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Lufthansa unterschreibt Kaufvertrag für Air Berlin „Heute ist ein großer Tag“

Heute will Lufthansa-Chef Carsten Spohr die Kaufverträge für große Teile von Air Berlin unterschreiben. Fraglich ist aber immer noch, ob auch Easyjet zum Zug kommt. Darüber wird heute weiter verhandelt.

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Lufthansa und Air Berlin Flieger Quelle: dpa

Die Lufthansa rechnet für Donnerstag mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags für große Teile von Air Berlin. „Wir werden heute einen Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Air Berlin sehen“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin. „In der Tat ist das heute ein großer Tag, den wir in ein paar Stunden mit der Unterschrift besiegeln“, sagte Spohr.

Damit geht ein Großteil der Nummer zwei am deutschen Flugmarkt an die Nummer eins. Lufthansa werde von Air Berlin „voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren“, hatte Carsten Spohr der „Rheinischen Post“ gesagt. Mit den Fliegern übernimmt die Kranich-Linie auch die Start- und Landerechte. Die Frankfurter wollen die profitable Air-Berlin-Tochter Niki, die Tochter Luftfahrtgesellschaft Walter und weitere Maschinen. Der Konzern will sie vor allem in die Billigtochter Eurowings integrieren, um diese im Kampf mit Ryanair und anderen zu stärken.

Zumindest die Anleger jubelten über die Einigung. Die Aktien der Lufthansa kletterten am Donnerstag um 3,2 Prozent auf 25,34 Euro, das war der höchste Stand seit Anfang 2001. Die Papiere der insolventen Rivalin schossen um fast die Hälfte auf 23 Cent in die Höhe.

Die Teil-Übernahme von Air Berlin ist ein wichtiger Schritt in der Strategie Spohrs, mit Eurowings schnell zu wachsen. Bereits kurz nach der Insolvenz Air Berlins Mitte August wurden bereits Vorwürfe laut, dass die Lufthansa bevorzugt behandelt werden würde – unter anderem von Ryanair. In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ wies Spohr die Vorwürfe zurück. „Wir haben nie bestritten, dass wir uns seit über einem Jahr auf einen möglichen Marktaustritt von Air Berlin vorbereitet haben“, so der Lufthansa-Chef. „Auf diesen Gedanken hätte aber auch jeder andere Wettbewerber nach einem Blick in die öffentlich zugänglichen Bilanzen kommen können.“

Air Berlin: Das Ringen um die Flughafen-Slots

Insgesamt investiert die Lufthansa eine halbe Million Euro pro Arbeitsplatz. „Seitdem diese Zahlen im Markt bekannt sind, sind diejenigen, die uns vorwerfen, dass es im Bieterverfahren keinen vernünftigen Wettbewerb gegeben habe, recht ruhig geworden“, sagte Spohr. „Denn nach allem, was bekannt ist, wollte keiner der anderen Mitbieter auch nur ansatzweise in dieser Dimension investieren.“

Immer noch keine Einigung mit Easyjet

Der wichtigste Mitbieter ist Easyjet. Die britische Billigfluglinie will 27 bis 30 Maschinen von Air Berlin übernehmen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach am Donnerstag von 20 bis 30 Flugzeugen, die Easyjet in Berlin und Düsseldorf stationieren wolle.Allerdings gibt es hier noch keine unterschriftsreife Einigung – am vergangenen Wochenende hatte Easyjet sein Angebot von rund 50 Millionen Euro verringert. Die genaue Summe ist allerdings noch unbekannt. „Wir verhandeln heute mit Easyjet weiter“, sagte ein Sprecher am Donnerstag.

Der britische Billigflieger sieht seine Chance, mit den Air-Berlin-Kurzstrecken auch auf dem deutschen Markt stärker durchzustarten. In Berlin-Schönefeld ist Easyjet schon stark vertreten, nun könnte die Gesellschaft auch am bisherigen Air-Berlin-Drehkreuz Tegel einen Fuß in die Tür bekommen. Strittig war zuletzt offenbar noch die Verteilung der Slots zwischen Lufthansa und Easyjet, also wer welche Start- und Landerechte in Düsseldorf und Tegel erhält.

Kommt es am Donnerstag zu keiner Einigung mit den Briten, verfällt die vor mehreren Wochen vereinbarte Exklusivität der Verhandlungen. Damit könnten wieder Bieter ins Rennen kommen, die schon abgeschrieben waren. . Sollten Flugzeuge übrig bleiben, könne Condor ins Spiel kommen, hatte Air-Berlin-Chef Winkelmann im September angekündigt. Condor selbst hält sich aber zu seinen Ambitionen öffentlich zurück.

Sicher ist aber vorerst nur, dass der Großteil der Flotte und etwa 3000 Mitarbeiter bei der Lufthansa landen. Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. „Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus.“ Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. „Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu.“

Die Chronik von Air Berlin

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, „um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben“. Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB „nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich“. Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden.

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