WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Die Macher hinter Rocket Internet Das Samwer-Imperium ist nur eine riskante Wette

Vom Börsengang ihrer Start-up-Fabrik erhoffen sich die Samwer-Brüder Milliarden. Doch Rocket Internet erweist sich als intransparentes Unternehmensgeflecht - und als gigantische Wette auf die Zukunft.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Oliver Samwer Quelle: Armin Brosch für WirtschaftsWoche

Rein ins Taxi. Handy in die Hand. Kurze Ansage an den Fahrer. Und Tempo bitte, in 45 Minuten muss Oliver Samwer im Flieger nach London sitzen. Während der Wagen zum Flughafen Berlin Tegel startet, tippt Samwer auf seinem Smartphone rum, nestelt nebenbei den Gurt ins Schloss und macht dazu eine Miene, als wolle er das Wetter draußen beschreiben: Nieselregen.

Dabei war alles ganz anders geplant. Samwer hatte zu einem Hintergrundgespräch in die Zentrale seiner Online-Holding Rocket Internet nach Berlin-Mitte geladen. Um das Geschäftsmodell der Start-up-Schmiede sollte es gehen. Stattdessen bietet er eine Hetzjagd durch die Hauptstadt.

Man müsse das bitte verstehen, hat Samwers Pressesprecher noch kurz gesagt, bevor er die schwarze Rolltasche seines Chefs in den Kofferraum des Taxis wuchtete. Unvorhergesehene Ereignisse hätten den Zeitplan des Meisters über den Haufen geworfen. Irgendwo knirscht es halt immer bei Rocket Internet, dem Samwer-Reich, das sich heute über den ganzen Globus erstreckt – von Albanien bis nach Ruanda, von Chile bis Myanmar.

Gemeinsam mit der WirtschaftsWoche hat auch Frontal21 hinter den Kulissen "Der großen Samwer-Show" recherchiert. Der Film der ZDF-Journalisten zeigt, wie die Unternehmerbrüder Oliver, Marc und Alexander agieren.

Ihr größter Trick

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wo auch immer sich im weltweiten E-Commerce gerade Geld verdienen lässt, sind Oliver Samwer und seine Brüder Marc und Alexander mit Rocket Internet mit von der Partie. Sie waren früh an Netzgiganten wie Facebook, LinkedIn und Groupon beteiligt, haben den Modeversender Zalando zur größten Online-Kleiderkammer Europas gepäppelt und zig andere E-Commerce-Hoffnungen weltweit ausgerollt.

    Die drei Samwer-Brüder

    Jetzt planen sie ihren größten Coup: Sowohl für Rocket Internet als auch für Zalando loten sie Börsengänge aus. Ihre Anteile dürften dabei mit insgesamt fast drei Milliarden Euro bewertet werden. Ist die Samwer-Saga vom Aufstieg dreier deutscher Internet-Jungs zu Mega-Online-Stars also eine einzige Erfolgsgeschichte?

    Die WirtschaftsWoche und das ZDF-Magazin „Frontal21“ haben die Geschäfte der Brüder im Detail durchleuchtet. Das Resultat: Kein zweiter deutscher Unternehmerclan hat in den vergangenen Jahren einen ähnlich steilen Aufstieg geschafft. Doch die Methoden, mit denen sich die drei Brüder ihren Weg nach oben bahnten, scheinen bisweilen weniger Managementweisheiten denn dem Plot des Italo-Westerns „Zwei glorreiche Halunken“ entsprungen zu sein, nur dass die Samwers zu dritt sind.

    Niemand ist erfolgreicher, niemand ist umstrittener in der europäischen Internet-Szene. Das Online-Konglomerat Rocket Internet erweist sich beim näheren Hinsehen als intransparentes Unternehmensgeflecht, anfällig für Interessenkonflikte und Einflussnahmen der Großaktionäre – kurz: als gigantische Wette auf die Zukunft.

    Die bekanntesten Gründungen und Beteiligungen von Rocket Internet

    Angesichts der Firmenkonstruktion von Rocket Internet wirkt Zalando – der zweite Börsenkandidat der Samwer-Brüder – fast wie ein Hort der Stabilität und Transparenz. Innerhalb weniger Jahre ist das Unternehmen zu Europas größtem Online-Modehändler avanciert. Einziger Schönheitsfehler: Das Wachstum wurde mit üppigen Fördermitteln alimentiert.

    In den vergangenen Jahren wurden dem Unternehmen insgesamt 35 Millionen Euro Fördergeld vom Bund und den Ländern Thüringen, Brandenburg und Berlin bewilligt. Damit zählt der Web-Angreifer zu den Subventionskönigen im deutschen Handel.

    Berliner Blackbox

    Noch 43 Minuten bis zum Abflug. Das Taxi fädelt sich in den Verkehr auf der Berliner Friedrichstraße ein. Die erste Ampel schaltet auf Rot. Oliver Samwer schaut vom Handydisplay auf, knipst sein Blendax-Lächeln an und ist plötzlich voll da: Die große Samwer-Show beginnt.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%