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US-VorwahlenTrumps Durchmarsch

Donald Trump dominiert auch die Vorwahl in South Carolina. Die dritte Präsidentschaftsnominierung in Folge ist ihm kaum noch zu nehmen. Nikki Haley kämpft trotzdem weiter.Julian Heißler 26.02.2024 - 09:49 Uhr aktualisiert

Der frühere US-Präsident Donald Trump hat die Vorwahl zur Präsidentschaftskandidatur der Republikaner im Bundesstaat South Carolina gewonnen.

Foto: dpa

In South Carolina wird es traditionell ernst. Die erste Primary im Süden der Vereinigten Staaten hat für den Nominierungsprozess der Republikaner eine ganz besondere Bedeutung – weit mehr als Iowa und New Hampshire. Während der Caucus im Mittleren Westen in der Regel das Kandidatenfeld lichtet und in New Hampshire der moderate Flügel seine Stärke demonstriert, gilt der Aufgang der Vorwahl im Palmetto State als sicherer Indikator dafür, wen die Grand Old Party (GOP) am Herbst in das Präsidentschaftsrennen schickt. Seit 1980 hat der Sieger der Primary fast jedes Mal auch die Nominierung der Partei errungen.

Die einzige Ausnahme: 2012, als die konservativ-evangelikale Wählerschaft des Staates mit dem gemäßigten (und mormonischen) Mitt Romney fremdelte. Doch die Stärke der Kampagne des ehemaligen Gouverneurs von Massachusetts konnte die Niederlage in South Carolina später hinter sich lassen.

Dass sich zwölf Jahre später die Geschichte wiederholt, ist so gut wie ausgeschlossen. Ex-Präsident Donald Trump dominierte – wie erwartet – auch gestern wieder die Abstimmung. Seine letzte verbliebene Gegenkandidatin Nikki Haley landete weit abgeschlagen hinter dem Favoriten. Und das, obwohl sie den Staat sechs Jahre lang als Gouverneurin regiert hatte, bevor sie als UN-Botschafterin 2017 in Trumps Kabinett gewechselt war. Bis heute genießt Haley in South Carolina einen guten Ruf. Sie ist beliebt. Doch gegen die Star-Power von Trump kam sie dennoch nicht an. Sie holte nach Auszählung fast aller Stimmen knapp 40 Prozent, für den Ex-Präsident votierten knapp 60 Prozent.

US-Wahl 2024

Gerontokratie: Überstehen Trump und Biden eine weitere Amtszeit?

Das mächtigste Amt der Welt geht an einen Greis – egal, ob Biden oder Trump gewinnt. Ein Untersuchungsbericht weckt neue Zweifel an Bidens Tauglichkeit. Sind die betagten Politiker noch in der Lage, ihr Land zu regieren?

In normalen Wahljahren würde eine solche Niederlage das sichere Ende einer Kampagne bedeuten. Eine Demütigung im eigenen Heimatstaat stecken Kandidaten in der Regel nicht weg. Doch Haley will weitermachen. Schon vor der Abstimmung hatte sie abgekündigt, weiter im Rennen bleiben zu wollen – ein Versprechen, das sie am Samstag wiederholte. Doch Aussicht auf Erfolg hat sie realistischerweise nicht. Sie hat sämtliche der bislang abgehaltenen Vorwahlen verloren – meist mit deutlichem Abstand. Und die Umfragen für die abstehenden Wettbewerbe sehen nicht besser aus. Ihre Chancen, die Nominierung auf die herkömmliche Art zu erkämpfen, sind heute nur noch theoretischer Natur.

Trump wiederum marschiert unaufhaltsam der Nominierung entgegen. Mit jedem Erfolg demonstriert er auch den letzten Zweiflern, dass er die GOP nach wie vor fest im Griff hat. An der Basis wird er nach wie vor geliebt. Und auch das Establishment freundet sich zunehmen mit einer dritten Nominierung des ehemaligen Unternehmers an.

Zuletzt deutete gar Bill Barr, unter Trump Justizminister, an, sich vorstellen zu können, erneut für den Ex-Präsidenten zu stimmen. Für Trump zu stimmen sei wie „russisches Roulette“, sagte der Mann, der nach seiner Amtszeit ein Buch über den Wahnsinn im Weißen Haus unter dem abgewählten Staatsoberhaupt geschrieben und für den Fall einer zweiten Amtszeit vor Machtmissbrauch durch Trump gewarnt hatte. Trotzdem zeigte er sich offen, ihn erneut zu unterstützen – denn Präsident Joe Biden wiederzuwählen, sei „Selbstmord“.

Die GOP-Reihen schließen sich also wieder hinter Trump – ein Prozess, der sich beschleunigen dürfte, je näher die Wahl rückt.

Damit dürfte Trump in wenigen Wochen – vielleicht schon nach dem Super Tuesday Anfang März – auch formal zum dritten Mal in Folge als designierter Nominierter der GOP feststehen. Seit der Einführung des modernen Vorwahlsystems in den 1970er-Jahren ist das noch niemandem gelungen. Der letzte Politiker, der von einer der beiden großen Partei mehr als zweimal nominiert wurde, war Franklin Delano Roosevelt, der während der Großen Depression und dem Zweiten Weltkrieg vier Präsidentschaftswahlen gewann. Doch ob Trump auch ein zweites Mal ins Weiße Haus einziehen kann, ist eine andere Frage.

Denn der Vorwahlprozess hat einmal mehr die Schwächen des Kandidaten offengelegt. In den Vorstädten, in denen Präsidentschaftswahlen entschieden werden, hat er auch in den bisherigen Primaries verhältnismäßig schwach abgeschnitten. Seine Unterstützung in wichtigen Wählerschichten wie etwa bei Frauen mit Universitätsabschluss sinkt stetig – und ob die Zugewinne, die er seit 2016 etwa unter Wählern hispanischer Abstammung gemacht hat, dies ausgleichen können, ist längst nicht ausgemacht.

Zudem läuft Trumps Wahlkampf Gefahr, von den rechtlichen Problemen des Kandidaten überschattet zu werden. Zuletzt verlor er mehrere Zivilprozesse, wurde insgesamt zu Strafzahlungen in Höhe von mehr als 400 Millionen Dollar verurteilt. Und im März dürften auch die strafrechtlich relevanten Prozesse gegen ihn beginnen.

Ehefrau und Kinder

Donald Trump ging dreimal den Bund der Ehe ein: 1977 mit dem tschechischen Model Ivana Marie Zelníčková, 1993 mit der amerikanischen Schauspielerin Marla Maples und 2005 mit dem slowenischen Model Melania Knauss. Der Vater von zwei Töchtern und drei Söhnen, die im Alter von 10 bis 39 Jahren sind, ist zudem achtfacher Großvater. Sein ältester Sohn ist Donald Jr., das jüngste Kind ist Barron (Bild).

Foto: dpa

Alter und Laufbahn

Donald Trump wurde am 14. Juni 1946 als das vierte von insgesamt fünf Kindern in Queens geboren. Sein Vater Fred C. Trump (r.) war ein Bauunternehmer und Immobilienhändler. Nach seinem Wirtschaftsstudium folgte Donald Trump den Spuren seines Vaters und übernahm die Familiengeschäfte.

Foto: imago images

Seine Karriere als Unternehmer

Schnell stürzte sich Donald Trump in umfangreiche Immobilienprojekte. Allerdings brachten riskante Investitionen ihm den Ruf eines kontroversen Immobilienentwicklers ein. Laut der „New York Times“ musste er 1995 sogar ein Defizit von 916 Millionen Dollar steuerlich geltend machen.

Dennoch überwand er die Krise und sein Unternehmen kehrte zu profitablen Geschäften zurück. Sein Name schmückt nach wie vor große Bauprojekte, darunter den Trump World Tower in New York und das Trump International Hotel and Tower in Chicago (Foto). Außerdem führt er eine eigene Hotelkette. Nebenbei investierte Trump in verschiedene Sportarten wie Golf oder American Football und steckte Geld in Medienunternehmen. Dabei nutzte er die Gelegenheit, selbst als Autor, Kommentator oder Schauspieler medial präsent zu sein.

Foto: AP

Trumps sprunghafte politische Karriere

Auch politischen verzeichnet Donald Trump eine wechselhafte Karriere. Im Jahr 1987 trat er den Republikanern bei, wechselte 2001 zur Independence Party und schloss sich danach den Demokraten an. Schließlich kehrte er 2009 zu den Republikanern zurück.

Im Jahr 2015 verkündete Donald Trump seine Absicht, als US-Präsidentschaftskandidat anzutreten. Sein inhaltlicher Fokus lag auf Themen wie der Ablehnung bestehender Freihandelsabkommen, dem Bau einer Mauer zu Mexiko und der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Dabei verfolgte er stets das Motto America First”.

Foto: REUTERS

Wahl zum 45. US-Präsidenten

Im Juli 2016 wurde Donald Trump von den Republikanern zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten gewählt (hier zu sehen mit seiner Familie). Im Wahlkampf musste er sich nur noch gegen seine Kontrahentin Hillary Clinton durchsetzen – und tatsächlich gewann er am 8. November die US-Wahl. Obwohl Hillary Clinton mit 65,4 Millionen Stimmen etwa 2,6 Millionen Stimmen mehr als Donald Trump (62,8 Millionen Stimmen) erhielt, führte das US-Wahlsystem dazu, dass sie im „Electoral College“, dem Wahlleutegremium, nur 232 Wahlleute erreichte, während Trump 306 Wahlleute erhielt. Am 20. Januar 2017 legte Donald Trump schließlich seinen Amtseid ab und wurde offiziell der 45. Präsident der USA.

Foto: imago images

Trump in der Ukraine-Affäre

Donald Trumps politische Karriere wurde von einigen Skandalen überschattet. Der erste Vorwurf lautete Amtsmissbrauch: In der sogenannten Ukraine-Affäre wurde ihm vorgeworfen, in einem Telefonat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dazu gedrängt zu haben, gegen seinen politischen Rivalen Joe Biden und dessen Sohn Hunter wegen Korruptionsvorwürfen ermitteln zu lassen. Ziel war es, sich Vorteile bei der US-Präsidentschaftswahl 2020 zu verschaffen. Im Februar 2020 wurde Trump vom Senat freigesprochen.

Foto: REUTERS

Der Sturm auf das Kapitol

Trumps Wiederwahl scheiterte im November 2020 am Demokraten Joe Biden. Doch Trump wollte die Niederlage nicht wahrhaben. Nach einer aufstachelnden Rede drangen am 6. Januar 2021 schließlich Hunderte seiner Anhänger gewaltsam in den Sitz des US-Kongresses in Washington ein. Das Ziel der Angreifer: Den Senat und das Repräsentantenhaus an der förmlichen Bestätigung des Sieges von Joe Biden zu hindern und Trump damit verfassungswidrig zur Fortsetzung seiner Präsidentschaft zu verhelfen. Gegen Trump wurde wenige Tage später ein zweites Amtsenthebungsverfahren eröffnet, das aber später mit einem Freispruch endete, weil statt der nötigen Zweidrittelmehrheit nur 57 von 100 Senatoren Trump der Anstiftung zum Aufruhr für schuldig befanden. Ein Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses kam im Dezember 2022 zu dem Schluss, dass die Gewaltakte von Trump selbst initiiert worden seien, um die friedliche Machtübergabe an Joe Biden zu verhindern.

Foto: dpa

Attentat auf Donald Trump

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania am 13. Juli kam es zu Schüssen auf Donald Trump. Eine der Kugeln hatte Trump am oberen rechten Rand seines Ohrs getroffen, wie er am gleichen Abend über Truth Social bekanntgab. 

Der Schütze Thomas Matthew Crooks, ein 20-jähriger aus Pennsylvania, wurde von Sicherheitskräften getötet.

Foto: REUTERS

Präsidentschaftskandidatur 2024

Donald Trump hat die US-Präsidentschaftswahl am 5. November 2024 gewonnen. Nach Joe Bidens überraschendem Rückzug aus dem Präsidentschaftsrennen trat Vizepräsidentin Kamala Harris als demokratische Kandidatin gegen den Republikaner Trump an. Trump, der zusammen mit seinem Vizepräsidentschaftskandidaten Senator J.D. Vance antrat, wurde am 20. Januar 2025 als 47. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt und hat damit Joe Biden im Amt abgelöst.

Foto: AP

Die letzten verbliebenen innerparteilichen Gegner des Ex-Präsidenten hoffen, dass der juristische Ärger Trumps Kandidatur zum Einsturz bringen könnte. Die Theorie: Eine Verurteilung könnte ihn so schwächen, dass er zurückziehen muss oder die Partei offen rebelliert. Dann müsste ein Ersatz her – und die Stunde von Haley könnte schlagen, die trotz ihrer Wahlniederlagen zumindest eine Handvoll Delegierte gesammelt hat.

Sonderlich realistisch ist ein solches Szenario nicht. Skandale schaden Trump innerhalb der Republikaner traditionell nicht – und warum sollte eine Verurteilung daran etwas ändern? Doch selbst wenn Trump aus anderen Gründen die Nominierung nicht antreten können sollte, wäre Haley nicht die logische Alternative. Denn wenn die bisherigen Primaries eins bewiesen haben, dann, dass ihre Vision für die republikanische Partei an der Basis nicht ankommt. Die GOP ist heute ganz überwiegend „Make America Great Again“. Haley ist es nicht. Zumindest nicht genug, um innerhalb der Republikaner erfolgreich zu sein.

Lesen Sie auch: Scholz' USA-Besuch: Ein Vorgeschmack auf eine Zukunft mit Trump

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