Elf Fragen zur US-Wahl: Was passiert bei einem Patt? Werden die Wahlen manipuliert?
US-Wahl: Hillary Clinton oder Donald Trump - Wer darf ins Weiße Haus einziehen?
Foto: Collage, Marcel Stahn, REUTERS, dpa Picture-AllianceDie USA wählen einen neuen Präsidenten. Was geht uns das in Deutschland an?
Am liebsten würde man sich angewidert abwenden. Der Wahlkampf in den USA ist bestenfalls skurril, vielmehr aber schockierend. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump schimpft auf Einwanderer, die muslimische Welt und China; seine demokratische Gegenspielerin Hillary Clinton beschimpft die potenziellen Trump-Wähler und steckt tief im Sumpf ihrer E-Mail-Affäre. Können wir die USA nicht einfach machen lassen und uns um Europa und unsere eigenen Probleme kümmern?
So einfach ist es nicht. Die USA sind das mächtigste Land der Welt – und ein unverzichtbarer Partner für Deutschland. Als Handelspartner und in der Außenpolitik. Beispiel Syrien-Krise: Der ultimative Auslöser der Flüchtlingskrise lässt sich nur international lösen. Ziehen sich die USA zurück, entsteht ein Vakuum, das den Konflikt in die Länge ziehen und den IS erstarken lassen würde. Im Ukraine-Konflikt standen die USA fest an der Seite der Ukrainer und Europäer und machten deutlich, dass sie nicht gewillt sind, Russlands Präsident Wladimir Putin tatenlos zuzuschauen, sollte er seinen Großmachtphantasien Nachdruck verleihen. Während Trump keine Strategie gegen den IS hat und am Sinn des Militärbündnisses Nato zweifelt, hat sich Clinton klar zu den US-Partnern im Westen bekannt und angekündigt, die bisherigen US-Angriffe gegen den IS weiterführen und ausbauen zu wollen.
Hillary Clinton (ca. 1,65 Meter) an der Seite von Basketball-Superstar Lebron James (2,03 Meter) bei einem Auftritt am Sonntag in Cleveland, Ohio.
Foto: REUTERSWenige Stunden zuvor: Clinton besucht eine Kirche im Bundesstaat Pennsylvania.
Foto: REUTERSDonald Trump bei einem Stopp in Minneapolis, Minnesota, am Sonntag.
Foto: REUTERSAm Samstag moderierte Melania Trump ihren Ehemann bei einer Veranstaltung in Wilmington, North Carolina, an. Danach gab es Küsschen.
Foto: APIn Berwyn, Pennsylvania, hatte Melania Trump vergangene Woche eine Rede gehalten – recht hölzern vom Teleprompter abgelesen. Sie sprach sich für einen besseren Umgangston in sozialen Netzwerken aus. Es war ihr zweiter bedeutender Auftritt im Wahlkampf ihres Mannes.
Foto: APAm Samstag gab der Popstar ein Konzert und präsentierte einen Mantel: „Ich unterstütze Madam President.“
Foto: REUTERSDer Song „Roar“ der 32-Jährigen wird regelmäßig auf Clinton-Wahlkampfveranstaltungen gespielt.
Foto: REUTERSSchrecksekunde am Samstag in Reno, Nevada. Im Laufschritt führen Sicherheitsbeamte Donald Trump (Mitte) von der Bühne ...
Foto: REUTERS... ein Zuschauer hatte „Waffe“ gerufen, doch es fand sich keine Waffe. Ein Mann, der durchsucht wurde, hatte ein Plakat „Republikaner gegen Trump“ hochgehalten. Trump erschien wenig später und scheinbar unbeeindruckt wieder auf der Bühne und setzte seine Rede fort.
Foto: APEin sechs Monate altes Baby hebt Donald Trump bei einem Auftritt Tampa, Florida, hoch.
Foto: APHart gesotten, aber mit pinkfarbener Handy-Hülle: Ein Zuhörer bei einer Trump-Veranstaltung in Tampa, Florida, am Samstag.
Foto: REUTERSAnhänger Trumps bei einem Auftritt in Denver, Colorado – ebenfalls am Samstag.
Foto: APClinton in Pembroke Pines, Florida, am Samstag.
Foto: REUTERSEine weinende Frau auf einer Clinton-Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania.
Foto: APHillary Clinton sprach am Freitagabend in Cleveland – auf einem Wahlkampfkonzert des Rappers Jay Z.
Foto: APNicht nur Jay Z, auch dessen Ehefrau Beyoncé (l.) kam auf die Bühne, um für Clinton zu werben.
Foto: DPAClinton vor einem Auftritt in Detroit, Michigan.
Foto: REUTERSObama ist derzeit mehrfach täglich für Hillary Clinton im Einsatz, hier kommt er in Charlotte, North Carolina, an.
Foto: APIm Vorwahlkampf war Bernie Sanders unterlegen, jetzt wirbt er für Hillary Clinton im Wahlkampf. Hier in Colorado am Samstag.
Foto: APDonald Trump Jr.: Als Wahlkämpfer für den Vater im Einsatz, hier bei einem Auftritt in Arizona.
Foto: APSelbstbewusst hat Trump zur „Siegesfeier“ am 8. November nach New York geladen. Techniker installieren vor dem Veranstaltungsort zusätzliche Sicherheitskameras.
Foto: APMehrfach am Tag steigt Donald Trump in sein Flugzeug, um zu weiteren Auftritten zu reisen.
Foto: APZuletzt sind sich die Maschinen vor wenigen Tagen in Raleigh, North Carolina, auf dem selben Flughafen begegnet. Dieses Bild zeigt ein Zusammentreffen in Las Vegas, Nevada, am 18. Oktober. Sowohl North Carolina als auch Nevada zählen zu den umkämpften Staaten, sodass beide Kandidaten dort häufiger aufgetreten sind.
Foto: REUTERSIn Wirtschaftsfragen unterscheiden sich beide Kandidaten nicht ganz so deutlich. Sowohl Trump als auch Clinton sehen den Freihandel kritisch, wollen die USA abschotten und die Unternehmen zwingen, mehr Jobs in Amerika zu schaffen. Für Deutschland eine schlechte Nachricht. Mit keinem anderen Land hat die Bundesrepublik im vergangenen Jahr mehr Handel betrieben als mit den USA. 2015 wurden laut dem Statistischen Bundesamt Waren im Wert von 173,2 Milliarden Euro zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten ausgetauscht. Neue Rekordzahlen wird es künftig wohl nicht geben: Das transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) dürfte unter beiden Kandidaten nur noch geringe Chance haben, Clinton aber dürfte etwas weniger restriktiv gegen ausländische Unternehmen durchgreifen als Trump.
Wer gewinnt die Wahlen?
Hillary Clinton geht als große Favoritin in den Wahltag. Die "New York Times" beziffert ihre Siegchancen auf 85 Prozent. Donald Trump steht bei 15 Prozent. Die Wahlbeobachter von "fivethirtyeight.com" beziffern Clintons Siegchancen immerhin noch auf 68,5 Prozent.
Der Hintergrund: Clinton hat 216 von den benötigten 270 Wahlmänner-Stimmen bereits so gut wie sicher. Aufgrund von Bevölkerungsstruktur, Historie und Umfragen ist es klar, dass sie in Staaten wie Kalifornien, New York oder Illinois gewinnen wird. Trump hat nur 164 Stimmen sicher.
Sollte Clinton von den 14 umkämpften Staaten alleine Florida, Pennsylvania und Colorado holen, ist sie bereits durch. Fällt ein Staat weg, kann sie mit Siegen in Michigan, Maine oder North Carolina locker ausgleichen. Trump hat weitaus weniger Optionen. Er muss Florida, North Carolina und Ohio gewinnen, um eine realistische Siegchance zu haben. Ausgeschlossen ist das nicht. Erinnert sei an das Brexit-Votum, bei dem alle Umfrageinstitute falsch lagen.
Werden die Wahlen manipuliert?
Beide Präsidentschaftskandidaten fürchten, dass das Votum manipuliert werden könnte. Trump stachelte seine Wähler an, dass es Wahlbetrug sein müsse, wenn er verlieren sollte. Clinton hingegen glaubt, dass Russland versuchen könnte, die Abstimmung zu beeinflussen.
Wahr ist: Hacker haben sich Zugang zu den Wählerverzeichnissen von Illinois und Arizona verschafft. Das bestätigte das FBI. Laut Medienberichten sollen die Wählerdatenbanken von mehr als 20 US-Bundesstaaten angegriffen worden sein. Offenbar wurden aber keine Daten geändert. Vielmehr ging es den Hackern darum, die Informationen zu verkaufen. Selbst wenn die Datenbanken verändert worden wären: die Bürger könnten trotzdem noch wählen gehen. Das Chaos über unterschiedliche Daten würde aber wohl zu Verzögerungen führen.
Der zweite Angriffspunkt sind elektronische Wahlmaschinen, die in einigen Bundesstaaten zum Einsatz kommen. Über zwei Drittel der Wähler machen ihr Kreuz auf Papier. Betrug von außen: unmöglich. Knapp ein Drittel aber wird elektronische Wahlmaschinen benutzen, die per se angreifbar sind – sollte ein Angreifer physischen Zugang zu dem einzelnen Gerät haben. Ans Internet angeschlossen sind die Maschinen nämlich nicht. Und: Die Geräte drucken nach jeder Stimmabgabe einen Beleg aus, auf dem die Wähler überprüfen können, ob alles seine Richtigkeit hat.
Rund sieben Millionen Maschinen älterer Jahrgänge drucken keinen Beleg aus. Diese Geräte sind folglich am ehesten manipulierbar. Aber: Herauszufinden, wo diese Geräte zum Einsatz kommen und dann jedes einzelne von ihnen zu manipulieren, erfordert jede Menge Wissen und Ressourcen. Kurzum: Manipulationen im großen Stil dürften nahezu ausgeschlossen sein.
Sind die US-Wahlen undemokratisch?
Das Wahlsystem in den USA unterscheidet sich fundamental von dem deutschen Urnengang zur Bundestagswahl. Wie bei uns sind die Wahlen geheim – die Stimmabgabe erfolgt unbeobachtet und unbeeinflusst in einer Wahlkabine – und frei. So kann sich ein jeder US-Bürger theoretisch zur Wahl aufstellen lassen, für den Bürger gibt es am Wahltag mehrere Kandidaten zur Auswahl.
Das Problem: Nicht jede Stimme zählt gleich viel. In den USA wird der Präsident über Wahlmänner bestimmt. Zwar schickt jeder Bundesstaat abhängig von seiner Größe eine unterschiedliche Zahl an „Electorals“ zur Präsidentenwahl. Kleine Staaten aber werden dabei bevorzugt. So repräsentiert ein Wahlmann aus Kalifornien über 677.000 Bürger, ein Entsandter aus New Hampshire aber nur gut 329.000 Bürger. Jede Stimme hat damit nicht gleich viel Gewicht. „Die Gründungsväter der USA fürchteten, dass kleine Staaten wie New Hampshire unbedeutend werden“, erklärt Geoffrey Skelley, Politikwissenschaftler an der University of Virginia. „Heute genießt es als Swing State große Aufmerksamkeit. Ohne das Wahlmänner-System würde der Staat vollkommen ignoriert. Aber ja, es ist ein Kompromiss, der durchaus Schwächen aufweist.“
Wieso wählen die Amerikaner eigentlich dienstags?
Seit mehr als 160 Jahren wird der mächtigste Mann des Landes an einem Dienstag im November gewählt. Der US-Kongress hatte im Jahr 1845 diesen Termin einheitlich für die Wahl der Wahlmänner der damals erst aus 28 Bundesstaaten bestehenden Vereinigten Staaten festgelegt. In dem Agrarland Amerika sollte der Wahltag zeitlich so liegen, dass die Ernte bereits eingefahren ist. Zugleich durfte der Termin nicht in den Winter fallen, damit die Wähler aus den meist ländlichen Gebieten nicht durch zu schlechtes Wetter an ihrer Reise zum nächsten Wahllokal gehindert wurden.
Den Sonntag schloss der Gesetzgeber als Wahltag aus, weil dies für die religiösen Amerikaner der Tag des Herrn war. Der Montag galt als Anreisetag, denn damals gab es meist nur in der Bezirkshauptstadt die Möglichkeit zu wählen. Der Donnerstag fiel gänzlich aus, weil an dem Tag die damals ungeliebten Briten ihr Parlament wählten. Der Freitag galt als ungünstig, weil man sich auf den Samstag, den traditionellen Markttag, vorbereiten musste. So blieben nur noch der Dienstag oder der Mittwoch übrig.
Die Wahl fiel schließlich auf den Dienstag nach dem ersten Montag im November. Dadurch wurde ausgeschlossen, dass der Wahltag auf einen 1. November fällt. Denn am ersten Tag eines Monats wurden an vielen Orten Gericht gehalten. Auch führten Händler ihre Bücher für den vorangegangenen Monat. Und es ist Allerheiligen – ein Kirchenfest.
Hillary Clinton (zweite von links, Aufnahme aus dem Jahr 1969) wird am 26. Oktober 1947 als erstes von drei Kindern von Dorothy und Hugh E. Rodham, mittelständischer Textilunternehmer, geboren. Von 1961 bis 1965 ist sie Schülerin der Maine Township East High und Maine South High in Park Ridge, Illinois. Von 1965 bis 1969: Studium der Politikwissenschaften mit Nebenfach Psychologie am Wellesley College.
Foto: REUTERSHillary Clinton (rechts im Bild, Aufnahme aus dem Jahr 1992 mit ihren Eltern Dorothy und Hugh).
Erste politische Schritte macht sie 1964 als Wahlhelferin des konservativen Republikaners Barry Goldwater. 1969 bis 1973: Studium der Rechtswissenschaften an der Yale Law School in New Haven; Engagement für Kinder- und Familienrecht. 1970 engagiert sie sich als Wahlkampfhelferin für die Senatskampagne des Demokraten Jospeh Duffey
Foto: AP
1973 bis 1974 war Clinton Juristin für den "Children's Defense Fund" sowie den Justizausschuss des Repräsentantenhauses während des Watergate-Skandals um Präsident Nixon. Im Bild zu sehen ist die Gründerin der Non-Profit-Organisation, Marian Wright Edelman (Mitte).
Zwischen 1974 und 1978 ging sie einer Lehrtätigkeit an der University of Arkansas School of Law nach.
1975 heiratete sie Bill Clinton, seinerzeit ebenfalls Dozent an der University of Arkansas School of Law, unter Beibehaltung ihres Mädchennamens Rodham.
Foto: APVon 1977 bis 1992 war Hillary Clinton Anwältin und Partnerin der Kanzlei Rose in Little Rock, Arkansas. Von 1979 bis 1981 dauerte die erste Amtszeit von Ehemann Bill als Gouverneur von Arkansas
Foto: AP1980 wurde Tochter Chelsea geboren, zwei Jahre später entschied Hillary Clinton sich doch zur Annahme des Nachnamens Clinton.
Foto: AP1993 bis 2001 war sie First Lady der USA während der Präsidentschaft von Ehemann Bill. Sie arbeitete an der Reform des US-Gesundheitssystems mit.
Foto: AP2008 erlitt Hillary Clinton eine Niederlage gegen Barack Obama bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. 2009 bis 2013 war sie die US-Außenministerin während der ersten Amtszeit Obamas (im Bild mit Li Keqiang 2012).
Foto: AP2016 wird Hillary Clinton Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Sie tritt gegen ihren republikanischen Konkurrenten Donald Trump an.
Foto: APWann steht der Sieger fest?
Mit dem Schließen der Wahllokale, vielerorts um 19 Uhr Ortszeit, sollten ab 1 Uhr nachts MEZ erste zuverlässige Prognosen von einzelnen Bundesstaaten möglich sein. Wenn um 01.30 Uhr nachts MEZ die Wahllokale in den wichtigen - weil umkämpften - Staaten North Carolina und Florida schließen, wird es richtig spannend. Je enger der Ausgang in einem Bundesstaat, desto später werden Meinungsforscher eine Prognose abgeben, wer den Staat gewinnt. In Florida wird es wohl stundenlang dauern, bis ein Sieger ernannt werden kann.
Sollte Clinton Florida und North Carolina, oder auch North Carolina und Pennsylvania gewinnen, hat sie beste Siegchancen. Schon vor Mitternacht (Eastern Time), also 6 Uhr MEZ, könnte dann feststehen, wer im Januar ins Weiße Haus einzieht. Möglich ist aber auch, dass es eine tage- und wochenlange Hängepartie gibt.
Was passiert bei einer Patt-Situation?
Die Umfragen sagen ein enges Rennen voraus – so eng, dass selbst ein Patt möglich ist. Weder Clinton noch Trump kämen demnach auf die erforderlichen 270 Wahlmännerstimmen. Beiden würde etwa 269 Stimmen auf sich vereinen. Oder weniger, sollte ein dritter Kandidat wie Evan McMullin aus Utah diesen Staat für sich entscheiden.
In einer Patt-Situation bestimmen die Wahlstatuten, „dass das Repräsentantenhaus aus den drei Kandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen den Präsidenten wählt.“ Jeder Vertreter der zweiten Kammer des Kongresses bekommt eine Stimme. Da voraussichtlich die Republikaner die Mehrheit der Sitze im House of Representatives stellen werden, könnte die Wahl auf Trump hinauslaufen. Oder eben auf McMullin, sollte dieser die Wahl in Utah gewinnen. Denn Trump ist innerhalb seiner Partei äußerst unbeliebt. Und Ex-CIA-Mitarbeiter McMullin bezeichnet sich selbst als Konservativer und hat mal für die Republikanische Partei gearbeitet.
Die Wahrscheinlichkeit für dieses Außenseiter-Szenario liegt laut der Politikseite "Fivethirtyeight.com" zwar nur bei 1,2 Prozent. Allerdings hat die Seite vor einem Jahr die Wahrscheinlichkeit, dass Trump Präsidentschaftskandidat wird, auch nur bei zwei Prozent gesehen.
1946
Geboren am 14. Juni als viertes von fünf Kindern von Mary und Frederick C. Trump (links): Donald Trump ist der Sohn deutscher Einwanderer und erfolgreicher Immobilienunternehmer.
1959-1964
Schüler der New York Military Academy.
1964-1966
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fordham University in New York.
1966-1968
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Wharton Business School in Philadelphia (im Bild).
1968
Eintritt ins Familienunternehmen "Elizabeth Trump & Son", Bauträger und Immobilien.
1971
Übernahme des Unternehmens vom Vater.
ab 1974
Investitionen in Hotels, Casinos und Luxus-Apartment-Gebäude; Rechte an Miss-Wahlen, mehrere Biografien, eigene Möbel- und Modemarken.
1977
Hochzeit mit dem Model Ivana Marie Zelnickova und Geburt von Sohn Donald Jr. (im Bild).
1981
Geburt von Tochter Ivanka.
1983
Eröffnung des "Trump Tower" an der New Yorker 5th Avenue.
1991
Erste Insolvenz, danach zunächst erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
1992
Zweite Insolvenz, erneute Umstrukturierung des Unternehmens und Scheidung von Ehefrau Ivana.
1984
Geburt von Eric, dem zweiten Sohn.
1993
Hochzeit mit Schauspielerin Marla Maples und Geburt von Tiffany, der zweiten Tochter (im Bild).
1995
Börsengang von "Trump Hotels & Casino Resorts Inc."
1999
Scheidung von Marla, der zweiten Ehefrau.
1999-2000
Erfolgloser Versuch einer Präsidentschaftskandidatur in der von Ross Perot gegründeten Reform Party.
2004-2015
Eigene TV-Reality-Show "The Celebrity Apprentice".
2004
Dritte Insolvenz, wieder erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
2005
Hochzeit mit dem Model Melania Knauss.
2006
Geburt von Sohn Barron William, dem fünften Kind.
2009
Vierte Insolvenz, erneut erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
2016
Trump siegt in der Präsidentschaftswahl und wird der 45. US-Präsident.
Alles rund um die Wahl finden Sie hier
Foto: AP
Sollte sich das Repräsentantenhaus nicht bis zum 20. Januar 2017 mehrheitlich auf einen Präsidenten einigen können, wäre der Senat indirekt am Zug. Denn die erste Kammer des Kongresses müsste zunächst zwischen den „running mates“ der zwei Präsidentschaftskandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen, den Vize-Präsidenten wählen. Derzeit ist unklar, ob die Republikaner oder die Demokraten die Mehrheit der Sitze im Senat erobern werden. Eine Republikaner-Mehrheit würde sich für Trumps-Vize Mike Pence entscheiden, die Demokraten für Clintons Vize Tim Kaine. Der gewählte Vize-Präsident wäre so lange auch Präsident der USA bis sich das Repräsentantenhaus mehrheitlich auf einen Präsidenten einigt.
Trumps Lücken und Lügen
Belgien ist eine wunderschöne Stadt und ein herrlicher Ort - großartige Gebäude. Ich war mal dort, vor vielen, vielen Jahren.“ Trump fiel im Wahlkampf oft mit unfreiwilliger Komik auf. Einmal verwechselte er in einem Interview Kurden (Kurds) und Al-Kuds-Brigaden (Kuds). Die Grenze zwischen Wissenslücke, Ignoranz und Propaganda ist aber fließend. An mancher Stelle muss man wohl von gezielt gestreuten Lügen ausgehen. So behauptete Trump schon 2011, Präsident Barack Obama sei nicht in den USA geboren. Das Weiße Haus sah sich schließlich gezwungen, Obamas Geburtsurkunde zu veröffentlichen.
Foto: dpaClintons Gesundheitszustand
Wegen einer verschleppten Lungenentzündung erlitt Clinton bei einer Gedenkfeier für die Terroropfer vom 11. September 2001 in New York einen Schwächeanfall. Die Bilder, wie Bodyguards sie in einen Bus geleiteten, gingen um die Welt. Sie säten Zweifel, ob die 68-Jährige dem Amt körperlich gewachsen ist. Clinton musste daraufhin widerwillig Auskunft über ihre Gesundheit geben.
Foto: APTrumps bedenkliche Äußerungen
Trump versetzte die Welt immer wieder in Erstaunen, zu welch drastischen Äußerungen ein möglicher nächster US-Präsident fähig ist. Einmal sagte er, er würde Waterboarding - also Folter durch vorgetäuschtes Ertränken - wieder als Verhörmethode einführen. Nach einer Terrorattacke forderte er ein komplettes Einreiseverbot für Muslime. Mexikaner bezeichnete Trump als Vergewaltiger. Er will sein Land gegen die südlichen Nachbarn mit einer Mauer abschirmen. Dem Sender CNBC zufolge soll Trump im Gespräch mit einem außenpolitischen Berater drei Mal gefragt haben, warum die USA Atomwaffen nicht nutzten. Auch abfällige Äußerungen über den Kriegsveteranen John McCain und die muslimische Familie eines gestorbenen US-Soldaten stießen vielen negativ auf.
Foto: APClintons Stiftung im Zwielicht
Der Clinton Stiftung werden Interessenkonflikte, die Vermischung politischer und privater Interessen sowie fehlerhafte Steuererklärungen vorgeworfen. Auf der Spenderliste fallen autoritäre Golfstaaten auf. Saudi-Arabien hat, wie es auf der Webseite der Stiftung heißt, zwischen 10 und 25 Millionen Dollar überwiesen, Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate zwischen 1 und 5 Millionen. Viele Amerikaner finden das bedenklich.
Foto: APClintons Rolle in Libyen
Republikaner versuchen seit Jahren, die Demokratin persönlich für eine Terrorattacke im libyschen Bengasi im Jahr 2012 verantwortlich zu machen. Dabei waren vier Amerikaner gestorben, darunter der Botschafter Chris Stevens. Allerdings ergab keine der vielen Untersuchungen und Kongressanhörungen dafür einen Anhaltspunkt. Nach Medienberichten werfen Hinterbliebene Clinton vor, ihre Nutzung eines privaten Servers für teilweise vertrauliche Dienst-E-Mails habe die Terrorattacke von Bengasi direkt verursacht.
Foto: REUTERSClintons E-Mail-Affäre
Gegen den Vorschriften hatte Clinton als US-Außenministerin ihre Dienst-Korrespondenz über einen privaten Server abgewickelt. Ende 2014 übergab sie rund 30.000 E-Mails an das State Department und die Bundespolizei FBI. Diese wurden Stück für Stück komplett veröffentlicht. Allerdings entschied sich Clinton auch, 31.000 weitere E-Mails zu löschen - ihrer Ansicht nach waren sie privat. Bis heute gibt es Zweifel, ob Clinton Informationen verschwinden ließ, die ihre politische Kompetenz infrage stellen könnten. Kurz vor der Wahl kochte das Thema neu hoch.
Foto: REUTERSTrumps Versuche Steuern zu vermeiden
Bei der ersten TV-Debatte mit seiner Kontrahentin prahlte Trump noch damit, dass er keine Steuern zahle. Inzwischen formuliert Trump es so, dass er US-Steuergesetze „auf brillante Art“ ausgenutzt habe - „zu meinem eigenen Nutzen und zum Nutzen meiner Firma, meiner Investoren und meiner Angestellten“. Die Zeitung „New York Times“ veröffentlichte Anfang Oktober eine alte Steuererklärung Trumps. Demnach machte er im Jahr 1995 Verluste von knapp 916 Millionen US-Dollar (etwa 815 Millionen Euro) geltend. Das könnte es ihm, so schrieb die Zeitung, 18 Jahre lang erspart haben, Einkommensteuer an die Bundessteuerbehörde abzuführen.
Foto: dpaClintons sehr gut bezahlte Reden
Hillary Clinton und das große Geld - eine unendliche Geschichte. Sie und ihr Mann Bill, selbst Ex-Präsident, haben nach dem Jahr 2001 Millionen Dollar für Auftritte als Redner erhalten. Vor allem Hillary Clinton werden hoch dotierte Auftritte bei der Investmentbank Goldman Sachs vorgeworfen. Die Veröffentlichung der Redetexte verweigert sie strikt. Ist so jemand eine Präsidentin auch für die kleinen Leute? Clintons Nähe zum Establishment ist für viele eine ihrer größten Schwächen.
Foto: APTrumps Gesundheitszustand
Der 70-jährige Trump hatte um seine Gesundheit zunächst ein ähnliches Geheimnis gemacht wie Clinton. Schließlich geriet er unter Zugzwang. Wenig überraschend attestierte sein Leibarzt ihm in einem Brief eine „glänzende körperlicher Verfassung“. Trump rauche nicht und trinke keinen Alkohol, habe einen leicht erhöhten Blutfettwert und sei mit 107 Kilo bei 1,90 Meter Größe zwar ein bisschen dick. Insgesamt sei er aber völlig gesund. Er nehme ein paar Mittel gegen erhöhte Cholesterinwerte und vorsichtshalber eine niedrige Dosis Aspirin. Der Brief verschweigt mögliche Probleme in der Vergangenheit und ist nur ein Ausschnitt aus der Gesundheitsakte.
Foto: REUTERSTrumps Frauenfeindichkeit
Trumps Haltung zu Frauen gilt als befremdlich. Zahlreiche Affären werden ihm nachgesagt, einige soll er dazuerfunden haben. Der Immobilienmagnat, der zum dritten Mal verheiratet ist, sieht sich immer neuen Vorwürfen sexueller Belästigung ausgesetzt. In einem Fall soll er einer heute 74-Jährigen im Flugzeug an die Brust und unter den Rock gefasst haben. In einem kürzlich aufgetauchten Video aus dem Jahr 2005 erzählt Donald Trump (hier im Bild mit Ivanka und Melania Trump), dass er als Star jeder Frau in den Schritt fassen könne, ohne aufgehalten zu werden.
Foto: APWie geht es bis zum 20. Januar weiter?
Chris Christie ist ein treuer Diener von Donald Trump. Der Republikaner und Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey, der in den Vorwahlen Trump unterlag, hat früh seine Unterstützung für den umstrittenen Milliardär signalisiert. Als Dank leitet er seit einigen Wochen das so genannte transition team, das die Übergangszeit vorbereitet und organisiert, bis Trump im Falle eines Wahlsieges ins Weißes Haus einzieht.
Denn die offizielle Staffelübergabe des alten und neuen Präsidenten findet am 20. Januar 2017 statt. In den zweieinhalb Monaten nach der Wahl muss der neue Präsident seine Minister bestimmen und wichtige Behördenposten besetzen. Die transition teams spielen eine wichtige Rolle. Sie sind das politische Scharnier, damit der neue Präsident in der kurzen Zeit zwischen Wahl und Amtsübergabe seine Mannschaft zusammen bekommt.
Eine gute Vorbereitung ist daher wichtig. Doch ob Christie nach der Wahl noch im Trump-Team steht, ist fraglich. Derzeit beschäftigt sich die Justiz mit einem Politskandal im Umfeld seiner Regierungszentrale in New Jersey. Christie hat die letzten vier Wahlkampftermine für Trump abgesagt.
Trump könnte also mit einem lädierten Team in die Übergangszeit gehen. Die transition teams werden vom Staat mit umgerechnet zwölf Millionen Euro unterstützt. Christie hat im Vorfeld sogar noch Spendengelder eingeworben. 100 exklusiven Gästen versprach der Republikaner Insider-Informationen über das Übergangsteam, wenn jeder von ihnen 5000 Dollar einzahlt.
In der Übergangszeit gilt der alte Präsident als „lame duck“, also eine lahme Ente. Oft kommt es zu persönlichen Fehden zwischen Vorgänger und neuem Präsidenten. Bei der Übergabe von Bill Clinton an George W. Bush gab es den Vorwurf von „Beschädigung, Diebstahl und Vandalismus“. Die Übergabe an Barack Obama verlief dagegen geschmeidig.
Über was stimmen die US-Amerikaner neben den Wahlen noch ab?
Neben dem US-Präsidenten wählen die Amerikaner auch noch alle Vertreter des House of Representatives und ein Drittel des Senats. Eine republikanische Mehrheit des Repräsentantenhauses gilt als sicher. Das Abgeordnetenhaus, das alle US-Bundesstaaten im Verhältnis der Bevölkerung repräsentiert, kann Steuergesetze einbringen und ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten mit einer einfachen Mehrheit einleiten. Der Senat würde in diesem Fall die Rolle des Gerichts übernehmen.
Spannend in der diesjährigen Wahl ist das Ergebnis der Senatswahlen. Derzeit haben die Republikaner die Mehrheit. Doch die Chancen der Demokraten, die Mehrheit zu erobern stehen inzwischen gut. Der neue Präsident hat die Aufgabe, einen neunten Richter für das Verfassungsgericht, den Supreme Court, zu bestimmen. Der Senat muss dieser Personalie zustimmen. Und in dieser Gemengelage wird sich entscheiden, ob das oberste Gericht eine liberale oder eine konservative Ausrichtung erhält. Denn die derzeitige Zusammensetzung der Richter gleicht einem politischen Patt zwischen vier progressiven und vier konservativen Richtern. Der neunte Richter ist kürzlich verstorben, eine Nachbesetzung durch Barack Obama ist unter dem Widerstand des Senats gescheitert.
Hillary Clinton
Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten steht im Mittelpunkt der so genannten E-Mail-Affäre. Clinton hatte als Außenministerin Teile ihres dienstlichen Mail-Verkehrs über ihren privaten Account abgewickelt. Ihre Kritiker meinen: Damit sei sie ein Risiko für die Nationale Sicherheit eingegangen. Die Bundespolizei FBI untersuchte ein Jahr lang den Fall und beschloss im Juli, es gebe keinen Grund für eine Anklage.
Foto: dpaHillary Clinton
Das Thema hat Clinton durch den Wahlkampf hindurch verfolgt. Sie räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben, spielte ihr Verhalten ansonsten aber herunter. Rivale Donald Trump und die Republikaner dagegen zogen mit dem Schimpfnamen „Crooked Hillary“ („Betrügerische Hillary“) in die Schlacht. Trump drohte ihr im zweiten TV-Duell mit seinem Sonderermittler und mit Gefängnis, sollte er Präsident werden.
Eigentlich schien die E-Mail-Affäre im Schlussspurt des Wahlkampfes für Clinton fast ausgestanden zu sein – bis der FBI-Chef auf den Plan trat.
Foto: APJames Comey
Der FBI-Chef, ein Republikaner, sorgte wenige Tage vor der Wahl dafür, dass die Affäre wieder aufflammte: Comey schrieb an ranghohe Kongressmitglieder, es seien neue Mails aufgetaucht, die in einem Zusammenhang mit den früheren Ermittlungen stehen könnten. Sofort kannten die US-Medien kein anderes Thema mehr, Trump nahm die Nachrichten dankbar auf, Clinton büßte in Umfragen teils deutlich ein.
Die Demokraten werfen Comey nun vor, er habe aus politischem Kalkül so kurz vor dem Wahltermin in den Wahlkampf eingegriffen. Dabei sei es doch üblich, dass sich hohe Beamte in der kritischen Phase mit möglicherweise wahlentscheidenden Schritten zurückhalten sollen. Selbst mancher Republikaner wundert sich über Comeys Motive.
Der FBI-Chef selbst sagt, er habe sich – nach eingehenden Gesprächen mit seinen Beratern – in der Pflicht gefühlt, die Parlamentarier über die neu entdeckten E-Mails informieren zu müssen. Aufgetaucht waren die Mails…
Foto: APAnthony Weiner und Huma Abedin
… auf einem gemeinsam genutzten Computer von Huma Abedin und ihrem Noch-Ehemann Anthony Weiner. Abedin gehört zu den engsten Mitarbeiterinnen Clintons, der Ex-Kongressabgeordnete Weiner war einst die Nachwuchshoffnung der Demokraten. Mehrere Schmuddelaffären allerdings brachten Weiner zu Fall, das FBI ermittelt gegen ihn, Abedin will die Scheidung.
Bis jetzt ist noch völlig unklar, um wie viele neu entdeckte E-Mails es sich handelt und was drinsteht. Die Demokraten beeilen sich derweil, das Thema so kurz vor der Wahl wieder einzufangen, und versuchen aus der Clinton-Affäre eine Trump-Affäre zu machen.
Foto: APDonald Trump
Der Nutznießer des vermeintlichen Skandals konnte am Freitag sein Glück kaum fassen, dass FBI-Chef Comey die E-Mail-Affäre zum dominierenden Wahlkampfthema machte. Seitdem hat der zuvor zurückliegende Trump in den Umfragen aufgeholt – und bringt das Thema bei jedem Auftritt zur Sprache. „Der schlimmste Skandal seit Watergate“, tönte er.
Dem FBI-Chef werfen die Demokraten nun Parteilichkeit vor. Wenn er schon E-Mails öffentlich mache, solle er auch alles auf den Tisch legen, was das FBI über Trump wisse – nämlich Details über angebliche dubiose Verbindungen Trumps zur russischen Regierung. Comey besitze „explosive Informationen“ über eine Trump-Putin-Connection, behauptete der Top-Demokrat im Senat, Harry Reid.
Eine Rolle spielt dabei Trumps ehemaliger Berater…
Foto: APPaul Manafort
Für Schlagzeilen sorgte der Fall Paul Manafort . Im Sommer wurden Verbindungen von Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager zu russischen Oligarchen enthüllt, die teils dem Kreml nahestehen sollen. Im August, nachdem Trump im Zuge des Demokraten-Parteitags in Umfragen deutlich verloren hatte, trat Manafort zurück.
Nun berichtete der US-Sender NBC, dass Manafort ins Visier des FBI geraten sei und die Bundespolizei dessen ausländische Geschäftskontakte prüfe. Manafort wies den Bericht als „Propaganda der Demokraten“ zurück.
Foto: REUTERSWladimir Putin
Der russische Präsident hat Trump einmal gelobt, hält sich ansonsten mit öffentlichen Äußerungen über den US-Wahlkampf zurück. Umgekehrt vergeht kaum ein Auftritt, bei dem Trump nicht Putins Führungsqualitäten preist und für eine Annährung mit Russland wirbt. Für die Demokraten ist das ein Indiz dafür, dass Trump Unterstützung aus dem Kreml bekommt.
Laut „New York Times“ wurde bislang aber keine direkte „Putin-Trump-Connection“ nachgewiesen und der Republikaner bestreitet solche Anschuldigungen. Ebenso wenig habe er mit den mysteriösen Hackerangriffen auf Servern der Demokratischen Partei zu tun. Wiederholt wurden dort E-Mails abgefischt und über die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht. Deren Gründer…
Foto: REUTERSJulian Assange
… sitzt noch immer im Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Von dort hat er in den vergangenen Monaten immer wieder große Enthüllungen angekündigt. Woher Wikileaks die abgefangenen E-Maisl bekommen hat, ist unklar. Die US-Regierung beschuldigte offiziell Russland, Cyber-Angriffe auf die Demokratische Partei ausgeführt zu haben.
Einige der Wikileaks-Enthüllungen waren für Clinton und die Demokraten tatsächlich peinlich und folgenschwer, am Ende standen prominente Rücktritte.
Foto: APDonna Brazile
Die Interims-Chefin der Demokraten wurde vom Sender CNN als TV-Expertin entlassen – weil sie laut Wikileaks-Mails unerlaubte Wahlkampfhilfe gegeben haben soll. Brazil hatte demnach Clinton bei von CNN veranstalteten TV-Duellen gegen ihrem einstigen Partei-Rivalen Bernie Sanders vorab mit geplanten Publikumsfragen versorgt, damit sich die Kandidatin darauf vorbereiten konnte.
Auf das Konto von Wikileaks ging auch der Rücktritt von Braziles Vorgängerin…
Foto: APDebbie Wasserman Schultz
Sie musste als Parteichefin der Demokraten gehen, nachdem geleakte E-Mails enthüllt hatten, dass die Parteiführung Strategien entwickelt hatte, Sanders aus dem Rennen gegen Clinton zu werfen.
Foto: REUTERSDoch auch ganz andere Themen stehen am Wahldienstag auf der Agenda. Das populärste Thema: die Legalisierung von Cannabis. In den fünf Staaten Arizona, Kalifornien, Maine, Massachusetts und Nevada stimmen die Bürger darüber ab, ob der Anbau und der Konsum von Hanf erlaubt werden soll. In vier weiteren Staaten – Arkansas, Florida, Montana und Nord Dakota – geht es um die Freigabe des Medizin-Hanfs.
Welche Rolle wird Amerika in Zukunft spielen?
Der Republikaner Trump hat das Bewusstsein der Wähler auf die innenpolitischen Probleme Amerikas gelenkt: die Probleme der weißen Arbeiterschicht, das schwache Wachstum, die hohe Belastung durch das amerikanische Engagement im Ausland. Die USA werden ihren politischen Fokus nach der Wahl auf jeden Fall stärker auf sich selbst richten. Denn auch Clinton könnte sich dem öffentlichen Druck, den Trump erzeugt hat, nicht entziehen.
Beispiel Freihandel: Trump will Verträge wie das Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada nachverhandeln. Als Präsident könnte er NAFTA kündigen, aber über die Folgen sind sich Experten uneins. Wahrscheinlich würde der Fall vor Gericht landen. Wie auch immer Trump mit NAFTA umgehen würde: Auch Clinton hat sich bereits gegen zu viel Freihandel ausgesprochen. Die Trans-Pazifische Partnerschaft (TPP) will sie in der jetzigen Form nicht mittragen.
Stattdessen vermuten Experten, dass sich die USA stärker bilateralen Vereinbarungen öffnen werden. Der Brexit wäre eine günstige Gelegenheit. Die USA und Großbritannien könnten sich auf eine Freihandelszone einigen. Das würde auch Trump mittragen.
Auf sicherheitspolitischer Ebene werden die USA den Druck auf ihre Partner erhöhen. Innerhalb der amerikanischen Öffentlichkeit gibt es ein tiefes Unbehagen gegen die hohen Kosten des US-Engagements im Ausland. Die USA zahlen zwar „nur“ 22 Prozent der Beiträge des Militärbündnisses Nato. De facto zahlen sie aber mehr, denn wenn es zu internationalen Konflikten kommt, greifen immer die USA ein. Rechnet man die Verteidigungsbudgets der 27 Nato-Länder mit ein, zahlen die USA 72 Prozent der Ausgaben. Sowohl Trump als auch Clinton werden den Druck auf die Partner erhöhen, ihr Engagement zu erhöhen oder mehr Geld zu zahlen.
Wie mächtig ist der Präsident in Wirklichkeit?
Militärisch ist der US-Präsident sehr mächtig. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Außerdem befindet sich der so genannte „Football“ jederzeit in seiner Nähe: Das ist der Koffer mit den Codes für den Einsatz von Atombomben. Das war auch ein Wahlkampfthema. Trump tönte: „Wenn wir die Atombomben haben, warum nutzen wir sie nicht“, fragte er Anfang des Jahres. Clinton warnte in einer Rede in San Diego: „Wollen wir seine Finger in der Nähe des Koffers haben?“
Trumps lapidare Haltung zum Einsatz nuklearer Waffen ist besorgniserregend. Und tatsächlich begleitet der Koffer mit den Codes und möglichen Anschlagszielen den Präsidenten wie ein Schatten.
Jenseits der militärischen Stärke ist die Macht des Präsidenten begrenzt. Zwar kann er internationale Abkommen verhandeln, Kriminelle begnadigen und wichtige Behördenchefs ernennen. Doch schon bei der Auswahl etwa der obersten Verfassungsrichter benötigt der Präsident die Zustimmung des Senats. Jüngst scheiterte Barack Obama mit seinem Versuch, nach dem Tod eines Richters am Supreme Court einen Nachfolger zu bestimmen.
Auch in der Gesetzgebung gibt es klare Grenzen. Zwar hat der Präsident ein Veto-Recht bei Gesetzen, die etwa vom Abgeordnetenhaus eingebracht werden. Doch selbst dann kann ein Veto vom Senat mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit überstimmt werden.
Im Normalfall bringt natürlich der Präsident selber Gesetze ein. Und dafür benötigt er die Zustimmung sowohl des Repräsentantenhauses als auch des Senats. Derzeit haben die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit. Sollte es dabei bleiben, könnte Trump durchregieren. Allerdings ist auch sein Rückhalt innerhalb der Partei beschädigt.
Historisch gesehen scheitern viele Gesetzesvorhaben am Widerstand der Mehrheiten im Kongress. Im Schnitt wird nur jeder zweite Gesetzesentwurf des Präsidenten ein Gesetz. Obama scheiterte zuletzt etwa mit seinem Versuch einer umfassenden Einwanderungsreform.