus nun auch wirtschaftlich zu spüren. Quelle: imago images

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus werden deutlicher. Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas rechnet allein in China mit bis zu einer Milliarde Euro Umsatzrückgang. Auch Puma ist betroffen.

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Der Ausbruch des Coronavirus in China bringt die Planungen beim fränkischen Sportartikelkonzern Adidas durcheinander. Der Umsatz in China werde im ersten Quartal um 800 Millionen bis eine Milliarde Euro unter Vorjahr liegen, warnte Adidas am Mittwoch in Herzogenaurach. Beim operativen Gewinn fehlten damit 400 bis 500 Millionen Euro. Ein Großteil der Adidas-Läden in China war wegen der Corona-Epidemie geschlossen worden, in die anderen kamen kaum Kunden. Seit Anfang März erhole sich das Geschäft wieder, teilte Adidas mit. Doch auch in Japan und Südkorea gebe es weniger Kunden. Die Produktion in China laufe aber zum Großteil wieder, weltweit gebe es keine Beschaffungsprobleme.

China steht für rund ein Fünftel des Umsatzes von Adidas. Im ersten Quartal 2019 hatte die Nummer zwei auf dem Weltmarkt für Sportschuhe und -bekleidung in der Region Asien/Pazifik, zu der das Land gehört, insgesamt 2,1 Milliarden Euro umgesetzt.

Als Konsequenz aus der Situation habe Adidas beschlossen, das China-Geschäft, das 2019 rund 23 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachte, vorübergehend gesondert zu betrachten und sich dort weitgehend der Krisenbewältigung zu widmen. In den anderen Regionen der Welt werde weiterhin die Wachstumsstrategie verfolgt. Es seien keine Personalkürzungen geplant. Die Lieferketten von China in andere Märkte seien nicht mehr betroffen. In China sind nach Rorsteds Worten 19 Prozent der Adidas-Fertigung angesiedelt.

In Europa spürt Adidas dagegen noch keine Auswirkungen durch die Krise. „Wir sehen derzeit keine signifikanten Einflüsse“, sagte Adidas-Vorstandsvorsitzender Kaspar Rorsted am Mittwoch bei der Bilanz-Pressekonferenz seines Unternehmens. Die Veranstaltung konnte wegen der Furcht vor einer Ansteckungsgefahr nur als Webcast stattfinden.

Aus den Prognosen für das laufende Jahr klammert Adidas die Folgen des Virus aus. Ob und wann sich der Rückstand aufholen lasse und wie sich die Epidemie auf andere Länder auswirke, sei ungewiss. In China hatte Adidas im Februar alle Lieferungen an die Großhändler storniert, um Ladenhüter zu vermeiden. Die liegengebliebenen Schuhe und Kleidungsstücke will Adidas im Lauf des Jahres über den eigenen Vertrieb losschlagen.

Ohne das Coronavirus rechnet Adidas in diesem Jahr mit einem wechselkursbereinigten Umsatzwachstum um sechs bis acht Prozent. Das wäre mindestens so viel wie 2019: Da hatte der Umsatz dank des florierenden Geschäfts im Internet ohne Währungseffekte um sechs Prozent auf 23,6 Milliarden Euro zugelegt. Zu Zugpferden sollen Nordamerika – die Heimat des größeren Rivalen Nike – und Russland werden, für Asien rechnet Adidas 2020 nur noch mit einstelligen Zuwachsraten, Europa soll mit etwa fünf Prozent stärker zulegen als 2019. Die strategischen Maßnahmen zeigten hier Wirkung, hieß es in der Mitteilung.

Der Nettogewinn aus dem laufenden Geschäft soll 2020 um 10 bis 13 Prozent auf 2,10 bis 2,16 Milliarden Euro steigen. „Unser Ziel ist es, zum sechsten Mal in Folge eine Gewinnsteigerung im zweistelligen Bereich zu erzielen“, sagte Vorstandschef Kasper Rorsted. 2019 legte der Gewinn wie von Adidas erwartet um elf Prozent auf 1,92 Milliarden Euro zu, lag damit aber etwas unter den Prognosen der Analysten. Den Aktionären will der Konzern eine Dividende von 3,85 Euro je Aktie zahlen, 50 Cent mehr als für 2018.

Auch Konkurrent Puma bleibt von den Auswirkungen des Virus nicht verschont, kann aber noch keine Voraussagen treffen. Eine kurzfristige Verbesserung der Lage, auf der die Erwartungen für das laufende Jahr fußten, sei „trotz erster, ermutigender Signale aus China“, nicht absehbar, räumte der drittgrößte Sportartikelhersteller der Welt am Mittwoch ein. „Es ist unmöglich, eine Vorhersage zur Geschäftsentwicklung in den kommenden Wochen und Monaten zu machen, und wir können den negativen Effekt auf Umsatz und Gewinne nicht quantifizieren“, erklärte Puma.

Vor drei Wochen hatte der Adidas-Rivale für 2020 – ohne Währungseffekte – einen Umsatzanstieg um zehn Prozent und ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) zwischen 500 und 520 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Das wäre ein Plus von 14 bis 18 Prozent.

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