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WelthandelKleine Läden, große Sorgen: Trumps Zölle treffen US-Händler

Der amerikanische Präsident ist auf einem handelspolitischen Konfrontationskurs, vor allem gegen China. Dies schadet vielen Betrieben in den USA. 13.04.2025 - 10:33 Uhr
Besitzerin Noelie Rickey steht hinter der Ladentheke in ihrem Geschäft für Haustierbedarf namens «The Dog Park». Foto: Luzia Geier/dpa

Zwischen Leckerlis und Tennisbällen kämpft Noelie Rickey mit den Folgen der Politik von US-Präsident Donald Trump. 2022 übernahm sie gemeinsam mit Geschäftspartnern ein kleines Fachgeschäft für Hundebedarf: „The Dog Park“ in der pittoresken Altstadt von Alexandria im Bundesstaat Virginia, unweit der Hauptstadt Washington. Damals seien die Verkaufszahlen auf ihrem Höhepunkt gewesen, erzählt die ehemalige Tierarzthelferin. „Jetzt sind sie auf dem Tiefpunkt.“ Die Ursachen seien vielfältig. Besonders sorge sie aber Trumps Zolloffensive gegen nahezu die ganze Welt.

China-Zölle inzwischen bei 145 Prozent

Zwar trat der US-Präsident zuletzt auf die Bremse und setzte bestimmte Zölle vorerst aus, doch gegenüber China zog er sogar noch an: Für die meisten Waren aus der Volksrepublik liegt der Zollsatz inzwischen bei 145 Prozent. Und auch für die meisten anderen Länder gelten weiterhin Sonderzölle, unter anderem für die Nachbarn Mexiko und Kanada.

Noch ist unklar, welche Auswirkungen die Maßnahmen im Detail haben werden – es dürfte dauern, bis sie in Lieferketten und bei Verbrauchern ankommen. Doch die Sorge vor steigenden Preisen ist groß. Es mehren sich Berichte über Hamsterkäufe. Laut Berechnungen der Yale-Universität könnten die Zölle für das Jahr 2025 zu einem langfristigen Kaufkraftverlust von durchschnittlich 2700 Dollar (etwa 2400 Euro) pro US-Haushalt führen.

US-Unternehmen

So leidvoll ist „Business machen“ unter Donald Trump

Der Handelskonflikt, der die USA laut Trump in ein „goldenes Zeitalter“ führen soll, trifft kleine Unternehmen wie das von Ladenbesitzerin Rickey besonders hart. Noch hat sie ihre Preise nicht angehoben, lange wird sie das aber kaum durchhalten können. Viele ihrer Produkte stammen nicht aus den USA: Futter kommt vor allem aus Kanada. Spielzeug, Hundeleinen und anderes Zubehör aus Stoff oder Plastik überwiegend aus China.

Letztlich zählt der Preis

Viele Händler, mit denen Rickey arbeitet, sind hingegen eher klein und kommen aus Nordamerika, wie sie betont – anders als große Ketten oder Onlinehändler, die vor allem auf Masse setzen. Doch selbst die Produkte ihrer Geschäftspartner stammen oft aus China. „Wenn ich versuchen würde, nur amerikanische Produkte einzukaufen, würde der Laden ganz anders aussehen“, sagt Rickey.

Am Ende zähle gerade in Zeiten hoher Alltagskosten für die meisten ihrer Kunden der Preis, erläutert sie – und der ganz praktische Bedarf der vierbeinigen Endverbraucher: „Wenn ein Hund alle zwei Wochen ein Spielzeug zerlegt, greift man eher zum 10-Dollar-Modell als zum teuren für 40 Dollar.“

Spielzeug, Kleidung, Elektronik, Haushaltsartikel

Ob direkt oder indirekt: China ist für die USA ein Hauptlieferant günstiger Konsumgüter. Das gilt für Handelsriesen wie Walmart und Amazon ebenso wie für kleine Läden, die Spielzeug, Kleidung, Elektronik oder Haushaltsartikel verkaufen.

Zoll-Ausnahme

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von Katja Joho

„Viele Unternehmer sind auf chinesische Lieferketten angewiesen. Sei es, um ihr Geschäft am Laufen zu halten oder um ihre Lager zu füllen“, erklärt Alexis D’Amato vom Verband Small Business Majority, der landesweit nach eigenen Angaben rund 85.000 Kleinunternehmer verschiedenster Branchen vertritt. Was im Einzelhandel als „klein“ gilt, ist dabei Auslegungssache: Die US-Behörde SBA zählt Betriebe mit bis zu 500 Beschäftigten dazu. Small Business Majority zieht die Grenze bei etwa dreißig Mitarbeitenden.

„Main Street“ vs. Wall Street

Auch wenn die Realität vielerorts von Strukturwandel geprägt ist, verkörpern gerade diese inhabergeführten Läden das amerikanische Ideal der „Main Street“ – jener typischen Hauptstraße kleiner Städte, wo man einander kennt. Es ist der Gegenentwurf zur mächtigen, anonymen Wall Street. Dieses Bild ist tief im nationalen Selbstverständnis verankert, über politische Lager hinweg.

Börsengang: Fakten und Begriffe
IPO steht für „Initial Public Offering“, was so viel wie „erstmaliges öffentliches Angebot“. Im Angelsächsischen spricht man bei einem Börsengang auch von „going public“. Es geht also um den Börsengang, der Anlegern erstmals öffentlich Teile des Unternehmens in Form vom Aktien anbietet. Die Aktien sind dabei ein – meist winziger – verbriefter Anteil am Eigenkapital eines Unternehmens.
Eine Neuemission ist ein Angebot neu geschaffener Wertpapiere. Das können Aktien, Anleihen, Zertifikate oder sonstige Wertpapiere sein. Kommen etwa bei einem Börsengang neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung auf den Markt, spricht man von einer Neuemission.
Sie legt den Zeitraum fest, innerhalb dessen ein Anleger neu emittierte Wertpapiere zeichnen kann, also sich durch schriftliche Erklärung die Übernahme eines bestimmten Betrags zusichern kann. Nur wenn die Nachfrage schwach ist, wird eine Zeichnungsfrist auch mal verlängert.
Vor Beginn der Zeichnungsfrist nennt das Unternehmen eine Preisspanne, zum Beispiel von 20 bis 25 Euro. Die Investoren teilen dann mit, wie viele Aktien sie zu übernehmen bereit sind und nennen dafür einen Preis innerhalb der Preisspanne. Kommen nicht genug Anfragen zusammen, kann das Unternehmen – der Emittent – die Preisspanne auch senken. Aus den Zeichnungsaufträgen ermittelt der Emittent dann den Ausgabepreis, zu dem es die Aktien den Investoren überlässt.
Bei vielen Börsengängen können über das genannte Emissionsvolumen hinaus in den Tagen nach der Erstnotiz an der Börse weitere Aktien ausgegeben werden. Diese Mehrzuteilung wird auch Greenshoe genannt. Sie kommt bei hoher Nachfrage nach den Wertpapier zum Einsatz. Wie groß der Greenshoe ist, muss im Börsenprospekt stehen.
Nachdem die Aktien zum Ausgabepreis an die Anleger verteilt worden sind, wird es ernst: Die Aktien werden zum ersten Mal an der Börse gehandelt. Aus Kauf- und Verkaufsangebot wird der erste Kurs im Handel ermittelt – die Aktie notiert zum ersten mal an der Börse. Die Erstnotiz erfolgt zum angekündigten Datum, der erste Handelskurs sollte über dem Ausgabepreis liegen.
Wertpapiere, die an einer Börse gehandelt werden, unterliegen bestimmten Spielregeln. An einem regulierten Markt sind diese besonders umfassend und verlangen zum Beispiel Banken, die den Handel betreuen und Berichtspflichten, wie die Veröffentlichung von Quartalsberichten nach bestimmten Vorschriften. Am unregulierten Markt sind die Vorschriften lascher und die eine Überwachung des Handels – etwa bei der Kursbestimmung - greift nicht.
Beim Börsengang kommt eine zuvor festgelegt Zahl an Aktien in den Börsenhandel. Der Wert all dieser Aktien zusammen entspricht dem Platzierungsvolumen. Dabei kann es sich um neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung (Neuemission) oder um Aktien der bisherigen Eigentümer und vorbörslichen Investoren handeln.
Multipliziert man den Aktienkurs mit der Zahl aller frei handelbaren Aktien eines Unternehmens, erhält man den Börsenwert eines Unternehmens. Dieser entspricht der Marktkapitalisierung gleichgesetzt. Die Aktien, die nicht zum Handel an der Börse zugelassen sind, – also im Bestand des Unternehmens verbleiben – sind dabei unberücksichtigt.
Unternehmen lassen selten alle Aktien an der Börse zum freien Handel zu, sondern lediglich einen Teil. Liegt etwa der Streubesitz bei 30 Prozent, sind auch nur 30 Prozent der Eigenkapitalanteile an der Börse handelbar. Je höher der Streubesitz, umso liquider ist der Handel und umso geringer die Kursschwankungen, die sich aus Kauf- und Verkaufsorders ergeben.
In der Regel verbleibt bei einem Börsengang ein großer Teil der Aktien in Besitz von den bisherigen Eigentümern. Während der Haltefrist – auch Lock-up-Periode genannt – dürfen sie aus diesem Bestand keine Aktien verkaufen. Eine lange Haltefrist gilt als Bekenntnis zu einem Unternehmen.
Die Konsortialbanken begleiten den Börsengang und anschließenden Aktienhandel für ein Unternehmen. Das lassen sich die Banken natürlich vom Unternehmen bezahlen. Eine besondere Aufgabe fällt den Konsortialbanken zu, die sich als Designated Sponsor engagieren. Sie sorgen dafür, dass der Handel liquide bleibt, auch wenn zum Beispiel Käufer keinen Verkäufer der Papiere finden. Dann übernehmen sie den Part des Verkäufers, damit immer ein Kurs gestellt werden kann.
Darunter versteht man das Verfahren, mit dem der Preis für neu an die Börse zu bringende Aktien festgelegt wird. Da vor der Emission von neuen Aktien kein Börsenhandel mit diesen Papieren stattfindet, kann dieser Preis nicht durch Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt werden. Beim angelsächsischen Auktionsverfahren geben die Banken, die das Unternehmen an die Börse bringen, eine Preisspanne vor. Innerhalb dieser können Investoren ihre Gebote abgeben. Auf Grund der vorliegenden Orderlage wird der tatsächliche Emissionskurs letztlich aus dem Gebots-Durchschnitt gebildet. Früher wurde das heute kaum noch gebräuchliche Festpreisverfahren angewandt, bei dem sich die beratenden Banken und die AG schon vor Verkaufsangebot auf einen Preis einigten, den Anleger dann akzeptieren mussten.
Die Roadshow ist eine Werbetour eines Unternehmens bei möglichen Investoren. Dabei wird versucht, möglichst viele Investoren zu gewinnen, die den angestrebten Preis für die Aktien zu zahlen bereit sind. Die Roadshow ist daher wichtig, um die richtige Preisspanne auszuloten.

Tatsächlich sind selbst diese Läden längst in globale Lieferketten eingebunden. Anders als Großkonzerne haben sie aber kaum Spielraum, um Preissteigerungen abzufedern oder ihre Bezugsquellen umzustellen, sagt D’Amato. Sie übt scharfe Kritik an Trumps handelspolitischem Schlingerkurs: „Gefühlt gibt es jeden zweiten Tag neue Zölle oder Änderungen.“ Langfristige Planung? Praktisch unmöglich.

Manchen droht finanzieller Ruin

Wie schnell das zur Existenzfrage wird, zeigt das Beispiel von Beth Benike aus dem Bundesstaat Minnesota. Bei den US-Sendern CNN und CBS News schilderte sie die Notlage ihres Familienunternehmens, das Babyartikel in China fertigen lässt. Eine neue Charge im Wert von 160.000 Dollar war bereits versandbereit, als die Zölle in mehreren Schritten auf 125 Prozent stiegen. Statt rund 30.000 Dollar für die Einfuhr der Waren sollte der Import dann plötzlich fast 200.000 Dollar kosten – Geld, das sie nicht hat. Inzwischen wäre es sogar noch mehr.

US-Zölle

„Die Handelsströme werden sich stark verschieben“

von Konrad Fischer

Benike sorgt sich nicht nur um ihre Mitarbeitenden. Auch ihr Eigenheim steht auf dem Spiel: Es sichert einen Geschäftskredit.

Es fehlt an Standorten und Fachkräften

Und dann sind da noch die Finanzmärkte. In den USA ist die Altersvorsorge eng an die Börse geknüpft. Viele Selbstständige bauen auf ihr Aktiendepot. Wenn die Märkte schwanken, schwanke auch ihre Zukunft, warnt D’Amato. Trumps Zollpolitik sei „ein Schlag ins Gesicht“ für viele ihrer Verbandsmitglieder. Was es eigentlich brauche, sei Unterstützung. Das Argument der Regierung, durch Zölle letztlich die heimische Produktion zu stärken, lässt sie nicht gelten. „Es gibt genug andere Wege“, meint D’Amato.

Auch Ladenbesitzerin Rickey sieht das so. Wer wirklich inländische Produktion fördern wolle, müsse investieren – in Subventionen, Standorte, Fachkräfte. „Menschen, die eine Nähmaschine bedienen und in großer Stückzahl Hundespielzeug herstellen können, gibt es hier nicht“, sagt sie und fügt mit Blick auf Trumps harte Migrationspolitik hinzu: „Wenn doch, dann schieben wir sie gerade so schnell wie möglich ab.“

Mehr als nur Zölle

Was Rickey generell bei dieser Regierung fehlt, ist ein schlüssiges Konzept. Die Zölle seien nur ein Teil, sagt sie. Dass der Verkauf bei „The Dog Park“ nicht gut laufe, habe einige Gründe: Die Corona-Hilfen seien inzwischen ausgelaufen, gleichzeitig machten sich Trumps Massenkündigungen in Bundesbehörden bemerkbar – ein tiefer Einschnitt für die Region, in der viele im öffentlichen Dienst arbeiten. Außerdem sei der Tourismus in Alexandria zurückgegangen und mit ihm die Laufkundschaft.

Rickey ist aber auch eine pragmatische Unternehmerin, die seit langem verschiedene Standbeine hat. Schon vor Trumps Rückkehr ins Amt nahm sie deshalb Dienstleistungen mit ins Angebot: eine Tagesbetreuung für Hunde und einen Haustier-Friseursalon. Katzen sind ebenfalls willkommen.

dpa
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