+++Wahlticker+++: Trittin und Kretschmann im Jamaika-Sondierungsteam der Grünen
Jürgen Trittin
Foto: dpa- Die Bundestagswahl 2017 ist die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag.
- Erstmals zieht die AfD in den Bundestag ein – direkt als drittstärkste Kraft.
- Die SPD stürzt ab und will in die Opposition. Personaldebatten sollen zunächst vermieden werden.
- CDU wird stärkste Kraft, büßt im Vergleich zur Wahl von 2013 knapp neun Prozent ein.
+++Trittin und Kretschmann im Jamaika-Sondierungsteam der Grünen+++
Die Grünen stellen sich für Sondierungsgespräche mit Union und FDP breit auf und setzen dabei auch auf Jürgen Trittin. Der Parteilinke und Ex-Bundesminister soll Teil eines 14-köpfigen Teams werden, das die Möglichkeiten für eine Jamaika-Koalition auslotet. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist dafür vorgesehen. Ein kleiner Parteitag am kommenden Samstag muss noch zustimmen. Die Leitung der Gespräche liegt bei den Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir.
Der Parteivorstand wolle den Delegierten des Länderrats ein starkes Team vorschlagen, das die Breite der Partei abdecke und neben Fachexpertise auch alle Generationen berücksichtige, sagte Göring-Eckardt am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Das zeigt, dass wir als Gesamtpartei geschlossen sehr ernsthaft und verantwortungsvoll in die anstehenden Gespräche gehen wollen, wenn der Länderrat die Aufnahme von Sondierungen beschließt.“ Die weiteren Mitglieder in der Sondierungsgruppe sind Fraktionschef Anton Hofreiter, der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck, Fraktions-Geschäftsführerin Britta Haßelmann, die ehemaligen Parteivorsitzenden Claudia Roth und Reinhard Bütikofer, die aktuelle Parteichefin Simone Peter, Parteimanager Michael Kellner und die Bundestagsabgeordneten Annalena Baerbock, Agnieszka Brugger und Katja Dörner.
Die Zustimmung des Parteirats zur Sondierung gilt als Formalität. Gegen eine schwarz-gelb-grüne Koalition gibt es allerdings große Vorbehalte vor allem beim linken Parteiflügel der Grünen.
+++Union vertagt Entscheidungen bis nach Niedersachsen-Wahl+++
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und CSU-Horst Seehofer wollen grundsätzliche Lehren aus der Bundestagswahl erst nach der Niedersachsen-Wahl ziehen. Die CDU wolle erst nach der Wahl am 15. Oktober in einer Klausurtagung "vertieft" über die Gründe für das schlechte Abschneide der Union beraten, sagte Merkel am Montag nach den Sitzung von CDU-Präsidium und -Bundesvorstand in Berlin.
Als ersten Schritt müssten sich CDU und CSU auf einen gemeinsamen Kurs verständigen, den die CSU "Mitte-Rechts" sehe, sagte Seehofer in München. Auch er deutete aber an, dass größere Entscheidungen nicht mehr vor dem 15. Oktober fallen sollten. "Ich nehme nicht an, dass jetzt tiefere Koalitionsverhandlungen vor der Niedersachsen-Wahl erfolgen", sagte der bayerische Ministerpräsident nach der CSU-Vorstandssitzung. "Aber: Anschließend ist die bayerische Wahl. So wie wir Rücksicht nehmen auf Niedersachsen, wollen wir auch, dass dann die bayerischen Interessen in Berlin rücksichtsvoll behandelt werden." Das könnte bedeuten, dass die CSU harte Forderungen etwa in der Flüchtlingspolitik erst nach der vorgezogenen Neuwahl in Niedersachsen erheben wird.
+++ Christian Lindner wird Chef der FDP-Fraktion+++
Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner ist bei der ersten Sitzung der neuen liberalen Bundestagsfraktion zu deren Chef gewählt worden. Lindner bekam 100 Prozent der Stimmen. Er ist auf Vorschlag von Parteivize Wolfgang Kubicki gewählt worden, wie die FDP mitteilte. Erster Parlamentarischer Geschäftsführer ist Marco Buschmann, weitere Parlamentarische Geschäftsführer sind Stefan Ruppert und Florian Toncar. Die FDP stellt 80 Abgeordnete im neuen Bundestag. Lindner führte die FDP nach vier Jahren wieder zurück in den Bundestag. Die Liberalen bekamen 10,7 Prozent der Stimmen.
+++ Seehofer fordert weiteren Parteitag+++
CSU-Chef Horst Seehofer hat zur Absegnung eines möglichen Koalitionsvertrags „mindestens“ einen weiteren Parteitag in Aussicht gestellt, möglicherweise sogar eine CSU-Mitgliederbefragung. „Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens noch einmal einen großen Parteitag brauchen“, sagte Seehofer am Montag nach einer CSU-Vorstandssitzung in München. Es gebe aber auch Forderungen, alle CSU-Mitglieder dann an der Entscheidungsfindung zu beteiligen.
Der nächste reguläre CSU-Parteitag ist für Mitte November geplant - auch mit Neuwahl der CSU-Spitze. Dieses Delegiertentreffen soll nach Worten Seehofer nicht abgesagt oder verschoben werden. Gegebenenfalls werde es einen weiteren Parteitag zu einem Koalitionsvertrag geben.
+++Schulz bekräftigt Absage an große Koalition+++
SPD-Chef Martin Schulz hat auch nach dem Gesprächsangebot von Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigt, dass seine Partei kein Regierungsbündnis mit der Union eingehen werde. „Die SPD wird in keine große Koalition eintreten“, sagte er am Montag in Berlin. CDU-Chefin Merkel hatte zuvor gesagt, sie wolle mit FDP und Grünen, aber auch mit der SPD über eine Regierungsbildung reden.
Schulz sagte dazu: „Also wenn die mich anrufen will, soll sie mich anrufen. Aber ich glaube, nach der sogenannten Elefantenrunde gestern weiß sie, dass sie möglicherweise ihre Zeit besser nutzt und andere anruft.“ In der „Berliner Runde“ von ARD und ZDF war Schulz am Sonntagabend direkt auf Merkel getroffen und hatte ihr unmissverständlich klar gemacht, dass die SPD nach ihrer historischen Wahlschlappe in die Opposition gehen wolle. Auf die Frage, ob die SPD doch noch mit der Union reden würde, wenn Koalitionsverhandlungen zwischen Union, FDP und Grünen scheiterten, sagte Schulz: „Jamaika wird nicht scheitern.“ Deshalb stelle sich die Frage nicht. „Reden kann man immer“, sagte er, betonte aber: „Die Aufgabe, die wir haben, ist die der Opposition.“
+++OSZE-Beobachter: Bundestagswahl transparent und ohne Manipulation+++
Die bei der Bundestagswahl eingesetzten Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) haben Deutschland eine sauber durchgeführte Bundestagswahl attestiert. Auch wenn vorher viel über mögliche Manipulationen etwa durch Hacker diskutiert worden sei, sei die Wahl selbst davon nicht beeinflusst worden, gab die Organisation am Montag bekannt. „Deutschland hat einmal mehr eine ungeminderte Verpflichtung zur Demokratie bewiesen“, sagte der Leiter des Beobachterteams George Tsereteli in Berlin.
Mit Sorge betrachten die Beobachter allerdings eine immer schärfer werdende Tonart in politischen Debatten. „Die Diskussionskultur in Deutschland verändert sich - wie auch im restlichen Europa - und nicht immer zum Guten“, sagte Tseretelis Kollegin Isabel Santos. Oft litten andere wichtige Themen darunter, wenn Schlüsseldebatten, wie etwa Migration, zu emotional geführt würden. „Wir müssen alle Zeit und Anstrengung aufbringen, um demokratische Systeme zu erhalten.“
+++Alice Weidel: Frauke Petry sollte die AfD verlassen+++
Die AfD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Alice Weidel, hat Parteichefin Frauke Petry aufgefordert, die AfD zu verlassen. Weidel sagte am Montag in Berlin: „Nach dem jüngsten Eklat von Frauke Petry, der an Verantwortungslosigkeit kaum zu überbieten war, fordere ich sie hiermit auf, ihren Sprecherposten niederzulegen und die Partei zu verlassen, um nicht weiteren Schaden zu verursachen.“
+++Merkel kündigt Gespräche mit FDP, Grünen und SPD an+++
CDU-Chefin Angela Merkel will nach den schweren Verlusten für die Union bei der Bundestagswahl Gespräche mit FDP, Grünen und auch der SPD über eine neue Regierung führen. Es sei sehr wichtig, dass Deutschland auch künftig eine stabile Regierung habe, sagte Merkel am Montag nach Beratungen der CDU-Spitze in Berlin. Außerdem schlug die CDU-Vorsitzende Angela Merkel den amtierenden Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) zur Wiederwahl vor. Dieser Vorschlag sei in den CDU-Spitzengremien auf breite Zustimmung gestoßen, sagte Merkel am Montag nach Sitzungen von Vorstand und Präsidium in Berlin.
Angela Merkel hat zudem persönlich Verantwortung für die politische Polarisierung in Deutschland übernommen. Diese Entwicklung „ist auch mit mir verbunden als Person. Und zwar ganz offensichtlich“, sagte Merkel am Montag nach Sitzungen der Führungsgremien ihrer Partei in Berlin vor dem Hintergrund ihrer umstrittenen Migrations- und Flüchtlingspolitik. „Trotzdem halte ich die Grundentscheidungen, die getroffen wurden, und für die ich natürlich in ganz besonderer Weise verantwortlich bin (...) für richtig“, betonte die Kanzlerin zu ihrer Entscheidung von 2015, Flüchtlinge und Migranten nach Deutschland zu lassen.
Die Bundesregierung habe in der Flüchtlings- und Migrationspolitik eine große Entwicklung gemacht, zugleich aber noch viel Arbeit vor sich, sagte Merkel. Auf die Frage, wie sie dem Hass und der Wut von Menschen, die ihr bei Wahlkampfveranstaltungen entgegengeschlagen sei, begegnen wolle, sagte Merkel, die CDU werde diesen Menschen „trotzdem ein Angebot machen“. Die Antwort müsse sein, gerade auf jene Menschen zuzugehen und das Gespräch zu suchen. Sie müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass es einige gebe, die gar nicht zuhören wollten. Auch das gehöre aber zur Demokratie.
+++AfD-Landtagsfraktion spaltet sich+++
Einen Tag nach der Bundestagswahl hat sich die Landtagsfraktion der AfD in Mecklenburg-Vorpommern gespalten. Vier der 18 Abgeordneten haben am Montag eine neue Fraktion mit dem Namen „Bürger für Mecklenburg-Vorpommern“ (BMV) gegründet, wie Fraktionsgeschäftsführer und Pressesprecher Christian Hirsch in Schwerin erklärte. Zuvor seien sie aus der AfD-Fraktion ausgetreten. Ob die Entscheidung mit der fast zeitgleichen Ankündigung der AfD-Bundeschefin Frauke Petry zusammenhängt, der Bundestagsfraktion nicht angehören zu wollen, war zunächst nicht klar. Die Abtrünnigen wollten ihre Entscheidung am Montagmittag auf einer Pressekonferenz erläutern.
+++FDP stellt Bedingungen an mögliche Koalition+++
Die FDP will sich nach ihrem Comeback im Bundestag als „Partei der Mitte“ und der „vernünftigen Argumente“ präsentieren. Dieser Platz in der Mitte sei in den vergangenen vier Jahren im Parlament verwaist gewesen, diese Lücke werde nun wieder gefüllt, sagte Parteichef Christian Lindner am Montag in Berlin. Union, SPD und Grüne seien in wesentlichen Fragen nicht zu unterscheiden gewesen. Dies habe mit dazu beigetragen, dass am äußersten rechten Rand des politischen Spektrums eine neue Kraft entstanden sei.
Lindner signalisierte Bereitschaft zu Koalitionsverhandlungen und einer möglichen Regierungsbildung. Die FDP trete aber für eine Trendwende und eine andere Richtung der Politik ein. „Wenn das nicht möglich ist, dann wäre unser Platz die Opposition“, sagte Lindner. Eine Trendwende sei etwa in der Euro-Politik erforderlich. Die „alte stabilitätsorientierte“ Politik müsse wieder aufgenommnen werden. Das Recht, die finanzpolitische Eigenverantwortung und die Haftung privater Finanzmarktakteure müssten wieder gestärkt werden.
+++CSU hält an Fraktionsgemeinschaft mit CDU fest+++
Die CSU hält an der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag fest. Das hat der Parteivorstand am Montag ohne Gegenstimme beschlossen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Zugleich legte sich die CSU-Spitze darauf fest, erst in Sondierungsgespräche mit möglichen Koalitionspartnern einzutreten, wenn der künftige Kurs der Union mit der Schwesterpartei CDU geklärt ist. Die zentralen politischen Punkte müssten geklärt werden, bevor man in eine Sondierung mit anderen eintrete, hieß es. Dabei gehe es aber um viel mehr als die CSU-Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge.
+++Seehofer will an Fraktionsgemeinschaft festhalten+++
CSU-Chef Horst Seehofer will an der Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU im Bundestag festhalten. Er halte es nicht für den richtigen Weg, diese aufzukündigen, sagte Seehofer nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Montag in einer CSU-Vorstandssitzung in München. Man müsse aber darüber im Vorstand entscheiden.
+++Schulz schlägt Nahles als Fraktionschefin vor+++
SPD-Chef Martin Schulz hat die amtierende Arbeitsministerin Andrea Nahles als künftige Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion vorgeschlagen. Das sagte Schulz am Montag in einer Sitzung der Parteispitze in Berlin. Die versammelte SPD-Spitze habe ihre Zustimmung zu der Personalie signalisiert. An diesem Mittwoch könnte die neue, arg geschrumpfte SPD-Bundestagsfraktion über die Neubesetzung entscheiden.
+++Wahlausgang wirft Anleger nicht aus der Bahn+++
Gelassen hat der deutsche Aktienmarkt am Montag auf die hohen Verluste der Großen Koalition und den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl reagiert. Der Dax drehte nach anfänglichen leichten Verlusten sogar ins Plus und stand zuletzt 0,12 Prozent höher bei 12.606,85 Punkten. Damit hielt sich die Aufregung trotz des für viele Börsianer doch überraschenden Wahlausgangs bislang in Grenzen. Dies gilt auch beim Euro, der zum US-Dollar zwar nachgab, sich aber weiterhin über der Marke von 1,19 Dollar hält. Der MDax, in dem die Aktien mittelgroßer Konzerne vertreten sind, stieg um 0,08 Prozent auf 25.640,80 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax legte um 0,14 Prozent auf 2403,99 Zähler zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 handelte 0,03 Prozent höher auf 3542,39 Punkte (Stand: 10.07 Uhr).
+++Petry geht nicht in AfD-Fraktion+++
AfD-Chefin Frauke Petry wird der AfD-Fraktion im Bundestag nach eigenen Worten nicht angehören, sondern als Einzelabgeordnete ins Parlament einziehen. "Seien Sie aber versichert, dass ich weiterhin aktiv Politik machen werde, und dass mein politisches Ziel, mein Anspruch ist, dass wir eine konservative Wende 2021 in diesem Land im Bundestag hinbekommen. Dafür werde ich alles tun, damit das, was an vernünftigen AfD-Ideen seit 2013 erarbeitet wurde, auch tatsächlich politische Realität wird", sagte Petry am Montag in Berlin. Sie antwortete nicht auf die Frage, ob sie AfD-Chefin bleiben werde. Sie bat um Verständnis, dass sie sich zunächst nicht weiter erklären werde.
Zuvor hatte Petry eine gemeinsame Pressekonferenz mit ihrem Co-Parteichef Jörg Meuthen sowie den Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel verlassen und damit für einen Eklat gesorgt. In einer Stellungnahme während der Pressekonferenz kritisierte sie erneut, dass die AfD zuletzt vor allem mit abseitigen Positionen Schlagzeilen gemacht habe - eine Kritik, die sich besonders gegen Gauland richtet.
Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry will sich als Führungsfigur für einen „konservativen Neuanfang“ positionieren. Ob sie dafür eine neue Partei gründen will, ließ sie am Montag offen. „Wer mich kennt, weiß, dass ich so etwas nicht spontan mache“, sagte Petry. Um eine eigene Bundestagsfraktion zu bilden, müsste sie mindestens 34 Abgeordnete dazu bringen, sich ihr anzuschließen. Auf diese Frage werde es „sicherlich in den kommenden Tagen und Wochen Antwort“ geben, sagte sie in einem Interview der ARD. Sie hoffe, „dass beim Wähler ankommt, dass ich für keinen konservativen Neuanfang stehe“.
+++CSU-Spitzenkandidat will AfD-Wähler zurückgewinnen+++
CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann will nach dem Debakel bei der Bundestagswahl auf AfD-Wähler zugehen. Seine Partei müsse sorgfältig analysieren, wie sie diejenigen zurückgewinne, die aus Enttäuschung oder Protest und nicht aus Überzeugung die AfD gewählt hätten, sagte der bayerische Innenminister am Montagmorgen im Radiosender B5 aktuell. Herrmann kommt selbst nicht in den nächsten Bundestag. Er stand zwar auf Platz eins der CSU-Liste für die Bundestagswahl, trat jedoch nicht als Direktkandidat an. Die Liste zog aber nicht mehr - und damit ging Herrmann leer aus. Die CSU war um 10,5 Prozentpunkte auf 38,8 Prozent abgestürzt. Die AfD erhielt in Bayern 12,4 Prozent (2013: 4,3 Prozent) der Stimmen.
+++DIW-Präsident Fratzscher fordert Investitionsoffensive für Deutschland+++
DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert als Antwort auf das Erstarken der rechtsnationalen AfD bei der Bundestagswahl ein Investitionsprogramm für Deutschland. „Die Stärke der AfD sollte ein Weckruf an die Politik sein, die Ungleichheit und soziale Polarisierung der deutschen Gesellschaft endlich ernster zu nehmen“, mahnte der Berliner Ökonom am Sonntagabend. „Bessere Bildung und Qualifizierung, gezieltere Leistungen des Sozialstaats und eine stärker auf die Zukunft ausgerichtete Wirtschaftspolitik sind die richtige Antwort auf das Erstarken des Populismus.“ Die künftige Bundesregierung müsse „schnell eine Investitionsoffensive starten“.
+++CSU schreibt die SPD noch nicht ab+++
Die CSU hofft darauf, die SPD trotz gegenteiliger Äußerungen noch als Regierungspartner gewinnen zu können. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer warf am Montag im ZDF-Morgenmagazin den Sozialdemokraten eine Position vor, in der die Partei vor das Land gesetzt werde. Das könne nicht zum Erfolg führen. "Jetzt warten sie mal ab", sagte er. "Die SPD in der ersten Dramatik des rekordniedrigen Ergebnisses hat natürlich so reagiert". Die Unionsparteien müssten nun mit der FDP, den Grünen, aber eben auch mit der SPD eine Gesprächsebene finden. "Protest ist ja keine Version, wie man das Land in Zukunft führt", sagte Scheuer an die Adresse der SPD. Scheuer hält es darüber hinaus für eine vorrangige Aufgabe, nach dem Wahlerfolg der AfD nun die offene "rechte Flanke" in der politischen Landschaft zu schließen. Dies wäre der erste Schutzwall gegen Rechtsradikale. Wenn es nicht gelinge, jetzt eine Regierung zu bilden, werde das den Protest noch einmal verstärken.
+++SPD verteidigt Oppositionsentscheid+++
Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel verteidigt die Entscheidung seiner Partei, in die Opposition zu gegen. Nach einem solchen Wahlergebnis könne man nicht so tun, als wäre nichts passiert, sagt er im Deutschlandfunk. Jetzt gehe es um eine inhaltliche und organisatorische Erneuerung der SPD.
+++Vorläufiges Endergebnis+++
Die bisherigen Koalitionsparteien CDU/CSU und SPD haben massive Verluste eingefahren. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis stürzten CDU und CSU auf zusammen 33,0 Prozent ab, die SPD auf 20,5 Prozent. Mit 12,6 Prozent wurde die AfD drittstärkste Kraft im neuen Bundestag.
Die CDU/CSU ist damit trotz massiver Verluste als stärkste Kraft aus der Bundestagswahl hervorgegangen. Im Vergleich zu 2013 verlor sie 8,5 Punkte. Die SPD fuhr mit minus 5,2 Punkten ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl ein.
Der FDP gelang mit 10,7 Prozent der Rückkehr in den Bundestag, aus dem sie 2013 geflogen war. Die Linke holte 9,2 Prozent, die Grünen erreichten 8,9 Prozent.
Die Wahlbeteiligung betrug 76,2 Prozent (2013: 71,5). Mit 709 Abgeordneten ist der Bundestag in der neuen Wahlperiode so groß wie nie zuvor. Die Sitzverteilung sieht nach Angaben des Bundeswahlleiters so aus: CDU/CSU: 246 Mandate, SPD: 153, AfD: 94, FDP: 80, Linke: 69, Grüne: 67.
+++ Was passiert in der SPD, wenn die Jamaika-Verhandlungen platzen? +++
Noch vor ein paar Tagen sagte ein Kabinettsmitglied der SPD: "Ich arbeite nicht noch einmal für Angela Merkel." Offenbar hat sich diese Sicht intern durchgesetzt. Der Frust der Genossen ist nicht zu übersehen. Mit nun drei redlichen Kanzler-Kandidaten hintereinander hat sich die Partei keine Lage erkämpfen können, die eine echte Sieg-Chance ergeben hätte.
Für die Genossen hat sich Angela Merkel als unschlagbar erwiesen. Die Genossen verzweifeln dabei an der Doppelmoral des Wählers: Einerseits gilt die große Koalition als beliebt. Was bedeuten müsste, dass auch die sozialdemokratische Politik überzeugt. Doch genau dieses Wohlwollen gibt es nicht. Die Wähler nehmen dann immer noch lieber die Verpackung. Der angekündigte Gang in die Opposition mag der geschundenen Parteiseele beim gesunden helfen, ist aber trotzdem höchst risikoreich. Denn was passiert in der SPD, sollten die Jamaika-Verhandlungen doch platzen? Neuwahlen statt staatspolitischer Verantwortung?
+++ AfD bei ostdeutschen Männern stärkste Partei +++
Die AfD ist im Osten Deutschlands bei der Bundestagswahl am Sonntag zweistärkste Partei geworden - bei den ostdeutschen Männern schnitt die Partei sogar am besten ab. Laut Infratest dimap machten insgesamt 26 Prozent der ostdeutschen Männer ihr Kreuzchen bei der AfD, bei den Frauen waren es 17 Prozent. Zum Vergleich: Im Westen votierten 13 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen für die AfD. Insgesamt erreichte die AfD in den Ost-Ländern und dem Osten Berlins 21,5 Prozent der Stimmen, wie der MDR nach Infratest dimap berichtet. Wahlsieger ist auch im Osten die Union mit 26,5 Prozent, die Linke bekommt demnach 16,5 Prozent und die SPD 14,5 Prozent der Stimmen. Die FDP erreicht 8 Prozent der Stimmen, die Grünen 6 Prozent.
+++ Demonstration vor AfD-Wahlparty in Berlin +++
Vor der AfD-Wahlparty protestieren mittlerweile Hunderte Menschen. Oben vom Balkon schauen sich die AfD-Sympathisanten die Demo an. Erhebendes Gefühl, das von oben zu sehen, sagt einer. Ein anderer sorgt sich um die Polizisten. Der nächste raunt: Hoffentlich hauen die Polizisten gut drauf. Viele Demonstranten pfiffen, riefen Parolen wie „Haut ab, haut ab“ und „AfD Rassistenpack“ oder machten Krach mit verschiedenen Instrumenten. Darunter waren auch Vertreter linksradikaler Gruppen wie der Antifa. Auf einem Transparent stand „Rassismus ist keine Alternative“.
+++ SPD sucht eine neue Führung +++
Viele Genossen haben gerade nur eine Frage, berichtet unser Reporter Max Haerder: Wie genau sollen wir uns erneuern? Und mit wem? Wenn Schulz bleibt, zumindest vorerst, steigen gleichzeitig die Chancen für Andrea Nahles auf den Fraktionsvorsitz. Schon länger sammelt die bisherige Arbeitsministerin Unterstützer, nun könnte es sich auszahlen. In die allererste Reihe der SPD müsse jetzt endlich eine Frau, fordern jetzt die Nahles-Unterstützer.
+++ Petry lässt Zukunft als Parteichefin offen +++
AfD-Chefin Frauke Petry hat ihre Zukunft als Parteivorsitzende offen gelassen. „Das ist eine Frage, die stellt sich heute Abend auch nicht“, sagte Petry am Sonntag in der ARD. Sie habe immer Politik gemacht, „bei der ich die Sachthemen im Vordergrund sehen wollte“. Es sei auch weiterhin Aufgabe der AfD, „eine konservative Wende vernünftiger Politik in Deutschland herbeizuführen“. Sie werde sich für eine gute Kontroverse, aber auch eine vernünftige Debatte im Parlament einsetzen. Auf die Frage, welche Rolle sie in der künftigen AfD-Fraktion spielen wolle, sagte Petry: „Wie die Fraktion arbeiten wird, darüber reden wir ab morgen.“
+++ Hochrechnung: 19.30 Uhr +++
CDU/CSU: 33 Prozent, SPD: 20.8 Prozent, Linke 8.8 Prozent, Grüne 9.2 Prozent, FDP 10.3 Prozent, AfD 13.2 Prozent.
+++ Lindner wird Fraktionsvorsitzender +++
FDP-Chef Christian Lindner soll Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Bundestag werden. FDP-Vize Wolfgang Kubicki will ihn bei der konstituierenden Sitzung der Fraktion an diesem Montag vorschlagen, wie am Sonntagabend in FDP-Kreisen zu erfahren war. Lindner führte die FDP nach vier Jahren wieder zurück in den Bundestag. Die Liberalen lagen bei den ersten Hochrechnungen bei gut zehn Prozent der Stimmen.
+++ FDP arbeitete am Ziel Wiedereinzug +++
Jahrelang haben Christian Lindner und sein Team diesen Moment im Blick gehabt: Wahlabend, 18 Uhr, die ersten Hochrechnungen. Im Büro des Bundesgeschäftsführers Marco Buschmann hängt eine Uhr, die die Tage bis zum Wahlabend rückwärts zählte. Und Christian Lindner hat gleich zweimal seine Dienstwagen mit passenden Nummernschildern ausstaffiert: Im NRW-Landtag hatte das Auto die Nummer D-CL 2017, in Berlin B-FD 249.
In der FDP-Zentrale war der Andrang schon ab 17.30 Uhr so groß, dass niemand mehr ins Gebäude darf. Selbst Medienvertreter dürfen nicht mehr hinein, klettern über Blumenbeete heimlich in das Hauptgebäude. Drinnen ist alles aufwändig geschmückt, blau-gelbe Blumensträuße auf den Tischen. Auch einige Ehemalige sind da, zum Beispiel der frühere Gesundheitsminister Daniel Bahr. Fragt man bei der FDP, welchen Anteil die Person Christian Lindner am Wahlerfolg hatte, sagen die meisten: 8, 9 oder 10. Die Liberalen verehren ihren Chef. Aber ob seine Stellung so stark bliebe, falls die FDP demnächst mitregiert, mitregieren muss? Würde sie das Finanzministerium übernehmen - wofür auch aus Lindners Sicht viel spricht - und er selbst würde sich für den Fraktionsvorsitz entscheiden, so hätte er eine starke Nummer zwei neben sich.
+++ Schulz will nicht Fraktionsvorsitzender werden +++
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will nach der historischen Wahlniederlage zwar Parteichef bleiben, aber nicht Fraktionsvorsitzender im Bundestag werden. „Ich werde den Fraktionsvorsitz selbst nicht anstreben, sondern mich voll auf die Erneuerung der Partei konzentrieren“, sagte er am Sonntag in einem ARD-Interview. Die bisherige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat nach Angaben aus der SPD gute Chancen, neue Fraktionsvorsitzende im Bundestag zu werden. In der Parteiführung sei die Personalie aber noch nicht besprochen worden, hieß es in der SPD am Sonntagabend in Berlin.
+++ FDP mit "Kampfauftrag für die nächsten vier Jahre +++
Die FDP macht seit ein paar Jahren keine "Wahlparty" mehr, lädt nur noch zum "Wahlabend" ein - eine Entscheidung aus der Zeit, als die Partei in Umfragen bei zwei Prozent lag. An diesem Abend ist Partystimmung, man kann sich im Gedränge in der Parteizentrale kaum bewegen, als Lindner sich schließlich um kurz vor sieben mit den Mitgliedern des Präsidiums zeigt, muss er nach jedem Satz pausieren, weil er von Jubel und Beifall unterbrochen wird, berichtet unsere Reporterin Elisabeth Niejahr. Drei Dinge will er loswerden: Die FDP sei eine "Partei der Mitte". Der "klarste Gegenpol zu allen Rechten" - das Wahlergebnis der AfD sei für die FDP ein "Kampfauftrag für die nächsten vier Jahre". Zweitens: "Der Erneuerungsprozess der FDP ist nicht abgeschlossen". Drittens: Nie wieder APO. Die FDP sei zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Legislaturperiode lang nicht im Bundestag gewesen: "Es soll auch das letzte Mal gewesen sein".
+++ AfD-Abgeordneten muss Verantwortung wahrnehmen +++
"Crying at the Discoteque" dröhnt es aus den Boxen als Alice Weidel mit Alexander Gauland auf die Bühne steigt. “Wir werden liefern“, sagt Weidel immer wieder. Jeder AfD-Abgeordnete solle sich seiner Verantwortung bewusst sein. Keine harschen Töne vorerst. Auch kein Spott. Den überlässt sie Jörg Meuthen, der sich über Volker Kauder amüsiert und von der “Noch-Kanzlerin“ Merkel redet.
+++ Respekt für die SPD +++
SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz will über das Jahresende hinaus Parteichef bleiben. Er werde im Dezember zur Wiederwahl antreten, sagt Schulz im ZDF. Einen Vorschlag über die Führung der SPD-Fraktion im Bundestag werde er am Mittwoch machen. Auf die Frage, ob er definitiv eine Beteiligung der SPD an einer neuen großen Koalition ausschließe, antwortet Schulz: "Ja."
+++ Splitter von der Wahlparty der Grünen +++
Die Botschaft auf der Wahlparty der Grünen ist klar: Gesprächen für eine Jamaika-Koalition werde man sich nicht verschießen. Man wolle Verantwortung übernehmen. Insgeheim hofft man, dass sich die SPD Koalitionsgesprächen definitiv verweigern werde. Das würde die Verhandlungsposition von Grünen und Liberalen stärken. Die Grünen würden dafür allerdings ein paar sozialpolitische Kröten schlucken müssen.
+++ Merkel zeigt sich zufrieden +++
"Natürlich hatten wir uns ein wenig ein besseres Ergebnis erhofft. Aber hinter uns liegt eine außerordentlich herausfordernde Legislaturperiode. Deshalb freu ich mich, dass wir unsere strategischen Ziele erreicht haben", sagte Kanzlerin Angela Merkel in einem ersten Statement. Gegen uns kann keine Regierung gebildet werden.
+++ Die FDP will länger bleiben +++
Angela Merkel, CDU
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zusammen mit ihrem Mann Joachim Sauer zur Stimmabgabe bei der Bundestagswahl gegangen. In einem orangeroten Blazer gab Merkel unter großer Medienbeteiligung am Sonntagmittag im Wahllokal der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte ihre Stimme ab - und schwieg. Sie gab kein Statement ab, sondern sprach nach dem Urnengang nur kurz mit den Wahlhelfern.
Foto: REUTERSSigmar Gabriel, SPD
Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat in seiner niedersächsischen Heimatstadt Goslar gewählt. An seiner Seite: Ehefrau Anke Gabriel.
Foto: dpaBundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Gemeinsam mit seiner Ehefrau Elke Büdenbender erledigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin-Zehlendorf seine "vornehmste Bürgerpflicht", wie er das Wählen selbst bezeichnet. Er dankte den rund 650.000 Wahlhelfern. Sie trügen auch in diesem Jahr zu einem reibungslosen Ablauf der Wahl bei. Steinmeier und seine Frau kamen bei kühlem, regnerischen Wetter in das Wahllokal in einer Grundschule. Dort reihten sich beide zunächst geduldig in die Warteschlange ein und redeten mit anderen Wahlberechtigten, ehe sie zur Wahl schritten. Steinmeier zeigte sich erfreut über die offenkundig rege Wahlbeteiligung, die er in der Schule erleben konnte.
Foto: dpaMartin Schulz, SPD
Gegen 10 Uhr betrat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zusammen mit seiner Ehefrau Inge das Wahllokal im Rathaus seiner Heimatstadt. Er hoffe, dass das schöne Wetter dazu beitrage, dass möglichst viele Menschen an der Wahl teilnehmen, sagte der 61-Jährige. „Ich hoffe, dass heute möglichst viele Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und eine demokratische Zukunft der Bundesrepublik Deutschland bestärken, indem sie demokratischen Parteien ihre Stimme geben.“ Viele Wähler seien bis zuletzt unentschlossen, wen sie wählen sollen, sagte Schulz. „Ich glaube, auch heute am Wahltag gibt es nach wie vor Bürgerinnen und Bürger, die überlegen, was sie mit ihrer Stimme machen.“ Er sei zuversichtlich, dass viele der Unentschlossene ihre Stimme seiner Partei geben. „Ich bin optimistisch, dass die SPD mit einem guten Resultat aus diesem Wahlkampf herauskommt.“
Foto: dpaFrauke Petry, AfD
Die Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, hat in einem Wahllokal in einer Schule in Leipzig ihren Stimmzettel in die Wahlurne geworfen. Petry kam gemeinsam mit zwei Personenschützern zur Wahl.
Foto: dpaUrsula von der Leyen, CDU
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihr Ehemann Heiko von der Leyen traten zur Mittagszeit im niedersächsischen Beinhorn an die Wahlurne.
Foto: dpaCem Özdemir, Die Grünen
Der Spitzenkandidat der Grünen, Cem Özdemir, gab am Sonntagmorgen als einer der ersten Spitzenpolitiker seine Stimme bei der Bundestagswahl ab. Gut gelaunt grüßte er wartende Journalisten, Wahlhelfer und andere Wähler, verließ danach das Wahllokal im Berliner Bezirk Kreuzberg aber kommentarlos. Die Grünen kämpfen mit anderen kleineren Parteien um den dritten Platz. Umfragen sahen sie zuletzt bei nur sieben bis acht Prozent.
Foto: REUTERSWinfried Kretschmann, Die Grünen
Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann war früh dran. In den ersten Stunden des Wahltags gab er seine Stimme in einem Wahllokal im Rathaus von Laiz bei Sigmaringen ab.
Foto: dpaVolker Bouffier, CDU
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier gab zur Mittagszeit in Giessen (Hessen) seine Stimme ab.
Foto: dpaJoachim Herrmann, CSU
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann gab am Vormittag in Erlangen (Bayern) seine Stimme zur Bundestagswahl 2017 ab.
Foto: dpaMalu Dreyer, SPD
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer kam in Trier gemeinsam mit ihrem Ehemann Klaus Jensen zur Wahl.
Foto: dpaArmin Laschet, CDU
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat seine Stimme in seiner Heimatstadt Aachen abgegeben. Auch er in Begleitung seiner Ehefrau: Susanne Laschet.
Foto: dpaThorsten Schäfer-Gümbel, SPD
Der hessische SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel kam zusammen mit seiner Frau Annette Gümbel ins Wahllokal in seiner Heimatstadt Lich in Hessen.
Foto: dpaReiner Haseloff, CDU
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und seine Frau Gabriele wählten am Mittag in Wittenberg.
Foto: ZBDietmar Bartsch
Der Spitzenkandidat der Partei Die Linke für die Bundestagswahl 2017 wählte am Morgen in Prerow (Mecklenburg-Vorpommern).
Foto: dpa
+++ Grüne schließen Jamaika nicht aus +++
Jubelrede von Grünen-Spitzenduo Özdemir und Göring-Eckardt. „Wir werden unseren Teil der Verantwortung wahrnehmen.“ Man werde ein Angebot für Gespräche annehmen. Aber es gelte „Vorfahrt für Klima“, „keine Politik gegen Europa“ und es brauche eine „Stimme für Integration“. Ohne diese Punkte werde man „nicht in eine Regierung eintreten.“
Grünen-Parteichef Anton Hofreiter schließt Gespräche über eine Regierungsbildung mit der Union nicht aus. Die Union sei trotz ihrer Verluste der Wahlgewinner, sagt er in der ARD: "Es liegt an ihnen, wen sie einladen."
+++ AfD im Osten zweitstärkste Kraft +++
Angela Merkel (CDU) – Langzeitkanzlerin vor der vierten Amtszeit
CDU-Chefin ist Merkel seit dem Jahr 2000, Bundeskanzlerin seit 2005. Die 63-jährige Merkel hat im Bund bereits zweimal mit der SPD und einmal mit der FDP koaliert. Unter der Langzeitkanzlerin scheinen viele Verbindungen, außer mit AfD und Linkspartei, möglich. Auch eine schwarz-grüne Regierung könnte diesmal gebildet werden, allerdings scheint wegen der schwächelnden Grünen ein schwarz-gelb-grünes Bündnis zusätzlich mit den Liberalen wahrscheinlicher.
Die promovierte Physikerin wuchs in der DDR, in Templin, auf und wurde in der Wendezeit politisch aktiv. Sie war unter anderem Bundesfamilien- und Bundesumweltministerin, außerdem unter Helmut Kohl CDU-Generalsekretärin. Bis zu ihrer Entscheidung im Sommer 2015, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen und ihnen eine Perspektive in Deutschland zu bieten, galt sie als Kanzlerin ohne große Ecken und Kanten. Diesen Schritt hat sie seither immer wieder moralisch begründet und gegen heftige Anfeindungen, etwa von Anhängern der rechtsgerichteten AfD, verteidigt.
Als Parteichefin hat Merkel, deren Wahlkreis die Insel Rügen ist, der CDU eine schrittweise Modernisierung verordnet. Zuletzt ermöglichte sie im Bundestag eine Abstimmung darüber, ob die Ehe für Homosexuelle geöffnet werden soll. Sie selbst stimmte dagegen. Grundsatzpositionen wie die Wehrpflicht und das Ja zur Atomkraft hat sie aufgegeben, zum Leid des konservativen Flügels.
Foto: REUTERSMartin Schulz (SPD) – Herausforderer und Kümmerer
Martin Schulz, 61, will schaffen, was weder Peer Steinbrück noch Frank-Walter Steinmeier gelang: endlich Angela Merkel zu schlagen und das Kanzleramt für die SPD zurückzuerobern. „Nur auf Sicht zu fahren und Herausforderungen durch Abwarten lösen zu wollen, reicht nicht mehr“, schreibt der SPD-Chef in seinem Wahlkampf-Buch „Was mir wichtig ist“. Natürlich ist das gegen Merkel und ihren präsidierenden Politikstil gerichtet.
Schulz will sich als Macher profilieren, als Anpacker und Klartextredner, der die Sorgen und Nöte normaler Bürger kennt. Der geerdete Ex-Bürgermeister von Würselen gegen die abgehobene Weltkanzlerin – so sähe Schulz die Konstellation gerne. Doch abgesehen von seinem Vorwurf, dass Merkels Debattenverweigerung ein „Anschlag auf die Demokratie“ sei, ist wenig Kontroverses vom Herausforderer zu hören.
Mehr Gerechtigkeit und mehr Geld für Bildung und Innovation hat Schulz – für einen Sozialdemokraten wenig überraschend - zu den Leitmotiven seiner Kampagne gemacht. Europa hingegen, das Lebensthema des ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten, spielt eher eine untergeordnete Rolle.
Foto: APJoachim Herrmann (CSU) – Der Bayer mit der tiefen Bassstimme
Joachim Herrmann, 60, ist Innenminister des Freistaates und steht für Recht und Ordnung. Nach dem Bundestagswahlkampf würde er am liebsten Bundesinnenminister werden. Hermann hat sich in den vergangenen zehn Jahren als konservativer Minister profiliert; in der Flüchtlingskrise führte er Kontrollen zur Grenze nach Österreich ein, er ist für eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen – ohne zuletzt das Wort von der Obergrenze zu nennen -, er spricht sich für eine weitreichende Überwachung im öffentlichen Raum aus.
Der 60-jährige gilt als loyaler, aber dennoch weitgehend unabhängiger Minister unter Horst Seehofer, der den Franken mit der tiefen Bassstimme schon deshalb fördert, um seinen drängelnden Intimfeind Markus Söder auf Distanz zu halten. Bewährt sich Hermann in Berlin, hat er gute Aussichten, Seehofer in ein, zwei, drei Jahren als CSU-Parteichef und/oder als Ministerpräsident in Bayern zu beerben.
Foto: dpaChristian Lindner (FDP) – Der Alleinunterhalter und Bildungsliberale
Christian Lindner, 38, ist seit vier Jahren Vorsitzender der Freien Demokraten. Er übernahm die FDP in ihrer bittersten Stunde, nachdem sie unter dem früheren Spitzenkandidaten Rainer Brüderle aus dem Bundestag geflogen war. Danach drohte die FDP in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Lindner, der bereits von 2009 bis 2011 Generalsekretär der Liberalen war, arbeitete zwei Jahre mit der Basis an Antworten, wofür die Liberalen weiterhin gebraucht werden. Seit zwei Jahren feiert die Partei wieder Wahlsiege – zuletzt in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. In NRW war Lindner als Spitzenkandidat angetreten und holte dort mit 12,6 Prozent das bislang beste Ergebnis der Landespartei.
Lindner setzt vor allem auf die Themen Digitalisierung und Bildung. In der Flüchtlingskrise kritisierte er die Bundesregierung scharf. Flüchtlinge sollten an der Grenze zurückgewiesen und der „rechtsfreie Zustand beendet werden“. Zugleich widerstand Lindner der Versuchung, die FDP als islam- oder eurokritische Partei zu positionieren, was manche in der Partei gefordert hatten.
Foto: REUTERSKatrin Göring-Eckardt (Grüne) – Kandidatin im zweiten Anlauf
Die Spitzenkandidatin stammt aus Thüringen und begann ihre politische Karriere wie Angela Merkel zur Wendezeit. Damals studierte sie Theologie. Die 51-Jährige arbeitete dann für Joschka Fischer und zog selbst als Abgeordnete in den Bundestag ein. Seither war unter der rot-grünen Bundesregierung Fraktionschefin und wurde danach für einige Jahre Vizepräsidentin des Bundestages. 2013 setzte sie sich unerwartet als weibliche Kandidatin im Spitzenduo der Alternativpartei zur Bundestagswahl durch – zusammen mit Jürgen Trittin. Die Partei schnitt schlecht ab und landete als vierte Kraft im Bundestag. Göring-Eckardt wurde Co-Fraktionschefin. Dennoch schaffte sie es erneut, Spitzenkandidatin zu werden, diesmal gemeinsam mit Parteichef Cem Özdemir. Die Kandidatin setzte sich unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) einst für die Agenda 2010 ein. Heute hält sie den Großteil der Sozialreformen für falsch. Auch bei den Grünen wissen manche nicht, wofür die abwägende Rednerin steht.
Foto: dpaCem Özdemir (Grüne) - Wirtschaftsversteher mit Hang zur Außenpolitik
Özdemir ist ungewöhnlich lange bereits Parteichef der Sonnenblumenpartei – seit 2008. Der studierte Sozialpädagoge ist Kind türkischstämmiger „Gastarbeiter“ und bezeichnet sich als anatolischer Schwabe. Anders als viele Grüne stammt er nicht aus einem bürgerlichen Haushalt und musste sich Bildung erkämpfen. Seit 1994 war er mit Unterbrechung im Bundestag, 2004 bis 2009 im Europaparlament. Bei der Urwahl zum Grünen-Spitzenkandidaten für den Bundestag setzte sich der 51-Jährige äußerst knapp gegen den Kieler Umweltminister Robert Habeck durch. Der Vertreter des Realo-Flügels hat sich über Jahre vielfältige Kontakte zu Wirtschaftsverbänden und Unternehmern erschlossen. Neben der Wirtschaftspolitik ist inzwischen auch die Außenpolitik sein Thema. Gegenüber der türkischen Regierung äußert er sich sehr kritisch, was ihm Anfeindungen von türkischer Seite einbringt.
Foto: dpaAlice Weidel (AfD) – Die geheimnisvolle Wirtschaftsfrau
Alice Weidel, 38, ist die neue Powerfrau der AfD. Am Kölner Parteitag im April wurde sie zusammen mit Alexander Gauland zur Spitzenkandidatin gekürt – und löste damit Frauke Petry als wichtigstes weibliches Gesicht der Partei ab. Weidel hat in Bayreuth Wirtschaft studiert, in China ihre Doktorarbeit über das chinesische Rentensystem geschrieben. Nach der Universität legte sie eine Karriere bei zahlreichen großen Unternehmen hin, wechselte aber auffällig oft ihren Job. Seit 2015 sitzt sie im Bundesvorstand der AfD. In Interviews und Talkrunden gibt sich Weidel, die zusammen mit ihrer Lebenspartnerin aus Sri Lanka in der Schweiz lebt, oft betont liberal und wirtschaftsnah. Auf der Bühne wütet sie gegen Flüchtlinge und Migranten. Weidel weiß: damit sichert sie sich stets den lautesten Applaus.
Foto: dpaAlexander Gauland (AfD) – Konservativer Routinier der Politik
Alexander Gauland, 76, ist der Strippenzieher der AfD. Nach jahrzehntelanger Parteikarriere in der CDU weiß der studierte Jurist und ehemalige Herausgeber, wie Politik funktioniert. Ohne seine Zustimmung fallen in der Partei kaum Entscheidungen – vor allem nachdem Gauland seine Gegenspielerin Frauke Petry am Kölner Parteitag entmachtet hat. Weil Gauland mit seinen konservativen Ideen in der CDU zuletzt immer weniger Gehör fand, trieb es ihn 2013 zur AfD. Dort vertritt er einen stramm nationalkonservativen Kurs und protegiert auch Rechtsaußen-Mitglieder wie Björn Höcke oder André Poggenburg. Gauland ist überzeugt, dass die AfD ohne die nationalkonservative Strömung nicht überleben könnte. In der Wirtschaftspolitik fordert er Erleichterungen für Geringverdiener, um diese Wählerschicht für seine Partei zu gewinnen.
Foto: dpaSahra Wagenknecht (Die Linke) – Die Ludwig-Erhard-Versteherin
Sahra Wagenknecht, 48, ist der eigentliche Start der Linken, auch wenn die Politikerin mit Dietmar Bartsch als Doppelspitze in den Wahlkampf geht. Die Linke Fraktionschefin sitzt in Talkshows, gibt Interviews und poltert mit Vorliebe gegen den Kapitalismus. Sie gibt der Linken ein intellektuelles Image. Die Volkswirtin Wagenknecht, die in ihrer Freizeit am liebsten Bücher liest, glaubt, dass Ludwig Erhard heute die Linken wählen müsste.
Der These dürften wohl einige widersprechen. Denn die Linke fordert eine Abgrenzung der deutschen Politik von den USA und mehr Zuwendung zu Russland. Sie will die Vermögenden in Deutschland höher besteuern, damit der Staat mehr Geld in die Infrastruktur investieren und Armut bekämpfen kann.
Ihr Verhältnis zu der SPD gilt als angespannt. Rot-rot-grün sei möglich, aber dafür müssten sich die Sozialdemokraten verändern, sagt Wagenknecht. Als Voraussetzung für eine Regierungsbeteiligung nennt sie „mehr soziale Sicherheit, Abrüstung und eine friedensorientierte Außenpolitik“.
Foto: dpaDietmar Bartsch (Die Linke) – Der gemäßigte Ökonom
Dietmar Bartsch, 59, würde wohl auch einen guten Sozialdemokraten abgegeben. Doch Bartsch ist Linker und als solcher verkörpert er den gemäßigten Flügel der Partei. Der 59-Jährige ist zusammen mit Sahra Wagenknecht Fraktionsvorsitzender der Linken im Deutschen Bundestag und Teil des Spitzen-Duos für den Bundestagwahlkampf.
Für eine rot-rot-grüne Bundesregierung wäre der studierte Ökonom zu haben, wenngleich er selbst von einer „Mitte-links-Regierung“ spricht. Rot-rot-grün klinge zu bedrohlich, sagt Bartsch. Bartsch will Wählern und Unternehmen die Angst vor einer linken Politik nehmen. „Schaut auf die Länder, in denen wir Regierungsverantwortung tragen“, sagt Bartsch der WirtschaftsWoche. In Berlin habe ein linker Wirtschaftssenator zehn Jahre lang erfolgreiche Politik gemacht. Ähnlich sehe das in Thüringen aus, wo sein Parteikollege Bodo Ramelow seit Jahren als Ministerpräsident eine rot-rot-grüne Regierung anführt. „Es gibt keine Beschwerden der Wirtschaft, sondern kluge Standortpolitik.“
Foto: REUTERSNach Meinung von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat bei der Bundestagswahl eine Rolle gespielt, dass sich viele Ostdeutsche abgehängt fühlen. Die Politik müsste darauf eine Antwort geben und deutlich machen, sie könne Lösungen bieten, sagte Ramelow am Sonntag im MDR. Der AfD, die nach den Prognosen mit hohen Ergebnissen in Ostdeutschland rechnen kann, bescheinigte er, eine Mischung aus ungutem Gefühl und Politik im konservativen bis reaktionären Spektrum zu sein. Nach Einschätzung des einzigen Ministerpräsidenten der Linken fehlte der bisher regierenden großen Koalition die Ausstrahlung.
Den Sozialdemokraten bescheinigte er ein Problem im Wahlkampf: „Die SPD konnte sich nicht entscheiden, ob sie einen Politikwechsel will.“ Ramelow steht in Thüringen an der Spitze einer rot-rot-grünen Koalition. Vor dem Gebäude, in dem die AfD ihren Einzug in den Bundestag feiert, protestieren nach Angaben des ZDF mehrere Hundert Menschen. Zugleich habe die Polizei mehrere Hundertschaften am Berliner Alexanderplatz zusammengezogen.
+++ Ernüchterung bei der CDU +++
Bei der CDU geht man bereits mit großer Ernüchterung nach Hause. Hinter den Kulissen wird - wie unsere Reporterin Cordula Tutt erfahren hat - gemunkelt, dass auch Angela Merkel angreifbar geworden ist.
+++ "Schwerer und bitterer Tag für die SPD +++
"Danke für den Mut und die Kraft, die ihr zum Ausdruck gebraucht habt. Es ist ein schwerer und bitterer Tag für die Sozialdemokratie. Wir habe unser Wahlziel verfehlt", sagte Martin Schulz in einem ersten Statement. "Wir werden in der nächsten Wahlperiode für unsere Wahlziele Toleranz, Respekt und Gerechtigkeit kämpfen." Der SPD sei es nicht gelungen, die Menschen zu überzeugen, dass die Aufnahme von Flüchtlingen ein Akt der Mitmenschlichkeit ist - so habe man auch einen Teil der eigenen Wähler verloren. "Wir werden unseren Kampf weiterführen - mit all unserer Kraft, denn wir sind das Bollwerk für die Demokratie."
+++ Tosender Applaus bei den Grünen +++
Die Grünen haben ein Prozent gewonnen - und freuen sich darüber als wären es zehn Prozent.
+++ CSU mit historisch schlechtem Ergebnis +++
Die CSU hat bei der Bundestagswahl in Bayern nach einer ersten Prognose so schwach abgeschnitten wie seit 1949 nicht mehr. Auf die Schwesterpartei der CDU, die mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann als Spitzenkandidat angetreten war, entfielen nach einer Prognose des Bayerischen Rundfunks (BR) vom Sonntag nur noch 38,5 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sie lag damit noch unter den 42,5 Prozent von 2009, ihrem bisher zweitschlechtesten Ergebnis.
Es war keine leichte Frage: Welche Idee würde ich in Deutschland umsetzen, wenn ich die Wahl hätte? Damit zog der Fotograf Stefan-Thomas Kröger durch Deutschland, um 40 Prominente aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nach ihren Vorschlägen für ein zukunftsfähiges Deutschland zu fragen. Dann bat er sie, an einem Tisch, wie er hier im Festsaal von Schloss Heiligenberg in Schwaben steht (Foto), Platz zu nehmen für ein Porträt. Herausgekommen sind die Bilder und Wünsche, die Sie auf den folgenden Seiten sehen und nachlesen können.
Das komplette Heft mit Stimmen und Fotos aller Promis können Sie hier herunterladen.
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde vor allem in die Bildung junger Menschen investieren. Durchlässige und damit stabile Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie jedem – unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund – die Chance auf Bildung geben.“
Ann-Kristin Achleitner, Professorin an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der TU München
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde unsere kleineren und mittelständischen Unternehmen mit der besten digitalen Infrastruktur ausstatten und ihnen alle nötigen Investitionen ermöglichen, die nötig sind.“
Dorothee Bär, Staatssekretärin, Verkehrsministerium
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die junge Generation wieder für Europa begeistern und ein obligatorisches Schuljahr in einem anderen EU-Land einführen.“
Oliver Bäte, Vorstandschef, Allianz
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich mir mehr Handlungswillen in einigen europäischen Mitgliedstaaten zur Lösung eigener Finanz- und Wirtschaftsprobleme wünschen. Noch so ausgeklügelte Wunschkataloge für ein optimiertes Europa bieten dafür keinen Ersatz. Ob es um mehr Wettbewerbsfähigkeit, mehr Beschäftigung, weniger Schulden oder mehr Stabilität der Banken geht – ohne entschlossenes Handeln vor Ort kommen wir nicht zum gemeinsamen Ziel. Es liegt in der Verantwortung der Mitgliedstaaten, ihre Reformversprechen umzusetzen. Jeder muss seine Aufgaben erledigen – für sich selbst und für Europa.“
Dr. Wolfgang Schäuble, MdB, Bundesminister der Finanzen
Foto: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche„Ich würde den Solidaritätszuschlag in bisheriger Form abschaffen und das Geld für den Ausbau eines bundesweiten 5G-Mobilfunknetzes nutzen. Sobald das erreicht ist, gehört der Soli weg.“
Cornelius Baur, Deutschlandchef, McKinsey
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde zur Unterstützung der lebendigen deutschen Filmkultur und -wirtschaft aufrufen: Das beginnt damit, dass von einem zentralen und attraktiven Film-Haus als Ort der Kreativität und Kommunikation nicht nur geredet wird. Und es hört noch lange nicht auf, wenn man auf europäischer Ebene nicht vergisst, dass es nur etwas zu vermarkten gibt, wenn die einfachsten Rechte der Urheber und Produzenten nicht ignoriert werden.“
Iris Berben, Schauspielerin und Präsidentin der Deutschen Filmakademie
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Europa wieder einigen, im Geist von Lissabon und Maastricht voll funktionsfähig machen und alle Europäer vom EU-Projekt überzeugen – auch emotional.“
Roland Berger, Gründer der Beratung Roland Berger
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die Beleuchtung hierzulande komplett auf LED umstellen. Die Hunderte Millionen Einsparungen dadurch wiederum stünden zur Verfügung für Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur.“
Olaf Berlien, Vorstandschef, Osram
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde eine Datenethikkommission ins Leben rufen. Die klügsten Köpfe Europas sollen sich zusammensetzen und Leitlinien definieren, wie wir ethisch mit der zunehmenden Automatisierung in Arbeit und Leben umgehen.“
Julia Bösch, Chefin von Outfittery
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde #EU27 stabilisieren, für Frieden, Freiheit und Wohlstand in Deutschland und Europa!“
Christine Bortenlänger, Chefin Deutsches Aktieninstitut
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde einen Lebenschancenkredit für jeden Menschen in Deutschland schaffen. Jede(r) würde im Alter von 18 Jahren ein Guthaben von 20.000 Euro bekommen und dieses Geld flexibel und zum selbst gewählten Zeitpunkt einsetzen können; für Bildung, um eine Auszeit zu nehmen oder zur Absicherung sozialer Risiken.“
Marcel Fratzscher, Ökonom und Präsident DIW
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze abschaffen und Haushalte mit niedrigen Einkommen durch Anpassungen bei der Einkommensteuer und bei den Sozialtransfers kompensieren. Das wäre ein großer Schritt in Richtung Vereinfachung des Steuersystems.“
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde den Fokus der deutschen Familien- und Sozialpolitik auf die richten, die selbst viel zu oft keine Stimme haben. 2,5 Millionen Kinder sind im reichen Deutschland von Armut betroffen. Das darf doch nicht sein!“
Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin Die Grünen
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde das Prinzip von Risiko und Haftung wieder zur Geltung bringen, moralisch und rechtlich. Leistung darf honoriert werden, aber Fehlleistung kann nicht auch noch belohnt werden.“
Wolfgang Grupp, Unternehmer, Trigema
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde den Kinderrechten Verfassungsrang geben, um ein Fundament für ein kinderfreundlicheres Deutschland zu legen.“
Jürgen Heraeus, Vorsitzender UNICEF Deutschland
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die steuerliche Forschungsförderung endlich einführen. Wer nicht bereit ist, unbegrenzt in F&E zu investieren, sägt den Ast ab, auf dem wir alle sitzen.“
Sabine Herold, Geschäftsführende Gesellschafterin, Delo
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde unsere Schulen um Digitallabore ergänzen, um Zukunft auszuprobieren und zu gestalten.“
Heinrich Hiesinger, Vorstandschef, Thyssenkrupp
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Deutschland sollte die Chancen des digitalen Wandels nutzen, ohne die Sorgen der Beschäftigten zu ignorieren. Sichere Jobs, selbstbestimmte Arbeitszeiten und Bildung sind die Schlüssel zu guter Arbeit 4.0.“
Jörg Hofmann, IG-Metall-Chef
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde mit Regierung wie Zivilgesellschaft eine demokratische und tragfähige europäische Architektur für den Euro-Raum schaffen. “
Gustav Horn, Direktor Hans-Böckler-Stiftung
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde eine inklusive digitale Gesellschaft gestalten, mit digitaler Bildung ab der Grundschule, papierloser Verwaltung und mit einer mutigen Innovationskultur.“
Gesche Joost, Internetbotschafterin der Bundesregierung
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Europa stärken, für Freihandel und Unternehmergeist werben – und gemeinsam mit Gleichgesinnten weltweit Mauern in den Köpfen einreißen.“
Ingo Kramer, Arbeitgeberpräsident
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde den überflüssigen Bürokratismus wegzaubern, um Menschen einfach wieder machen zu lassen!“
Christian Lindner, FDP-Bundesvorsitzender
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Informatik zum Pflichtfach machen. Wir müssen Kinder für den Arbeitsmarkt von heute vorbereiten.“
Ijad Madisch, Gründer, Researchgate
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Deutschland gemeinsam mit Frankreich die Europäische Union in eine neue Ära von Verantwortung und Zusammenarbeit führen lassen – und zwar mit mehr Europa, nicht weniger.“
Sylvie Matherat, Vorstandsmitglied, Deutsche Bank
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die längst überfällige Einkommensteuerreform durchführen. Wobei ich eine moderate Anhebung des Spitzensteuersatzes mit der Erwartung verbinde, dass die maximale Progression erst bei 75.000 Euro pro Verdiener einsetzt.“
Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef, Commerzbank
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde gern allen Menschen in Deutschland schon beim Start ins Arbeitsleben mit dem Persönlichen Erwerbstätigenkonto eine staatlich bezahlte Auszeit mit auf den Weg geben, etwa für eine Weiterbildung, Selbstständigkeit oder ehrenamtliches Engagement.“
Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„... würde ich Ängste abbauen. Wir müssen beispielsweise Menschen Angst vor Technologie nehmen, denn sie kann Gutes bewirken. Dafür ist es wichtig, dass man in der Schule Neugierde weckt – etwa fürs Coden. Um meine Lieblingsphysikerin Marie Curie zu zitieren: Es gibt nichts zu fürchten, sondern nur zu verstehen.“
Claudia Nemat, Vorstandsmitglied, Deutsche Telekom
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Künstler, Philosophen, Intellektuelle einerseits und Manager, Firmenbosse und Wirtschaftspolitiker andererseits an einen Tisch bringen wollen. Eine viel stärkere Beteiligung der Geistesmenschen in den Belangen der Ökonomieleute – und umgekehrt – scheint mir höchst reizvoll.“
Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensembles
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde in Breitbandinternet für alle investieren. Wir brauchen dringend einen massiven Ausbau der digitalen Infrastruktur, um im internationalen Vergleich vom Mittelmaß auf die vorderen Plätze zu gelangen. Ich sehe die Digitalisierung als Chance für unsere Gesellschaft.“
Kasper Rorsted, Vorstandschef, Adidas
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die EZB mit neuen EU-Verträgen an die Kandare nehmen, die EU-Grenzen sichern und dem Euro eine Konkursordnung für Staaten nebst Austrittsregeln geben.“
Hans-Werner Sinn, Ökonom und Ex-ifo-Präsident
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die Menschen unmissverständlich darüber ins Bild setzen, um was es wirklich geht. Wir haben kein Energieproblem, sondern ein CO2-Problem. Wir brauchen deshalb schnellstmöglich ein völliges Verbot aller fossilen Brennstoffe.“
Werner Sobek, Bauingenieur, Werner Sobek Group
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die Sozialausgaben auf den Prüfstand stellen. Es geht nicht darum, Menschen möglichst umfassend zu alimentieren, sondern darum, das Für-sich-selber- Sorgen und damit Freiheit zu ermöglichen.“
Jens Spahn, Staatssekretär, Bundesfinanzministerium
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde dafür werben, dass Unternehmen scheitern können. Auch große. Nur so hat das Bessere, Lebendige, Zukunftsfähige eine Chance. Gebt uns das Risiko zurück!“
Reinhard Sprenger, Autor und Managementberater
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Deutschland mit einer Agenda 2020 zum innovativsten und mutigsten Land der Welt machen.“
Frank Thelen, Geschäftsführer, Frank Thelen Capital
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde ein klares Bekenntnis für einen fairen und offenen Handel abgeben.“
Clemens Tönnies, Unternehmer, Tönnies Holding
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die betriebliche Altersversorgung für alle Arbeitnehmer in Deutschland obligatorisch einführen. Arbeitnehmer müssen künftig mindestens automatisch an einer Entgeltumwandlung teilnehmen und so einen Teil ihres Gehalts in die Altersvorsorge investieren.“
Friedrich von Metzler, Gesellschafter, Bankhaus Metzler
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde einen Euro-Finanzminister samt Euro-Budget und klaren Regeln installieren.“
Carola von Schmettow, Deutschlandchefin, HSBC
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die Marktmacht und den politischen Einfluss großer Konzerne eindämmen und Unternehmensgründer durch öffentliches Wagniskapital fördern.“
Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende, Die Linke
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde nicht nur ‚Digitalisierung‘ predigen, sondern auch danach handeln. Die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitssystem sind unterdigitalisiert und benötigen dringend einen Innovationsschub.“
Achim Wambach, Ökonom und ZEW-Präsident
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Kreativität und Mut im Denken unserer Kinder fördern. Bedingungen hierfür sind ein weniger hierarchisches Bildungssystem, das Ende der Begrenzung durch Fachsilos und ein von Neugier getragener Entdeckergeist hin zu Möglichkeiten, die der digitale Wandel für uns bereit hält.“
Jeannette zu Fürstenberg, Geschäftsführerin, La Famiglia
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde dafür sorgen, dass Frauen tatsächlich mit 50 Prozent in Positionen in Wirtschaft und Gesellschaft vertreten wären.“
Brigitte Zypries, Bundeswirtschaftsministerin
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWocheFotograf Stefan-Thomas Kröger zog durch Deutschland, um 40 Prominente aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nach ihren Vorschlägen für ein zukunftsfähiges Deutschland zu fragen. Einen Streifzug durch ein schillerndes Regierungsprogramm können Sie auch hier nachlesen.
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche
+++ SPD will Personaldebatten vorerst vermeiden +++
Die interne Sprachregelung stand seit etwa halb sechs fest: Die SPD will die Oppositionsrolle annehmen. So gehen gerade auch die ersten aus der Parteiführung an die Öffentlichkeit. Angeblich will die Spitze aber Personaldebatten aber vermeiden - wenigstens heute. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann und Parteivize Manuela Schwesig haben sich dafür ausgesprochen, dass SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz trotz des Absturzes der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl Parteichef bleiben soll. „Er wird diesen Erneuerungsprozess jetzt fortsetzen“, sagte Oppermann am Sonntag nach den ersten Prognosen in der ARD. „Wir gewinnen gemeinsam und wir verlieren gemeinsam.“ Familienministerin Schwesig sagte, Schulz habe einen engagierten Wahlkampf gemacht. Es sei wichtig, „dass wir jetzt auch gemeinsam diese Niederlage tragen“. Schulz als Parteivorsitzender stehe nicht in Frage.
+++ Erste ARD-Hochrechnung um 18.15 Uhr +++
CDU/CSU: 32.7, SPD: 20.2 Prozent, FDP: 10.5 Prozent, Grüne: 9.4 Prozent , Linke: 8.9 Prozent, AfD: 13.4 Prozent
+++ Niederlage ja, aber CDU hat Wahlziel erreicht +++
"Wir haben unsere Wahlziele erreicht," sagt Volker Kauder in der ARD. "Ohne uns kann keine Regierung gebildet werden."
+++ Raunen und Stöhnen bei der SPD +++
18 Uhr, die erste Hochrechnung erreicht die Genossen. 20 Prozent in der ARD. 21 Prozent im ZDF. Ein kurzes Raunen, fast ein Stöhnen, geht durch den Saal. Das ist es schon. Die stolzen Sozialdemokraten fügen sich in ihr Schicksal. Es ist ein Desaster. Das schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit. Wird Martin Schulz sich halten können? Normalerweise ausgeschlossen. Klar dürfte schon jetzt sein: die SPD wird in die Opposition gehen - müssen. "Scheiße". "Katastrophe". Das sind die Worte, die bei den Genossen fallen. Ansonsten eine gespenstische Desillusionierung. In Wallung kommen die Genossen nur vor dem Willy-Brandt-Haus, nämlich dann als Alexander Gauland auf den Bildschirmen zu sehen ist. Ihm schallen laute Buh-Rufe entgegen.
+++ Nur zwei Koalitionen rechnerisch möglich +++
Nach der Bundestagswahl am Sonntag haben nach den Prognosen von ARD und ZDF nur eine erneute große Koalition oder ein sogenanntes Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen eine rechnerische Mehrheit. Mit der AfD wollen alle genannten Parteien kein Bündnis eingehen.
+++ SPD will in die Opposition +++
Die SPD-Spitze hat sich nach dem historischen Absturz bei der Bundestagswahl einmütig dafür ausgesprochen, in die Opposition gehen. Das erfuhren die Deutsche Presse-Agentur und „Focus“ nach einer Telefonschalte unter Leitung des SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz am Sonntag.
Baden-Württemberg
Corinna Wöhrle, Gabriele und Klaus Lauble (von links) geben in Hornberg-Reichenbach im Wahllokal in der traditionellen Schwarzwälder Bollenhuttracht ihre Stimmen ab.
Foto: dpaAuffällig auch hinter der Wahlkabine: Der Hut der traditionellen Schwarzwälder Bollenhuttracht.
Foto: dpaBrandenburg
In sorbisch-wendischer Festtagstracht gibt Anita Storch in einem Wahllokal im Spreewaldorf Lehde ihre Stimme zur Bundestagswahl 2017 ab.
Foto: dpaZur sorbisch-wendischer Festtagstracht gehört ein Kleid mit Spitzenbesatz und eine traditionelle Kopfbedeckung.
Foto: dpaBayern
Männer und Frauen in bayerischer Tracht stehen in Unterwössen vor der Abgabe ihrer Stimmen zur Bundestagswahl 2017 in einem Wahllokal an.
Foto: dpaDirndl und Lederhosen sind in Bayern - so wie hier in einem Wahllokal in München - kein seltener Anblick an der Wahlurne.
Foto: REUTERSSachsen
Eine Frau in sorbischer Tracht gibt in einem Wahllokal in Piskowitz in der Gemeinde Nebelschütz ihre Stimme zur Bundestagswahl 2017 ab.
Foto: dpa
+++ Bei der AfD wird die Hymne angestimmt +++
Riesiger Jubel bei der AfD als die Balken auf über 13 Prozent hochklettern. Zugabe, Zugabe Rufe. Es läuft ZDF. Auf der Bühne jubeln Alexander Gauland, Beatrix von Storch, Armin-Paul Hampel und Georg Pazderski. Alice Weidel hebt sich den Jubel für später auf. Hampel feuert das Publikum an. "Es ist nicht immer leichter an der Spitze zu stehen, aber es ist manchmal leichter als morgens Flyer auszuteilen," sagte AfD Spitzenkandidat Alexander Gauland in einem ersten Statement. "Die Bundesregierung, wie immer sie aussieht, kann sich warm anziehen, wir werden sie jagen", sagte Gauland.
+++ Erste Prognose: CDU stark, SPD abgeschlagen, AfD drittstärkste Kraft +++
CDU/CSU 32.5, SPD 20.0, FDP 10.5, Grüne 9.5, Linke 9, AfD 13.5 (nach ARD-Prognosen)
+++ Ausgelassene Stimmung bei der AfD +++
Eine Viertelstunde vor den ersten Hochrechnungen steigen Beatrix von Storch und Alexander Gauland aufs Pult. Von Storch filmt in die Menge und grinst. Auch Gauland schmunzelt.
+++ Schlange bei den Grünen +++
Volles Haus bei der Wahlparty der Grünen im Vollgutlager in Berlin-Neukölln. Schon draußen müssen die Menschen Schlange stehen. Renate Künast fährt mit ihrem Wahlkampfauto vor, einem Tesla S.
+++ SPD schon jetzt resigniert +++
Im Willy-Brandt-Haus, der SPD-Parteizentrale, keine Spur von Vorfreude, erst recht nicht von Euphorie. "Ich habe Taschentücher dabei", sagt eine Genossin unserem Kollegen Max Haerder. " Hoffentlich brauche ich die nicht."
+++ Polizei vor der Wahlparty der AfD +++
Eine gute halbe Stunde vor den ersten Prognosen ist es noch ruhig bei der AfD. Draußen patrouillieren Polizisten vor der Wahlparty in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes. Drinnen hat die Partei “Trau dich“ in weiß-blau hinter die Theke geschrieben. Beatrix von Storch und Alexander Gauland geben die ersten Statements ab, schreibt unser Politikredakteur Thomas Schmelzer.
+++ Gute Stimmung bislang bei den Linken +++
„Sozial, gerecht, Frieden für alle“. Reicht das Wahlkampfmotto der Linken für zweistellig? Darauf hoffen einige hier auf Wahlparty der Linken im Festsaal Kreuzberg. Für die nächste Zeit wird schon mit einer Spendenbox gesammelt, 0.4 Liter Fassbier kosten hier 3,50 Euro, berichtet Reporter Christina Schlesiger. Inzwischen sind mehr als 200 Menschen auf der Wahlparty - es wird wohl kuschelig warm werden.
+++ Wer ist der jüngste, wer die älteste Kandidatin? +++
Mit 1323 Bewerbern gehört ein Großteil der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen an. Der jüngste Bewerber wird nach eigenen Angaben erst einige Tage vor der Wahl 18: der in Berlin geborene Schüler Floris Beer, der für Die PARTEI in Fürstenwalde antritt. Die älteste Kandidatin ist die 89-jährige ehemalige Autorin und Schauspielerin Barbara Rütting, die für die V-Partei für Veränderung in Bayern antritt.
+++ Wahlbeteiligung im Vergleich +++
Die höchste Wahlbeteiligung gab es 1972 mit über 90 Prozent der Stimmen, der niedrigste Wert bislang lag 2009 bei 70,8 Prozent. Deutschland verzeichnet damit den zweitgrößten Rückgang bei der Wahlbeteiligung von allen Demokratien, hinter Portugal und vor Frankreich. Gründe dafür sind, dass Nichtwähler zwar politisch interessiert und informiert sind, aber Unmut über Politiker sowie Unzufriedenheit mit Programme der Parteien zeigen wollen.
+++ Wahlkampf im Netz bis zur letzten Minute +++
In den Stunden bis zur Prognose um 18 Uhr herrscht auf den Social-Media-Kanälen von Parteien und Politikern ein letztes Mal Wahlkampf-Hochbetrieb. Mit eindringlichen Botschaften riefen sie die Menschen zum Abstimmen auf. „Raus aus den Federn & rein ins Wahllokal!“, mahnte die SPD ihre Anhänger schon morgens via Twitter. Kanzlerkandidat Martin Schulz postete nach Abgabe seiner Stimme ein Video aus seiner nordrhein-westfälischen Heimatstadt Würselen, wünschte den Zuhörern einen schönen Tag - „aber: Ihr müsst wählen gehen!“. Die CDU versuchte auf ihrem Facebook-Kanal, die Komplexität der politischen Streitpunkte in einen Satz zu pressen: „Darum geht's: Familien und Kinder fördern, sichere Arbeit und starke Wirtschaft.“
+++ 60 OSZE-Beobachter bei der Bundestagswahl +++
Rund 60 Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) sind bei der Bundestagwahl im Einsatz. Die Mission wird von George Tsereteli aus Georgien geleitet. Nach 2009 und 2013 sind Beobachter der OSZE zum dritten Mal bei einer Bundestagswahl dabei. Sie waren von der Bundesregierung eingeladen worden. Dies sei „übliche Praxis“ der OSZE-Mitgliedsstaaten, sagte Tsereteli. Teams von jeweils zwei Beobachtern sollten Wahllokale in mehreren deutschen Städten besuchen. Sie informieren sich über die Abläufe, sprechen mit den Wahlhelfern und beobachten die Stimmabgabe. „Wir sind keine Wahl-Polizei“, betonte Tsereteli. Schon vor Monaten hatte die OSZE erklärt, es bestehe kein Zweifel an den rechtmäßigen Abläufen, allerdings hätten einige Ansprechpartner Sorge über gleiche Chancen im Wahlkampf und bei dessen Finanzierung geäußert.
+++ Rege Wahlbeteiligung bis Mittag +++
Vielerorts deutet sich eine höhere Beteiligung als 2013 an. Das geht aus Mitteilungen der Landeswahlleiter zu mehreren Großstädten hervor. In Hamburg hatten bis 11 Uhr 37,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Vor vier Jahren waren es nach Angaben des Statistikamtes Nord zu diesem Zeitpunkt erst 35,4 Prozent. In Stuttgart hatten bis 12 Uhr 19,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Kreuze gemacht. Das waren 0,5 Prozentpunkte mehr als 2013. In Potsdam bildeten sich nach Angaben eines Stadtsprechers vielerorts Schlangen vor den Wahllokalen. In Sachsen-Anhalt hatten bis 12 Uhr 29,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Vor vier Jahren waren es zum gleichen Zeitpunkt 25,8 Prozent.
Allerdings meldeten einige Bundesländer auch einen ruhigen Start der Wahl. In Sachsen blieb die Wahlbeteiligung bis zum Mittag im Vergleich zu 2013 unverändert. In Thüringen sank sie sogar auf 24,5 Prozent. 2013 hatten zu diesem Zeitpunkt schon 31,2 Prozent gewählt. Der Bundeswahlleiter will gegen 15.30 Uhr erste bundesweite Zahlen zur Wahlbeteiligung veröffentlichen.
+++ Warum ist eine Ecke des Stimmzettels besonders markiert? +++
Wer schon gewählt hat, könnte es bemerkt haben: Bei den Wahlzetteln fehlt rechts oben entweder eine Ecke, oder sie ist mit einem Loch markiert. Das soll blinden und sehbehinderten Menschen helfen, ihre Stimme ohne fremde Hilfe abgeben zu können. Ihre Schablonen, denen auch die entsprechende Ecke fehlt, passen dann genau auf den Wahlzettel. Auf der Schablone sind Informationen zum Stimmzettel angegeben - etwa als Punktschrift oder in Großdruck.
+++ Steinmeier dankt Wahlhelfern +++
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den rund 650.000 Wahlhelfern bei der Bundestagswahl gedankt. Sie trügen auch in diesem Jahr zu einem reibungslosen Ablauf der Wahl bei, sagte er bei der Stimmabgabe in Berlin. Steinmeier kam bei kühlem, regnerischen Wetter in Begleitung seiner Frau Elke Büdenbender in das Wahllokal in einer Grundschule im Stadtteil Zehlendorf. Dort reihten sich beide zunächst geduldig in die Warteschlange ein und redeten mit anderen Wahlberechtigten, ehe sie zur Wahl schritten. Steinmeier zeigte sich erfreut über die offenkundig rege Wahlbeteiligung, die er in der Schule erleben konnte. In der „Bild am Sonntag“ hatte das Staatsoberhaupt die deutschen aufgerufen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Wahlrecht ist Bürgerrecht. Für mich ist es in einer Demokratie vornehmste Bürgerpflicht. Gehen Sie zur Wahl!“, schrieb er in der Zeitung.
+++ DStGB-Chef: Viele Wahlversprechen nicht einlösbar +++
Viele Versprechungen der Parteien im Wahlkampf werden sich nach Ansicht des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) wegen der Finanznöte auf kommunaler Ebene kurzfristig kaum oder gar nicht umsetzen lassen. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Gerd Landsberg wies in dem "Interview der Woche" des Deutschlandfunks darauf hin, dass Ankündigungen zu Themen wie Kinderbetreuung, mehr Polizisten vor Ort oder Ganztagsschulen den Kommunen einiges abverlangten, was die nur schwer schultern könnten. Wenn etwa vom Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung von Grundschülern die Rede sei, sei das kurzfristig, "ich würde sogar sagen mittelfristig, weder umsetzbar, nicht finanzierbar und auch nicht organisierbar". Hier gehe es um rund 1,2 Millionen Schüler, um Betriebskosten von schätzungsweise 18 Milliarden Euro pro Jahr und um Investitionen von 1,4 Milliarden Euro.
+++ Der größte Bundestag aller Zeiten +++
Der nächste Bundestag wird Berechnungen zufolge so groß werden wie nie zuvor. Nach Schätzungen des Friedrichshafener Politologen Joachim Behnke dürften im künftigen Parlament zwischen 680 und 700 Abgeordnete Platz nehmen. „Keine andere Demokratie der Welt hätte dann so viele Sitze im Parlament“, sagte Behnke der Deutschen Presse-Agentur. Der bislang größte Bundestag hatte 672 Sitze. Das war nach der Wahl 1994.
+++ 10 Uhr: Martin Schulz in Würselen im Wahllokal +++
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gab zusammen mit seiner Ehefrau Inge das Wahllokal im Rathaus seiner Heimatstadt seine Stimme ab. „Ich hoffe, dass heute möglichst viele Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und eine demokratische Zukunft der Bundesrepublik Deutschland bestärken, indem sie demokratischen Parteien ihre Stimme geben“, sagte Schulz. Viele Wähler seien bis zuletzt unentschlossen, wen sie wählen sollen. „Ich glaube, auch heute am Wahltag gibt es nach wie vor Bürgerinnen und Bürger, die überlegen, was sie mit ihrer Stimme machen.“ Er sei zuversichtlich, dass viele der Unentschlossene ihre Stimme seiner Partei geben. „Ich bin optimistisch, dass die SPD mit einem guten Resultat aus diesem Wahlkampf herauskommt.“
+++ Grünen-Spitzenkandidat früh an der Wahlurne +++
Als einer der ersten Spitzenpolitiker gab Cem Özdemir von den Grünen seine Stimme bei der Bundestagswahl ab. Gut gelaunt grüßte er wartende Journalisten, Wahlhelfer und andere Wähler, verließ danach das Wahllokal im Berliner Bezirk Kreuzberg aber kommentarlos. Die Grünen kämpfen mit anderen kleineren Parteien um den dritten Platz. Umfragen sahen sie zuletzt bei nur sieben bis acht Prozent.
+++ Wie hoch wird die Wahlbeteiligung? +++
Mit Spannung wird erwartet, wie viele Menschen es heute an die Wahlurne zieht. Deutschland verzeichnete zuletzt den zweitgrößten Rückgang bei der Wahlbeteiligung von allen Demokratien, hinter Portugal und vor Frankreich. 2013 lag die Wahlbeteiligung bei 71,5 Prozent. Den niedrigsten Wert jemals bei einer Bundestagswahl gab es 2009 mit 70,8 Prozent. Die höchste Wahlbeteiligung in der Geschichte der Bundesrepublik gab es 1972 mit 91,1 Prozent.
+++ 8 Uhr: Der Wahltag beginnt +++
Die Bundestagswahl hat begonnen. Rund 73.500 Wahllokale haben bis 18 Uhr geöffnet. Viele Deutsche haben wohl aber längst gewählt. Etwa 30 Prozent der Wähler wollen einer Umfrage zufolge ihre Stimme dann schon per Briefwahl abgegeben haben. Vor vier Jahren lag der Anteil der Briefwähler bei 24,3 Prozent - ein Höchststand in der Geschichte der Bundesrepublik.