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Reichensteuer So werden Wohlhabende im Ausland zur Kasse gebeten

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Die Regelungen in Frankreich und den USA

Frankreich

Französische Einkommen sind im Schnitt niedriger als in Deutschland. Das Jahresgehalt eines Ingenieurs etwa beträgt im Mittel rund 38.000 Euro. 70 Prozent der Franzosen verdienen höchstens das 2,5fache des Mindestlohns, also maximal rund 3700 Euro monatlich. Gutverdiener stehen daher gesellschaftlich schnell in Verdacht, mit gleich zwei Säulen des nationalen Mottos „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zu brechen und sich auf Kosten anderer zu bereichern.

Im Gegensatz zu Deutschland wird die Einkommensteuer in Frankreich nicht automatisch vom Lohn abgezogen, sondern muss im Folgejahr deklariert werden. Laut einem Gesetz der amtierenden Regierung soll ab 2018 das deutsche Modell gelten. Der neu gewählte Präsident hat vor wenigen Tagen erkennen lassen, dass die neue Regelung vermutlich nicht wie vorgesehen am 1. Januar 2018 in Kraft treten wird.

Für Einkommen aus dem Jahr 2016, für die in diesem Mai die Erklärung fällig wird, gilt Folgendes: Nach Abzug der Sozialabgaben sind Einkommen bis zu einer Summe von 9710 Euro steuerfrei. Danach steigen die Steuersätze progressiv an: 14 Prozent bis 26.818 Euro, 30 Prozent für die Differenz zwischen 26.818 und 71.898 Euro, danach 41 Prozent auf die Differenz zwischen 71898 und 152260 Euro. Danach wird ein Steuersatz von 45 Prozent fällig. Darüber hinaus gilt eine Steuer für besonders hohe Einkommen. Für einen Single beträgt sie drei Prozent auf Einkommen zwischen 250.000 und 500.000 Euro und vier Prozent für Einkommen, die dieses Limit übersteigen. Der Spitzensteuersatz beträgt also 49 Prozent.

USA

Der Spitzensteuersatz in den USA beträgt 39,6 Prozent und wird für all jene fällig, die in diesem Jahr mehr als 418.401 US-Dollar verdienen. Wer eine Familie zu ernähren hat, wird erst ab 444.551 US-Dollar mit dem Höchstsatz belangt. Kapitaleinkünfte – die Haupteinnahmequellen der Reichen und Superreichen in den USA – werden mit nur maximal 23,8 Prozent besteuert. Das führt dazu, dass US-Amerikaner mit einem Einkommen zwischen einer und 1,5 Millionen US-Dollar im Schnitt zuletzt rund 28,1 Prozent Abgaben an den Fiskus abgeführt haben. Die Superreichen mit einem Einkommen über zehn Millionen Dollar haben gar nur 27 Prozent an Steuern auf ihr Vermögen gezahlt. Und damit kaum mehr wie der typische Mittelschichtler: Wer zwischen 37.951 und 91.901 Dollar im Jahr verdient, muss eine Einkommensteuer von 25 Prozent zahlen.



Obwohl die Demokraten versuchen, die Ungleichheits-Debatte im öffentlichen Bewusstsein zu halten, haben sich die Wähler im November für einen Präsidenten entschieden, der verspricht, die Steuern zu senken. Und zwar für alle. Künftig soll es statt des progressiven Modells nur noch drei Steuertarife geben. Vor allem die Reichen würden profitieren: Trumps Reform sieht vor, dass der Höchstsatz bei der Einkommensteuer künftig nur noch bei 25 Prozent liegt.

„Es gibt in den USA keine bessere Wahlwerbung, als für niedrige Steuern einzustehen“, sagt Robin Einhorn, Historikerin an der University of California. Seit der Boston Tea Party, als amerikanische Unabhängigkeitskämpfer gegen die Besteuerung durch die britische Krone aufbegehrten, sei die rigorose Ablehnung von Abgaben an den Staat tief im amerikanischen Bewusstsein verankert. Und so unterstützen selbst die mittleren Einkommensschichten rigorose Entlastungen der Reichen – „selbst wenn das die Finanzierung von staatlichen Leistungen einschränkt, die Gering- und Mittelverdiener in Anspruch nehmen, oder gar ihre eigene Steuerlast erhöht.“

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