COP28 in Dubai: Das Klima braucht viel mehr privates Kapital
Stefan Wintels (M.), KfW-Vorstandsvorsitzender, auf dem UN-Klimagipfel.
Foto: dpaKlimaschutz braucht viel privates Kapital – in Deutschland und anderen Ländern sind die Voraussetzungen dafür aber noch nicht besonders gut. Das ist die Botschaft des Chefs der bundeseigenen Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bei der Weltklimakonferenz COP28 in Dubai. KfW-Vorstandschef Stefan Wintels sagte am Freitag vor deutschen Journalisten bei der Mammutkonferenz: Acht Jahre nachdem sich die Weltgemeinschaft in Paris auf das Ziel geeinigt habe, dass die Erde sich um nicht mehr als 1,5 Grad im Vergleich zu vor der Industrialisierung erwärmen solle, hinkten die Länder deutlich hinterher. Das liege auch daran, dass die Bedingungen für private Investoren bisher oft nicht gut genug seien.
„Keiner muss hier investieren, jeder Investor hat immer die freie Wahl, deshalb liegt es an uns, das attraktiv zu machen“, forderte Wintels auch in Richtung Bundesregierung. Der KfW-Chef schätzt, dass um 30 Prozent höhere Investitionen notwendig seien und deutlich mehr Tempo, um einigermaßen mit dem 1,5-Grad-Ziel und den eigenen gegebenen Zusagen Schritt zu halten. Bis zu 90 Prozent des Geldes müsse aus privaten Quellen kommen, das könne und solle der Staat gar nicht leisten. Er müsse aber attraktive Bedingungen und oft eine Anschubfinanzierung bieten.
Klimaschutz-Investitionen sind oft Investitionen in die Infrastruktur und in effizientere wie erneuerbare Energiesysteme. Oft geht es um die „grüne“ Erneuerung bestehender Infrastruktur. Deutschland schneide da selbst nicht besonders gut ab, urteilt Wintels, der die bundeseigene Förderbank führt: „Strukturell gibt es eine Investitionslücke in Deutschland.“
„Wir müssen Investitionen insgesamt entfesseln“
Deshalb sei kluge klassische Wirtschaftspolitik auch gute Klimapolitik: „Wir müssen Investitionen insgesamt entfesseln.“ Sonst laufe Deutschland auch Gefahr, seine technologische Stärke einzubüßen. Wenn nicht genug in Windkraft investiert werde, könnten andere Länder Deutschland überholen. Er verwies auf den massiven Ausbau von Windanlagen im US-Staat Texas, der mit Steuererleichterungen der US-Regierung forciert werde.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Stefan Wenzel, räumte ein, am Geld zeige sich, was Versprechen in der Klimapolitik wert seien. „Das ist ein harter Glaubwürdigkeitspunkt.“ Deutschland habe allerdings einige gute Voraussetzungen für private Investoren. Wenzel nannte den CO2-Preis auf Brennstoffe etwa im Verkehr oder fürs Heizen und den CO2-Preis der EU für die Energiebranche und die Industrie. Auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mache Klimaschutz-Investitionen attraktiv für Private.
Hürden für private Investitionen in Klimaschutz
Daran hängt zu einem gewissen Grad der Erfolg als Industrieland. Staatssekretär Wenzel sagte, auch in einer Welt nach Kohle, Öl und Gas bleibe Deutschland „Energieimportland“. Zwei Drittel des Wasserstoffes oder der Produkte zur Herstellung von Wasserstoff müssten künftig wohl importiert werden. Dazu brauche es Infrastruktur.
Eine aktuelle Studie von KfW und der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group kommt zum Schluss, dass mehrere Hürden für private Investitionen in Klimaschutz bestehen: Klimaschutz sei oft sehr komplex und deshalb auch die Lösungen, zudem brauche es oft enorme Summen für ein Vorhaben und einen langen Zeitrahmen.
KfW-Chef Wintels nannte auch zwei aus seiner Sicht positive Beispiele: NordLink, das „grüne Kabel“ zum Austausch deutscher Windenergie mit norwegischer Wasserkraft, habe Investitionen und Know-How aus Norwegen, Deutschland und den Niederlanden zusammengebracht. Und auch die Herstellung von grünem Wasserstoff in Saudi-Arabien mit deutscher Technologie sei vorbildhaft.
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