Die wichtigsten Antworten zum VW-Skandal: Experte befürchtet dreistellige Milliardenstrafe
Martin Winterkorns Rücktrittserklärung im Wortlaut
„Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren. Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekanntgewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin.
Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei. Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben. Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden.“
Foto: APWolfgang Porsche, Berthold Huber, Stephan Weil (l-r)
Der Konzern will in den nächsten Tagen einen Nachfolger präsentieren. Vorschläge zur personellen Neubesetzung sollten bis zur Sitzung des Aufsichtsrats am kommenden Freitag vorliegen, teilte das Präsidium des Gremiums im Anschluss an eine Sitzung am Mittwoch mit. Die Mitglieder des engeren Führungszirkels um Betriebsratschef Bernd Osterloh, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Wolfgang Porsche als Sprecher der Familien Porsche und Piech erklärten zudem, es sei in den nächsten Tagen mit weiteren personellen Konsequenzen zu rechnen. Die internen Untersuchungen liefen auf Hochtouren. "Alle Beteiligten an diesen Vorgängen, die einen unermesslichen Schaden für Volkswagen angerichtet haben, werden mit aller Konsequenz belangt", hieß es in der Erklärung. Zudem soll ein Sonderausschuss eingerichtet werden, um die weitere Aufklärung voranzutreiben.
Foto: dpaDer Konzern stellte darüber hinaus Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Damit will der Konzern das durch die Abgasmanipulationen verlorene Vertrauen zurückgewinnen. Wörtlich heißt es in einer Erklärung des Gremiums: „Es steht nach Ansicht des Präsidiums fest, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die auch strafrechtlich relevant sein können.“ Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden vom Konzern in aller Form unterstützt.
Foto: REUTERSStephan Weil (SPD), Niedersachsens Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen
Weil antwortete im ARD-Morgenmagazin am Donnerstag auf die Frage, ob es wirklich glaubwürdig sei, dass Winterkorn nichts von den Abgas-Manipulationen gewusst habe: "Für mich ist es glaubwürdig, für die anderen Mitglieder des Präsidiums war es das auch."
Foto: dpaAnton Hofreiter (Die Grünen)
Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat den Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn als "absolut richtigen Schritt" bezeichnet. Der Rücktritt dürfe jetzt aber nicht bedeuten, dass VW bei der Aufklärung der Vorfälle nachlasse, sagte Hofreiter der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". "VW muss die Aufklärung vorantreiben. Winterkorns Nachfolger darf durch die Affäre nicht belastet sein", sagte Hofreiter. Der Grünen-Politiker mahnte bei Automobilherstellern einen "grundlegenden Mentalitätswechsel" an. Die Verbraucher hätten ein Recht darauf, dass die Schadstoffemissionen von Neuwagen "auch in der Realität, nicht nur im Labor" vorgegebene Grenzwerte nicht überschritten.
Foto: REUTERSBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD)
"Ich bin mir sicher, dass VW den Fall schnell und restlos aufklären wird", sagte Gabriel während einer Rede am Rande der Automobilmesse IAA. Er habe persönlich großen Respekt vor der Entscheidung Winterkorns, im Zuge des Skandals zurückzutreten. "Ich finde, die Leistung von Herrn Winterkorn für das Unternehmen ist nach wie vor unbestritten."
Foto: dpaStellvertretender Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Oliver Krischer
Für die Grünen ist der Rücktritt von Winterkorn ein folgerichtiger Schritt in der Abgas-Affäre. „Damit hat der VW-Konzern die Chance auf einen Neuanfang. Sein Nachfolger muss beweisen, dass Anspruch und Wirklichkeit bei VW zusammenpassen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer am Mittwoch in Berlin. Es könne nicht sein, dass VW in Hochglanzbroschüren von sauberen Autos spreche, aber auf der Straße der Abgasausstoß um ein Vielfaches höher sei.
Die Grünen werfen der Bundesregierung vor, schon länger um Manipulationen der Autokonzerne bei Spritverbrauch und Abgaswerten zu wissen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat den Vorwurf zurückgewiesen.
Foto: dpa
Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD)
Lies rechnet in der VW-Abgas-Affäre mit „weiteren personellen Konsequenzen“ in den nächsten Tagen. „Wir verlangen auch die Konsequenzen“, sagte Lies am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. „Es geht um die gesamte Struktur bei Volkswagen. Jetzt muss es darum gehen, für 600.000 Mitarbeiter, 280.000 allein in Deutschland, die Sicherheit zu schaffen, dass wir die Lage im Griff haben“.
Foto: dpaAutomobilexperte Ferdinand Dudenhöffer
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte der "Berliner Zeitung", Winterkorns Rücktritt sei richtig, "auch wenn er zu spät kommt". Winterkorn mache damit den Weg für einen Neuanfang frei. "Das ist besser für VW, besser für die 600.000 Mitarbeiter des Konzern und besser für Deutschland insgesamt", sagte der Wirtschaftswissenschaftler von der Universität Duisburg Essen.
Foto: dpaMichael Fuchs (CDU), stellvertretender Vorsitzender der Unions Bundestagsfraktion
Der Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn verdient nach den Worten von Michael Fuchs Respekt. "Das ist eine honorige Haltung von Winterkorn, dass er die Verantwortung für die Manipulationen in den USA mitübernimmt", sagte Fuchs der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". "Winterkorn zeigt Stil und Haltung", sagte der CDU-Wirtschaftspolitiker.
+++Diese Übersicht wird laufend ergänzt+++
Foto: dpaWie hart trifft der Manipulationsskandal VW?
Die Auswirkungen sind immens. Thomas Möllers, Juraprofessor an der Universität Augsburg und einer der führenden deutschen Kapitalmarktexperten, rechnet in der Abgas-Affäre mit existenzbedrohenden Strafen für Volkswagen. „Wenn jemand arglistig täuscht, kennt das US-Schadenersatzrecht sogenannte punitive damages, also Schadenersatz mit strafendem Charakter“, sagte Möllers der WirtschaftsWoche. „Da kann das 20- oder auch 50-Fache des tatsächlichen Schadens als Schadenersatz verhängt werden.“
Wenn man bei elf Millionen verkauften Autos nur 1000 Dollar Schaden pro Auto annimmt, wären dies insgesamt schon elf Milliarden Dollar. „Dann rechnen Sie das mal mit dem Faktor 30 oder 50“, sagt Möllers, „da können drei- oder vierstellige Milliardenbeträge auf VW zurollen. US-Gerichte nehmen da auch wenig Rücksicht, es mussten schon Unternehmen Insolvenz anmelden wegen Schadenersatzzahlungen.“
Als einzigen Ausweg sieht Möllers harte Maßnahmen. „Bei VW müssen Köpfe rollen und das Unternehmen muss binnen kürzester Zeit aufarbeiten, was passiert ist“, sagt Möllers, „Siemens etwa kam nur deswegen einigermaßen glimpflich durch die Auseinandersetzungen mit den US-Behörden, weil Vorstände ausgetauscht wurden und das Unternehmen extrem kooperativ war.“
Volkswagen legte im Zuge der Abgas-Affäre in den USA rund 6,5 Milliarden Euro zur Seite. Dadurch werde das Ergebnis im laufenden Jahr geschmälert, kündigte der Konzern am Dienstag an. Die Ergebnisziele würden entsprechend angepasst.
Auch bei Fahrzeugen außerhalb der USA gibt es offenbar Auffälligkeiten. Volkswagen geht davon aus, dass weltweit insgesamt rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Bei einem bestimmten Motortyp sei "eine auffällige Abweichung zwischen Prüfungswerten und realem Fahrbetrieb" festgestellt worden. Das Unternehmen stehe dazu in Kontakt mit den zuständigen Behörden und dem deutschen Kraftfahrtbundesamt.
Selbst wenn die Probleme auf die USA beschränkt bleiben, wären die Folgen enorm. Im ärgsten Fall droht allein deswegen eine Strafzahlung für die Manipulationen in Höhe von 18 Milliarden Dollar. Mittlerweile hat sich das US-Justizministerium mit strafrechtlichen Ermittlungen gegen den VW-Konzern eingeschaltet, berichten US-Medien unter Berufung auf Ministeriumsinsider.
Glauben die Ermittler, bei VW liegt noch mehr im Argen, könnte der Autobauer sogar für mehrere Jahre unter Beobachtung der US-Behörden gestellt werden. Daimler hat bereits Erfahrung mit einem solchen "Monitorship". Der Hersteller wurde zwischen 2010 und 2013 beaufsichtigt, nachdem Korruptionsfälle bekannt worden waren. Zudem könnten Anleger den Konzern wegen Schadenersatzforderungen vor Gericht bringen und Autofahrer eine Sammelklage einreichen. Zwingen die US-Behörden Volkswagen dazu, die betroffenen Modelle zurückzurufen, fallen weitere Kosten an. Rund 500.000 Fahrzeuge von der Straße zu holen, ist nicht gerade preiswert.
Klar ist auf jeden Fall: Der Imageschaden für Volkswagen ist groß. US-Kunden könnten den Konzern künftig als dreisten Trickser abtun. Die Anleger haben VW in einer ersten Reaktion bereits das Vertrauen entzogen. Die VW-Aktie verlor zeitweise mehr als 20 Prozent. Durch die Kursverluste ist der Börsenwert von Volkswagen über Stamm- und Vorzugsaktien gerechnet um insgesamt 15 Milliarden Euro geschmolzen, von knapp 77 auf nur noch 61,8 Milliarden Euro.
Welche Konsequenzen zieht VW-Vorstandschef Martin Winterkorn?
Er trat am Mittwoch nach einer Krisensitzung des Volkswagen-Aufsichtsrats zurück. "Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell", erklärte Winterkorn selbst. Mit seinem Rücktritt mache er den Weg dafür frei. Er tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl er sich "keines Fehlverhaltens bewusst" sei. "Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren", so Winterkorn.
Am Tag zuvor hatte er noch öffentlich um Entschuldigung gebeten. In einem Video-Auftritt versprach er am Dienstag rasche und transparente Aufklärung und Wiedergutmachung.
Was sagt das Präsidium des Aufsichtsrates der Volkswagen AG?
Das oberste Gremium des Konzerns hat Winterkorns Rücktritt angenommen. "Die Mitglieder des Präsidiums stellen fest, dass Herr Professor Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten. Seine Bereitschaft, die Verantwortung zu übernehmen und damit ein deutliches Signal in das Unternehmen hinein und nach außen zu senden, wird von dem Präsidium mit größter Hochachtung zur Kenntnis genommen", heißt es in einer offiziellen Erklärung.
Wer folgt Winterkorn nach?
Vorschläge zu personellen Neubesetzungen werden laut Präsidiumserklärung bis zur Sitzung des Aufsichtsrates am kommenden Freitag vorliegen. Als Kandidaten für die Nachfolge des VW-Chefs werden unter anderem Herbert Diess, Matthias Müller und Andreas Renschler gehandelt.
Warum stand Winterkorn im Feuer?
Als direkter Verantwortlicher für Forschung und Entwicklung muss Winterkorn entweder von den Manipulationen gewusst haben oder er ließ sich von seinen Mitarbeitern auf der Nase herumtanzen. Beide Fälle ließen sich nicht so einfach aussitzen. Auch intern war die Anspannung groß.
Auf den folgenden Seiten finden Sie die Hintergründe der Ereignisse:
Was ist überhaupt passiert?
Die US-Umweltschutzbehörde EPA wirft VW vor, bei rund 482.000 Diesel-Fahrzeugen Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen zu haben. Betroffen sind die Modelle Jetta, Beetle, Passat, Golf und Audi A3, die zwischen 2009 und 2015 in den USA verkauft wurden. VW hat die Manipulationen bereits eingeräumt. "Solche Mittel zu benutzen, um die Klimaschutzstandards zu umgehen, ist illegal und eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit", prangert EPA-Vertreterin Cynthia Giles an.
Sind nur US-Fahrzeuge betroffen?
Nein. Mittlerweile ist klar: Elf Millionen Motoren des Typs EA 189 sind weltweit „auffällig“ und zeigen bei den Abgaswerten eine „Abweichung zwischen Prüfstandwerten und realem Fahrbetrieb“. Das hat VW eingeräumt. Es handelt sich um TDI-Common-Rail-Motoren mit Abgasnorm Euro 5. Volkswagen hat noch keine Information bekanntgegeben, wie viele der Aggregate in welchen Ländern im Einsatz sind. Was VW-Fahrer jetzt wissen müssen, finden Sie hier.
Wie haben VWs Trickserien funktioniert?
Seit 2009 hat VW offenbar einen Computercode in die Software des Fahrzeugs integriert, der erkennt, ob das Fahrzeug auf der Straße unterwegs ist oder in einem Teststand überprüft wird. Bei der Abgas-Überprüfung schaltet der Computer eine Emissions-Kontrolle zu, der Ausstoß von Stickoxiden sinkt deutlich. Aber: "Die Effektivität des Emissionskontrollsystems dieser Fahrzeuge ist während normaler Fahrsituationen massiv reduziert", erklärt die Umweltschutzbehörde EPA.
Im Klartext: Im Normalbetrieb ist die Kontrolle ausgeschaltet, damit die Spritzigkeit der Wagen nicht leidet. Der Nachteil: Die Stickoxid-Werte sprengten die erlaubte Grenze teils um das 40-Fache. Der Trick fiel übrigens erst auf, als das Forschungsinstitut ICCT der University of West Virginia in Vergleichstest auf Ungereimtheiten stieß und die Behörden alarmierte.
Warum hat VW geschummelt?
Diesel ist in Amerika nicht gerade beliebt. Zwar sind Verbrauch und Kosten pro Liter geringer als beim Benzin, in den USA ist er jedoch als Traktor-Kraftstoff verschrien. Um Fahrzeuge mit Dieselmotor überhaupt verkaufen zu können, hat VW damit geworben, dass die Schadstoff-Emission besonders niedrig ist. Das Versprechen „Clean Diesel“ entpuppte sich jedoch als Lüge.
Sind Tricks bei den Prüfungen wirklich so besonders?
Nein. In einer Grauzone optimieren die Hersteller, was das Zeug hält. Schon wird deshalb bemängelt, dass die Prüfsysteme für Verbrauchs- und Abgaswerte – auch in Deutschland – problematisch sind. Hersteller können für die Messwert-Tests unter Laborbedingungen Vorkehrungen treffen und zum Beispiel Reifen mit extrem niedrigem Rollwiderstand nutzen oder den Luftdruck deutlich erhöhen. Das senkt etwa den Spritverbrauch deutlich. Das Ausmaß der VW-Manipulationen geht allerdings weit über diese noch legalen Schummeleien hinaus. VW hat offenbar mit einem Software-Trick die ganze Überprüfung ad absurdum geführt.
Wie hat VW reagiert?
Zunächst mit Schweigen, dann mit einem Geständnis. Derzeit steht das Versprechen im Raum, die Vorwürfe umfänglich aufzuklären. Den Verkauf von Diesel-Autos mit Vierzylindermotoren hat der Konzern jedenfalls erstmal gestoppt. Betroffen seien aktuelle Modelle der Marken VW und Audi. VW werde bis auf weiteres auch keine gebrauchten Fahrzeuge dieses Typs verkaufen. Zudem hat VW am Dienstagmittag eine Gewinnwarnung herausgegeben, weil der Konzern im dritten Quartal rund 6,5 Milliarden Euro „ergebniswirksam zurückgestellt“ habe, teilte VW mit. Ein VW-Sprecher erklärte, dass es sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme handle. Grund dafür dürfte vor allem die drohenden Schadenersatzansprüche und erwarteten Strafen sein.
Wie reagieren die Autofahrer auf den VW-Skandal?
Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig sind nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums mehrere Strafanzeigen "aus der Bevölkerung" gegen Verantwortliche von VW eingegangen. In Betracht komme unter anderem Betrug zu Lasten von Autokäufern, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Anzeigen würden derzeit geprüft.
Zudem scheint es in Deutschland einen ersten gewissen Nachfragerückgang nach VW-Dieselautos zu geben. Zumindest berichtet das der Internetvermittler von Neuwagen MeinAuto.de. Aufgrund der Vielzahl an Kaufinteressenten über das Internet, deren Zahl bei VW-Diesel aktuell deutlich zurück gegangen sei (die Rede ist von über 30 Prozent), wäre ein Misstrauen unmittelbar zu spüren, so das Unternehmen. "Für uns kommt dieser drastische Einbruch überraschend. Die Kaufinteressenten signalisieren uns gegenüber sehr deutlich ihre Verunsicherung“, erklärt Alexander Bugge, Geschäftsführer von MeinAuto.de. Von anderen Anbietern gibt es aber bislang keine Zahlen oder Rückmeldungen. Klare Auswirkungen sind dadurch noch nicht abzuleiten.
Wie reagiert die Bundesregierung auf die Affäre?
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat eine Untersuchungskommission eingesetzt. Die soll nach seinen Worten untersuchen, „ob die betreffenden Fahrzeuge konform der deutschen und der europäischen Regeln gebaut und auch geprüft worden sind“. Dazu wollen die Experten Gespräche führen und Einblick in Unterlagen erbitten. Dobrindt forderte hat Volkswagen auf, Kunden "vollumfänglich aufzuklären", um dadurch Vertrauen zurückzugewinnen. Er betonte, die Regierung wolle selbst aktiv dafür sorgen, dass derartige Manipulationen in Zukunft nicht wieder vorkämen.
Der Minister erklärte, mit der von ihm eingesetzten Kommission werde nun dezidiert geprüft, ob elf Millionen Dieselautos „den deutschen und europäischen Regeln entsprochen haben, sowohl was ihre Zulassung betrifft als auch ihren weiteren Bau und die Prüfmechanismen“. Die Kommission sei bereits in Wolfsburg und sichte Unterlagen. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte ebenfalls rasche Aufklärung und „volle Transparenz“ und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel bezeichnete die Abgas-Manipulationen als „völlig inakzeptabel“ bezeichnet. „Der Schaden, den einige Leute für das Unternehmen und die Mitarbeiter verursacht haben, ist riesig“, so Gabriel am Mittwoch auf der IAA in Frankfurt.
Welche Bedeutung haben die USA eigentlich für VW?
Auf dem SUV-verliebten US-Markt hat der VW-Konzern so seine Probleme. Schon lange kämpfen die Wolfsburger mit schwachen Verkaufszahlen. Weil Diesel-Motoren in Amerika ohnehin nicht besonders beliebt sind, versuchte der Konzern, sie als besonders umweltfreundlich anzupreisen. "Clean Diesel" lautete das Versprechen, mit dem Volkswagen seine Fahrzeuge an umweltbewusste Fahrer bringen wollte. Um in dieser Nische eine Chance zu haben, griff der Konzern offenbar auf die besagten Manipulationen zurück.
Was bedeuten die Vorwürfe für die anderen deutschen Autobauer?
Die Manipulationen von VW seien "ein Bärendienst für die ganze deutsche Dieseltechnologie", sagt Auto-Experte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Hierdurch würde das Image von Dieselautos – in den USA ohnehin nur ein Nischenmarkt – schwer beschädigt. Auch BMW und Daimler seien dadurch indirekt betroffen. "Man versucht seit Jahren, die Dieseltechnologie in den USA zu etablieren – und jetzt das", so Bratzel.
BMW etwa versucht, den Imageschaden aus der Abgas-Affäre von sich fernzuhalten. Der Konzern sei von den Manipulationen in den USA nicht betroffen und nicht von US-Behörden kontaktiert worden, sagte ein BMW-Sprecher. Die US-Umweltschutzbehörde EPA habe Diesel-Modelle von BMW getestet und befunden, dass die Regeln eingehalten worden seien. Ein Daimler-Sprecher beteuert ebenfalls, nicht von den Ermittlungen betroffen zu sein: "Es gibt nach unseren Erkenntnissen keine Untersuchungen zu Mercedes-Benz."
Umweltexperten, wie unter anderem der ehemalige Abteilungsleiter der Umweltbundesbehörde Axel Friedrich, sind sich aber sicher, dass solche Manipulationen nicht alleine bei Volkswagen System haben. Friedrich sagte im Interview mit der WirtschaftsWoche Online: "Ich glaube nicht, dass zurzeit nur VW schwitzt."
Gibt es noch mehr Verbindungen nach Deutschland?
Ja. Der Autozulieferer Bosch hat die Technik zur Abgasnachbehandlung für die vom Abgasskandal betroffenen Volkswagen-Modelle geliefert. "Wir fertigen die Komponenten nach Spezifikation von Volkswagen", erklärte ein Sprecher von Bosch am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Verantwortung für Applikation und Integration der Komponenten liegt bei VW", ergänzte er. Laut EPA-Ermittlungen hat der Konzern die Software zur Manipulation der Abgasnachbehandlung selbst programmiert.
Mit Material von dpa und Reuters