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WählerwanderungBayern ist konservativ – wie immer

Die Grünen gelten als Gewinner der Bayern-Wahl. Dabei zeigt ein Blick in die Zahlen: Die Dominanz der Parteien rechts der Mitte ist seit Jahrzehnten ungebrochen.Fabian Ritters 15.10.2018 - 15:34 Uhr

Mit Wahlplakaten wie diesem warb die CSU um Stimmen.

Foto: dpa

Als Wahlforscher am Sonntagabend die ersten Prognosen zur Landtagswahl in Bayern veröffentlichten, knallten bei den Grünen die Konfettikanonen. Für die eher progressive Umweltschutzpartei ist es ein Rekordergebnis: 17,5 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben in Bayern den Grünen ihre Stimme gegeben.

Auch die Freien Wähler können sich über ein historisch gutes Ergebnis mit 11,6 Prozent der Stimmen freuen. Die einstige Abspaltung der CSU kann angesichts der offenen Präferenz von Ministerpräsident Markus Söder für eine „bürgerliche Koalition“ sogar mit einer Regierungsbeteiligung in Bayern rechnen. (Alle Wahlergebnisse finden Sie hier.)

Dagegen ist es für die CSU fast ein negatives Rekordergebnis: Nur 37,3 Prozent der Stimmen konnte die bayerische Unionspartei holen, die nach außen hin gerne Bayern mit sich selbst gleichsetzt. Nur 1950 gab es ein noch schlechteres Wahlergebnis. Ebenfalls herbe Verluste muss die SPD hinnehmen.

Bei der Wählerwanderung zeigt sich, an wen die Volksparteien im Freistaat Stimmen verloren haben. So büßte die CSU nach Schätzungen etwa 190.000 Wählerinnen und Wähler an die Grünen ein, 222.000 an die Freien Wähler und etwa 160.000 an die AfD. Die SPD muss dagegen eine Abwanderung von 230.000 Wählerinnen und Wähler an die Grünen, 150.000 an CSU und 80.000 an die Freien Wähler verkraften. Zum Vergleich: Insgesamt erhielt die SPD gut 1,3 Millionen Stimmen, die CSU rund 5 Millionen.

Stabiler Trend: Mehrheit rechts der Mitte

Viel hat sich verschoben im Südosten der Republik, der mit der eigentlich immer alleinregierenden CSU eine Sonderrolle in der deutschen Parteienlandschaft eingenommen hatte. Das könnte man zumindest auf den ersten Blick meinen.

Doch teilt man die Stimmenanteile der Parteien schlicht in zwei Lager links und rechts der politischen Mitte auf und vergleicht sie mit den historischen Wahlergebnissen seit 1946, zeigt sich: Eigentlich bleibt in Bayern alles wie es immer schon war. Überraschend stabil kommen Parteien, die eher rechts der Mitte stehen, immer auf ein Ergebnis von 60 bis 70 Prozent.

Alles bleibt beim Alten
Historische Wahlergebnisse der Bayrischen Landtagswahlen (Stimmenanteil in Prozent)*

Einteilung: rechts der Mitte (CSU, Freie Wähler, FDP, BP, Republikaner, AFD, WAV, GB/BHE, DRP/NPD), links der Mitte (SPD, Grüne, LINKE, KPD/DKP, Piraten)
Quelle: Wahlrecht.de, eigene Berechnungen

Foto: WirtschaftsWoche

Die progressiven Parteien links der Mitte liegen zusammen immer auf zwischen 30 bis 35 Prozent der Stimmen (siehe Grafik). Daran ändert das aktuelle Ergebnis nichts. So kommen CSU, Freie Wähler, FDP und AfD zusammen auf 66 Prozent. Bei SPD, Grünen und Linken zusammen ergibt sich dagegen ein Wert von 31 Prozent. In Summe hat sich der Stimmenanteil von konservativ, liberalen bis hin zu nationalistischen Parteien gegenüber 2013 sogar vergrößert (plus zwei Punkte). Im bayrischen Landtag wird es daher in Zukunft eine Zweidrittelmehrheit rechts der Mitte geben.

Das Ergebnis der AfD (10,2 Prozent) überrascht historisch ebenfalls nicht: In Bayern konnten rechte bis rechtsnationale Parteien immer schon besser abschneiden als im Bundesdurchschnitt. So gelang 1966 der Deutschen Reichspartei (DRP) einem Vorgänger der rechtextremen NPD mit 7,6 Prozent der Einzug in den bayrischen Landtag. Auch die rechtspopulistischen Republikaner haben 1990 knapp mit 4,9 Prozent den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde verpasst. Ebenso konnte die Vertriebenenpartei Gesamtdeutscher Block/ Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) oder die separatistische Bayernpartei (BP) in den 1950er Jahren zweistellige Ergebnisse bei den Bayrischen Landtagswahlen erzielen.

So gesehen bleibt in Bayern alles beim Alten.

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