Wiwo-Ranking „Wertvolle Arbeitgeber“: Der Süden hat die größte Weltkonzerndichte
Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen: Im Speckgürtel Stuttgarts wird die Luxuskarosse S-Klasse gefertigt.
Foto: dpaStuttgart ist eine Welt für sich: Die Hauptstadt Baden-Württembergs ist Heimat von Weltkonzernen wie Bosch und Bauknecht, von Porsche und Mercedes – und der höchsten Feinstaubwerte an einigen Verkehrsknotenpunkten. Lange bevor diese Umweltprobleme auftraten, war Stuttgart längst die Brutstätte schwarz-grüner Politik; die Wähler hier vereinen in unnachahmlicher Weise konservative Bodenständigkeit, auch eine gewisse Spießigkeit, und ökologisches Gewissen. Unvergessen sind die dramatischen Szenen, die sich 2011 rund um den ersten Spatenstich zum Milliardenprojekt „Stuttgart 21“ abspielten.
Und nun arbeitet ausgerechnet der Sportwagenhersteller Porsche an neuen Elektromodellen. Im typisch schwäbischen Pragmatismus wurde schon vor einigen Jahren im Entwicklungszentrum Weissach Ingenieure der elektrische Porsche Taycan entwickelt, der in diesem Jahr serienmäßig an den Start geht. Gejammer über Fahrverbote? Hört man im Südwesten eher weniger, man sucht einfach nach Lösungen - und kann sich diese eben auch leisten.
Das kommt nicht von ungefähr. Der Südwesten ist geprägt vom sprichwörtlichen Fleiß der Schwaben und Badener – letztere gelten jedoch als die Genussmenschen, während der Schwabe bisweilen eine pietistisch-genussfeindliche Haltung einnehmen kann. Laut Statistik gehören die Stuttgarter indes zu den zufriedensten Arbeitnehmern in Deutschland. Rund 82 Prozent sagten in der Studie „Arbeitszufriedenheit 2017“ der Hochschule Furtwangen, sie seien zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem Job.
Deutschlands wertvollste Arbeitgeber für das Gemeinwohl ihrer Region
Gerade Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure zieht es zu den lukrativen Jobs bei den vielen bekannten und weniger bekannten schwäbischen Mittelständlern. Abwanderung von jungen Arbeitskräften ist hier keine Sorge - im Gegenteil. Eher zieht es hier Geborene nach Studium und erster Berufserfahrung andernorts spätestens zu Hausbau und Familiengründung wieder in die Heimat. Im Sommer zeigte ein Arbeitgeberranking der Employer-Branding-Beratung Universum, dass Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure am liebsten bei Porsche, Daimler, BMW und Audi anheuern.
Der fünfte und letzte Teil der Auswertung „Was sind die wertvollen Arbeitgeber Ihrer Region“ zeigt die Ergebnisse der beiden wirtschaftsstärksten Bundesländer, Bayern und Baden-Württemberg. Wie in den vier anderen Regionen - es wurde zwischen Nord, Ost, Mitte und West unterschieden - finden sich viele soziale, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen auf den vorderen Plätzen, ebenso Lebensmittelhersteller, Brauereien und andere Getränkehersteller. In der Auswertung von Bayern und Baden-Württemberg fallen aber noch häufiger als nördlich des „Weißwurstäquators“ die bekannten Namen deutschland- oder sogar weltweit tätiger Unternehmen ins Auge.
Hier nur eine unvollständige Liste: der Versicherungskonzern Allianz, der Softwarehersteller SAP, Liebherr, Herrenknecht, Siemens, der Automobilzulieferer Schaeffler, die Elektronikhändler Conrad und Media Saturn, die Gerätehersteller Viking und Kärcher, der Armaturenhersteller Geberit, das Theater Augsburg und die Bayreuther Festspiele, die Spielzeughersteller Haba, Playmobil, Märklin, Steiff und Schleich, die Molkereien Zott, Weihenstephan und Ehrmann, die Sportmarken- beziehungsweise Modehersteller Adidas, Puma, Uvex und S. Oliver, die Büromaterialhersteller Schwan-Stabilo, Faber-Castell, Lamy und Leitz, Medikamente von Hexal und Ratiopharm, Naturkosmetik Weleda sowie die Supermarktketten Lidl und Kaufland und die Drogerien dm und Müller.
Methodisch wurde das Ranking über eine Befragung nach Landkreisen ermittelt (hier finden Sie noch einmal den Grundlagentext). Pro Landkreis wurden 100 Einwohner, pro kreisfreier Stadt 500 Einwohner gebeten, die aus ihrer Sicht „wertvollsten Arbeitgeber für das Gemeinwohl der Region“ anzugeben und auf einer Skala von 0 bis 5 zu bewerten. Hierbei spielte keine Rolle, ob die Befragten zufällig selbst Mitarbeiter der Unternehmen waren oder ob sie überhaupt Einblick in die Unternehmensstrukturen hatten. Vielmehr war die Außenwirkung beziehungsweise das Image im Blick, oftmals spielt auch die Bekanntheit und die Rolle als großer Arbeitgeber in einer Region eine Rolle.
Wertvolle Arbeitgeber für das Gemeinwohl: Unternehmen in der Region Süd.
Foto: WirtschaftsWoche