Riedls Dax-Radar: Die Jahresendrally läuft – mindestens bis Anfang 2017
Die Zinserhöhung in den USA kam wie erwartet. Deutlich fällt das Statement von Fed-Chefin Janet Yellen über die weitere Geldpolitik aus. Ihr zufolge könnten es 2017 nun sogar mehr als die bisher angenommenen zwei Erhöhungen geben.
Natürlich bleibt auch das hypothetisch. Derzeit herrscht großer Optimismus über die Folgen der lautstark verkündeten Trump-Politik. Ob sich das eines Tages wirklich in den Zahlen so positiv auszahlt, bleibt abzuwarten. Viele Beobachter blenden derzeit die riskante Seite dieser Maßnahmen aus: Die dämpfende Wirkung auf den internationalen Handel, Folgen eines starken Dollars, schlechtere Beziehungen zu China, Unsicherheiten über die technologischen Megatrends und die Förderung alter, überkommener Techniken und Wirtschaftszweige.
Yellen dürfte gut damit fahren, weiter steigende Zinsen zwar an die Wand zu malen – aber nur, wenn die Rahmendaten stimmen: also Wirtschaftswachstum, stabiler Arbeitsmarkt, moderate Inflation. Dass sich Yellen von dieser Linie auch nicht durch Trump abbringen lässt, kommt ihrem Renommee zugute.
Platz 20: Aktien Venezuela
Die Börse in Caracas ist winzig, nur wenige Aktien sind dort notiert und die Umsätze liegen oft bei nur ein paar tausend Dollar pro Tag. Internationale institutionelle Investoren meiden venezolanische Aktien. Die Inflation im Land galoppiert, der Versorgungsmangel eklatant, die Währung Bolivar ist auf Talfahrt. Anleger, die im Januar 100.000 Euro in den IBC-Index investierten, haben so jetzt nur noch 54.320 Euro. Im Vorjahr hatten sich die Kurse noch mehr als vervierfacht.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: ReutersPlatz 19: Aktien China
Die Wirtschaft in China macht Anlegern seit über einem Jahr Sorgen. Die Börse stürzte entsprechend weiter ab. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandschinas erfasst, brach um 15,6 Prozent ein. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro leicht abwertete blieben Anlegern von 100.000 Euro nur 80.900 Euro übrig.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: ReutersPlatz 18: Aktien Euro-Zone
Der Jahresauftakt an Europas Börsen war schon ein Horror, dann kam noch das Debakel um den Brexit hinzu. Die Folge: Die Aktien in der Euro-Zone notieren tief im Minus. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Leitindex Euro Stoxx 50 investierte, verfügt angesichts des Minus von 12,3 Prozent jetzt nur noch über 87.670 Euro. Am schlimmsten erwischte es dabei Anleger in Italien – der FTSE MIB 100 Index verlor fast ein Viertel seines Wertes.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: REUTERSPlatz 17: Britisches Pfund
Investoren haben die britische Währung nach dem Brexit-Votum regelrecht heruntergeprügelt. Schon vorher litt es deutlich, am Tag nach der Bekanntgabe des Referendums stürzte es dann zum US-Dollar um bis zu knapp 14 Prozent und zum Euro um mehr als acht Prozent ab. Zur US-Währung liegt das Pfund auf dem niedrigsten Stand seit über 30 Jahren. Zum Euro liegt das Pfund „nur“ auf dem niedrigsten Stand seit rund zwei Jahren. In diesem Jahr wurden aus 100.000 in Pfund angelegten Euro 88.620 Euro.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 16: Aktien Deutschland
Auch Aktienanleger in Deutschland hat bislang kein schönes Jahr. Gleich zu Beginn des Jahres stürzte der Leitindex Dax ab. Danach erholte er sich zwar – machte die Verluste vom Jahresanfang aber nie ganz wett. Der Brexit-Schock setzte dem Dax dann erneut zu. Aus 100.000 im Dax investierten Euro sind innerhalb von sechs Monaten nur noch 90.110 Euro geworden.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: APPlatz 15: Aktien Schweiz
Auch die Aktien der Schweiz gingen auf Talfahrt. Der Franken legte dabei zum Euro nur ganz leicht zu. Im vergangenen Jahr hatte er kräftig aufgewertet, nachdem die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs für den Franken aufgegeben hatte. Von daher machten Anleger mit Franken in diesem Jahr keine Währungsgewinne. Von 100.000 Euro blieben 91.320 Euro übrig.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: ReutersPlatz 14: Aktien Großbritannien
Das Brexit-Votum hat der britische Leitindex rasch verkraftet. Der Leitindex „Footsie“ war zwar am 24. Juni heftig eingebrochen, holte die kurzfristigen Verluste dann aber wieder auf. Trotzdem sind Experten skeptisch, da wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU eine lange Phase der Ungewissheit droht. Dennoch notiert der Footsie auch auf Halbjahressicht 4,2 Prozent im Plus. Da der Euro jedoch zum Pfund kräftig zulegte, machten Euro-Anleger, die ihre Positionen nicht absicherten, einen Verlust von 8,01 Prozent und hatten bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro so nur noch 91.990 Euro auf dem Konto.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: ReutersPlatz 13: Aktien Japan
Die Abenomics, das Konjunkturprogramm von Japans Präsidenten Shinzo Abe zieht nicht mehr an der Börse. Ein Grund dafür ist der starke Yen, der japanische Exporte extrem teuer macht. Die Folge: Japans Leitindex Nikkei 225 ist seit Januar um mehr als 18 Prozent eingebrochen. Ein schwacher Trost für Euro-Anleger: Sie verloren nur 6,23 Prozent und hatten so Ende des ersten Halbjahres von 100.000 in den Nikkei 225 investierten Euro immerhin noch 93.740 Euro.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 12: US-Dollar
Der Brexit hat auch dem Euro im Vergleich zum Dollar zugesetzt. Trotzdem hat der Dollar seit Jahresanfang zum Euro leicht verloren. Aus 100.000 in Dollar angelegten Euro wurden so bislang 98.120 Euro. Das schmälert alle Erträge die Anleger mit in Dollar denominierten Anlagen machten. Viele Experten glauben aber, dass die Unsicherheiten über die Zukunft der Europäischen Union den Dollar zumindest wieder etwas steigen lassen werden.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: ReutersPlatz 11: Aktien USA
Zu Jahresbeginn ging es auch für die großen US-Aktienindizes kräftig nach unten, später erholten sich die Börsen jedoch - anders als in Europa wieder deutlich – und steuerten sogar auf neue Jahreshochs zu. Der Brexit verhagelte auch US-Anlegern die Stimmung. Dennoch liegt Leitindex Dow Jones auf Halbjahressicht 2,9 Prozent im Plus. Für Euro-Anleger ist der Gewinn etwas geringer, aus 100.000 investierten Euro wurden für sie aber immerhin 100.720 Euro.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 10: Aktien Schwellenländer
Die Aktien der Schwellenländer haben sich insgesamt von ihrem Absturz des vergangenen Jahres erholt als der MSCI Index für Emerging Markets noch um 16 Prozent abgestürzt war. Im ersten Halbjahr 2016 legte der auf Dollar lautende Index gut fünf Prozent zu. In Euro gerechnet blieb ein Plus von 3,07 Prozent – aus 100.000 Euro machten Anleger 103.070 Euro.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: APPlatz 9: US-Staatsanleihen
Die Unsicherheit der Investoren hat US-Staatsanleihen Zulauf beschwert Dazu kommt, dass Investoren inzwischen nicht mehr daran glauben, dass die US-Notenbank Fed ihren im Dezember vergangenen Jahres ganz vorsichtig eingeleiteten Zyklus der Leitzinserhöhungen fortsetzt. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in US-Staatsanleihen gesteckt hat, hat jetzt 103.320 Euro.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: WirtschaftsWochePlatz 8: Euro-Unternehmensanleihen
Seit Juni kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Euro-Anleihen von Unternehmen abseits der Bankbranche mit guter Bonität. Die Käufe beziehungsweise schon vorher die Erwartung der EZB als neuen großen Investor trieben die Kurse. Gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch verdienten Anleger mit den Firmenbonds 5.350 Euro, wenn sie im Januar 100.000 Euro investierten.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 7: Deutsche Staatsanleihen
Bundesanleihen sorgten im ersten Halbjahr für viel Aufsehen. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die Niedrigzinsen und die Unsicherheit der Anleger über die wirtschaftliche Entwicklung bescherten den deutschen Staatsanleihen regen Zulauf. Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rentiert im Minus, am Tag nach dem Brexit-Entscheid fiel sie auf bis zu minus 0,17 Prozent. Für Anleger, die gleich zu Jahresbeginn 100.000 Euro in deutsche Staatsanleihen investierten machten damit Gewinn aus den minimalen Zinsen und den deutlichen Kurssteigerungen von 6.800 Euro.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: APPlatz 6: Anleihen Schwellenländer
Die Anleihen der Schwellenländer haben sich kräftig erholt. Das liegt auch daran, dass die US-Zinswende stockt und die Renditen der US-Staatsanleihen so deutlich gefallen sind. Außerdem haben sich die Fundamentaldaten in vielen Emerging Markets verbessert. Euro-Anleger machten mit auf Dollar lautenden Staatsanleihen gemessen am Index von JP Morgan einen Gewinn von 10.160 Euro, wenn sie am Jahresanfang 100.000 Euro investierten.
Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: APPlatz 5: Gold
Gold glänzte nach einer fünfjährigen Talfahrt wieder. Zum einen sorgte die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft für die Flucht in die Krisenwährung Gold. Zum anderen machen die Negativrenditen vieler Staatsanleihen in der Euro-Zone und in Japan Gold als Anlage erneut attraktiver. Allein im Juni stieg der Goldpreis um 8,5 Prozent. So stark ist er in einem Juni zuletzt im Jahr 1980 gestiegen. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in Gold investierte hat jetzt 122.860 Euro.
Schlussstand 30.06.2016 Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: ReutersPlatz 4: Öl
Der Ölpreis fiel zwar bis Ende Januar auf ein Zwölfjahrestief von rund 27 Dollar, setzte dann aber zu einer Rally an und kostet aktuell rund 50 Dollar. „Das liegt vor allem, dass die USA deutlich weniger Öl produzieren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In Euro gerechnet wurden aus 100.000 am Ölmarkt investierten Euro auf 130.450 Euro.
Schlussstand 30.06.2016 Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: ReutersPlatz 3: Sojabohnen
Auftrieb gab es auch bei vielen Agrarrohstoffen, die ebenfalls ihre jahrelange Talfahrt stoppten. Hauptgründe dafür waren Dürren und extreme Wetterlagen, die teils die Ernte bedrohen. Allen voran stieg der in Dollar notierte Preis für Sojabohnen um fast 35 Prozent. Aus 100.000 in den Agrarrohstoff investierten Euro wurden so im ersten Halbjahr 131.800 Euro.
Schlussstand 30.06.2016 Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 2: Aktien Peru
Die Börse in Peru ist als Überraschungsaufsteiger weit nach vorne gerückt, nachdem die Kurse zuvor fast vier Jahre stetig gefallen waren. Aus 100.000 an der Börse in Lima investierten Euro wurden in diesem Jahr bislang 142.990 Euro. Die US-Bank Goldman Sachs sieht Peru „makrookönomisch in optimaler Verfassung“ mit zunehmenden Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation. Allerdings sind die Umsätze an der Börse gering, und dort sind nur wenige Werte notiert.
Schlussstand 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 1: Aktien Brasilien
Der brasilianische Bovespa-Index legte in den ersten sechs Monaten des Jahres zweistellig zu, nachdem er im Januar noch auf ein Siebenjahrestief gefallen war. Da auch der zuvor unter die Räder gekommene Real deutlich aufwertete machten Anleger die 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investiert haben, daraus im ersten Halbjahr 143.420 Euro. Besser schnitt keine andere Anlage ab. Dabei setzen Anleger nach der Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff auf ein Ende des politischen Stillstands und auf Reformen. Aber: Brasilien steckt nach wie vor in der Rezession, als wirtschaftlich gerechtfertigt, gilt der Börsenaufschwung in dieser Form nicht.
Schlussstand 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpa500-Euro-Scheine
Foto: dpaFür die Märkte heißt das: Wenn sich die Konjunktur weiterhin gut entwickelt, dürfte es 2017 alle paar Monate einen kleinen Zinsschritt geben – und der wird nicht so dramatisch ausfallen, dass er die Wirtschaft abwürgt
Bemerkenswert ist, dass Janet Yellen damit fast geräuschlos etwas geschafft hat, vor dem die Märkte jahrelang gezittert haben: Die Zinswende einzuleiten, ohne dass es zu einem finalen Zusammenbruch kommt.
Verkäufe am US-Anleihemarkt haben gerade erst begonnen
Indessen, an den Anleihemärkten gibt es sehr wohl tiefe Spuren. Die Abflüsse dort sind so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Den Aktienmärkten kommt dies zugute.
Dabei steht der Zinsanstieg wahrscheinlich erst am Anfang. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind mit 2,6 Prozent zwar auf den höchsten Stand seit 2014 angelangt; im langfristigen Bild jedoch (das Top war 1984 mit fast 14 Prozent) rangieren sie immer noch auf extrem niedrigem Niveau.
Wenn die amerikanischen Zinsen in ähnlicher Weise, wie sie drei Jahrzehnte gesunken sind, nun nach oben ziehen, könnte es 2017 bei den zehnjährigen Bonds zunächst auf drei Prozent gehen und dann, nach einer mehrmonatigen Konsolidierung, in Richtung vier Prozent. Die von Yellen angedachten zwei bis drei Leitzinserhöhungen am kurzen Ende würden gut dazu passen.
Für Anleiheinvestoren ist das eine schwierige Situation. Denn einerseits sind selbst drei oder vier Prozent Nominalrendite nicht viel, wenn es dazu wieder eine steigende Inflation gibt und die Aussicht besteht, dass die Zinsen in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Selbst erhöhte Kupons werden dann nicht so leicht neue Käufer finden.
Andererseits trifft es dann Besitzer von Altbeständen erst recht. Vor allem Papiere mit langen Laufzeiten und niedrigen Kupons, die in den vergangenen Jahren schöne Buchgewinne angehäuft haben, kommen dann unter die Räder. Um das zu vermeiden, werden sie verkauft. Diese große Umschichtung hat gerade erst begonnen.
Wohin geht es mit Bundesanleihen?
Spannend wird die Frage, inwieweit sich steigende US-Zinsen auf die Zinsen in Europa niederschlagen. Derzeit bringen US-Anleihen 2,2 Prozentpunkte mehr als zehnjährige Bundesanleihen. Das ist der größte Zinsunterschied seit 30 Jahren.
Angesichts der europäischen Krisen wird die EZB alles tun, die Zinsen in Europa unten zu halten. Am kurzen Ende funktioniert das durch die Leitzinsen, am langen durch Anleihekäufe. So, wie in den vergangenen drei Monaten die Zinsen auch am langen Ende in Europa ein wenig anstiegen, dürften sie auch in den nächsten Jahren der dominierenden US-Tendenz in abgeschwächter Form folgen.
Dividendenarie
Erstmals in der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden die 30 größten börsennotierten Gesellschaften ihren Aktionären mehr als 30 Milliarden Euro an Dividende überweisen. Zwar geben die meisten Konzerne erst Anfang 2017 mit Vorlage der Jahresgeschäftszahlen die Höhe ihrer Dividende bekannt, aber die Neunmonatsbilanzen, die firmeneigene Dividendenpolitik und Aussagen der Vorstände, die das Handelsblatt ausgewertet hat, lassen schon jetzt belastbare Prognosen zu. Demnach dürften 22 der 30 Firmen ihre Ausschüttungen erhöhen. Gegenüber 2016 steigen die Dividenden um sechs Prozent auf knapp 31 Milliarden Euro. Ausgezahlt wird übrigens immer am Tag nach der Hauptversammlung. Einige Konzerne ragen positiv heraus, andere negativ.
Mehr dazu lesen Sie auch in dieser ausführlichen Handelsblatt-Analyse.
Foto: DPADaimler
Jahr für Jahr steigen die Umsätze und Gewinne, 2016 dürfte der Daimler-Chef Dieter Zetsche mit rund 8,8 Milliarden Euro schon wieder einen Rekordgewinn einfahren. Niemand verdient in Deutschland mehr. Im Gleichklang steigen auch die Dividenden. Mit rund 3,5 Milliarden Euro schütten die Stuttgarter so viel Geld aus, wie kein anderes deutsches Unternehmen. Mit der Einjahresdividende ließe sich die halbe Lufthansa kaufen. Pro Aktie gibt es im Frühjahr vermutlich 3,35 Euro – zehn Cent mehr als in diesem Jahr.
Fresenius
Die läuft und läuft und läuft: Die Aktie, aber auch die Dividende. Fresenius ist ein Dauerbrenner: Seit 24 Jahren erhöht der Gesundheitskonzern jedes Jahr seine Ausschüttung. Daran dürfte sich nichts ändern, weil die Geschäfte glänzend laufen. Damals kostete eine Aktie knapp einen Euro. Jetzt sind es 65,50 Euro. Aus damals rund 2000 DM (1000 Euro) wurden also 65.500 Euro. Nicht nur der Dividende wegen hat sich der Einsatz also gelohnt.
Foto: dpaPro Sieben Sat 1
Wer heute die Aktien von Pro Sieben Sat 1 kauft, fährt damit eine Dividendenrendite von 5,8 Prozent ein. Das ist Spitze im Dax. Voraussetzung dafür ist, dass der Medienkonzern im kommenden Frühjahr 1,95 Euro pro Aktie ausschüttet. Doch das erscheint wahrscheinlich. Denn der Vorstand verspricht, zwischen 80 und 90 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses an seine Aktionäre weiterzureichen.
Foto: DPAMunich Re
Der Rückversicherer hat seit 1969 seine Dividende nie mehr gesenkt. Damit sehen sich Chef Nikolaus von Bomhard und Munich Re seinen Aktionären so sehr verpflichtet wie kein anderer Dax-Konzern. Seit vielen Jahren fahren Aktionäre mit der Aktie eine Dividendenrendite von mehr als drei Prozent ein. Aktuell sind es sogar 4,9 Prozent.
Foto: REUTERSDeutsche Telekom
Bei der Deutschen Telekom können Aktionäre wählen, ob sie eine Dividende oder stattdessen neue Aktien im gleichen Wert haben wollen. Im vergangenen Jahr haben sich 41 Prozent der Aktionäre für neue Aktien entschieden. Noch etwas ist besonders bei der T-Aktie: Die Dividende gibt es steuerfrei, wenn die Telekom-Aktien vor 2009 gekauft wurden. Ansonsten erhalten Aktionäre einen Steueraufschub. Das bedeutet: Der Einstandskurs wird jährlich um die Höhe der ausgezahlten Dividenden vermindert. Beim Verkauf fällt der Kursgewinn entsprechend höher aus – und die Steuer muss indirekt dann doch bezahlt werden. Dasselbe Prinzip gilt übrigens auch für die Aktie der Deutschen Post.
Foto: DPAEli Lilly
Nicht jeder kennt es, und die Firma notiert auch nicht im Dax, sondern im amerikanischen Dow Jones: Eli Lilly – ein Vorbild für viele Dividenden-Traditionalisten. Das 1876 in Indianapolis von dem Offizier Eli Lilly gegründete Unternehmen zählt mit 38.000 Mitarbeitern in 125 Ländern zu den größten Pharmakonzernen der Welt. Die Aktie notiert im amerikanischen S&P 500. Ob Krieg oder Rezession, seit 1885 hat Eli Lilly immer Dividenden bezahlt.
Foto: APPhilip Morris
An der Wall Street sind übrigens noch andere Dividenden-Traditionalisten beheimatet. Der Tabakkonzern Philip Morris überweist seinen Anlegern seit mehr als 80 Jahren Dividende. Es geht aber noch länger.
Foto: DpaExxon Mobil
Der Ölriese Exxon-Mobil zahlt seinen Aktionären sogar schon seit 125 Jahren eine Dividende. Dagegen sieht es aktuell bei den deutschen Banken mau aus.
Foto: APCommerzbank
Deutschlands zweitgrößte Bank überwies ihren Aktionären im vergangenen Frühjahr eine Minidividende von 20 Cents je Aktie. 2017 wird es nichts geben. Vorstandschef Martin Zielke steht mit seinem Institut aber noch immer besser da als Deutschlands größte Bank.
Foto: REUTERSDeutsche Bank
Vorstandschef John Cryan hat frühzeitig keinen Hehl daraus gemacht, dass es nach 2016 auch 2017 eine Nullrunde geben wird. Zu groß sind die Baustellen der Bank in aller Welt – vor allem in den USA. Dort soll das Geldhaus 14 Milliarden Dollar zahlen. Es geht um Hypothekengeschäfte aus Zeiten des Immobilienbooms vor der Finanzkrise. Es wäre die höchste Strafe, die in den USA jemals gegen eine ausländische Bank verhängt wurde.
Foto: APDie große Zinsdifferenz zwischen Amerika und Europa wird auf absehbare Zeit bestehen bleiben – und dieser Zinsvorteil der Amerikaner ist der Hauptgrund, der den Euro drückt.
Und es gibt weitere Hypotheken, die auf dem Euro lasten: Denn aus der europäischen Finanzkrise ist schon lange eine Krise Europas geworden. Wenn der politische Konsens dahinschwindet, wirkt sich das auch auf den wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenhalt aus – und der spiegelt sich letztlich in der gemeinsamen Währung wider.
Dazu kommt als dritte Belastung die konjunkturelle Unsicherheit. Während in Amerika in manchen Branchen Aufbruchsstimmung herrscht, macht sich in Europa vielfach Abbruchstimmung breit.
Immerhin, der Währungsausgleich zwischen Dollar und Euro funktioniert. Damit wird der schwache Euro der EZB bei ihrem Inflationsziel helfen - vor allem durch höhere Energiepreise, die in Dollar notieren. Zugleich bekommen die deutschen und europäischen Unternehmen auf den internationalen Märkten Rückenwind.
Konkret bedeutet das: Nachdem der Euro unter das Tief der vergangenen zwei Jahre gerutscht ist (das bei 1,05 Dollar liegt), dürften die Märkte in den nächsten Monaten die Parität ansteuern. Als der Euro zur Jahrtausendwende startete, pendelte er zwischen 82 und 95 Dollarcent. Solche Notierungen wären auch jetzt in einer Schwächephase nicht mehr ausgeschlossen.
Bald mehr als 20.000 Punkte im Dow Jones möglich
Mit 19.852 Punkten hat der Dow Jones am Donnerstag (15. Dezember) die Fed-Zinserhöhung mit einem Kursrekord quittiert. Die 20.000er-Marke ist zwar noch nicht ganz erreicht, dennoch dürfte dies nur eine Frage der Zeit sein.
Die 200-Tage-Linie im Dow zieht dynamisch nach oben, bei 24 von 30 Dow-Aktien verlaufen die aktuellen Notierungen oberhalb dieses mittelfristigen Durchschnitts. Im marktbreiten S & P 500 ist die Verfassung ähnlich stabil. Technologieaktien hinken aus Angst vor Trump-Repressionen etwas hintenher, von einem Absturz, wie vielfach befürchtet, kann im Nasdaq aber keine Rede sein. Insgesamt ist der amerikanische Aktienmarkt in einer stabilen Hausse-Verfassung. Es gibt keinen Grund, langfristige Trendinvestments zu verkaufen.
Verschnaufpause und Schwankungen voraus
Kurzfristig gibt es zwei Hürden. Zunächst besteht im Dow seit Anfang November ein lupenreiner Aufwärtszyklus mit drei Phasen (erster Anstieg, kurze Gegenreaktion, zweiter Anstieg). Nach einer solchen Kursbewegung wäre eine mehrwöchige Verschnaufpause nicht verwunderlich.
Das würde auch gut zum klassischen Zeitmuster passen, bei dem die Notierungen bis zum Jahreswechsel nach oben tendieren, spätestens ab Mitte Januar dann eine Korrektur einleiten.
Zudem sind im Bereich um die Marke von 20.000 Dow-Punkten längere Schwankungen möglich. Als der Dow 1999 zum ersten Mal die Marke von 10.000 übersprang, kam es danach zwischen 10.000 und 11.500 Punkten zu zähen Schwankungen, die nach dem Platzen der High-Tech-Hausse 2001 eine große Baisse einleiteten. Letztlich dauerte es mehr als fünf Jahre, bis der Dow Jones den weiten Bereich um 10.000 Punkten hinter sich ließ.
Auch im Dax läuft die Jahresendrally. Das Umfeld für deutsche Aktien ist gut: Die Konjunktur und die Unternehmensgewinne ziehen an (ohne zu überhitzen), das Zinsniveau ist niedrig, Liquidität ist (nicht zuletzt durch Migrations-Bewegungen vom Anleihemarkt) reichlich vorhanden, zusätzliche Unterstützung kommt vom günstigen Euro.
Das fundamental positive Bild spiegelt sich in der stabilen Marktverfassung wider: Mit dem Anstieg auf mehr als 11.300 Punkten wurden die zahlreichen Kaufsignale der vergangenen Monate bestätigt.
Dax-Favoriten: günstig und dividendenstark
Von den sieben großen Aktien im Dax zeigen fünf einen vielversprechenden Kursverlauf:
SAP drängt in der Seitwärtsbewegung zwischen 75 und 82 Euro deutlich nach oben. Dank führender Marktposition beim Wachstumsthema Digitalisierung ist das Unternehmen ein Favorit für die nächsten Jahre.
Allianz hat den wichtigen Anstieg über 140/145 Euro geschafft. Leicht steigende Zinsen und operative Fortschritte im Kerngeschäft machen die Aktie zu einem günstigen und dividendenstarken Dax-Investment.
Siemens gab mit dem Anstieg über 110 Euro ein starkes Kaufsignal. Der Industrieklassiker gehört zu den Gewinnern des Infrastruktur-Booms. Das Comeback des Ölpreises hilft bei der Integration des Zukaufs Dresser-Rand.
BASF wird mit steigenden Energiepreisen und einem keineswegs schwachen Chemiegeschäft nach oben befördert. Kurzfristig mag die Aktie überkauft sein, langfristig stimmt der Aufwärtstrend.
Daimler überzeugt durch seine Kombination aus starkem Autogeschäft, besseren Aussichten bei E-Mobilen und robustem China-Markt. Selbst in einer Korrektur sollte die Aktie sich oberhalb der wichtigen 65er-Marke halten.
Zwei der sieben Schwergewichte im Dax bieten gedämpfte Aussichten: Bayer-Aktien leiden unter dem umstrittenen Monsanto-Deal; und der Deutschen Telekom fällt es nicht leicht, die hohen technischen Anforderungen an den Netzausbau und den Kostendruck des Telekom-Markts unter einen Hut zu bringen.
Fazit: Der Dax ist mittel- und langfristig in einer stabilen Verfassung. Dax-Favoriten wie SAP, Allianz, Daimler oder Siemens sind werthaltige Investments und an schwachen Tagen ein Kauf. Selbst wenn es im Januar eine Korrektur geben sollte, sind derzeit die Aufwärtschancen für den Gesamtmarkt größer als die Risiken. Die wichtige Untergrenze dafür verläuft weiterhin bei 10.800 Punkten.