Ranking: Die beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands
Özgür Kibarogullari, 27, arbeitet seit einem Jahr bei Accenture. „Ich will vor allem viel lernen“, sagt der Informatiker.
Foto: Maks Richter für WirtschaftsWoche
Was macht einen guten Arbeitgeber aus? Ist es der firmeneigene Meditationsraum? Der Besuch eines Hochseilgartens als vertrauensbildende Maßnahme unter Kollegen? Oder macht die Berufung eines Feel-Good-Managers, dessen einzige Aufgabe darin besteht, sich um das Wohl der Mitarbeiter zu kümmern, den Unterschied?
Seit die Vertreter der Generation Y aus den Hörsälen auf die deutschen Büroetagen strömen, die Googles und Facebooks dieser Welt ihre Büros mit Hängematten und Kickerräumen bestücken und das Wort Work-Life-Balance in aller Munde ist, liefern sich auch deutsche Unternehmen einen Wettstreit: Wer kennt die Generation Y am besten? Und vor allem: Wer hat die ausgefallensten Ideen, um diese jungen Menschen zu gewinnen?
Dabei haben sie scheinbar aus dem Blick verloren, was wirklich zählt. Denn die angehenden Akademiker haben meist ganz einfache Wünsche.
Franziska Baum und Özgür Kibarogullari, beide 27, gehören zu denjenigen, die von den meisten Unternehmen in Zeiten von Fachkräftemangel und zunehmender Digitalisierung verzweifelt gesucht werden. Baum ist Naturwissenschaftlerin, Kibarogullari hat Informatik studiert.
Nettes Team und gutes Gehalt
Und doch haben ihre aktuellen Arbeitgeber sie ganz ohne Schnickschnack überzeugt. „Mir waren flexible Arbeitszeiten und ein gutes Team besonders wichtig“, sagt etwa Apothekerin Baum, die seit einem Jahr bei Ratiopharm am Produktionsstandort in Blaubeuren-Weiler, rund 20 Kilometer von Ulm entfernt, arbeitet. „Ich möchte vor allem viel lernen – und Spaß an der Arbeit haben“, sagt Özgür Kibarogullari. Diesen Wunsch konnte ihm sein Arbeitgeber, die Strategieberatung Accenture erfüllen. Ebenfalls wichtig:
Sowohl Pharmaindustrie als auch Beraterbranche zahlen gut. Baum und Kibarogullari sprechen damit vielen Studenten aus der Seele – das zeigt das große Arbeitgeber-Ranking des Beratungsunternehmens Universum, das der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Denn wer als Arbeitgeber ein ordentliches Gehalt bietet und mit einem netten Team aufwarten kann, hat die jungen Talente schon halb ins Unternehmen gelockt. Materielle Sicherheit rücke auf der Liste der Wünsche nach oben, schreibt auch Klaus Hurrelmann in seinem Buch „Die heimlichen Revolutionäre: Wie die Generation Y unsere Welt verändert“. Schuld daran sind die wirtschaftlich unruhigen Zeiten, in denen die zwischen 1985 und 2000 Geborenen aufgewachsen sind.
Echte Wettbewerbsvorteile im Kampf um begehrte Fachkräfte: ein sicherer Arbeitsplatz, abwechslungsreiche Aufgaben und die Aussicht auf Personalverantwortung. Von Kickertisch, Hochseilgarten und Yogakurs ist hingegen nicht so oft die Rede. Das zeigt auch die ungebrochene Beliebtheit der großen Traditionsunternehmen unter den deutschen Studenten. Konzerne wie BMW, Audi, Bayer und BASF führen das Ranking seit Jahren an.
„Sie erfüllen die Erwartungen der jungen Talente“, sagt Stefan Lake, Deutschland-Chef des Beratungsunternehmens Universum, das für die WirtschaftsWoche mehr als 34.000 Studenten zu ihren favorisierten Arbeitgebern befragte. „Die Unternehmen bieten ein gutes Gehalt, angenehme Arbeitsbedingungen und Sicherheit – das macht sie so erfolgreich“, sagt Lake. So konnten die beliebtesten fünf Arbeitgeber bei den Informatikern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern ihre Position vom vergangenen Jahr verteidigen. Einzig bei den Wirtschaftswissenschaftlern gibt es Bewegung an der Spitze: BMW verwies in diesem Jahr unter den angehenden Betriebswirten die Konkurrenten von Audi auf den zweiten Platz.
Die Ingenieurstudenten hingegen wählten wie im Vorjahr Audi auf den ersten Platz, gefolgt von BMW, Porsche, VW und Daimler. Die Naturwissenschaftler kürten die Max-Planck-Gesellschaft zum Top-Arbeitgeber, es folgen der Pharmariese Bayer, die Fraunhofer-Gesellschaft, BASF und Merck. Bei den Informatikstudenten verteidigte der Internet-Konzern Google die Spitzenposition. Gefolgt von Microsoft, Apple, Audi und SAP. So weit, so vorhersehbar. Doch abseits der Top Fünf tut sich dann doch so einiges. Etwa bei den Informatikern, wie Özgür Kibarogullari.
Der 27-Jährige hatte nach seinem Abschluss an der Universität Stuttgart gleich mehrere Jobangebote von großen Konzernen im In- und Ausland. Doch er entschied er sich für eine Karriere in der Unternehmensberatung. Wie immer mehr seiner Kommilitonen. So kletterte Kibarogullaris Arbeitgeber, die auf IT-spezialisierte Beratung Accenture, in diesem Jahr um 14 Plätze von Position 47 auf 33. „Die Beratungen werben offensiv um Absolventen der sogenannten MINT-Fächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik“, sagt Lake. Durch die zunehmende Digitalisierung sind auch die Beratungen vermehrt auf diese Spezialisten angewiesen.
Auch der Bewerbungsprozess an sich ist wichtig
Bei Özgur Kibarogullari ist die Rechnung aufgegangen. „In keinem anderen Job lerne ich in so kurzer Zeit so viele verschiedene Unternehmen und Länder kennen“, sagt Kibarogullari, der seit einem Jahr bei Accenture arbeitet. Schon sein erster Job führte ihn für sechs Monate in ein Pharmaunternehmen nach Indien.
Seit zwei Monaten arbeitet er an einem Projekt für einen deutschen Automobilkonzern. Dort soll er zusammen mit seinen Kollegen verschiedene Softwaresysteme zusammenführen und vereinheitlichen. Doch nicht nur die abwechslungsreichen Aufgaben erleichterten Kibarogullari die Entscheidung für die Beratung. Ihm gefiel schon der Bewerbungsprozess bei Accenture: Nach einem ersten Telefonat mit einer Personalerin wurde er direkt zum Assessment-Center eingeladen. Nur ein paar Stunden später hatte er das Jobangebot. „Das hat auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht“, sagt er. „In vielen anderen Unternehmen dauert es Wochen, bis man eine Rückmeldung erhält.“
Platz 1 Aufsteiger bei den Wirtschaftswissenschaftlern:
Deloitte belegt im diesjährigen Ranking Platz 39. Im Vergleich zum vergangenen Jahr konnte das Beratungsunternehmen 14 Plätze gutmachen.
Foto: ScreenshotPlatz 2 Aufsteiger bei den Wirtschaftswissenschaftlern:
Airbus konnte im Vergleich zu 2014 13 Plätze aufsteigen. Im Ranking 2015 liegt das Unternehmen auf Platz 27.
Foto: dpaPlatz 3 Aufsteiger bei den Wirtschaftswissenschaftlern:
JP Morgan belegt im diesjährigen Ranking Platz 43. Im Vergleich zum vergangenen Jahr konnte die amerikanische Bank 12 Plätze gutmachen.
Foto: dpaPlatz 1 Aufsteiger bei den Ingenieuren:
Die Boston Consulting Group hat im Vergleich zum Vorjahr um 33 Plätze aufgeholt. Damit schafft sie es bei den Ingenieuren auf Platz 39 im Gesamtranking.
Auch bei den Informatikern war das Beratungsunternehmen aus den USA um 17 Plätze aufholen. Bei ihnen belegt BCG im Arbeitgeberranking Platz 43 und ist damit der drittbeste Aufsteiger 2015 bei den Informatikern.
Platz 2 Aufsteiger bei den Ingenieuren:
Um 19 Plätze konnte sich der Maschinenbauer John Deere im Ranking verbessern. Damit bringt er es auf Platz 41 der Ingenieure.
Foto: APPlatz 3 Aufsteiger bei den Ingenieuren:
Mit Kuka konnte sich ein weiterer Maschinenbauer stark verbessern. Dieses Jahr bringt es das Unternehmen auf Platz 35, das sind 18 Platzierungen Verbesserung gegenüber dem Vorjahr.
Foto: dpaPlatz 1 Aufsteiger bei den Informatikern:
Der Top-Aufsteiger bei den Ingenieuren ist PriceWaterhouseCoopers. Dort konnte sich das Wirtschaftsprüfungsunternehmen um 38 Ränge auf Platz 35 verbessern.
Foto: dapdPlatz 2 Aufsteiger bei den Informatikern:
Um 20 Plätze konnte sich KPMG verbessern. Das Unternehmen schafft es somit bei den Informatikern auf Platz 50 im Gesamtranking.
Foto: REUTERSPlatz 1 Aufsteiger bei den Naturwissenschaftlern:
Den größten Aufstieg bei den Naturwissenschaftlern schafft Lanxess. Das Unternehmen konnte sich im Vergleich zum Vorjahr um 16 Plätze auf Rang 43 verbessern.
Foto: dpaPlatz 2 Aufsteiger bei den Naturwissenschaftlern:
McKinsey konnte sich gegenüber dem Vorjahr um 15 Plätze verbessern. Damit schafft es das Unternehmen bei den Naturwissenschaftlern auf Platz 21.
Foto: PressePlatz 3 Aufsteiger bei den Naturwissenschaftlern:
GlaxoSmithKline ist um 13 Ränge auf Platz 49 Im Gesamtranking aufgestiegen.
Quelle: Universum
Foto: REUTERSBei der weltweit tätigen Beratung ist hohes Tempo Standard. Simone Wamsteker leitet bei Accenture das Recruiting für Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Verbindlichkeit ist für die Bewerber ganz wichtig“, sagt sie. „Und sie wollen authentische Informationen aus erster Hand: Wie ist es wirklich, dort zu arbeiten?“ Deshalb setzt die Beratung auf ihrem eigenen You-Tube-Kanal auf kurze Videos, in denen Angestellte und Führungskräfte selbst erzählen, an welchen Projekten sie gerade arbeiten. Bei den Auswahltagen sind immer Experten aus den Fachabteilungen dabei. Das kam auch bei Kibarogullari gut an. Er stellte dem erfahrenen Kollegen zahlreiche Fragen und hatte am Ende des Tages eine genaue Vorstellung über seinen zukünftigen Job. Zwei Tage später sagte er zu.
Das hatte aber auch noch einen anderen wichtigen Grund. „Mir ist das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens sehr wichtig“, sagt er.
Welche Unternehmen fächerübergreifend vorne liegen (zum Vergrößern bitte anklicken)
Foto: WirtschaftsWocheEr selbst kam erst mit 14 Jahren aus der Türkei nach Deutschland – ohne auch nur ein Wort Deutsch zu sprechen. Nach Hauptschulabschluss und dem Besuch der Realschule kämpfte er sich bis zum Abitur durch und studierte anschließend Informatik an der Uni Stuttgart. Diese Erfahrung will er mit Jugendlichen, die heute in einer ähnlichen Situation stecken, teilen. Und hält regelmäßig Vorträge an Haupt- und Förderschulen. Unterstützt von seinem Arbeitgeber. „Ich will nicht nur fachlich wachsen, sondern auch persönlich“, sagt er.
Talent Economy
Qualifizierte Fachkräfte zu finden und zu halten wird zunehmend schwieriger. "Wir leben in einer ‚Talent Economy‘, begabte junge Menschen sind der Schlüsselfaktor für Unternehmen", sagt Matthias Ehrhardt von der IESE Business School. Die vernetzten und anspruchsvollen Generationen X und Y erwarten regelmäßiges Feedback, Abwechslung sowie Entwicklungschancen. "Millennials fühlen sich bekanntermaßen kaum an einzelne Unternehmen gebunden", bekräftigt Professor Ehrhardt. Wer junge Menschen dennoch für sich begeistern wolle, müsse eine neue Arbeits- und Unternehmenskultur schaffen, in der sich die Mitarbeiter stärker mit ihrer Aufgabe identifizieren.
Aber wie sehen das eigentlich die jungen Menschen?
Foto: dpaSelbstbewusste Millennials
Die junge Generation in Deutschland weiß sehr genau, wie wichtig sie für die Wirtschaft ist. Das zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung Lünendonk im Auftrag des Personalunternehmens Orizon. Demnach schätzen 61,9 Prozent der Azubis, Schüler und Studenten ihre Chancen auf einen Job als "eher gut" ein, 14,3 Prozent von ihnen sogar mit "sehr gut". 54,8 Prozent sind sich sicher, "gut qualifiziert" zu sein beziehungsweise eine gefragte Ausbildung zu haben (55,4 Prozent).
Die fachliche Qualifikation der Bewerber kommt bei den Unternehmern aber gar nicht mehr an erster Stelle. Die wichtigste Voraussetzung für gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt seien laut Studie Leistungsbereitschaft und Motivation (97,6 Prozent.) Auf Zeugnisse schauen nur 95,2 Prozent der Personalchefs. Genauso viele legen übrigens Wert auf die psychische Stabilität und die sozialen Kompetenzen der zukünftigen Angestellten.
Foto: dpaGeld, Abwechslung und Sicherheit
Arbeitgeber beziehungsweise Jobs, die die Jungen attraktiv finden, müssen zuallererst gut bezahlt sein. So sagen jedenfalls 95,8 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass eine leistungsgerechte Bezahlung für sie an erster Stelle steht. Allerdings sind den jungen Deutschen auch nicht-monetäre Aspekte sehr wichtig. An zweiter Stelle kommen für die Jungen abwechslungsreiche Aufgaben und ein sicherer Arbeitsplatz (beides 91,7 Prozent). Wer neue Talente sucht, wird mit monotonen Jobs und befristeten Verträgen also schlechte Karten haben.
Foto: FotoliaWeiterbildungsangebote
Rund die Hälfte der deutschen Unternehmen finanziert ihren Angestellten Weiterbildungen und Seminare. Das ist auch wichtig: Weiterbildungsangebote sind für 88,1 Prozent der Schüler, Azubis und Studenten ausschlaggebend, wenn sie sich für ein Unternehmen entscheiden sollen.
Foto: FotoliaAttraktive Standorte
Ein Problem, das gerade mittelständische Unternehmen haben, ist dass die jungen Fachkräfte lieber nach Berlin, München oder Frankfurt wollen, als auf die schwäbische Alb. So sagen auch 81,0 Prozent der Befragten, dass die Attraktivität des Standortes für sie eine entscheidende Rolle spielt. Da bleibt für Unternehmen fernab vom Schuss nur, die jungen Kräfte mit vielen Annehmlichkeiten zu locken.
Foto: FotoliaUrlaubsgeld
Auch Urlaubsgeld ist 78,8 Prozent der jungen Fachkräfte bei einem Unternehmen "wichtig" oder "sehr wichtig". Vermögenswirksame Leistungen finden 76,8 Prozent der befragten Azubis und Studenten attraktiv.
Foto: dpaBetriebliche Altersvorsorge
Die betriebliche Altersvorsorge spielt für 78,0 Prozent der jungen Deutschen eine große Rolle. 74,4 Prozent finden außerdem eine betriebliche Gesundheitsvorsorge attraktiv.
Foto: FotoliaImage
Schlechte Zeiten für Betreiber von Atomkraftwerken und Rüstungsunternehmen: 77,4 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen das Image eines Unternehmens "wichtig" beziehungsweise "sehr wichtig" ist.
Foto: FotoliaFlexible Arbeitszeiten
Flexible Arbeitszeiten wünschen sich 76,2 Prozent. Damit steht die "Work-Life-Balance" bei den künftigen Fach- und Führungskräften auf Platz acht im Ranking.
Foto: FotoliaSoziales Engagement
Das soziale Engagement eines Unternehmens spielt nur für 67,9 Prozent eine große Rolle.
Foto: FotoliaDazu gehört für ihn auch, Zeit für sein Hobby, das Basketballspielen, zu haben. Glücklicherweise hat die Beraterbranche, eigentlich bekannt für Nachtschichten und Wochenendarbeit, das Thema Work-Life-Balance für sich entdeckt: So gibt es etwa bei Accenture genaue Regeln für die vielen Dienstreisen. Wer von Montag bis Donnerstag vor Ort beim Kunden ist, kann am Freitag schon zurück bei der Familie sein und von zu Hause aus arbeiten. Ein Angebot, dass Kibarogullari gerne wahrnimmt.
Mittlerweile bietet jede große Beratung ihren Mitarbeitern solche Angebote. McKinsey gibt seinen Beratern die Möglichkeit jedes Jahr eine dreimonatige Auszeit zu nehmen, um sich sozial zu engagieren, zu reisen oder einfach nur Zeit mit der Familie zu verbringen. Die Boston Consulting Group regt ihre Mitarbeiter dazu an, sich zwischen zwei Projekten ein paar Wochen frei zu nehmen.
So stieg nicht nur Accenture auf – auch die anderen großen Unternehmensberatungen legten ordentlich zu. McKinsey stieg unter den angehenden Ingenieuren 13 Plätze auf – von 41 auf Platz 28. BCG machte 33 Positionen gut und liegt nun auf Platz 39. Bei den IT-Studenten holte McKinsey um vier Plätz auf, PwC sogar um 38 Positionen. BCG verbesserte sich um 17 Plätze. Und bei den Naturwissenschaftsstudenten legte McKinsey um 15 Positionen zu, BCG kletterte immerhin um vier Positionen auf Rang 35.
Gutes Gehalt, gute Talente
Und noch ein weiterer Trend zeichnet sich unter den Naturwissenschaftlern ab. Bislang hatte es die Industrie traditionell schwer, sich gegen die renommierten Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft oder die Fraunhofer-Gesellschaft durchzusetzen.
Doch das ändert sich, immer mehr Talente wie die Pharmazeutin Franziska Baum entscheiden sich bewusst für einen Job in der Industrie. Sie und ihr Arbeitgeber, der Generikahersteller Ratiopharm fanden schon während eines Praktikums zusammen, als die 27-Jährige einen Teil ihres praktischen Jahres im Werk in Blaubeuren-Weiler absolvierte. Wie im Medizinstudium müssen auch Pharmazeuten nach ihrem Studienabschluss ein Jahr Berufserfahrung sammeln. So arbeitete Baum von Mai bis November 2013 in der Produktion der sterilen Arzneiformen von Ratiopharm. Und lernte dort die Vorteile der Industrie kennen. „Ich arbeitete damals schon in Gleitzeit, das hat mir sehr gut gefallen“, sagt Baum. „Freitags gehe ich immer reiten – wenn ich unter der Woche mehr gearbeitet habe, kann ich jetzt auch schon mal früher in den Stall gehen.“
Würde Baum, wie die meisten ihrer ehemaligen Kommilitonen als Apothekerin arbeiten, wäre das nicht drin. Außerdem müsste sie regelmäßig samstags arbeiten und Notdienste schieben.
„Die Pharmaindustrie bietet den Absolventen, was ihnen wichtig ist: Sie zahlen besser, die Arbeitszeiten sind flexibel, und die Branche gilt als krisensicher“, sagt Universum-Mann Lake. Und der Generikahersteller Ratiopharm hat noch ein weiteren Ass im Ärmel. Seit dem Verkauf durch die Familie des Unternehmensgründers Adolf Merckle gehört das Unternehmen zu einem der größten Pharmaunternehmen weltweit: Teva. „Während des Pharmaziestudiums ist ein Auslandsemester nicht vorgesehen“, sagt Baum. „Durch die Arbeit in einem internationalen Konzern habe ich jetzt die Möglichkeiten, auch in anderen Ländern zu arbeiten.“ Das macht Ratiopharm zu einem begehrten Arbeitgeber: Der Generikahersteller verbesserte sich in diesem Jahr von Platz 13 um fünf Plätze und zog damit in die Top Ten bei den angehenden Naturwissenschaftlern ein.
Doch wo Gewinner, da auch Verlierer. Die Deutsche Bahn etwa stürzte im Ranking ab. Nachdem sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren dank seiner breit angelegten Arbeitgeber-Kampagne mit dem Titel „Kein Job wie jeder andere“, die auf die vielen Berufe abseits von Lok-Führer und Bahnkontrolleur hinweisen sollte, kontinuierlich verbessern konnte, erlebte das Unternehmen in diesem Jahr einen Rückschlag. Bei den Naturwissenschaftlern verlor der Konzern zehn Plätze und liegt in diesem Jahr auf Rang 34. Unter den Wirtschaftswissenschaftlern büßte das Unternehmen sieben Plätze ein, und bei den Ingenieuren und Informatikern jeweils vier. Schuld daran ist wohl vor allem ein Mann namens Claus Weselsky. Der oberste Streikführer der Gewerkschaft GDL brachte Deutschland für viele Wochen zum Stillstand.
„Da hilft auch die beste Employer-Branding-Kampagne nicht“, sagt Lake. „Solche Negativschlagzeilen wirken sich immer auf die ganze Marke aus.“
Schlechtes Image schadet Amazon
Mit den gleichen Problemen hat auch der Online-Händler Amazon zu kämpfen. Während des wichtigen Weihnachtsgeschäfts und auch vor Ostern legten die Mitarbeiter in den Verteilerzentren ihre Arbeit nieder. Das kostete Amazon bei den Wirtschaftswissenschaftlern acht Plätze, auch die für das Unternehmen besonders wertvollen Informatiker straften den Online-Händler ab: Amazon sank von Platz 15 auf 19. Doch nicht nur Streik kann die Beliebtheit der Unternehmen deutlich schmälern. Auch auf Stellenabbau reagieren die angehenden Akademikern sensibel. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass IBM weltweit Mitarbeiter entlassen will. Die Wirtschaftswissenschaftsstudenten strafen den US-amerikanischen Konzern gar mit sieben Positionen ab. Unter den angehenden Ingenieuren verlor das Unternehmen neun Plätze.
Wer hingegen einstellt, hat schon gewonnen. So will auch Kibarogullaris Arbeitgeber Accenture in diesem Jahr rund 1000 Stellen mit Akademikern besetzen.
60 Prozent davon werden im MINT-Bereich gesucht, der Rest sind Positionen für Wirtschaftswissenschaftler. „Wir würden noch viel mehr einstellen, wenn der Markt die entsprechenden Kräfte hergeben würde“, sagt Recruiterin Wamsteker.
„Unternehmen, die einstellen, haben immer gute Karten bei den Studenten“, sagt Experte Lake. Weil sie Zukunftschancen in einem wachsenden Unternehmen bieten. Und das ist viel mehr wert als ein Yogakurs.