Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen: Diese Karten zeigen, wo es wirklich einen Rechtsruck gab
Wahlplakat der Parteien Freie Sachsen und AfD am Ortseingang von Belgern.
Foto: imago imagesDie Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen haben gebracht, was vielerorts befürchtet wurde: Die Ränder sind erstarkt, während die Regierungsparteien deutlich verloren haben. Der Rechts- und Wagenknecht-Ruck war jedoch nicht überall in den zwei Bundesländern gleich stark. Drei detaillierte Karten geben Hinweise darauf, wieso die Menschen gewählt haben, wie sie gewählt haben:
1. Blühende Städte statt blühender Landschaften
Blühende Landschaften hatte Helmut Kohl den Ostdeutschen einst versprochen, und wer heute durch die neuen Bundesländer fährt, sieht tatsächlich vielerorts eine Infrastruktur, von der manche Städte und Gemeinden in Westdeutschland nur träumen können. Allein, sind es wirklich die Landschaften, die blühen, oder nicht doch eher die Städte?
Der Blick auf die Bevölkerungsverteilung in Sachsen und Thüringen zeigt: Die Mehrzahl der Menschen lebt in und um die großen Städte.
In Sachsen mit knapp vier Millionen und Thüringen mit 2,1 Millionen Einwohnern leben etwas mehr als sieben Prozent der deutschen Bevölkerung. Umgerechnet auf die Landesfläche sind das 219 beziehungsweise 130 Einwohner pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: Bayern liegt mit 187 Einwohnern pro Quadratkilometer auf einem ähnlichen Niveau. In anderen ostdeutschen Bundesländern wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern ist die Bevölkerungsdichte mit 86 beziehungsweise 69 Einwohnern deutlich niedriger.
2. Je ländlicher, desto extremer?
Die Wahlergebnisse der AfD legen nahe, dass die Bevölkerungsdichte einen Einfluss auf die Wahlentscheidung hat. In beiden Bundesländern sind die Rechtspopulisten umso stärker, je weniger Menschen in den Regionen leben. In den blühenden Städten wiederum schneidet die AfD deutlich schlechter ab.
Also je ländlicher, desto extremer? Zumindest in der Tendenz: So schreibt die Konrad-Adenauer-Stiftung in einer Studie: „Rechtspopulistische Einstellungen sinken mit zunehmendem Urbanisierungsgrad.“ Zudem seien ostdeutsche Großstädter tendenziell mit der Demokratie zufriedener als die ostdeutsche Landbevölkerung. Die ist auch deutlich pessimistischer.
3. Links (fast) wie rechts
Auch das frisch gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) ist vor allem außerhalb der Metropolen stark. In der Fläche fallen die Ergebnisse dennoch sehr unterschiedlich aus.
Was lässt sich nun aus den Daten ableiten? Leuchtturmprojekte in den Metropolen – wie die Chipfabrik des taiwanesischen Unternehmens TSMC in Dresden – halten die Landbevölkerung offenbar nicht davon ab, bei den Wahlen für die politischen Ränder zu stimmen. Die damit verbundenen wirtschaftlichen Perspektiven werden jedoch vermutlich noch mehr Menschen in Stadtnähe ziehen – egal ob aus ländlichen Regionen oder von außerhalb des Bundeslands.
Spannend wird, ob sich das Muster bei der Landtagswahl in Brandenburg am 22. September bestätigt. Nach den letzten Umfragen droht auch hier ein Patt im Parlament zwischen SPD und CDU auf der einen und AfD und BSW auf der anderen Seite. Alle anderen Parteien müssen um den Einzug ins Parlament bangen.
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