Elf Fragen zur US-Wahl Was passiert bei einem Patt? Werden die Wahlen manipuliert?

Die USA wählen einen neuen Präsidenten. Wann steht der Sieger fest? Droht erneut ein wochenlanges Tauziehen? Und wie demokratisch sind diese Wahlen überhaupt? Elf Fragen und Antworten zur Wahl des Jahres.

US-Wahl: Hillary Clinton oder Donald Trump - Wer darf ins Weiße Haus einziehen? Quelle: Collage

Die USA wählen einen neuen Präsidenten. Was geht uns das in Deutschland an?

Am liebsten würde man sich angewidert abwenden. Der Wahlkampf in den USA ist bestenfalls skurril, vielmehr aber schockierend. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump schimpft auf Einwanderer, die muslimische Welt und China; seine demokratische Gegenspielerin Hillary Clinton beschimpft die potenziellen Trump-Wähler und steckt tief im Sumpf ihrer E-Mail-Affäre. Können wir die USA nicht einfach machen lassen und uns um Europa und unsere eigenen Probleme kümmern?

So einfach ist es nicht. Die USA sind das mächtigste Land der Welt – und ein unverzichtbarer Partner für Deutschland. Als Handelspartner und in der Außenpolitik. Beispiel Syrien-Krise: Der ultimative Auslöser der Flüchtlingskrise lässt sich nur international lösen. Ziehen sich die USA zurück, entsteht ein Vakuum, das den Konflikt in die Länge ziehen und den IS erstarken lassen würde. Im Ukraine-Konflikt standen die USA fest an der Seite der Ukrainer und Europäer und machten deutlich, dass sie nicht gewillt sind, Russlands Präsident Wladimir Putin tatenlos zuzuschauen, sollte er seinen Großmachtphantasien Nachdruck verleihen. Während Trump keine Strategie gegen den IS hat und am Sinn des Militärbündnisses Nato zweifelt, hat sich Clinton klar zu den US-Partnern im Westen bekannt und angekündigt, die bisherigen US-Angriffe gegen den IS weiterführen und ausbauen zu wollen.

Die Bilder des Wahlkampf-Endspurts
Hillary Clinton (ca. 1,65 Meter) an der Seite von Basketball-Superstar Lebron James (2,03 Meter) bei einem Auftritt am Sonntag in Cleveland, Ohio. Quelle: REUTERS
Wenige Stunden zuvor: Clinton besucht eine Kirche im Bundesstaat Pennsylvania. Quelle: REUTERS
Donald Trump bei einem Stopp in Minneapolis, Minnesota, am Sonntag. Quelle: REUTERS
Am Samstag moderierte Melania Trump ihren Ehemann bei einer Veranstaltung in Wilmington, North Carolina, an. Danach gab es Küsschen. Quelle: AP
In Berwyn, Pennsylvania, hatte Melania Trump vergangene Woche eine Rede gehalten – recht hölzern vom Teleprompter abgelesen. Sie sprach sich für einen besseren Umgangston in sozialen Netzwerken aus. Es war ihr zweiter bedeutender Auftritt im Wahlkampf ihres Mannes. Quelle: AP
Am Samstag gab der Popstar ein Konzert und präsentierte einen Mantel: „Ich unterstütze Madam President.“ Quelle: REUTERS
Der Song „Roar“ der 32-Jährigen wird regelmäßig auf Clinton-Wahlkampfveranstaltungen gespielt. Quelle: REUTERS

In Wirtschaftsfragen unterscheiden sich beide Kandidaten nicht ganz so deutlich. Sowohl Trump als auch Clinton sehen den Freihandel kritisch, wollen die USA abschotten und die Unternehmen zwingen, mehr Jobs in Amerika zu schaffen. Für Deutschland eine schlechte Nachricht. Mit keinem anderen Land hat die Bundesrepublik im vergangenen Jahr mehr Handel betrieben als mit den USA. 2015 wurden laut dem Statistischen Bundesamt Waren im Wert von 173,2 Milliarden Euro zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten ausgetauscht. Neue Rekordzahlen wird es künftig wohl nicht geben: Das transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) dürfte unter beiden Kandidaten nur noch geringe Chance haben, Clinton aber dürfte etwas weniger restriktiv gegen ausländische Unternehmen durchgreifen als Trump.

Wer gewinnt die Wahlen?

Hillary Clinton geht als große Favoritin in den Wahltag. Die "New York Times" beziffert ihre Siegchancen auf 85 Prozent. Donald Trump steht bei 15 Prozent. Die Wahlbeobachter von "fivethirtyeight.com" beziffern Clintons Siegchancen immerhin noch auf 68,5 Prozent.

Der Hintergrund: Clinton hat 216 von den benötigten 270 Wahlmänner-Stimmen bereits so gut wie sicher. Aufgrund von Bevölkerungsstruktur, Historie und Umfragen ist es klar, dass sie in Staaten wie Kalifornien, New York oder Illinois gewinnen wird. Trump hat nur 164 Stimmen sicher.

Sollte Clinton von den 14 umkämpften Staaten alleine Florida, Pennsylvania und Colorado holen, ist sie bereits durch. Fällt ein Staat weg, kann sie mit Siegen in Michigan, Maine oder North Carolina locker ausgleichen. Trump hat weitaus weniger Optionen. Er muss Florida, North Carolina und Ohio gewinnen, um eine realistische Siegchance zu haben. Ausgeschlossen ist das nicht. Erinnert sei an das Brexit-Votum, bei dem alle Umfrageinstitute falsch lagen.

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