Ausfälle durch Omikron Corona-Ausfälle: Der Druck in Homeoffice-armen Unternehmen ist groß

Das Dashboard des RKI am 7. April: Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 1251,3. Quelle: imago images

Der Krankenstand durch Corona erreicht neue Höchststände. Vor allem Unternehmen, die eben nicht aufs Homeoffice setzen können, stellt das vor Probleme. Und dann ist da auch noch Gesundheitsminister Karl Lauterbach.

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So schnell wird in Coronazeiten also das Personal knapp – etwa zum Ärger der Passagiere des Frankfurter Flughafens. Noch Mittwochmorgen berichtete die Fraport genannte Betreibergesellschaft des größten deutschen Airports und ihr wichtigster Kunde Lufthansa auf Anfrage der WirtschaftsWoche übereinstimmend, dass sie wegen der hohen Zahl von Coronainfektionen keine Verbindungen absagen müssen. Am Nachmittag kam dann die Korrektur. Man unternehme „verschiedene Maßnahmen zur Stabilisierung des Betriebs wegen betrieblicher Herausforderungen (Verkehrsspitzen, Pandemiefolgen, Personalmangel), vermeldete der offizielle Twitteraccount des Frankfurter Flughafens. Und verkündete „Flugabsagen als vorsorgliche Maßnahmen“. Hierzu zählen unter anderem eine Reihe innerdeutscher Lufthansaflüge, für die die Passagiere nun per Bahn anreisen müssen.

Das sei am Vormittag noch nicht absehbar gewesen und rühre nicht aus der aktuellen Coronawelle, sondern aus einem allgemeinen Personalmangel, entschuldigte sich ein Sprecher. Lufthansa hingegen reagierte offiziell gelassen und erklärte, sie habe genug Mitarbeiter für alle Fälle. Hinter den Kulissen ist die Stimmung etwas gereizt. „Die Dienstleister am Flughafen und auch Fraport haben zuerst zu viele Leute rausgeworfen und zu wenig neue eingestellt, als die Zahl der Buchungen und der Infizierten zunahm“, so ein Lufthansamanager.

Anderswo ist die Lage noch weitaus schlimmer: In Großbritannien mussten Easyjet und British Airways in den vergangenen Tagen Hunderte Flüge absagen, weil zu viele Mitarbeiter in Quarantäne mussten. Solche Ausfälle erwartet die Branche in Deutschland nicht. Für den Optimismus sorgen vor allem die strengen deutschen Hygieneregeln an Bord und am Boden. Während es etwa in Großbritannien und auch den Benelux-Staaten trotz deutlich höherer Inzidenzen keine Maskenpflicht mehr gibt, müssen in deutschen Flugzeugen und Terminals alle Kunden und Mitarbeiter weiterhin eine FFP2-Maske tragen. In den kritischen Bereichen wie den Verkehrsleitstellen gilt zudem weiterhin die 3G-Regel. „Damit ist es deutlich weniger wahrscheinlich, dass sich Mitarbeiter bei ihren vielen oft engen Kundenkontakten anstecken und in Quarantäne müssen“, so ein Lufthansamanager.  

Der Arbeitsplatz als Hotspot?

Das Chaos am Frankfurter Flughafen, aber auch die Zuversicht bei der Lufthansa zeigt beispielhaft, wie die deutsche Wirtschaft derzeit der Omikronwelle zu trotzen versucht: Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt zwar, aber die Infektionszahlen sind mehr als zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie weiter hoch. In Deutschland betrug die Zahl der Neuinfektionen am Donnerstag 201.729 Menschen. Die Aufhebung der Maskenpflicht dürfte, so sorgen sich nicht wenige, das Infektionsgeschehen eher wieder beschleunigen statt es zu bremsen. Und die nun von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigte Regelung, wonach sich von Mai an diejenigen, die mit einem Infizierten in Kontakt waren, nicht mehr in Quarantäne begeben müssen, schürt unter vielen Beschäftigten zusätzliche Ängste: Wird der Arbeitsplatz zum gefährlichen Hotspot?

Die Wirtschaft ächzt vor allem unter den Folgen der höchst ansteckenden Omikronvariante: Nach einer Auswertung der Krankenkasse Barmer hat die Zahl der arbeitsunfähigen Menschen in Deutschland Mitte März einen Rekord erreicht. Vom 14. bis zum 20. März waren 59.502 bei der Barmer versicherte Beschäftigte wegen einer Coronainfektion krankgeschrieben – so viele wie nie seit Beginn der Pandemie. Zu Spitzenzeiten der ersten Coronawelle seien es bis zu 25.100 Erwerbstätige gewesen – und damit nicht einmal halb so viele. Die Barmer versichert 4,2 Millionen Erwerbstätige und ist damit eine der größten Krankenkassen in Deutschland.

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Am stärksten von coronabedingten Arbeitsausfällen ist derzeit Mecklenburg-Vorpommern betroffen. Hier konnten in diesem Zeitraum etwa 27 von 1000 Menschen, die Anspruch auf Krankengeld haben, wegen Corona nicht zur Arbeit gehen. Die Bahn musste in dem Bundesland deshalb bereits Zugverbindungen streichen. Im Bundesschnitt waren es gerundet 17 von 1000. Auch in Thüringen und Bayern lag der Krankenstand hoch. Am wenigsten Krankschreibungen gab es in Hamburg, hier waren rund sieben von 1000 versicherten Erwerbstätigen wegen Corona nicht arbeitsfähig.

Auch die Deutsche Bahn meldet einen Krankenstand, der „aktuell über dem Durchschnitt“ liege, heißt es bei dem Unternehmen. Die Tendenz sei leicht rückläufig – und spiegele in etwa den Trend bei den bundesweiten Corona-Inzidenzen wider. „Wir haben wo nötig die Betriebsabläufe an die Lage angepasst“, sagt eine Sprecherin. Der erhöhte Krankheitsstand habe in den vergangenen Wochen „punktuell“ negative Auswirkungen auf den Bahnbetrieb gehabt. Fahrgäste seien „von geringen regionalen Einschränkungen betroffen“ gewesen.

Dabei ist der Druck vor allem in Industrie, Handwerk und überall dort also, wo die Arbeit nicht im Homeoffice erledigt werden kann, am größten. Für die Unternehmen besteht nach wie vor das Risiko von Produktionsausfällen. In einer aktuellen Auswertung der Förderbank KfW gab jeder vierte der 2400 befragten Mittelständler an, wegen vermehrter Personalausfälle unter Problemen im Geschäftsbetrieb zu leiden. Der KfW zufolge waren dies zehn Prozentpunkte mehr als im September 2021. Wie gehen sie mit den Ausfällen um?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte am Dienstag zunächst angekündigt, die Quarantänepflicht für Infizierte aufzuheben, um kurz darauf in einer Fernsehsendung und per Tweet mitten in der Nacht klarzustellen, dass es doch dabei bleibe. Danilo Frasiak, Geschäftsführer der Büromarkt Böttcher AG, nennt Lauterbachs „Rolle rückwärts“ ein „kommunikatives Desaster“. So, wie es nun kommen soll, hätte es laut Frasiak von Anfang an laufen müssen: „Bei einer Infektion halten wir Quarantäne für richtig.“ Dass sich jemand schon nach dem Kontakt zu einem Infizierten isoliert, sei angesichts des hohen Impfschutzes aber nicht notwendig.

Tatsächlich hat wohl kaum ein Unternehmen eine so hohe Impfquote wie Böttcher. Das E-Commerce-Unternehmen aus Jena hatte im November 2021 eine Impfprämie von 5000 Euro an alle Mitarbeiter ausgelobt, die bis Mitte Januar geimpft sein würden. So erhöhten die Manager die Impfquote von 60 auf 88 Prozent. Inzwischen liege sie bei über 90 Prozent, sagt Frasiak. Die Quarantäne zu verkürzen, hält er deswegen für den richtigen Schritt.

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