Bundestagswahl 2025: So haben junge Menschen gewählt
Der Erstwähler Philipp B. gibt seine Stimme im Wahllokal im Adolf Reichwein Gymnasium in Jena ab.
Foto: Michael Reichel/dpaAfD und Linke triumphieren bei jungen Menschen in Deutschland. Mit 25 Prozent ist die Linke bei den Bundestagswahlen die stärkste Kraft unter den 18- bis 24-Jährigen geworden, gefolgt von der AfD mit 21 Prozent. Zusammen erreichen sie in dieser Altersgruppe 46 Prozent – und damit fast die Hälfte der Stimmen.
„Das Ergebnis zeigt deutlich, wie empfänglich die junge Generation für Polarisierung ist“, sagt Carl Mühlbach. „Die Jungen sind mit multiplen Krisen wie der Coronakrise und dem Ukraine-Krieg mitsamt der Energiepreiskrise aufgewachsen.“
Welche Sorgen sie umtreiben, zeigt die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2024“. Finanzielle Belastungen stehen dabei im Vordergrund: 65 Prozent sorgen sich um die Inflation, 54 Prozent um steigende Mieten, 48 Prozent um Altersarmut. Aber auch die Spaltung der Gesellschaft (49 Prozent) und die Zunahme von Flüchtlingsströmen (41 Prozent) tragen zur Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation und den politischen Verhältnissen bei. Zudem habe sich das Potenzial für rechtspopulistische Einstellungen unter jungen Menschen deutlich verstärkt.
„Junge Menschen möchten, dass sich etwas ändert“, sagt Mühlbach. Da weder die Linke noch die AfD einer nächsten Regierung angehören werden, „können sie diesen Wunsch nach Veränderung mit radikalen Forderungen bedienen – denn sie kämen sie sowieso nicht in die Verlegenheit, diese umzusetzen“.
Zusätzlich wissen sowohl AfD als auch Linke, wie Social Media funktioniert. Lange galt die AfD als einzig starke Partei auf TikTok, in den Wochen nach dem Ampelbruch haben aber auch die Linken massiv aufgeholt. Insbesondere Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek scheint mit ihrer Brandmauer-Rede im Bundestag einen Nerv getroffen zu haben. Mehr als 6,6 Millionen Mal wurde das Kurzvideo ihrer Rede auf Tiktok angesehen, auf Instagram ganze 8,2 Millionen Mal.
Wie wichtig Social Media bei jungen Wählerinnen und Wählern ist, zeigt die diesjährige Jugendwahlstudie des Instituts für Generationenforschung. 71,8 Prozent der Erstwähler empfinden Social Media als „sehr wichtig“ für politische Ansprache. Gleichzeitig bewerten knapp 73 Prozent der Erstwähler die digitalen Fähigkeiten deutscher Politiker als „schlecht“ oder „sehr schlecht“.
Grüne und FDP verlieren deutlich bei jungen Wählerinnen und Wählern
Die Ampelparteien SPD, Grüne und FDP mussten große Verluste hinnehmen. Im Vergleich zu 2021 büßte die SPD bei jungen Wählern drei Prozentpunkte ein, die Grünen 13 und die FDP sogar 16.
„Die Ampelparteien haben die Jugend enttäuscht“, sagt Mühlbach. „Vor vier Jahren kamen die Grünen und die FDP noch aus der Opposition“, erklärt er weiter. „Damals hofften viele junge Menschen, dass sie Dinge anders machen würden.“ Nach drei Jahren in der Regierung sei das Vertrauen gesunken, dass sie die drängenden Probleme wirklich lösen können.
Ein weiterer Faktor: 2021 stand die Klimakrise im Zentrum vieler Wahlentscheidungen. „Sie ist zwar immer noch akut – aber andere Probleme erscheinen vielen Menschen derzeit drängender.“
Für junge Anliegen muss die Schuldenbremse abgeschafft werden
Um junge Menschen künftig politisch zu erreichen, sei eine Reform der Schuldenbremse entscheidend, betont Mühlbach. „Deutschland braucht Investitionen, um die finanziellen Nöte junger Menschen zu lindern.“ Vor allem in den Wohnungsbau und in Sozialwohnungen müsse massiv investiert werden, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Doch genau das verhindert die Schuldenbremse derzeit.“
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