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New Work „Jogginghosen wurden definitiv nicht so gekauft wie Klopapier“

In Jogginghosen gehen junge Männer über die Königstraße in Stuttgart Quelle: dpa

Die Jogginghose gilt als modisches Symbol der Coronakrise und unverzichtbares It-Piece aller Homeoffice-Arbeiter. Doch spiegelt sich der vermeintliche Turnhosenboom auch in den Verkaufszahlen wider?

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Für Karl Lagerfeld war die Sache klar: „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Doch das war vor Corona und vor dem Homeoffice. Mit dem ersten Lockdown, so das gängige Narrativ, hätten vormals korrekt gekleidete Angestellte zuhauf ihre Bürokleidung abgelegt und sich allmorgendlich in Turnschuhen und Jogginghosen an ihren Heimarbeitsplätzen versammelt. Obenrum im Businesslook für Zoom und Co – untenrum eher leger. Doch taugt die Jogginghose wirklich zum modischen Symbol der Coronakrise? Als eine Art Äquivalent zum Toilettenpapier, das im Frühjahr in den Supermärkten so reißenden Absatz fand?

Tatsächlich haben die Marktforscher der GfK bislang keinen rasanten Absatzanstieg im Turnhosen-Segment feststellen können. Die Menge der insgesamt verkauften Jogginghosen steige nicht, sagt GfK-Fashion-Expertin Petra Mücke. Sie gehe aber – zumindest bei den Herren – deutlich weniger zurück als der Gesamtmarkt Hose. Im Klartext: Es werden insgesamt wohl nicht mehr Jogginghosen als vor der Pandemie verkauft, aber eben auch nicht deutlich weniger Stücke, wie es in vielen anderen Bekleidungssegmenten derzeit der Fall ist.

„Wie das manchmal mit Symbolen ist, sie treffen nicht ganz zu“, sagt denn auch eine Sprecherin des Modeverbands GermanFashion. „Jogginghosen wurden definitiv nicht so gekauft wie Klopapier.“ Zwar hätten Hersteller von Sportbekleidung im Vergleich zu Anzug- oder Hemdproduzenten am wenigsten verloren. Echte Gewinner habe es allerdings in keinem Bekleidungssegment in diesem Jahr gegeben.

Internationaler Tag der Jogginghose

Bei den Verkaufskanälen kam es indes zu deutlichen Verschiebungen: hin zu Onlineplayern wie Amazon, Zalando und Otto, weg von den großen stationären Händlern. Die Folge: Im E-Commerce zogen die Trainingshosen-Verkäufe offenbar auch wirklich an. So berichtet Otto von einem Plus von rund 20 Prozent von April bis November 2020 im Vergleich zum Vorjahr. „Ein noch viel stärkeres Plus verzeichnen wir im gleichen Zeitraum bei Jogginganzügen, sprich: Hose samt Oberteil“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Hier sei die Nachfrage auf otto.de um fast 110 Prozent gestiegen. Auch beim Otto-Rivalen Zalando gehörten Laufhosen beim Verkaufsevent Cyber Week 2020 zu den Bestsellern. Dass die immer nur für den Sporteinsatz bestellt werden, ist unwahrscheinlich. 

Der Anteil der Jogginghosen, die „nicht zum Sport“ gekauft werden, sei insgesamt von gut 40 Prozent auf knapp 50 Prozent gestiegen, heißt es bei der GfK. Und eine weitere Erkenntnis hält die Jogginghosen-Forschung parat: Männer geben für die „Jogginghose für Zuhause“ mehr Geld aus als Frauen.


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Fazit: Der Turnhosen-Trend ist zwar keine legere Legende, wird aber stark überzeichnet. Vor allem bei Onlineanbietern haben die Verkäufe zwar angezogen, im Gesamtmarkt bleibt der Absatz dagegen auf Vorjahresniveau. Womöglich haben aber auch viele Heimarbeiter schlicht ihre alten Hosen aus dem Turnbeutel gekramt und auf den Kauf neuer verzichtet. Gelegenheit das zu ändern bietet der 21. Januar. Dann ist der „internationale Tag der Jogginghose“ – je nach Perspektive ein Fest- oder Trauertag.

Mehr zum Thema: Weil große Urlaubsreisen ausfallen, möbeln viele Verbraucher die eigenen vier Wände auf. Baumärkte, Möbelhändler und Küchenhersteller profitieren vom Cocooning-Trend.

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