Prominente Marken wie Tupperware, Weck oder Body Shop haben Insolvenzverfahren durchlaufen.
Foto: imago images, dpa Picture-Alliance , REUTERSBekannte Marken: Diese Kultunternehmen mussten trotz starker Vergangenheit Insolvenz anmelden
Eigentlich gab es keinen Grund zur Sorge: Der Onlinehandel boomte, Amazon machte Gewinn wie noch nie. Trotzdem sah Jeff Bezos, der Gründer des E-Commerce-Giganten, im Herbst 2018 die Zeit gekommen, seine Mannschaft wachzurütteln: „Ich sage voraus, dass Amazon eines Tages scheitern wird“, sagte Bezos in einer internen Veranstaltung, über die der TV-Sender CNBC damals berichtete. „Amazon wird pleitegehen.“ Und das sei im Übrigen auch ganz normal.
Tatsächlich sind weder die Größe eines Unternehmens noch die Bekanntheit einer Marke Garanten dafür, dass ein Geschäftsmodell auf Dauer trägt. So mussten bereits zahlreiche bekannte Markenhersteller ums Überleben kämpfen und längst nicht alle waren erfolgreich dabei, wie die folgenden Beispiele zeigen.
Weck-Gläser: Das Ende einer Einmachtradition?
Einst hat das Unternehmen Weck die Vorratshaltung revolutioniert und prägte mit seinen Einmachgläsern den Begriff „Einwecken“. Doch 2023 musste Weck Insolvenz anmelden. Woran das lag? An mangelnder Bekanntheit jedenfalls nicht. Die Gläser, verziert mit einer stilisierten Erdbeere und der Aufschrift „Weck“, waren jahrzehntelang der Inbegriff für Einmachgläser und stapelten sich in den Vorratskellern der deutschen Verbraucher.
Doch die steigenden Energiekosten und ein verändertes Konsumverhalten setzten dem Unternehmen zu. Die Nachfrage nach Einmachgläsern sank über die Jahrzehnte, da Supermärkte günstige Fertigprodukte anboten und immer weniger Menschen selbst einkochten. Doch trotz der Insolvenz ging es weiter. Die Pleitenachricht löste sogar einen regelrechten Bestellboom bei Weck aus. Die Marke sei wieder präsent gewesen und „viele Kunden hatten sicherlich auch Angst, künftig auf ihre Gläser verzichten zu müssen“, vermutete der Insolvenzverwalter.
Nach monatelanger Suche wurde schließlich ein Investor gefunden. Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius sicherte sich die Traditionsmarke und will die Produktion fortsetzen. Zahlreiche Arbeitsplätze konnten gerettet werden, und die Weck-Gläser bleiben vorerst auf dem Markt.
Kettler: Als das Kettcar gegen die Wand fuhr
Kettler, gegründet 1949, galt jahrzehntelang als Markenikone im Bereich Freizeit- und Sportgeräte. Das Kettcar prägte Generationen von Kindern, Kettlers-Tischtennisplatten gehörten zur Grundausstattung in deutschen Eigenheimsiedlungen. Trotz seines guten Images und qualitativ hochwertiger Produkte konnte Unternehmen aber nicht mit der Billigkonkurrenz aus Fernost mithalten.
Doch 2019 war Schluss. Die dritte Insolvenz innerhalb von vier Jahren war zu viel für Kettler: Die Produktion in Deutschland wurde eingestellt. Teile des Unternehmens wurden verkauft.
Suhrkamp: Die Insolvenz des Literaturverlags
Der Suhrkamp Verlag ist eine Institution im deutschen Literaturbetrieb. Das von Peter Suhrkamp 1950 gegründete Haus gilt als eine der wichtigsten Verlage der Bundesrepublik mit namhaften Autoren aus Literatur und Wissenschaft. Doch interne Streitigkeiten zwischen Gesellschaftern und wirtschaftliche Schwierigkeiten führten 2013 zur Insolvenz.
Dank eines Insolvenzplans und einer Umwandlung in eine Aktiengesellschaft konnte der Verlag gerettet werden. Heute ist Suhrkamp wieder stabil, doch die Krise zeigte, dass auch renommierte Verlage nicht immun sind gegen wirtschaftliche Probleme.
Märklin: Modelleisenbahnen in der Krise
Die Firma Märklin stattete die Kinderzimmer der Republik jahrzehntelang mit Loks und Waggons aus. Doch irgendwann ließ die Begeisterung für Modelleisenbahnen nach, während hohe Produktionskosten das Unternehmen belasteten. Hinzu kamen Managementfehler und eine falsche Sortimentspolitik. 2009 musste Märklin Insolvenz anmelden – und die Sanierung begann. Märklin erneuerte sein Sortiment und bot wieder kindgerechtere Starterpakete an.
Die Neuausrichtung kam beim Handel und den Konsumenten an, das Geschäft nahm Fahrt auf. Und so gelang es, einen Käufer zu finden – der die Weichen wieder auf Erfolg stellte.
Schiesser: Fein-R.I.P.
Ähnlich erfolgreich wie bei Märklin verlief die Rettungsmission bei einer weiteren deutschen Traditionsfirma, deren Management 2009 den Gang zum Insolvenzgericht antrat: Der Wäschehersteller Schiesser aus Radolfzell am Bodensee.
Gleich mehrere Probleme waren dem Unternehmen zum Verhängnis geworden. Lange gehörten die Feinripp-Unterhosen und Hemden von Schiesser zu den bekanntesten deutschen Marken, wenngleich das dem Geschäft damals eher abträglich war. Schießers „Liebestöter“ galten zeitweise als Synonym deutscher Spießigkeit. Die Umsätze sackten immer weiter ab – bis der Insolvenzverwalter übernahm, defizitäre Lizenzverträge kündigte, die Kosten senkte und das Sortiment straffte. Im Nachhinein scheint es fast so, als habe das Traditionsunternehmen den Schock der Pleite gebraucht, um wieder Kreativität zu entwickeln.
Römertopf: Vom Kultprodukt zur Randerscheinung
Wie Tempo und Tesa ist auch der Römertopf zum Begriff für eine ganze Produktgattung geworden. Das erste Modell war im April 1967 vom Keramikunternehmen Eduard Bay GmbH als Innovation auf der Hannover-Messe vorgestellt worden und fand schnell seinen Weg zu den Verbrauchern. Seit den 1970er-Jahren wurden nach Unternehmensangaben über 50 Millionen Römertopf-Bräter verkauft. Später wechselte die Marke mehrfach den Eigentümer. Doch mit der Veränderung der Küche hin zu schnelleren Garmethoden und neuen Materialien verlor das Produkt an Bedeutung.
Die Römertopf Keramik GmbH & Co. KG aus dem rheinland-pfälzischen Ransbach meldete im Sommer 2023 schließlich Insolvenz an. Grund dafür sei vor allem ein Umsatzrückgang zu Beginn des Krieges in der Ukraine gewesen. Verbraucher hätten weniger gekauft, dazu seien höhere Kosten für Energie, Rohstoffe, Betriebsmittel und Transport gekommen, hieß es. Nach der Insolvenz des Keramikunternehmens wurde die Produktion ins Ausland verlegt.
Hakle: Wenn selbst Toilettenpapier nicht mehr sicher ist
Auch der Toilettenpapierhersteller Hakle hatte Anfang September 2022 angesichts des Kostenschocks bei Energie und Rohstoffen ein Insolvenzverfahren gestartet. Die „massiv gestiegenen Kosten für Material- und Energiebeschaffung sowie der Transporte“ hätten bislang nicht in hinreichendem Umfang an die Kunden im Lebensmitteleinzelhandel und den Drogeriesektor weitergegeben werden können, teilte das Unternehmen damals mit.
Dabei war Hakle eine der bekanntesten Marken für Toilettenpapier in Deutschland. Das Unternehmen, gegründet 1928, brachte als erster Hersteller Toilettenpapierrollen auf den deutschen Markt: Rollen aus Krepppapier, perforiert zum Abreißen und mit einer garantierten Blattzahl von 1000 Blatt. In den 70er Jahren folgte feuchtes Toilettenpapier als nächste Innovation. Doch wenig später begann der Abstieg und Hakle wurde über die Jahre von Investor an Investor weitergereicht. Im Zuge der Insolvenz gelang es, einen Käufer für die Marke zu finden. Der italienische Konkurrent Sofidel übernahm demnach die entsprechenden Deutschlandrechte, teilte das Düsseldorfer Unternehmen mit.
Tupperware: Das Aus der berühmten Plastikdosen
Das Unternehmen Tupperware wurde vom Chemiker Earl Tupper gegründet. 1946 brachte er Kunststoffbehälter mit Verschluss auf den Markt, in denen sich Essen länger frisch hielt. Doch im Einzelhandel waren sie zunächst ein Ladenhüter. Erst mit dem Vertrieb über Verkaufspartys ab 1951 kam der Durchbruch. Zeitweise begann alle 1,2 Sekunden auf der Welt eine Tupperparty. Auch in Deutschland verbreiteten sich die luftdicht verschließbaren Behältnisse, deren Kunststoffdeckel beim Schließen einen charakteristischen Laut von sich geben, seit den frühen 1960er Jahren rasant.
Doch das Vertriebsmodell kam in die Jahre, die Konkurrenz durch günstigere Alternativen wuchs. Zudem schadeten Umweltdebatten um Plastikprodukte der Marke. Die Folge: Mehrfach stand der Konzerne kurz vor der Pleite. Im September 2024 war es schließlich so weit: Das Kult-Unternehmen meldete in den USA Insolvenz an. Wenig später zog auch die deutsche Vertriebsgesellschaft die Reißleine.
Tupperware will sich künftig auf Kernmärkte wie die USA, Kanada, Mexiko, Brasilien, China und weitere asiatische Länder konzentrieren. Die europäischen Länder, die traditionell wichtige Einnahmequellen waren, sollen dagegen keine Rolle mehr spielen. Für Tupperware Deutschland hieß das, dass der Geschäftsbetrieb eingestellt werden musste. Bis auf weiteres ist die Tupperparty damit in Deutschland vorbei.
The Body Shop: Vom Ethik-Vorbild zum Problemfall
The Body Shop war 1976 von Anita Roddick und ihrem Ehemann Gordon gegründet worden und eine der ersten Firmen, die sich auf ethisch hergestellte Kosmetik- und Hautpflegeprodukte konzentrierte und bei der Herstellung ihrer Produkte auf Tierversuche verzichtete. Das Konzept kam an: Seine besten Zeiten hatte Body Shop in den 1980er und 1990er Jahren, sah sich später aber immer stärkerer Konkurrenz von Unternehmen mit einem ähnlichen Geschäftsmodell ausgesetzt.
Das spiegelte sich in der Bewertung wider. 2006 kaufte der französische Kosmetikriese L'Oreal Body Shop, reichte es aber vor einiger Zeit für eine Milliarde Euro an den brasilianischen Naturkosmetik-Hersteller Natura & Co weiter. Dieser wiederum gab im vergangenen November den Verkauf an die Beteiligungsgesellschaft Aurelius für umgerechnet 242 Millionen Euro weiter. Aurelius hatte sich bei The Body Shop indes verzockt. Kurz nach der Übernahme musste die Naturkosmetik-Kette The Body Shop in Großbritannien Insolvenz anmelden, wenig später folgte die deutsche Vertriebs- und Lizenzgesellschaft.
Der britische Insolvenzverwalter verhandelte zunächst nur mit Aurelius über die Fortführung des Geschäfts. Es kam jedoch nicht zu einer Einigung. Mittlerweile wurde die britische Body Shop von der Auréa Group übernommen, geführt vom britischen Investor Mike Jatania.
Lange Zeit blieb daraufhin unklar, wie es weitergeht. Im September 2024 sicherte sich der deutsche Manager und Investor Stefan Herzberg die Filialen in Deutschland. Er übernahm 21 der einst 45 deutschen Shops, sowie fünf Filialen in den Niederlanden.
Die Beispiele zeigen, dass selbst starke Marken in die Krise geraten können. Immerhin, für die meisten Unternehmen bedeutete die Insolvenz nicht das endgültige Aus, sondern vielmehr die Chance auf eine umfassende Sanierung - und damit auch auf ein Comeback.
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