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Umfrage Ein schönes E-Auto aus China? Nicht für BMW-, Mercedes- und VW-Fahrer

William Li, Chef des chinesischen E-Auto-Start-ups Nio, bei der Vorstellung des neuen Modells ET7. Quelle: REUTERS

Batterien und Elektronik beherrscht die chinesische Industrie bereits. Jetzt nimmt sie mit ihren E-Autos Kurs auf Europa. Aber würden die Kunden hier überhaupt chinesische Marken kaufen? Eine exklusive Umfrage von YouGov im Auftrag der WirtschaftsWoche zeigt, wer umsteigen würde und wer eher nicht. 

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Der Großangriff chinesischer Autobauer auf den deutschen Markt läuft: Elektroautos des jungen chinesischen Herstellers Aiways etwa gibt es bei der Elektronikkette Euronics, die E-Autos des chinesischen Konkurrenten MG sind bei über 25 Autohändlern erhältlich. Bis Jahresende könnten es rund 100 Händler sein. Und Nio – auch der „Tesla Chinas“ genannt – rollt gerade von Norwegen aus auf den europäischen Markt. Fielen chinesische Autos früher reihenweise bei Crashtests durch, sieht der ADAC inzwischen etliche Modelle auf Augenhöhe mit deutschen Herstellern und VW-Chef Herbert Diess warnt: „China setzt Standards bei Produktivität und Qualität.“

Aber sind die Deutschen überhaupt gewillt, Autos eines chinesischen Herstellers zu kaufen? Das Marktforschungsunternehmen YouGov hat im Auftrag der WirtschaftsWoche über 2000 Menschen in Deutschland nach ihrer Einstellung zu chinesischen Autos befragt. Die repräsentative Umfrage ergab, dass 27 Prozent der Deutschen sich den Kauf eines chinesischen Autos vorstellen können. 33 Prozent schließen einen solchen Kauf kategorisch aus, weitere 25 Prozent sind eher ablehnend.

Besonders offen für neue Marken aus dem fernen Osten zeigt sich die jüngste Käufergruppe der 18- bis 24-Jährigen: 38 Prozent dieser Altersgruppe können sich vorstellen, eine chinesische Marke zu kaufen. Bei der ältesten Zielgruppe (über 55 Jahre) sind es nur 24 Prozent.

Autoprofessor lobt „gute Verarbeitung und Qualität und Technik, zu passablen Preisen“

Erstaunlich viele Deutsche gehen davon aus, dass Autos chinesischer Hersteller qualitativ mit Autos deutscher Hersteller mithalten können. 33 Prozent sind dieser Meinung. 48 Prozent sehen diese Stärke bei chinesischen Anbietern nicht. Bei den Besitzern deutscher Automarken ist die Skepsis gegenüber chinesischer Technik ausgeprägter. So denken 65 Prozent der Mercedes-Fahrer und 58 Prozent der VW-Fahrer, dass chinesische Autobauer mit den deutschen Herstellern nicht auf Augenhöhe seien. Bei den Fahrern ausländischer Marken, etwas aus den USA, Japan oder Korea ist diese Skepsis deutlich geringer. So sehen etwa nur 45 Prozent der Ford-Fahrer die deutschen Hersteller technisch im Vorteil.

Ganz ähnlich sieht es bei der Kaufbereitschaft aus. BMW- und Mercedes-Fahrer können sich am wenigsten vorstellen, auf eine chinesische Marke umzusteigen. Über 70 Prozent von ihnen lehnen das ab. Die Ford-Fahrer könnten chinesische Neulinge wohl deutlich leichter überzeugen: Nur 52 Prozent lehnen sie ab, 35 Prozent dagegen zeigen sich offen für ein Produkt aus dem Reich der Mitte.



Allerdings müssen die Hersteller aus China wohl noch viel Geld für Werbung ausgeben. Denn selbst von den bekanntesten chinesischen Marken, die nach Europa expandieren möchten – etwa Geely, Nio, MG, Xpeng oder Aiways – haben 69 Prozent der Deutschen noch nie etwas gehört. Die wenigstens etwas bekannten Marken sind Geely (8 Prozent haben davon schon einmal gehört), Nio (7 Prozent) und MG (5 Prozent).

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research in Duisburg, sieht chinesische Autos in Europa bislang „in der Nische“, das werde sich aber „in den nächsten zehn Jahren ändern. Bisher sei eigentlich nur MG, eine Marke des chinesischen Auto-Konzerns und VW-Partners SAIC, mit einigen Fahrzeugverkäufen in Europa zu sehen, sagt Dudenhöffer: „Etwa in den Niederlanden mit 250 Verkäufen in den ersten vier Monaten des Jahres oder in Norwegen mit 526 Verkäufen oder in Österreich mit 193 Verkäufen“. Anders sei die Situation in Russland, so Dudenhöffer. Dort hätten die chinesischen Anbieter in den ersten fünf Monaten des Jahres immerhin 5,6 Prozent Marktanteil erreicht.

Der Autoprofessor lobt die „gute Verarbeitung und Qualität und Technik, zu passablen Preisen“. Spannend seien die Start-ups à la Nio, „die in China mittlerweile gut positioniert sind und gegen Tesla antreten“. Insgesamt könne man davon ausgehen, dass in gut zehn Jahren die chinesischen Hersteller als Gruppe etwa vergleichbar seien mit den heutigen Koreanern – also vor allem den Marken Kia und Hyundai



Ihre Käufer finden die chinesischen Hersteller laut Dudenhöffer vor allem bei den heutigen Kunden von Suzuki, Mazda, Honda, Mitsubishi, Nissan, Fiat, Opel, Peugeot und Renault. Diese gerieten mit der neuen Konkurrenz aus China in „einen sehr ernstzunehmenden Wettbewerb“.

Mehr zum Thema: Chinesen kaufen gern deutsche Autos – und umgekehrt? Das wird sich bald zeigen. Denn zahlreiche chinesische Autobauer greifen mit Elektromodellen in Europa an. Sie kommen mit viel Kapital, frischen Vertriebsideen – und vor allem als unschlagbar günstige Technologieführer.

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