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Gewinner Lanxess, Verlierer BASFSo steht es um die Chemiekonzerne

Die Chemiekonzerne haben ihre Halbjahres-Bilanzen veröffentlicht. Umsatz und Produktion in der Branche sinken. Auch für andere Wirtschaftszweige ist das ein schlechtes Zeichen.Jürgen Salz 10.08.2016 - 10:48 Uhr

Die Chemieriesen haben ihre Halbjahreszahlen vorgelegt

Foto: dpa, Montage

Die Chemieindustrie ist der Frühindikator der deutschen Wirtschaft: Da die Branche etliche Vorprodukte für die Auto-, Bau- oder Konsumgüterindustrie entwickelt, lässt sich daran ablesen, wie sich die Konjunktur entwickelt.

Von daher ist es auch für andere Wirtschaftszweige eine schlechte Nachricht, dass die Chemieindustrie lahmt. Insgesamt stagnierte in der deutschen Chemiebranche im ersten Halbjahr die Produktion, der Umsatz reduzierte sich um 3,5 Prozent auf 90,4 Milliarden Euro. Es ist ein ungünstiger Mix von Faktoren, der sich da über den Konzernen zusammenbraut: Die Wachstumsschwäche in Schwellenländern hält an, der globale Investitionsboom geht ohnehin zu Ende. Rohstoffpreise und Wechselkurse agieren ziemlich erratisch.

Gleichzeitig steigen die Kosten für Rohstoffe, Energie und Personal. Der frühere Bayer-Chef Marijn Dekkers, der als Präsident des Chemieverbandes VCI die Interessen der Branche vertritt, macht denn auch wenig Hoffnung für das Gesamtjahr 2016: Die Preise für die Hersteller werden weiter sinken, der Umsatz gegenüber Vorjahr soll sich um 1,5 Prozent auf 186 Milliarden Euro reduzieren.

Platz 10 - PPG Industries (USA):
Die Amerikaner produzieren unter anderem bruchsicheres Glas für die Auto- und Raumfahrtindustrie, aber auch Farben, Lacke und Chemikalien. 15,33 Milliarden Dollar setzte Pittsburgh Plate Glass damit im Jahr 2016 um.

Foto: AP

Platz 9: Linde
Die Münchener sind weltweit einer führenden Anbieter für Gase. Ein Umsatz von umgerechnet 17,83 Milliarden Dollar im Jahr 2016 reicht für einen Platz in der Top Ten.

Foto: dpa

Platz 8: Air Liquide (Frankreich)

Die Erfindung von flüssiger Luft legte den Grundstein für einen Weltkonzern. Im vergangenen Jahr kam der französische Chemieriese auf einen Umsatz von 19,08 Milliarden Dollar.

Foto: CLARK/obs

Platz 7: Henkel (Deutschland)

Weltweit ist der Düsseldorfer Konzern bekannt für seine Marken Persil, Pril oder Pritt. Mit einem Umsatz von 19,69 Milliarden Dollar spielt der Dax-Konzern auch unter den internationalen Chemieriesen vorne mit.

Foto: dpa

Platz 6: Dupont (USA)

Der komplette Name des amerikanischen Chemieriesens lautet „E I Du Pont de Nemours“. Das geht zurück auf die französischen Gründer, die in die USA emigriert waren und dort 1802 begannen, Sprengstoffe zu produzieren. Heute macht das Unternehmen in über 80 Ländern weltweit einen Umsatz von insgesamt 24,6 Milliarden Dollar. 2017 erfolgte die Fusion mit dem Rivalen Dow Chemical zum größten Chemiekonzern der Welt.

Foto: dpa

Platz 5: LyondellBasell Industries (Niederlande)
Über die Jahre ist das internationale Konglomerat durch Zukäufe immer weiter gewachsen. Aus steuerlichen Gründen ist der Konzern mittlerweile in den Niederlanden beheimatet, auch wenn die Aktien in New York gehandelt werden. Der globale Umsatz ist mit 29,18 Milliarden Euro in der internationalen Spitzenklasse.

Foto: REUTERS

Platz 4: Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Die Weiterverarbeitung von Öl und Gas macht den arabischen Staatskonzern zu einem der größten Chemiekonzerne weltweit. Der Umsatz von 39,5 Milliarden Dollar spricht für sich.

Foto: SABIC

Platz 3: Dow Chemical (USA)
Kunststoffe, synthetischer Kautschuk und Chlor gehören zu den meistverkauften Produkten der Amerikaner. Der Umsatz von 48,16 Milliarden Dollar wird nur von zwei deutschen Konzernen übertroffen.

Foto: AP

Platz 2: Bayer (Deutschland)
Nicht nur unter den Pharmakonzernen gehören die Leverkusen zu den globalen Riesen, auch in der Chemie kann kaum einer Bayer das Wasser reichen. Ein Umsatz von 49,2 Milliarden Dollar ist weltweit der zweithöchste der Branche.

Foto: dpa

Platz 1: BASF (Deutschland)
Die „Badische Anilin- und Soda-Fabrik“ ist mittlerweile schon seit Jahren unangefochtener Marktführer der Chemieindustrie. Die Ludwigshafener haben allein 2016 einen Umsatz von 69,54 Milliarden Dollar erwirtschaftet. 2017 dürfte allerdings die Allianz von Dow und DuPont an die Spitze rücken.

Foto: CLARK/obs

Mengenrückgänge in China, Türkei und Osteuropa

Je nach Unternehmen fällt die Bilanz allerdings unterschiedlich aus. BASF, Evonik, Covestro und Lanxess haben kürzlich ihre Halbjahreszahlen vorgelegt. Eher schlecht lief es demnach bei BASF und Evonik, verhalten positiv bei Covestro und Lanxess.

Grundsätzlich gilt: Unternehmen, die viel Umsatz in China, Japan, Südkorea, Brasilien, Osteuropa oder Türkei machen, sind deutlich stärker vom Mengenrückgang betroffen. Bei BASF und Evonik kommen noch ungünstige Produkt-Abhängigkeiten hinzu.

Chemie-Konzern

Bayer will weltweit größter Agrochemie-Konzern werden

von Jürgen Salz

So leidet die BASF, die sich als einziger großer Chemiekonzern eine eigene Öl- und Gasförderung leistet, unter den niedrigen Preisen für diese Rohstoffe. Ein Großteil des Umsatzrückgangs beruht auch darauf, dass die Ludwigshafeners sich von einigen Gasaktivitäten getrennt haben. Insgesamt sank der BASF-Umsatz im ersten Halbjahr um 27 Prozent auf 28,7, Milliarden Euro; der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen reduzierte sich um zwölf Prozent auf 3,6 Milliarden Euro.

Chemiekonzern

Lanxess erhöht erneut Ergebnisprognose

Deutschlands zweitgrößter Chemiekonzern, Evonik aus Essen kämpft ebenfalls mit Schwächen seines Portfolios: Der Ruhrkonzern setzt etwa stark auf Zusatzstoffe für Tierfutter und muss sich dabei derzeit mit weltweit fallenden Preisen arrangieren. Im ersten Halbjahr 2016 konnte Evonik zwar seinen Absatz noch steigern – um acht Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern reduzierte sich allerdings um 18 Prozent auf 795 Millionen Euro.

Mehr Grund zur Freude gibt es beim Bayer-Chemieableger Covestro. Das Geschäft mit Kunststoffschäumen (Polyurethane) und Hochleistungskunststoffe (Polycarbonate) lief durchaus rund. Zu den Abnehmern zählen unter anderem die Auto- und die Bauindustrie.

Der Leverkusener Chemiekonzern konnte die Absatzmengen jeweils gegenüber Vorjahr steigern – und trotz niedrigerer Verkaufspreise die Profitabilität erhöhen. Was nach Aussage von Vorstandschef Patrick Thomas daran liegt, dass die Anlagen besser ausgelastet werden konnten.

Ebenfalls von den Kunststoffprodukten profitieren konnte der Kölner Chemiekonzern Lanxess. Auch dort reduzierte sich im ersten Halbjahr 2016 zwar der Umsatz um 6,8 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, beim Gewinn konnte das Unternehmen allerdings zulegen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern erhöhte sich im ersten Halbjahr um 28 Prozent auf 307 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2016 erhöhte Unternehmenschef Matthias Zachert nun die Gewinnprognose.

Lanxess erwartet nunmehr einen Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereinflüssen zwischen 930 und 970 Millionen Euro – zuvor war das Unternehmen von einem Ergebnis zwischen 900 und 950 Millionen Euro ausgegangen. Allerdings macht das Hauptgeschäftsfeld Kautschuk wegen der Überkapazitäten immer noch Probleme. Dafür erfreut sich das Insektenschutzmittel Saltidin, für das Lanxess den Wirkstoff herstellt, in Südamerika derzeit großer Beliebtheit – es hilft gegen das Zika-Virus.

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