Russlands Automarkt Moskauer Autosalon im Zeichen der Krise

Die Krise der russischen Autoindustrie überschattet auch den Moskauer Autosalon. Trotzdem wird Volkswagen in Russland in vollem Umfang weiterproduzieren - vorerst zumindest.

Die aktuellen Lieblingsautos der Deutschen
Platz 10: VW TouranNeuzulassungen: 27.346 (Vorjahr: 24.171) Gerade hat VW-Chef Winterkorn ein großes Sparprogramm für die Marke Volkswagen angekündigt und damit nicht nur die Mitarbeiter des Wolfburger Konzerns geschockt. Die die Statistik der Kraftfahrtbundesamtes über die Neuzulassungen von Januar bis einschließlich Juli, muss da wie Balsam für die Seele sein: 13 der 25 meistverkauften Autos in Deutschland stammen aus dem VW-Konzern. Auf Platz zehn der VW Touran. Im ersten Halbjahr 2014 verkaufte er sich sogar noch deutlich besser als 2013 - ein Plus von über 3000 Fahrzeugen. Quelle: Volkswagen
Platz 9: Skoda OctaviaNeuzulassungen: 27.409 (Vorjahr: 22.243) Der Skoda Octavia ist das erfolgreichste Importauto in Deutschland. Von dem gern als Firmenwagen genutzten Modell verkaufte sich nochmal fast 5000 Stück mehr als im Vorjahr. Quelle: obs
Platz 8: Ford FocusNeuzulassungen: 27.536 (Vorjahr: 23.812) Er ist einer der großen Gewinner im ersten Halbjahr. Mit 4000 mehr verkauften Modellen, schießt der Focus von Rang 15 auf Rang 8. Quelle: obs
Platz 7: Mercedes C-Klasse (im Bild bereits das neue T-Modell) Neuzulassungen: 27.927 (Vorjahr: 26.287) Eine saubere Leistung für Mercedes. Trotz Modellwechsels legt die C-Klasse noch mit der Vorgänger-Variante zu - 1000 Wagen mehr als Vorjahreszeitraum fuhren bis Juni vom Hof. Quelle: Daimler
Platz 6: BMW 3erNeuzulassungen: 30.468 (Vorjahr: 35.498) Im Vorjahr profitierten die Bayern noch von der 2012 eingeführten Generation des 3er-Modells. Je länger das Modell auf dem Markt ist, desto mehr lässt das Interesse der Kunden nach: Von Januar bis Juni wurden rund 5000 3er weniger zugelassen als im Vorjahreszeitraum. Quelle: REUTERS
Platz 5: VW-PoloNeuzulassungen: 32.077 (Vorjahr: 34.526) Ein paar weniger Neuzulassungen sind es zwar als noch in den ersten sechs Monaten 2013, doch der Stadtflitzer hält stabil seinen fünften Platz. Und ja, das ist bereits VW Nummer zwei unter den Top Ten der Lieblingsautos der Deutschen. Quelle: Volkswagen
Audi A3Neuzulassungen: 33.432 (Vorjahr: 28.102) Die Premium-Tochter des VW-Konzerns verkaufte sich in diesem Jahr noch deutlich besser als im ersten Halbjahr 2013. 5000 Neuzulassungen mehr - damit schafft der A3 den Sprung von Rang 7 auf Rang vier. Quelle: AP

Der Motor des gut zwei Tonnen schweren Mercedes S65 AMG Coupé brummt nicht, er knurrt. Das 630-PS-Monster mit Zwölfzylinder hat großen Appetit auf Benzin und Euro. Fast eine Viertelmillion Euro muss berappen, wer das brandneue Modell des Stuttgarter Premium-Autobauers fahren will. Auf dem Moskauer Autosalon, wo der Bolide derzeit Welt-Premiere feiert, findet sich das passende Publikum – russische Milliardäre und Oligarchen.

Alles, was groß und teuer ist, rollt auf den roten Teppich. BMW zeigt den X5 mit Security-Plus Paket. Die Plus-Version ist noch stärker gepanzert, der Wagen der Schutzklasse VR 6 soll Angriffen mit einer Kalaschnikow standhalten können.

Fast schon harmlos wirkt da das Messeaufgebot von Renault. Die Franzosen, die in ihrer Allianz mit Nissan über direkte und indirekte Beteiligungen fast 50 Prozent als Russlands größtem Autobauer AvtoVaz (Lada) halten, präsentieren mit dem R.S.01 einen Supersportwagen für die mit mehr als 500 PS, den eine V6-Maschine mit zwei Turboladern und 3,8 Litern Hubraum über die Rennstrecke katapultiert.

Die stärksten Marken auf Russlands Automarkt

Diese Superlativen sind einer Klientel vorbehalten, das sich weder um einen Kraftstoffverbrauch von 20 Liter auf 100 km/h noch um horrende Importzölle schert. Die Nobelmarken Daimler, Audi und BMW können hier in Moskau mit ihren PS-Boliden für die russische Upper-Class protzen. Das Geschäft mit Premium- und Luxuskarossen läuft allen russischen Krisenherden zum Trotz noch gut.

Immer düsterer sieht es dagegen für Volumenherstellern wie Ford und General Motors aus. In den ersten sieben Monaten ging der Neuwagenmarkt in Russland um knapp 10 Prozent auf 1,41 Mio. Einheiten zurück, allein im Juli betrug das Minus 23 Prozent. 

General Motors fährt wegen des Nachfrageeinbruchs die Fertigung in seinem St. Petersburger Werk drastisch zurück. Im August und September wird nur an vier Tagen gearbeitet, im Oktober an acht.

Wie es danach weitergehen soll, ist offen. Volkswagen dagegen wird dagegen trotz der Ukraine-Krise und aktueller Schwäche des russischen Marktes seine Fertigung in Kaluga und in Nishni Nowgorod vorerst nicht drosseln. Wie Marcus Osegowitsch, Generaldirektor von Volkswagen Russia, am Rande des Automobilsalons in Moskau erklärte, werde VW die Produktion bis auf weiteres in vollem Umfang aufrecht erhalten.

Eine „taktische“ Drosselung der Produktion in den kommenden drei Monaten schloss er aber nicht aus: „Wir fahren auf Sicht“, sagte er. Die Investitionen in eine neue Motorenproduktion und ein neues Ersatzteillager bleiben vollständig erhalten. Volkswagen baut derzeit an den beiden Standorten insgesamt sechs Modelle der Marken VW und Skoda.

Im Dezember soll mit dem VW Touareg ein siebtes Modell hinzukommen. Osegowitsch geht trotz der aktuellen Marktschwäche davon aus, dass der Volkswagen-Konzern seinen Marktanteil von derzeit rund elf Prozent in diesem Jahr leicht ausbauen kann. Dennoch werde der Absatz wohl geringer ausfallen als im Vorjahr: Osegowitsch rechnet für 2014 mit einer Produktion von rund 200.000 Autos in Russland – das wären sechs Prozent mehr als im Vorjahr mit 188.000.

Absatz deutscher Hersteller in Russland

Alle hoffen, dass sich die politischen Konflikte bald lösen lassen. Doch selbst wenn das der Fall ist, bleibt die traurige Erkenntnis: der russische Automobilmarkt wurde massiv überschätzt. Schon für 2013 hatten verschiedene Beratungshäuser Russland, prophezeit den deutschen Automarkt nach Volumen zu überholen. Die magische Grenze von drei Millionen abgesetzter Fahrzeuge waren zum Greifen nah. Doch dann wurden die russischen Verbraucher immer ängstlicher, wichtige Unterstützungsprogramme liefen aus und viele schoben den Kauf eines neuen Autos auf.

Die jetzigen Spannungen zwischen Russland der EU und den USA sind nur einer von vielen Faktoren für den Absatzrutsch. 15 Prozent weniger Autos in 2014. Erst in zwei oder drei Jahren wird es langsam wieder Berg auf gehen, so die Prognose des Beratungshauses PwC. Also heißt es Durchalten.

Was bleibt den Hersteller auch übrig? Sie haben Milliarden in den Aufbau von Produktionen in Russland gesteckt. VW will bis 2018 rund 1,2 Milliarden Euro investieren. Continental hat eben ein neues Werk zur Produktion von Motorsteuergeräten und Kraftstofffördereinheiten aufgebaut. Ford kündigte vor wenigen Tagen an, ein Werk des Joint-Ventures Ford Sollers für 112 Millionen Euro zu modernisieren, um dort den neuen Fiesta zu bauen.

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