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Riedls Dax-RadarCommerzbank im Visier: Was der Vorstoß der Unicredit für den Dax bedeutet

Zwischen Absturz der Autoaktien und Angriff auf die Commerzbank kämpft der Dax um seinen Trend. Hilfe kommt dabei von den Notenbanken, die derzeit ein erstaunliches Gespür für die Märkte entwickeln.Anton Riedl 13.09.2024 - 13:57 Uhr

Commerzbank im Visier: Unicredit hatte am Mittwoch überraschend bekanntgegeben, neun Prozent am zweitgrößten börsennotierten deutschen Geldinstitut erworben zu haben.

Foto: AP

Vier zentrale Botschaften können Börsianer den jüngsten Statements der Notenbanken entnehmen: Die Inflation ist zwar nicht endgültig besiegt, aber in weiten Teilen bis in die Nähe der Wunschziele eingedämmt. Die Konjunktur bleibt anfällig, insgesamt aber besteht die Aussicht auf weiteres Wachstum, in Europa etwas weniger als in den USA. Beide Notenbanken, die amerikanische Fed und die europäische EZB, agieren durchaus koordiniert; das sorgt für Ruhe an den Währungsmärkten. Und der Zinssenkungsprozess, der im Juni in Europa begonnen hat und demnächst aller Voraussicht nach auch in den USA einsetzt, sollte auf absehbare Zeit das übergeordnete Szenario bleiben. 

Für die Börsen sind das insgesamt gute Botschaften. Sie zeigen, dass die Notenbanken spüren, wie fragil die konjunkturelle Entwicklung ist und der Kampf gegen die Inflation noch längst nicht gewonnen wurde. Genau deshalb sind die vergleichsweise kleinen und nicht zu jedem Treffen stattfindenden Zinsschritte durchaus passend. In diesem Sinne wäre auch am 18. September in den USA durch die Fed eine Senkung von nur 0,25 Prozentpunkten optimal. Eine Herabsetzung um 0,50 Punkte wäre nicht nur massiver als die Schritte der EZB; dies wäre auch ein gefährliches Signal zum Zustand der Konjunktur; und das könnten die Wertpapiermärkte derzeit gar nicht gebrauchen.

Denn sowohl Bond- als auch Aktienmärkte sind derzeit in einer wackligen Verfassung: In den USA sind die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen mittlerweile deutlich unter die Marke von vier Prozent gerutscht. Dabei haben sie auch das Tief vom Dezember 2023 unterboten, das bei 3,8 Prozent lag. Die nächste große Zielzone, die sich aus Hoch- und Tiefspitzen von 2022 bis 2023 ableitet, liegt zwischen 3,4 und 3,3 Prozent.

Beide Notenbanken, die amerikanische Fed und die europäische EZB, agieren durchaus koordiniert; das sorgt für Ruhe an den Währungsmärkten.

Foto: imago images, Collage: Marcel Reyle

Ein weiterer Rückgang der US-Renditen bis dahin würde gut zu der von den Notenbanken angepeilten langsamen Entspannungspolitik passen. Zugleich gäbe dies der Konjunktur den notwendigen geldpolitischen Rückhalt. Zudem wäre damit der große Trend zu einem allgemein höheren Zinsniveau, der in den USA nach dem Tief der Coronakrise 2020 begann, nicht aufgehoben, sondern nur in seiner Dynamik etwas gedämpft. Auch das ist gut für Bonds und Börsen.

An den Aktienmärkten hat der schnelle und tiefe Kurseinbruch vom August gezeigt, dass selbst die bisherigen Protagonisten wie Nvidia, Apple oder Microsoft nicht unverwundbar sind. Besonders im Fall von Nvidia gingen die Korrekturen dabei so weit, dass Skeptiker schon vom Ende der Hightech-Hausse sprechen. Doch bisher ist das noch nicht der Fall.

Nvidia-Aktien sind zwar zwischen 135 und 100 Dollar in eine Schwankungszone übergegangen, doch sowohl der seit 2022 bestehende Trend als auch die dynamisch steigende 200-Tagelinie zeigen weiter nach oben. Bei Microsoft bestand zwischen 380 und 400 Dollar schon die Gefahr einer Trendwende, doch genau die dürfte durch den jüngsten, kräftigen Anstieg wieder abgewendet worden sein. Und bei Apple kam es erst gar nicht zu einem Test der kritischen Kurszone um 200 Dollar, sondern die Aktie behauptet sich näher am Allzeithoch als am Angsttief vom August. Auch wenn die Hausse der wichtigsten Hightech-Aktien weltweit damit noch nicht zementiert ist, spricht die aktuelle Marktverfassung eher für eine Fortsetzung des großen Trends als für dessen Abbruch. 

Die Krise um die Autoaktien ist derzeit die größte Belastung für den Dax

Auch im Dax ist die Grundtendenz stabiler als die Stimmung in der Wirtschaft und bei zahlreichen Unternehmen. Die größte Belastung sind derzeit die Autowerte. Nachdem Volkswagenaktien im Zuge der aktuellen Sanierungsdiskussion bis auf die langjährigen Tiefen zwischen 80 und 90 Euro abgesackt sind, hat es nun mit BMW einen Favoriten der Branche erwischt. Favorit deshalb, weil BMW sich sowohl bei klassischen Verbrennern als auch bei Elektromobilen in den vergangenen Jahren gut entwickelt hat und das Unternehmen für die nächsten Jahre in einer vielversprechenden Ausgangsposition ist: von der Modellpolitik über die Absatzmärkte bis hin zur soliden Finanzierung. 

Der jüngste Kurseinbruch bei BMW hat denn auch mit technischen Problemen wahrscheinlich eine begrenzte Wirkung, die sich vor allem im dritten Quartal mit deutlichen Sonderbelastungen in dreistelliger Millionenhöhe niederschlagen dürfte. Bei Notierungen von zum Teil weniger als 70 Euro ist die Aktie auf ein Niveau zurückgefallen, das sich seit 2010 wie ein Äquator durch das langfristige Kursbild zieht. Ein schnelles, weiteres Durchreichen sollte angesichts der jüngsten Panik wenig wahrscheinlich sein. 

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Dennoch sind die Fahrzeugwerte im Dax insgesamt – also neben Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz, Porsche Holding, Porsche AG auch Continental und Daimler Truck – die Branche, die derzeit am schwersten zu kämpfen hat. Dass die Kurse dabei entscheidende Tiefenzonen erreicht haben, könnte an den Börsen ein Ende dieser Baisse markieren; eine Garantie dafür aber gibt es nicht. Analytisch ist eine Aktie wie BMW derzeit eindeutig unterbewertet; ob sie deshalb von diesem Niveau aus aber eine schnelle Erholung schafft, ist offen. In der Praxis ist es ratsam, hier eher mit weiteren Übertreibungen zu rechnen: Womöglich lotet BMW erst in der Zone zwischen 70 und 60 Euro seine Tiefstkurse aus. 

Wie schwierig eine Erholung werden kann, wenn sich die Abwärtsbewegung erst einmal verfestigt hat, zeigt Krisenwert Bayer. Nach jahrelanger Talfahrt hat sich zwischen 26 und 29 Euro nun seit mehreren Monaten eine Schiebezone herausgebildet.

Als vor kurzem wieder Meldungen von einem für Bayer positiven Richterspruch in den USA zum Dauerproblem Glyphosat veröffentlicht wurden, testete die Aktie die Obergrenze dieser Schwankungen. Eine Trendwende aber wurde bisher nicht eingeleitet. Bis auf weiteres sind Bayer-Aktien ein Spielball der Spekulation und noch kein antizyklisches Investment. 

Angriff auf Commerzbank zeigt ungenutzte Chancen der deutschen Geldwirtschaft

Eines der erfolgreichsten Revivals im Dax gelang der Commerzbank. Nachdem die Aktie von 2007 bis 2020 fast 99 Prozent verloren hat (Kapitalmaßnahmen mitgerechnet sank der Kurs von 225 Euro auf 2,88 Euro), legte die Aktie seitdem wieder bis fast auf 16 Euro zu. Bemerkenswert dabei: Die jüngsten, hektischen Schwankungen zwischen 12 und 16 Euro spielen sich auf einem Kursniveau ab, bei dem es seit dem Finanzkrisentief von 2009 sechsmal zu einer entscheidenden Neuorientierung kam. Und genau auf diesem Niveau befindet sich die Aktie nun, als sie von der italienischen Großbank Unicredit angegangen wird.

Mitten im Ausstiegsszenario des Bundes gelang es der Unicredit, sich bisher neun Prozent der Cobank-Aktien zu sichern. Egal, wie geschickt oder ungeschickt der Bund bei seinem Rückzug aus der gelben Bank agierte, für Commerzbank-Aktien ist die neue Situation ein Vorteil: Der Zugriff von Unicredit zeigt, dass in der Commerzbank offensichtlich viel mehr steckt, als nur die 18 Milliarden Euro, mit denen die Bank derzeit an der Börse bewertet wird. Allein das aufsichtsrechtliche harte Kernkapital beträgt 25,5 Milliarden Euro, eine gute Quote von 14,8 Prozent der risikogewichteten Wertpapiere und Beteiligungen. Mit einem Nettogewinn von 1,29 Milliarden Euro erzielte die Commerzbank im ersten Halbjahr ihr bestes Ergebnis seit 15 Jahren. 

Gerade weil sich die Commerzbank finanziell und operativ gut erholt hat, zugleich aber immer noch einen relativ überschaubaren Börsenwert aufweist, ist sie für Unicredit nun eine Win-Win-Situation: Entweder gelingt den Italienern ein substanzieller Zugriff oder sogar die Übernahme der Bank und sie können das Geldhaus wie einst die Hypo- und Vereinsbank in ihren Finanzverbund eingliedern – womit sie sowohl auf europäischer Ebene als auch in der zentralen Volkswirtschaft Deutschland ihre Marktposition massiv ausgebaut hätten. Oder es kommt in den nächsten Monaten zu einem Übernahmekampf, der letztlich über das dabei entscheidende Instrument ausgetragen wird: die Aktie. Und mit bisher neun Prozent der Anteile sind die Italiener hier in einer vielversprechenden Ausgangsposition. 

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Der Angriff der Unicredit führte dazu, dass dem Commerzbank-Kurs die Verteidigung des wichtigen Niveaus um 12 Euro mit Bravour gelang. Ein nachhaltiger Anstieg über die langjährige Widerstandszone zwischen 12 und 16 Euro könnte für die Aktie langfristig ein völlig neues Terrain eröffnen. Das hängt natürlich von der weiteren Entwicklung um die neue Machtverteilung in der Bank ab. 

Wer hier als Anleger mitspielen will, sollte sich lieber auf die Seite derjenigen Partei stellen, die dabei offensichtlich das strategisch bessere Händchen hat: Und das dürfte eher die Unicredit mit ihrem cleveren Chef Andrea Orcel sein als die Beamten und Vertreter des Bundes. 

Fazit für den Dax

Obwohl die Zinsentscheidung der EZB absehbar war, haben die Aktienmärkte darauf positiv reagiert. Das ist ein gutes Zeichen, das für eine weitere Stabilisierung nach dem tiefen Einschnitt vom August spricht. Entscheidend dafür ist es nun, ob es den führenden Technologiewerten gelingt, ihren großen Trend weiter zu halten. Der Nasdaq-100-Index sollte dafür in den nächsten Wochen möglichst das Niveau zwischen 18.000 und 18.200 Punkten verteidigen. 

Im Dax läuft mit dem Absturz der Autoaktien ein wichtiger Trendtest. Doch selbst wenn die Indexkurve bis zum Ende des kritischen Monats September noch einmal in den Bereich 18.000 bis 17.900 abrutschen sollte, wäre die seit 2022 bestehende Aufwärtsbewegung intakt. Sogar ein kurzer Absacker in Richtung 17.500 Punkte wäre verkraftbar. Allerdings sollte der Dax dann spätestens von hier aus einen schnellen Dreh schaffen und wieder Anlauf zu seinen Topnotierungen nehmen. 

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