Feinkostunternehmen: Die Lust auf exklusives Essen
Frische Oliven, hier mit Mandeln gefüllt, sind der Verkaufsschlager bei Dittmann.
Foto: HandelsblattDie Frauen tragen Fleecepullover unter weißen Kitteln. Ihre roten Wangen zeigen an, dass sie schon einige Zeit in der acht Grad kalten Halle arbeiten. Sie sprechen nicht viel. Sie legen mit behandschuhten Fingern die Auberginen in Kräuteröl schnell und präzise in die durchsichtigen Plastikschalen. Ein kurzer Blick auf die Waage zeigt ihnen, dass sie sich – wie so oft – genau 100 Gramm gegriffen haben. Dann werden die Schälchen zugeklebt, in Kisten gestapelt und abtransportiert. Die Lieferung geht für Lidl nach Norwegen.
Weil immer mehr Menschen weniger Zeit in der Küche verbringen, aber mehr von ihnen Wert auf mediterranes Essen legen, beliefern die Laster von Feinkost Dittmann aus dem beschaulichen Taunusstein in Hessen 8100 Supermärkte mit mehr als 1000 Produkten, rund 600 unter der Marke Feinkost Dittmann, die anderen unter Marken wie zum Beispiel Ponti oder Real Thai.
Das 4-Euro-Wasser
Es ein richtiges Schnäppchen unter den Premium-Wassern: „MaHaLo“. Das hawaiianische Tiefseewasser soll “natürlich sauber, rein, kalt und voller Mineralien” sein, preist es das Unternehmen an. Dafür zahlen Genießer des Mineralwassers etwa 4 Euro für die Flasche und kommen damit noch sehr günstig weg…
Foto: PressebildDas 23-Euro-Wasser
Das preisgekrönte Wasser „Cape Karoo“ stammt aus Südafrika und wird in Paardeberg im Westkap abgefüllt. Das besondere an diesem Mineralwasser soll das positive pH-Level und der ausgewogene Mineralgehalt sein. Dafür zahlen Liebhaber des „Cape Karoo“ auch mal 23 Euro pro Flasche.
Foto: PressebildDas 25-Euro-Wasser
“10 Thousand BC” heißt das Mineralwasser in der hübschen Flasche, das es für 25 Euro pro Liter zu kaufen gibt. Dieses Wasser besteht aus aufgetautem Gletschereis aus der Eiszeit. Deshalb soll es angeblich das „reinste Wasser der Welt“ sein.
Foto: PressebildDas 26-Euro-Wasser
Laut Etikette besteht das Wasser Namens „Cloud Juice“ aus 9.750 Tropfen Regenwasser aus Tasmanien. Deshalb soll es eines der saubersten Wasser der Welt sein – dafür muss ein Käufer dann eben auch 26 Euro auf den Tisch legen.
Foto: PressebildDas 28-Euro-Wasser
Das Mineralwasser „Lauquen“ kommt aus Argentinien. In der Region Patagonia entspringt die Quelle 533 Meter tief unter den Bergen. Wer dieses Wasser einmal auf der Zunge schmecken möchte, muss 28 Euro pro Flasche zahlen.
Foto: PressebildDas 31-Euro-Wasser
Noch vergleichsweise nah dran an Deutschland, aber ebenso kostenspielig wie die Übersee-Wässerchen, ist das Mineralwasser „Veen“. Das stammt aus der Konisaajo-Quelle im Norden Finnlands. Dieses Wasser soll besonders weich sein und kostet deshalb 31 Euro.
Foto: PressebildDas 33-Euro-Wasser
„Cape Grim“ ist wie „Cloud Juice“ ein tasmanisches Regenwasser, kostet aber noch ein paar Euro mehr. Das vertreibende Unternehmen behauptet es sei „reiner als Mineral- oder Quellwasser“ und verlangt deshalb für „Cape Grim“ 33 Euro.
Foto: PressebildDas 35-Euro-Wasser
Ein feines Wasser aus unserem Nachbarland: „OGO“ . Das Mineralwasser aus den Niederlanden soll einen besonders hohen Sauerstoffanteil enthalten und dem Trinkenden deshalb besonders viel Energie verleihen. Ob es wirkt, kann jeder Interessierte für 35 Euro ausprobieren.
Foto: PressebildDas 123-Euro-Wasser
„Bling, bling“ macht es nicht nur in der Kasse des Unternehmens, wenn das Edelwasser aus den USA über die Ladentheke geht, sondern sollte es auch in den Augen der Käufer machen, den „Bling h2o“ gibt es für wahnsinnige 123 Euro die Flasche zu kaufen. Das Mineralwasser kommt aus einer Quelle im US-amerikanischen Dandridge und wurde zum besten Mineralwasser der Welt gewählt. Der Luxus zeigt sich auch auf der Flasche: Echte Swarovski-Kristallen glitzern auf der Flasche.
Foto: WirtschaftsWocheDas 124-Euro-Wasser
„Rokko No Mizu“ ist die Nummer Eins unter den Luxus-Mineralwassern. Das teuerste Wasser der Welt kommt aus dem japanischen Rokko-Gebirge. Kaum zu glauben: Wer das Wasser vor Ort kauft, muss nicht einmal einen Euro pro Liter bezahlen.
Foto: dpa/dpaweb"Die Verbraucher beschäftigen sich heute mehr mit dem Thema Ernährung und Lebensmitteln", urteilt Bettina Willmann, Bereichsleiterin für Forschung und Konzepte beim Institut für Handelsforschung (IfH).
Lieber frisch als aus dem Glas
Die Deutschen konsumieren bewusster - und Peperoni oder Oliven haben einen gesunden Ruf. "Feinkostprodukte ermöglichen hochwertiges Essen ohne hohen Aufwand", sagt Bettina Willmann. Auberginen, Artischocken und andere Antipasti findet jeder Kunde in den Regalen von Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Co. Und weil die Kunden immer weniger aus Dose und Glas konsumieren und lieber Ware aus Frischetheken, die nur rund acht Tage hält, in ihrem Supermarkt kaufen, müssen die Arbeiterinnen bei Feinkost Dittmann eben frieren.
Vor 111 Jahren startete das Unternehmen mit Sardellenpaste, heute setzt Feinkost Dittmann mehr als 155 Millionen Euro um, der Gewinn liegt im Schnitt bei zwei bis vier Prozent des Umsatzes. "Wir sind zufrieden", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Timm Reichold. Seit 2000 führt er das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Thorsten.
Etwa zwölf Prozent ihres Einkommens geben Deutsche für Nahrungsmittel aus. Und es wird mehr, sagt Willmann. Auch wenn die Deutschen noch weit von Genussverhalten von Franzosen und Italienern entfernt sind, die rund 20 Prozent ihres Einkommens für Essen ausgeben.
Sapporos Space Bareley
Preis pro Flasche: 110 Dollar pro Sechserpack
Alkoholgehalt: 5,5 Prozent
Das Bier der japanische Sapporo-Brauerei wird aus den Nachfahren von Sprösslingen von Gerstenkörnern gebraut, welche die Erde auf der Internationalen Raumstation ISS umkreist haben. Nur 250 Sechserpacks wurden hergestellt. Die Flasche kostet umgerechnet rund 12 Euro.
Foto: Sapporo BreweriesPabst: Blue Ribbon 1844
Inhalt: 720 ml
Preis pro Flasche: 44 Dollar
Dieses Gebräu gilt in China als der Mercedes unten Bieren. Es wird mit deutschen Karamel-Malz gebraut und lagert in nicht-getoasteten amerikanischen Whiskey-Fässern. Braumeister Alan Kornhauser hat das PBR 1844 als Konkurrenz zu Luxusweinen und Weinbrand konzipiert. Das Bier wird ausschließlich auf dem chinesischen Markt verkauft.
Brewdog: Sink the Bismarck
Inhalt: 375 ml
Preis pro Flasche: 80 Dollar
Alkoholgehalt: 41 Prozent
Mit dem mittlerweile ausverkauften "Sink the Bismarck" wollte die Kult-Brauerei Brewdog den deutschen Kollegen von Schorschsbräu den Titel den stärksten Bieres der Welt streitig machen. Geklappt hat es nicht, aber das Bier war trotzdem ein voller Erfolg - was nicht unbedingt am Geschmack gelegen haben kann. Das Bier hat viermal so viel Hopfen wie gewöhnlich und ist auch viermal so bitter. Nachfolger des "Sink the Bismarck" ist das "Tactical Nuclear Penguin"-Bier.
Tutankhamun Ale
Inhalt: 500 ml
Preis pro Flasche; bis zu 75 Dollar
Alkoholgehalt: 6 Prozent
Der Archäologe Dr. Barry Kemp von der Universität Cambridge entdeckte 1990 die königliche Brauerei der ägyptischen Königin Nefertiti. In den Brauereikammer stieß er auf antike Bierreste. Mit deren Hilfe entschlüsselte er ein 3250 Jahre altes Bierrezept. Gemeinsam mit dem schottischen Brauer Jim Berrington braute er 1000 Flaschen des königlichen Biers. Die erste wechselte für gut 7 Dollar den Besitzer, weitere folgten für bis zu 75 Dollar.
Foto: Gemeinfrei
Crown: Ambassador Reserve
Inhalt: 750 ml
Preis pro Flasche: 90 Dollar
Alkoholgehalt: 10,2 Prozent
Dieses Bier reift 12 Monate lang in französischen Eichenfässer und wird in Champagner-Flaschen abgefüllt. So stilvoll kredenzt möchte die Brauerei Crown das 90-Dollar-Fläschen als Alternative zum Wein verstanden wissen. Die Australier haben seit 2008 vier Jahrgänge produziert. Jedes Jahr werden nicht mehr als 8000 Flaschen abgefüllt.
Samuel Adams: Utopias
Inhalt: 700 ml
Preis pro Flasche: 150 Dollar
Alkoholgehalt: 27 Prozent
Utopias gilt als das teuerste Bier der Vereinigten Staaten. Es reift bis zu 18 Jahren in ausgedienten, Sherry-, Cognac- und Whiskeyfässern. Nur alle zwei Jahre kommt eine neue Charge auf den Markt. Typisch für Utopias ist ein Hauch Ahorn-Sirup. In dreizehn US-Staaten ist Utopias allerdings aufgrund seines hohen Alkoholgehalts verboten.
Schorschbräu: Schorschbock 57
Inhalt: 330 ml
Preis pro Flasche: bis zu 275 Dollar
Alkoholgehalt: 57,5 Prozent
Schorschbock 57 ist eines der stärksten Biere der Welt. Der deutsche Braumeister Georg Tscheuschner füllte 36 Flaschen ab, jede ging für 200 Dollar und mehr über den Ladentisch.
Carlsberg Jacobsen Vintage
Inhalt: 375 ml
Preis pro Flasche: 400 Dollar
Alkoholgehalt: 10,5 Prozent
Seit 2008 produzieren die Dänen die "Vintage Triologie", mit der sie den Weinmarkt aufmischen wollen. Der Fast-Wein lagert sechs Monate lange in schwedischen und französischen Eichenfässern. Ursprünglich wurde das Edel-Bier für ein Luxusrestaurant in Kopenhagen abgefüllt - 600 Flaschen pro Jahr.
Foto: PresseNail Brewing: Antarctic Nail Ale
Preis pro Flasche: Versteigerungswert bis zu 800 Dollar
Die australische Brauerei Nail spendet den gesamten Gewinn aus dem Verkauf des Antarctic Nail Ale der Sea Shepherd Conservation Society - einer international tätigen Organisation zum Schutz der Weltmeere. Um auf sich aufmerksam zu machen, flog ein Hubschrauber der Umweltschützer in die Antarktis und brachte geschmolzenes Eis an die australische Westküste in die Nail-Brauerei, die damit das Spezialbier ansetzte. Nur 30 Flaschen wurden abgefüllt. Die erste wechselte bei einer Auktion für den guten Zweck für 800 Dollar den Besitzer.
Brewdog: End of history
Inhalt: 330 ml
Preis pro Flasche: 765 Dollar
Alkoholgehalt: 55 Prozent
Mit dem belgischen Blonden wollte die Brewdog-Crew endlich das Rennen um das stärkste Bier der Welt gewinnen und nannte sein Werk daher "End of history" - "Das Ende der Geschichte". Gereicht hat es nicht ganz - das Bier ist das aktuell drittstärkste der Welt. Brennnessel und Wachholderbeeren aus dem schottischen Hochland verleihen dem Gebräu eine eigenwillige Note. Noch gewöhnungsbedürftiger als der Geschmack ist die Verpackung. Nur 12 Flaschen wurden abgefüllt. Jede steckt in einem überfahrenen und anschließend präparierten Tierkadaver - sieben Wiesel, vier Eichhörnchen und einem Feldhase.
Die Feinkostbranche wächst überdurchschnittlich. Laut Berechnungen des IFH stieg in den vergangenen zehn Jahren der Umsatz mit Lebensmitteln jährlich um nur 1,4 Prozent, während Oliven, Kapern und Soßen einen jährlichen Anstieg von 5,5 Prozent verzeichneten. Besonders hilfreich für das Wachstum sind dabei gesonderte Plätze der teureren Feinkostprodukte in den Märkten, sagt Tim Brzoska, Handelsexperte bei der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners. Wichtig seien aber auch "Serviceleistungen, wie Verkostungsproben oder Beratung in den fünf großen Handelsketten, darunter auch die großen Feinkostanbieter: Kattus, Rila oder eben Dittmann. Timm Reichold, der selbst nach seiner Banklehre drei Jahre als Marktleiter bei Rewe arbeitete, setzt in diesem Wettbewerb auf engen Kundenkontakt.
Der Markt ist umkämpft: 50 000 Hersteller buhlen um die Plätze in den fünf großen Handelsketten. 23 Bezirksleiter und drei Agenturen kümmern sich bei Feinkost Dittmann um mehr als 500 Ansprechpartner bei den einzelnen Märkten. Reichold fährt mindestens dreimal in der Woche mit zu solchen Treffen. "Das ist zeitintensiv, aber ich muss ja wissen, wo die Trends hingehen."
Bio ist Luxus
Daher weiß Reichold, dass Bioprodukte zwar immer beliebter werden, die Verbraucher aber zumindest in den normalen Supermärkten nicht bereit sind, das Doppelte des normalen Preises zu zahlen. "Sie zahlen allenfalls zehn bis 20 Prozent mehr", sagt der 54-Jährige. Dennoch hat Reichold das Thema Bio noch nicht von seiner Agenda genommen. Sein Unternehmen beliefert namhafte Biomarken mit biozertifizierten Soßen, Brotaufstrichen und Antipasti und die Familotel-Gruppe mit Bio-Eiernudeln und Tomatensoße in Bioqualität.
"Dittmann ist nicht so leicht austauschbar", urteilt Dirk Radermacher vom Verband der Hersteller kulinarischer Lebensmittel. Zudem besetze das Unternehmen eine Nische. Die Mengen seien nicht so groß und man könne auf Trends reagieren.
"Es ist ein Vorteil, kurze Wege zu haben und nicht zwei Jahre zu planen", sagt Radermacher. Die kurzen Wege zeigen sich bei den neuesten Produkten, wie knackig eingelegter deutscher Spargel im Glas - einer Idee von Timm Reichold, die er bei seiner Produktentwicklung in Auftrag gab - oder einem neuen PVC-freien Verschluss, den Dittmann seit einem Jahr verwendet.
So können keine Weichmacher mehr in die Produkte gelangen und es entstehen keine Dioxine bei der Müllverbrennung. Der Deckel wurde bei der Ernährungsmesse Anuga mit dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet. Reichold ist sich sicher, dass sich seine Investition lohnt und viele Nachahmer findet. "In ein bis zwei Jahren werden Deckel mit PVC vom Markt verschwunden sein."