Wählerwanderung Bundestagswahl: AfD mobilisiert massiv Nichtwähler
Die SPD verliert die meisten Wählerstimmen an die Union.
Foto: Christoph Reichwein/dpaDie Wahl bringt einige Veränderungen mit sich. Nicht nur wird es eine neue Regierung geben, sondern auch die Sitzverteilung wird sich verändern. Während die AfD-, die Unionsfraktion und die Fraktion der Linken in der kommenden Legislaturperiode wachsen, verlieren die Grünen und die Sozialdemokraten Sitze. Die FDP und das BSW haben den Einzug ins Parlament verpasst.
Das vorläufige amtliche Wahlergebnis zeigt: Die Wählerinnen und Wähler haben sich von den Ampel-Parteien abgewandt. Einstige SPD-Hochburgen sind plötzlich schwarz. In Ostdeutschland dominiert die AfD. Doch woher kommen die starken Zugewinne bei Union und AfD? Ein Blick auf die Wählerwanderung.
9,3 Prozent beträgt der Stimmenverlust bei den Sozialdemokraten. Damit fuhren sie ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 ein. Mehr als 3,5 Millionen Wählerinnen und Wähler, die 2021 noch die SPD wählten, entschieden sich nun anders. Das zeigen die Daten von infratest dimap und ARD.
Die meisten ehemaligen SPD-Stimmen gingen an die Unionsparteien. 720.000 ehemalige Wähler verloren die Sozialdemokraten an die AfD. 370.000 neue Wählende konnte die Partei zwar gewinnen, davon waren die meisten zuvor Nichtwähler.
AfD stark bei Nichtwählern
Den meisten Nichtwählerzuwachs konnte allerdings die AfD erzielen. Mehr als 1,8 Millionen Wählerstimmen aus dieser Gruppe konnte sie mobilisieren. Die Partei, die in weiten Teilen als rechtsextrem eingestuft wird, konnte zudem viele Stimmen von der Union und FDP gewinnen.
Mit 4,6 Millionen neuen Stimmen konnte die AfD den größten absoluten Zuwachs generieren. Einzig an das BSW verlor die AfD Wählerinnen und Wähler. 60.000 Menschen, die 2021 noch die AfD wählten, gaben nun ihre Stimme der Wagenknecht-Partei.
Die Union verzeichnet ein absolutes Stimmenplus von etwa 4,5 Millionen. 900.000 Nichtwähler konnte Kanzlerkandidat Friedrich Merz und seine Partei mobilisieren. Die restlichen Zuwächse stammen vor allem von ehemaligen SPD- und FDP-Wählenden. Auch die Grünen verloren Stimmen an die Union.
Grünen verlieren nach links
Die meisten enttäuschten Grünen-Wählerinnen und -Wähler von 2021 entschieden sich dieses Mal für die Linke. Zu Beginn des Wahlkampfes im November wurde die Partei noch für tot erklärt. Ihre Hoffnung war es, erneut über drei Direktmandate in den Bundestag zu ziehen. Die Partei wuchs in der Gunst der Wählenden und konnte 8,8 Prozent erzielen.
1,7 Millionen Menschen, die 2021 noch eine andere Partei oder gar nicht gewählt hatten, gaben 2025 der Linken ihre Stimme. Dabei konnten sie auch viele Nichtwähler überzeugen.
FDP verliert nur
Bei den Erstwählenden hätte die FDP den Bundestagseinzug erreicht. Doch aus der gesamten wählenden Bevölkerung gab es zu wenig Zustimmung für die Liberalen. Nach 2013 schaffen sie es zum zweiten Mal nicht ins Parlament. FDP-Chef Christian Lindner zog daraus erste Konsequenzen und beendete seine politische Karriere.
Ein Blick auf die Daten der Wählerwanderung zeigt: Statt Zuwachs gab es nur Abgänge. Die meisten Stimmen verloren die Liberalen an die Union und die AfD. Wenn es nach den Daten von infratest dimap und ARD geht, sollen 40.000 Menschen sogar lieber nicht gewählt haben, anstatt nochmal der FDP ihre Stimme zu geben.
Die Wählerwanderung wird auf Grundlage von amtlichen Statistiken, repräsentativen Vorwahl-Umfragen und Umfragen am Wahltag sowie dem Ergebnis der Auszählung berechnet. In der Wählerwanderung werden aktuelle und frühere Nichtwähler berücksichtigt. Außerdem werden die Änderungen in der Zusammensetzung der Wählerschaft beachtet, dazu gehören neu hinzugekommene Erstwähler und verstorbene frühere Wähler.
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