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Live-Talk auf XElon Musk und Alice Weidel: So lief das Gespräch

Elon Musk führte mit AfD-Politikerin Alice Weidel ein Gespräch auf der Online-Plattform X. Was dabei besprochen wurde und wie die Reaktionen sind. 14.01.2025 - 08:43 Uhr

Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende, Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin der AfD, sitzt vor dem Live-Talk mit dem US-Milliardär Elon Musk auf der Plattform X an Mikrofonen und einem Laptop in ihrem Büro des Jakob-Kaiser-Hauses.

Foto: via REUTERS

AfD-Chefin Alice Weidel und Milliardär Elon Musk sind am 9. Januar auf Elon Musks Plattform X zu einem Gespräch zusammengekommen. Um 19.00 Uhr startete die öffentlich zugängliche Diskussion in einem sogenannten X Space – ein Format für Live-Gespräche. Zu Beginn stellte Musk die AfD-Politikerin vor und bezeichnete sie als „führende Kandidatin“ für das politische Deutschland. Daraufhin stellte sie ihre Partei AfD den Zuhörern vor.

Doch wie kam es überhaupt zu dem Gespräch und worüber wurde gesprochen? Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Elon Musk und Alice Weidel: Das waren die Themen des Live-Talks auf X

  • Angela Merkel, Atomenergie, Zuwanderung:

In dem Gespräch, in dem zuerst vor allem Musk die Fragen stellte und sich beide gegenseitig viel zustimmten und lachten, ging es kreuz und quer durch die Themen. Weidel eröffnete die Diskussion mit einer Generalabrechnung mit der Merkel-Regierung. Sie bezeichnete die langjährige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Deutschlands „erste grüne Kanzlerin“ und kritisierte gleichermaßen deren Zuwanderungspolitik als auch den Atom-Ausstieg und den Umstieg auf erneuerbare Energien. Daraufhin riet Musk Deutschland, wieder in die Atomkraft einzusteigen. Deutschland müsse diese Form der Energiegewinnung wieder hochfahren, sagte Musk. Weidel stimmte zu.

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  • Bürokratie:

Danach ging es um das Thema Bürokratie und Musk berichtet von seinen Erfahrungen. Für das Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin habe die Prozedur für die Erlaubnis 25.000 Seiten umfasst, sagte er. Und dazu habe es sehr viele Kopien gegeben. „Das war ein Lastwagen voller Papier“, sagte Musk. Und dann habe noch jede einzelne Seite abgestempelt werden müssen. Weidel stimmt der Kritik an der Bürokratie in Deutschland lachend zu.

Der US-Milliardär wiederholte im Gespräch auch seine Wahlempfehlung für die AfD. „Die Menschen wollen Veränderung“, sagte Musk im Gespräch mit der AfD-Kanzlerkandidatin. „Und deshalb empfehle ich, die AfD zu wählen“, sagte Musk. „Nur die AfD kann Deutschland retten, Ende der Geschichte“, fügte er hinzu.

  • Migration:

Auch das Thema Migration sprach Musk an. Die AfD-Politikerin sagte daraufhin, dass seit 2015 „sieben Millionen Menschen“ laut „offiziellen Zahlen“ gekommen seien. Woher diese Daten stammen, sagte sie nicht. Ein Großteil davon habe vor dem Grenzübertritt seine Pässe entsorgt, um nicht abgeschoben werden zu können, sagte Weidel weiter. Nach Angaben des Ausländerzentralregisters lebten zum Ende des ersten Halbjahres rund 3,5 Millionen Geflüchtete in der Bundrepublik.

  • Adolf Hitler:

Weitere Themen waren der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und das deutsche Bildungssystem. Zudem distanzierte sich Weidel von Adolf Hitler. „Er war ein kommunistischer sozialistischer Typ“, sagte Weidel in dem Gespräch auf der Plattform X über Hitler. „Wir sind das exakte Gegenstück, wir sind eine libertäre konservative Partei.“ Die AfD werde lediglich von den Medien und links-grünen Kreisen als rechtsextrem geframed. Die AfD-Politikerin zog im Zusammenhang mit der Regulierung des Internets einen weiteren Hitler-Vergleich und sagte: „Weißt du, was Adolf Hitler als erstes getan hat? Er hat die Redefreiheit abgestellt, er hat die Medien kontrolliert.“ Andernfalls wäre Hitler nie so stark geworden, meinte Weidel.

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Zum Schluss des Talks wurde es spacig: Musk kam bei einem seiner Lieblingsthemen, Mars-Reisen, ins Schwärmen, als Weidel ihn danach fragte – und bei seinen langen Ausführungen dann kaum noch zu Wort kam. Schließlich fragte sie Musk, ob er an Gott glaube. Er sei offen für die Vorstellung, sagte er. Sie sei immer noch auf der Suche, erwiderte die AfD-Chefin und schloss am Ende des Gesprächs mit: „Es war wunderbar.“

Das mehr als einstündige, auf Englisch geführte Gespräch war der erste persönliche Austausch von beiden. Es wurde weltweit verfolgt und stand wegen Vorwürfen der Wahleinmischung auch unter besonderer Beobachtung von EU und Bundestagsverwaltung.

Welche Reaktionen gab es?

Europäische Union: Die Europäische Union (EU) erwägt einem Medienbericht zufolge nach dem Gespräch eine Ausweitung ihrer Untersuchung wegen möglicher Verstöße gegen EU-Regeln. Die Kommission untersuche, ob das live gestreamte Gespräch zwischen Musk und Weidel auf X vergangene Woche in unlauterer Weise aufgebauscht worden sei, um einem politischen Kandidaten einen Vorteil zu verschaffen, was gegen das DSA verstoße, berichtete „Bloomberg TV“ am Montag. „Wir prüfen derzeit, ob das Ausmaß groß genug ist“, sagte die für Technologiepolitik zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission, Henna Virkkunen, dem Sender.

Musk ist ein Berater des designierten US-Präsidenten Donald Trump. Weder X noch die Europäische Kommission reagierten auf Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters zur Stellungnahme. Die EU hatte Ende 2023 eine Untersuchung gegen die Plattform eingeleitet, teilweise im Zusammenhang mit Beiträgen nach den Angriffen der Hamas auf Israel.

Es handelt sich um die erste Untersuchung dieser Art nach dem EU-Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA). Die Vorschriften verpflichten sehr große Online-Plattformen und Suchmaschinen, mehr gegen illegale Inhalte und Risiken für die öffentliche Sicherheit zu unternehmen.

Bundestag: Die Bundestagsverwaltung teilte vor dem Live-Gespräch mit, sie werde prüfen, ob es sich dabei um eine Beeinflussung des Wahlkampfs und um eine illegale Parteispende handele. Zunächst hatte die „Rheinische Post“ hierüber berichtet. Den Vorwurf möglicher verdeckter Wahlkampfspenden erhob auch die Organisation Lobbycontrol. Das Interview werde auf X voraussichtlich deutlich stärker verbreitet als Beiträge anderer Nutzer. „Insofern kann man hier durchaus von politischer Werbung sprechen, denn die Plattform X verkauft eine solche Reichweite normalerweise für sehr viel Geld.“ Weidels Sprecher wies dies zurück. Die Veranstaltung sei ein legitimes „unabgesprochenes und offenes Gespräch“.

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Es verstößt aus Sicht von Experten auch nicht prinzipiell gegen den europäischen Digital Services Act (DSA), dem sich Internet-Plattformen unterwerfen müssen. „Problematisch wäre es, wenn Musk seine Plattform dazu nutzt, bestimmten politischen Stimmen mehr Sichtbarkeit zu geben, indem er beispielsweise den Algorithmus, der Nutzern Inhalte anzeigt, verändert“, betonte Jan Penfrat, Experte für die Regulierung von Online-Plattformen beim Verband European Digital Rights (EDRi). Ein weiterer Ansatzpunkt für die Anwendung des DSA wären illegale Aussagen während des Gesprächs, wie zum Beispiel die Verharmlosung des Nazi-Regimes. „Da gibt es klare Regeln, die Plattformen verpflichten, Inhalte zeitnah herunterzunehmen. Da können die Behörden, auch nationale, von sich aus aktiv werden.“

Kritiker werfen Musk vor, mit Hilfe seiner enormen Reichweite den Ausgang der Bundestagswahl in Deutschland beeinflussen zu wollen. Seine Botschaften auf X lesen und teilen weltweit mehr als 210 Millionen Nutzer.

X-Live-Talk von Elon Musk und Alice Weidel: So kam es zu dem Termin

Ein X-Nutzer hatte den Vorschlag für das Gespräch mit Weidel gemacht, nachdem Musk in einem Gastbeitrag in der „Welt am Sonntag“ für die AfD geworben und breite Diskussionen und Kritik ausgelöst hatte. Später hatte der Milliardär einer AfD-nahen Influencerin, die sich ebenfalls zu der Debatte geäußert hatte, geschrieben: „Warte bis Alice und ich ein X-Spaces-Gespräch führen. Dann verlieren sie ihren Verstand“ – versehen mit zwei Lachsmileys mit Tränen. Weidel selbst teilte wiederum diesen Kommentar Musks bei X. Sie hatte sich schon vor Tagen in einem „Lieber Elon“-Video für sein Eintreten für die AfD bedankt.

Schon bald darauf berichtete Weidels Sprecher von einem Austausch über ein Live-Gespräch mit Musks Team. Dieser habe sich bereits vor einigen Monaten für das AfD-Programm interessiert.

X Spaces: Was ist das?

X Spaces, ehemals Twitter Spaces, bietet die Möglichkeit, in Echtzeit, Audio-Unterhaltungen miteinander zu führen. Nutzer können so auf der Plattform Räume für Diskussionen und Unterhaltungen erstellen.

Wie liefen andere Live-Talks mit Elon Musk ab?

Im vergangenen August hatten sich Elon Musk und der damalige US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump zu einem Livegespräch auf der Social-Media-Plattform X getroffen. Die Übertragung startete damals wegen technischer Probleme mit 45 Minuten Verspätung.

Nach dem Start schalteten sich mehr als eine Million Menschen zu. Sie sahen dann, wie Musk zwei Stunden lang als Stichwortgeber für Trumps radikale Theorien fungierte. Donald Trump nannte Joe Biden mehr „dumm“, spielte den Klimawandel herunter und sprach von einer „Zombie-Apokalypse an der Grenze“, binnen eines Monats kämen Millionen Menschen in die USA. Widerworte von Elon Musk gab es nicht.

Lesen Sie auch: Elon Musk fordert Politik im Stil von Javier Milei

Ist Alice Weidel bei Donald Trumps Amtseinführung dabei?

Ein auch bei X verbreitetes Gerücht, Weidel könnte auch bei der Amtseinführung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump am 20. Januar in Washington sein, wies der Sprecher zurück. Dies sei aufgrund der terminlichen Situation im Bundestagswahlkampf nicht geplant.

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Bundestagwahl 2025: Wo liegt die AfD in den Umfragen?

In Umfragen zur Bundestagswahl liegt die AfD aktuell bei Werten zwischen 18 und 20 Prozent. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet die Partei als rechtsextremistischen Verdachtsfall.

Die AfD ist bei Wahlen insbesondere im Osten Deutschlands stark. Dort waren rechtsextreme Parteien schon nach der Wiedervereinigung überproportional erfolgreich. Am Samstag soll Weidel bei einem Parteitag der AfD in Riesa offiziell zur Kanzlerkandidatin gewählt werden.

Kann Elon Musk der AfD im Bundestagswahlkampf helfen?

Dass Elon Musk mit seiner Wahlempfehlung für die AfD der Partei geschadet hat, glauben laut einer akutellen Umfrage nur vier Prozent. 59 Prozent der Befragten einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur gehen davon aus, dass Musk der Partei vielmehr geholfen hat. 24 Prozent sehen keine Auswirkung.

Dennoch glaubt eine Mehrheit der Befragten nicht, dass Musks Äußerungen auf seiner Plattform X einen großen Einfluss auf den Bundestagswahlkampf haben. 50 Prozent sehen einen eher kleinen oder sehr kleinen Einfluss, 13 Prozent sogar gar keinen. 27 Prozent halten den Einfluss des Beraters des designierten US-Präsidenten Donald Trump dagegen für eher groß oder sehr groß.

Danach gefragt, ob der US-Milliardär die politische Lage in Deutschland einschätzen könne, antworteten 68 Prozent der Befragten mit „Nein“, 21 Prozent trauen es ihm zu. Für die Umfrage befragte YouGov vom 3. bis zum 6. Januar 2246 Menschen ab 18 Jahren.

Die EU beobachtet Musks Aktivitäten schon länger. Seit gut einem Jahr läuft ein Verfahren gegen seine Plattform X. Geprüft wird, ob diese gegen das EU-Digitalgesetz (DSA) verstößt. Große Plattformen wie X, Tiktok oder Google müssen sich an bestimmte Regeln halten, sonst drohen ihnen hohe Strafen. Die EU-Kommission betont zwar, Meinungsfreiheit sei auch für Plattformbesitzer wie Musk geschützt, Plattformen müssten aber sicherstellen, dass sie nicht für die Manipulation von Wahlen oder die Untergrabung des zivilen Diskurses genutzt würden.

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dpa, rtr, jha, ans
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