Wahl und Wirtschaft: So haben die wirtschaftsstärksten und schwächsten Landkreise gewählt
Ein Mann geht am Morgen vor dem Reichstagsgebäude. Am Vortag fand die vorgezogene Wahl zum 21. Deutschen Bundestag statt.
Foto: Julian Stratenschulte/dpaIn Zeiten der Wirtschaftskrise sind viele Bürgerinnen und Bürger von Verlustängsten getrieben. Die reichen Regionen fürchten, im internationalen Wettbewerb den Anschluss zu verlieren; die ärmeren wollen nicht ganz vergessen werden. Doch wie haben die wirtschaftsstarken Wahlkreise der Republik gewählt und worin unterscheiden sie sich grundlegend von denen, die weniger Wirtschaftskraft aufbringen können?
Eine erste Erkenntnis mit Blick auf die Daten zeigt: Die Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland sowie Nord- und Süddeutschland dominieren. Rechnet man dann auch noch das Bruttoinlandsprodukt der Wahlkreise auf die Einwohnerzahl herunter, zeigt sich zudem ein Gefälle innerhalb Ostdeutschlands.
Die Starken
Gleiches gilt für einige der wohlhabendsten Wahlkreise Deutschlands wie der Landkreis München mit einen BIP pro Einwohner von 119.496 Euro und Helmstedt-Wolfsburg mit 92.008 Euro.
Während sich die CSU im Umland der bayerischen Hauptstadt mit einem Anteil von 39 Prozent ihres Sieges sicher sein konnte und auch die FDP mit über 6 Prozent mehr Stimmen als sonst sammelte, gehört Platz zwei ganz klar den Grünen. Die fahren im Münchner Speckgürtel über 17 Prozent der Stimmen ein. CSU-Chef Markus Söder ist die Partei im Wahlkampf hart angegangen, es scheint nicht weit hergeholt, dass die verhältnismäßige Stärke in CSU-Hochburgen dabei eine Rolle gespielt hat.
Rund um das Wolfsburger VW-Werk ist die politische Realität eine ganz andere, sie ist geprägt von einem Dreikampf zwischen CDU (27 Prozent), SPD (23 Prozent) und AfD (21 Prozent). Wer also dachte, dass die Probleme Deutschlands mit dem Aufstieg der in Teilen rechtsextremen AfD ein Problem abgehängter Regionen wäre, der irrt. Während die Grünen im angrenzenden Braunschweig und um die Landeshauptstadt Hannover aber durchaus stark vertreten sind, scheint deren Programm in der Auto-Region einen schweren Stand zu haben.
In anderen reichen Wahlkreisen wie Frankfurt oder Düsseldorf spielte die AfD weit weniger eine Rolle, stattdessen gewannen beispielsweise im hessischen Finanzzentrum die Linken einen Achtungserfolg. Sie konnten mehr als doppelt so viele Zweitstimmen wie die FDP und mehr als halb so viele wie die CDU auf sich vereinen. In Düsseldorf überflügelten die Grünen die SPD und landeten auf Platz zwei. Den Sieg durfte aber auch hier die Union verbuchen.
Die Schwachen
Wahlkreise mit geringer Wirtschaftskraft gibt es in West und Ost: Bottrop-Recklinghausen III liegt mit einem BIP von 26.307 Euro pro Einwohner nur gering über dem Wahlkreis Märkisch-Oder-Barnim II mit 23.723 Euro. In Brandenburg ist die Sachlage klar, die AfD siegt mit 34 Prozent und erreicht doppelt so viele Stimmen wie die CDU. Selbst CDU, SPD und Linke insgesamt kommen nur auf knapp 7 Prozent mehr als der Wahlsieger.
In Nordrhein-Westfalen wird das Rennen um die ersten beiden Plätze dagegen noch zwischen CDU (29 Prozent) und SPD (23 Prozent) ausgetragen. Doch auch hier ist die AfD mit 21 Prozent in Schlagweite auf die stark geschwächte Sozialdemokratie.
Eine Ableitung
Insgesamt fällt auf, dass in wirtschaftlich schwächeren Regionen die Wahlentscheidungen zwischen den Bundesländern stark variieren. In Bayern sind hier die Grünen stärker, in Ostdeutschland ist es in erster Linie die AfD, darauf folgen das BSW und die Linke.
Altbekannte Stadt-Land-Muster lassen sich fast nur noch in Westdeutschland herauslesen. So sind Parteien links der Mitte dort in reicheren urbanen Zentren stärker, während konservative und liberale Positionen auf dem Land besser ankommen.
Ein ähnliches Muster zeigt sich in Ostdeutschland nur für die Grünen, zudem ist die AfD in Berlin besonders schwach. Darüber hinaus sind AfD, BSW und Linke in den neuen Bundesländern relativ gleichmäßig stark, während CDU, SPD und FDP fast nur noch um Berlin herum einen Fuß auf den Boden bekommen.
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